Vegan

Game Changers widerlegen II

Mir tun die verschiedenen Blogger etc. leid, die diesen seltsamen Film jetzt zerpflücken und versuchen, jedes einzelne Argument zu widerlegen. Die schreiben riesiglange Posts, die sowieso keiner lesen will. Ich jedenfalls nicht: tl;dr.

Vor allem:

  1. Bringt es eh nichts. Für wen argumentieren die da?
  2. Wieso macht man sich ständig die Finger schmutzig?

Es sind immer die gleichen argumentativen Sphären. Stufe-1-Denken. Statt mal nach übergeordneten Gesetzen oder Prinzipien zu schauen, die immer zutreffend sind – die uns eine Zen-Einstellung verleihen.

Daher der Beitrag davor, der uns – einer Analogie sei Dank – hilft, die Vogelperspektive zu wahren. Heute soll ein ähnlicher Beitrag folgen, der ebenfalls in gewisser Weise allgemeingültig ist.

Alles ist irgendwie giftig

Bruce Ames kennen wir ja. Einer der berühmtesten Biochemikern, der auch den berühmten Ames-Test entwickelt hat, mit dem man krebserregende Stoffe entdecken kann. Später interessierte er sich beruflich zwar für Ernährung, davor aber war er Chef-Toxikologe der USA.

Spannend übrigens … steht bei Wikipedia doch ernsthaft: In einer Übersichtsarbeit behauptet er, hochdosierte Vitamintherapie könne rund 50 menschliche Erbkrankheiten heilen oder lindern.[5] Ames behauptet weiterhin, dass Defizite in der Versorgung mit Vitaminen und Mineralien für die Entstehung von Krebs verantwortlich seien.[6][7] Auch Mangel an essentiellen Fettsäuren trage zur Beschleunigung des degenerativen Verfalls bei.[8]

Der hatte nämlich u. a. gezeigt, dass Folsäure-Mangel zu Doppelstrang-Brüchen in der DNA führt (1).

Basierend auf dieser Berechnung steigt die Häufigkeit von Uracil-Reparaturereignissen, die zu doppelsträngigen DNA-Brüchen führen können, um das 1752-fache. Diese Ergebnisse stehen im Einklang mit klinischen und epidemiologischen Beweisen, die Folatmangel mit DNA-Schäden und Krebs in Verbindung bringen.

Doch zurück zum Thema. Ames testete viele verschiedene Stoffe hinsichtlich ihres Potenzials, Krebs auszulösen. Die Ergebnisse veröffentlichte er später natürlich in wissenschaftlichen Arbeiten. Ich zitiere aus (2):

Der Mensch nimmt auch eine große Anzahl von natürlichen Chemikalien durch Kochen von Lebensmitteln zu sich. Über tausend Chemikalien wurden im Röstkaffee gefunden: Mehr als die Hälfte der getesteten (19/28) sind Nager-Karzinogene. Es gibt mehr Nagetier-Karzinogene in einer einzigen Tasse Kaffee als potenziell krebserregende Pestizidrückstände in der durchschnittlichen amerikanischen Ernährung in einem Jahr, und es gibt noch tausend Chemikalien, die in geröstetem Kaffee getestet werden müssen. Das bedeutet nicht, dass Kaffee gefährlich ist, sondern dass Tierkrebstests und Worst-Case-Risikobewertungen enorme Sicherheitsfaktoren einbauen und nicht als echte Risiken angesehen werden sollten.

In seinen Arbeiten schreibt er: Die Hälfte aller getesteten Stoffe, egal ob menschengemacht oder „natürlich“, sind krebserregend. Allerdings legt er gleichzeitig dar, dass wir deshalb so gut mit diesen Stoffen auskommen, weil der Körper über eine enorme Vielfalt an hochpotenten Entgiftungsenzymen verfügt.

Deshalb sind … in einer Tasse Kaffee mehr  „potenziell krebserregende Pestizidrückstände als in der durchschnittlichen amerikanischen Ernährung in einem Jahr“ – und trotzdem würden die wenigsten behaupten, dass der Kaffeekonsum an sich krebserregend ist. Im Gegenteil.

Und auch Ames selbst weist natürlich auf dieses Paradoxon hin (2):

Im Gegenteil, obwohl Obst und Gemüse eine Vielzahl von natürlich vorkommenden Chemikalien enthält, die krebserregend für Nagetiere sind, verdoppelt ein unzureichender Konsum von Obst und Gemüse das menschliche Krebsrisiko für die meisten Krebsarten.

Differenziertheit.

Wie man sich mit Veganismus vergiften kann

Die größte Seifenblase seit es den Menschen gibt, ist ein Veganismus, der behauptet, Fleisch oder tierische Produkte seien in irgendeiner Weise toxisch für den menschlichen Körper.

Wohlgemerkt: Homo sapiens gibt’s erst seit rund 200.000 Jahren, die Gattung Homo aber entstand vor ca. 2,5 (fucking!) Millionen Jahren. Und die entstand, weil unsere pflanzenfressenden Vorfahren zunehmend tierische Produkte in ihren Speiseplan integrierten.

Das stimmt erstens nicht, weil der Mensch und seine direkten Vorfahren das Zeug seit 2,5 Millionen essen. Und es stimmt auch deshalb nicht, weil es bedeuten würde, dass pflanzliche Kost per se – in Anlehnung an Ames – weniger giftig ist.

Mehr noch, „sekundäre Pflanzenstoffe“ gibt es hauptsächlich deshalb, weil sich Pflanzen vor Fraßfeinden schützen müssen. Tiere machen das durch Weglaufen und den Kampf – Pflanzen mit Stacheln am Busch … oder bisweilen extrem toxischen Substanzen.

Eine Klasse davon nennt sich Antinährstoffe, weil sie die Nährstoffaufnahme im Organismus verhindern. Dazu gehören:

    • Phytinsäure
    • Oxalsäure
    • Glucosinolate
    • Saponine
    • Flavonoide
    • Protease-Inhibitoren (verhindern Proteinverdauung)
    • Lipase-Inhibitoren (verhindern Fettverdauung)
    • Amylase-Inhibitoren (verhindern Kohlenhydratverdauung)
    • Trypsin-Inhibitoren
    • etc.

In niedrigen Dosen wirken die meisten dieser Substanzen förderlich. Das kennen wir ja: Xenohormesis und so weiter. Doch es hat einen Grund, warum der Mensch – seit es den Menschen gibt – seine Nahrung verarbeitet, wir nicht kiloweise rohen Grünkohl essen.

Wenn ß-Carotin Krebs macht

Der Körper will dieses Zeug nicht in großen Mengen in sich haben. Warum, das wissen wir spätestens seitdem böse Studien gezeigt haben, dass Hochdosis-ß-Carotin-Gaben offensichtlich die Krebsentstehung begünstigen.

Da aus ß-Carotin im Körper – neben Vitamin A – noch ein paar andere Abkömmlinge entstehen, die man auch im Blut findet, wollten die Forscher der Frage nachgehen, wie die wirken. Mit dem Ergebnis (3, 4):

Die ursprüngliche Idee war, dass diese Verbindungen vielleicht so wirken, wie Vitamin A wirkt, indem sie die so genannten Retinsäure-Rezeptoren aktivieren. Was wir gefunden haben, war, dass sie diese Rezeptoren nicht aktivieren. Stattdessen hemmen sie die Aktivierung des Rezeptors durch Retinsäure“, sagte Curley. „Aus pharmakologischer Sicht würde man sagen, dass diese Substanzen ein Vitamin-A-Antagonist sind. Sie konkurrieren um die Stelle, an der der Agonist – Retinsäure, die aus Vitamin A entsteht – bindet, aber sie aktivieren die Stelle nicht. Sie hemmen die Aktivierung, die normalerweise erwartet wird.

ß-Carotin-Abkömmlinge, die natürlicherweise aus ß-Carotin im Körper entstehen, sind also nicht nur eine Vorstufe von Vitamin A, sondern blockieren die Vitamin-A-Wirkung direkt, indem sie die Wirkung des Hormons antagonisieren, das aus Vitamin A eigentlich entsteht (Retinsäure). (vgl. (3)) 

Mehr noch, die Forscher fanden sogar heraus, dass diese ß-Carotin-Abkömmlinge mit Anti-Vitamin-A-Wirkung natürlicherweise in manchen Früchten vorkommen. Heißt, man kann sie auch direkt essen.

Nun ist der Punkt ja, dass jeder normale Mensch vor uns, immer irgendeine tierische Vitamin-A-Quelle in seiner Nahrung hatte. Egal ob das Lebertran war, die Leberwurst, die Leber oder einfach nur fette Milchprodukte. Im Zusammenleben und Nutzen von Tieren gab es immer Tierprodukte, die als Vitamin-A-Lieferant dienten.

In diesem Setting kann der Mensch natürlich auch genug Obst und Gemüse essen. Aber in der Seifenblase, in der wir keine tierischen Produkte mehr essen – und uns damit über 2,5 Millionen Jahre Evolution stellen –, tränken wir den Körper mit vielen solcher Substanzen, die von der Natur gemacht sind, um uns zu vergiften – und nur so erklärt sich solch eine Wirkung –, ohne dabei eine reine Vitamin-A-Quelle zu haben.

Deshalb kommen diese Wissenschaftler richtigerweise zum Schluss, dass man ein bisschen aufpassen sollte, wenn man Pflanzen so verändern will, dass sie einen hohen ß-Carotin-Gehalt aufweisen. Denn der Schuss („Golden Rice super für Vitamin A“) könnte auch nach hinten losgehen.

Meta-Perspektive, anyone?

Es geht natürlich wieder einmal nicht um Schwarz oder Weiß, ich bin mir sicher, dass solche Abkömmlinge unter bestimmten Voraussetzung auch positive Effekte haben, sprich modulatorisch im Körper wirken.

Es zeigt allerdings wieder einmal, warum die Analogie aus dem ersten Artikel-Teil zutrifft – und das Beispiel hier zeigt auch, warum (Ex-)Veganer uns am Ende doch wieder Mails schreiben: „Welch ein Segen tierische Produkte in der richtigen Menge doch sind.“

Referenzen

(1) Baillieres Clin Haematol. 1995 Sep;8(3):461-78.

(2) Biotherapy. 1998;11(2-3):205-20.

(3) J Biol Chem. 2012 May 4;287(19):15886-95.

(4) Ohio State University. „Potential ‚dark side‘ to diets high in beta-carotene.“ ScienceDaily. ScienceDaily, 1 May 2012.

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Kommentare (16)

  1. Ich fände es sehr hilfreich, wenn Du direkt unter die Zitate den Namen und die Publikation setzen würdest, von dem und aus der sie stammen.

      1. Danke!
        (Beim ersten Mal draufschauen dachte ich: da ist doch nix ergänzt? Hatte es in der Zitate-Box bzw. darunter erwartet. Jetzt aber kapiert.)
        Kann Eure Blogsoftware keine echten Fußnoten?

  2. Die Antinährstoffe in Pflanzen sind doch kein Problem, da nicht alle Pflanzen die gleichen Antinährstoffe haben und man mit einfacher Rotation das Problem lösen kann, oder?

    1. Antinährstoffe in Pflanzen sind kein Problem, wenn man sie isst, wie das für einen Menschen vorgesehen ist: Verarbeitet, rotierend (wie du es auch sagst), nicht in Massen. Aber wie gesagt, Antinährstoffe habe ich nur des Beispiels halber genannt. Im Beitrag findet sich ein Link zu einer Wikipedia-Seite auf der die „Waffen der Pflanzen“, darunter auch die „chemischen Waffen“, gut erläutert werden.

  3. Danke für deine Antwort. Gibt es noch Verarbeitungen über Wässern/Keimen/Fermentieren/Erhitzen hinaus? Und kennst du eine Liste, in welcher Pflanze welche Alkaloide sind? Ich finde dazu nichts im Internet.

  4. 11.000 Wissenschafter fordern jetzt um das Klima zu retten eine Umstellung auf vegane Ernährung und einen Stop des Bevölkerungswachstums. Das wird funktioniern, weil auf Dauer die Evolution die Veganer einfach aussortieren wird, und nur noch die wenigen Fleischfresser übrig bleiben, die es gerafft haben.

      1. Tom, schön wäre es;-)
        ich geh aber davon aus, dass sich das Thema „vegan“ von selbst erledigt. Es springen immer mehr Leute auf diesen gehypten Zug auf, immer mehr ohne jedes Hintergrundwissen, was sie da eigentlich praktizieren.
        Irgendwann geht der Schuss im großen Stil nach hinten los und dann beginnt das große Verdammen der veganen Ernährung. Wie immer wird es ins genaue Gegenteil umschlagen, unsachlich, übermotiviert, das Kind mit dem Bade ausschüttend.

  5. „Wohlgemerkt: Homo sapiens gibt’s erst seit rund 200.000 Jahren, die Gattung Homo aber entstand vor ca. 2,5 (fucking!) Millionen Jahren. Und die entstand, weil unsere pflanzenfressenden Vorfahren zunehmend tierische Produkte in ihren Speiseplan integrierten.“

    Auf dieser Aussage basiert ein Teil Deiner Argumentationskette. Was jedoch, wenn diese gar nicht stimmt? Was, wenn der Mensch eben nicht vom Affen abstammt, nicht im Laufe von 2,5 Mio Jahren durch Evolution entstanden ist? Was, wenn es tatsächlich so etwas wie einen Schöpfer gibt?

    Vor ein paar Jahren noch hätte ich solche Fragen belächelt. Heute denke ich da anders. Sehr interessant sind die Bücher von Hans-Joachim Zillmer zum Thema Evolution, „Darwins Irrtum“ und „Die Evolutions-Lüge“. Unbedingt mal lesen und staunen! Es gibt auch Vorträge von Zillmer auf youTube.

    Gruß
    Rochus

    PS: Woher die Theorie der Evolution kommt, wird deutlich, wenn man sich die Familie von Charles Darwin genauer anschaut. Erasmus Darwin war der Großvater von Charles Darwin und u. a. Mitglied der Royal Society, Lunar Society und er war Freimaurer. Robert Darwin, der Vater von Charles Darwin, war ebenfalls ein Freimaurer. (s. Henry Morris, „The long War against God (S.198).“ Die Evolution ist eine Lehre, die innerhalb der Freimaurerei entstanden ist.

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