Serotonin, Vitamin B6 und dein Leben

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Ich habe es lange nicht verstanden. Manche verstehen es nie …

Einige Leser glauben – irrtümlicherweise -, dass mein Buch Ergänzungsmittel-lastig daherkommt.

Genau genommen stimmt das nicht. Denn: eigentlich kommt es Mikronährstoff-lastig daher.

Man muss kein Zink nehmen. Man muss auch kein Magnesium nehmen. Aber wenn man die (bio-)chemischen Aspekte des Körpers ernst nimmt und versteht, dann sorgt man sich zwangsläufig um seinen ganz eigenen Chemiebaukasten.

Und wie man das erreicht, das sei jedem selbst überlassen. Ich finde allerdings, dass es „Stufe-1-Denken“ ist, wenn man NEM als etwas Künstliches abstempelt, aber gleichzeitig versucht einen guten Zinkwert zu erreichen durch das Verspeisen von Hühnchenbrust.

Tryptophan-Stoffwechsel

Abb. 1: Bildung von Serotonin/Melatonin aus Vorstufen

Auf S. 155 des Buches findest du eine Grafik. Dort ist genau gezeigt, was wir dafür tun können (darum geht’s ja), dass wir ausreichend Serotonin im Kopf, im System haben.

Als kleine Anmerkung: Der Großteil des körpereigenen Serotonins stammt vom Darm. Der Darm macht uns hoffentlich glücklich. Leider ist die Datenlage sehr dünn. Wir wissen nicht, ob wir durch das Füttern unseres Darms (z. B. mit Resistenter Stärke) auch dafür sorgen können, dass mehr Serotonin entsteht.

Daher bleiben wir beim anderen Weg: Serotonin, ein Neurotransmitter, entsteht aus Tryptophan. Das ist eine Aminosäure. Damit daraus das bekannte 5-Hydroxytryptophan entsteht, braucht man Folsäure. Damit aus 5-HTP dann Serotonin entsteht, brauchen wir Pyridoxin, also Vitamin B6.

Auch L-DOPA wird nur dann zu Dopamin verarbeitet, wenn Pyridoxin da ist.

Der Grund heißt Aromatische-L-Aminosäure-Carboxylase. Das ist ein Enzym. Und dieses Enzym arbeitet nur dann, wenn (das aktivierte) Pyridoxin da ist.

Das ist interessant, denn somit ist Pyridoxin ein Vitamin, das essentiell ist für die Produktion von zwei sehr, sehr wichtige Neurotransmittern.

Was ist Serotonin?

Serotonin macht innerlich ruhig und gelassen, dämpft das Gehirn. Man sieht Probleme nicht mehr als etwas, was einen erdrückt.

Für mich persönlich hat Serotonin nie eine Rolle gespielt. Ich war Dopamin. Bis ich verstanden habe, dass ich oftmals umsonst strampele, kämpfe und generell über-ehrgeizig bin – unnötig. Man muss nicht kämpfen.

Verstanden habe ich das so: Filme, die unserer rechten Gehirnhälfte (= Fantasie) entspringen, sagen oft sehr viel Wahres, zeigen uns archetypische Symbole. Ein solches Symbol ist … der König macht sich die Finger nicht schmutzig. Er steht über den Dingen. Für das Grobe hat er seinen „Held“, der gerne kämpft.

Kämpfen ist gut. Hat aber mit „über den Dingen stehen“ wenig zu tun.

Daran muss ich mich täglich erinnern.

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Abb. 2: Grünmeerkatze

Bestätigt wird das durch das Tierreich: Grünmeerkatzen – keine Katzen, sondern Primaten – haben doppelt so viel Serotonin im Körper, wenn sie in der Hierarchie oben stehen. Nimmt man den Alphatieren ihre Position im Rudel, dann fällt der Serotonin-Spiegel und die Tiere werden depressiv. Interessant: Gibt man ein Antidepressivum, Prozac, das dafür sorgt, dass sich Serotonin anreichert, dann wird dieses Tier das Alphatier.

Also vermutlich nix mit dumpfem Machtgehabe in Testosteron-Manier, sondern … etwas anderes.

Ich finde es sehr interessant, dass andere Tiere depressiv werden, wenn man ihnen Serotonin nimmt … Was könnte das für dich bedeuten?

Von Serotonin und den Alphawellen

Alphawellen und andere kann man im Gehirn messen.

Ich habe dir im Buch eine Mentaltechnik an die Hand gegeben, um diesen Wellengang ruhiger zu machen. Damit du du bist und einen für dich normalen Intelligenzquotienten aufweist, brauchst du einen ruhigen Wellengang im Kopf.

Um zu verstehen, was in dir in manchen Situationen passiert, solltest du folgende Kaskade verstehen: Angenommen in deinem Gehirn hat sich eine Angst vor einer gewissen Sache eingenistet. Wann immer du diese Sache siehst, egal ob real oder vor deinem inneren Auge, bekommst du klassische Angstsymptome (die ich hier nicht aufzähle).

Was passiert biochemisch? 

Katecholamine.

Flight or fight. Flucht oder Kampf.

Ich denke nicht, dass die Natur wollte, dass du in diesen Phasen Gedichte schreibst, Lieder komponierst, die Weltformel entdeckst oder sonstige geniale Ideen spinnst … in diesen Momenten solltest du überleben, da solltest du keine große Persönlichkeit sein, sondern etwas, das funktioniert.

Das ist etwas, was wir 2 Millionen Jahre lang immer mal wieder erlebt haben … heute ist es bei vielen ein Dauerzustand.

Katecholamine müssen das Gehirn beeinflussen und umgekehrt muss das Gehirn auch die Konzentration der Katecholamine beeinflussen.

Egal, wie genau das passiert, eine Sache ist sehr sicher: Bist du entspannt und konzentriert, dann ist der Wellengang im Gehirn ruhiger als während harten Stresssituationen. Und das kann man messen.

Ich kenne leider keine Untersuchung, aber ich bin mir sehr sicher, dass ein Anstieg von Serotonin auch dafür sorgt, dass die Gehirnwellen anders daherkommen als Marker für den Erregungsgrad des Gehirns. Und dann funktioniert es auch besser.

Pyridoxin, Serotonin und Bluthochdruck

Diesen eben beschriebenen Zusammenhang kann man studieren.

Man induziert Ratten einen Pyridoxin-Mangel. Daraufhin fällt Serotonin ab, insgesamt 1/3 weniger als normal. Die Tiere werden hypersensibel und chronisch erregt (kennen wir alle) und bekommen massiv Bluthochdruck (auch das kennen wir).

Füttert man nun eine ordentliche Dosis Pyridoxin, dann fällt der Blutdruck innerhalb von 24 Stunden deutlich ab, auf Normalniveau. Auch Serotonin steigt massiv an.

Würde für uns heißen: Keine Depression mehr, keinen selbst induzierten Stress mehr, Bluthochdruck weg.

Natürlich könnte man ähnliche Geschichten auch über Folsäure erzählen.

Empfehlungen und Möglichkeiten

Doch was erreichen wir mit diesem Wissen? Wir wissen, dass die Serotonin-Produktion nicht nur abhängt von der Aminosäure, um die wir uns – aus Gründen der Konzentration (analysiere mal Aminosäureprofile von diversen Nahrungsmitteln) – am meisten kümmern müssen, Tryptophan, sondern auch von Co-Faktoren wie Folsäure und Pyridoxin, also Vitamin B6.

[su_note note_color=“#f6f6f6″ text_color=“#000000″]Interessant: Geniale Forschungen von Wurtman, der u. a. seit über 10 Jahren an der Wirkung von DHA/Cholin/Uridin auf das Gehirn forscht, haben gezeigt, dass manche Enzyme eine schwache Bindung an den Ausgangsstoff haben. Daher: Er zeigte, dass die Enzyme, die Tryptophan verarbeiten, recht schlecht arbeiten. Er postulierte daher damals eine so genannte „Ausgangssubstanz-Abhängigkeit“ – er konnte zeigen, dass schon die Gabe von kleinen Mengen Tryptophan dafür sorgt, dass massiv mehr Serotonin entsteht. Umgekehrt meinte er, dass man auch einen weiteren Flaschenhals selbst, das Enzym, modulieren könnte, indem man einfach die spezifische Konzentration des Enzyms bzw. die Funktionalität erhöht. Wie das geht: siehe oben. [/su_note]

(Vielleicht liest du auch nochmal meinen Artikel zum Thema Neurotransmitter und Nervenzellmembran.)

Mein Folsäure-Wert ist auch immer nur niedrig-mittelmäßig, obwohl ich gut esse. Das gibt mir jedesmal aufs Neue zu denken, dann, wenn ich das Glück in meinem Kopf suche und mir scheinbar grundlos die Freude fehlt.

Wer also insgesamt keine Eiweißshakes mag, um das Gesamteiweiß anzuheben, der sollte wenigstens die Reaktionsgeschwindigkeit positiv beeinflussen, indem er dem Körper ausreichend Folsäure und Vitamin B6 zur Verfügung stellt.

Und jetzt kommt etwas sehr Wichtiges: Ich bin ein Dopamin-Typ. Ich brauche mich nicht um diesen dominanten Neurotransmitter zu kümmern. Ich brauche das Gegenteil, die Entspannung und die Ruhe. Daher muss ich da nachhelfen. Bei dir sieht das vielleicht anders aus.

Ich helfe nach mit Hilfe von diversen Interventionen, die allesamt wirklich gut sind. Meditation, Sport usw. Aber nichts hat mir jemals so geholfen wie … andere Neurotransmitter in meinem Kopf ansteigen zu lassen.

Daher: Du musst deinen Körper kennen (lernen) und wissen, welche Probleme, welche Schwachstellen dich kennzeichnen.

Anmerkung: Ich bespreche hier Reaktionen, die wir selbst beeinflussen können. Das ist der Punkt. Wenn wir endlich verstehen wollen, wie wir unseren Körper so verändern können, dass er auf einem besseren Niveau funktioniert, dann müssen wir die Biochemie kennen. Das ist die einzige Möglichkeit, handlungsfähig zu sein und zu bleiben. 

Daher wundert es mich immer stark, wenn ich Rezensionen lese von Büchern zu genau diesem Thema. „The mood cure“ ist so ein Buch. Ich habe es selbst nicht gelesen, aber es scheint generell genau das Obige zu beschreiben. Dann schreiben Menschen: „Schlechtes Buch, weil hier nur über Nahrungsergänzungsmitteln geredet wird.“ 1-Sterne-Rezension.

Was soll man dazu sagen? Beratungsresistent. Hilflos. Undankbar.

Oder, wie Mario Basler das mal gesagt hat: „In Amerika drüwwe, da kommt de Nachbar und schüttelt einem die Hand. In Deutschland werden einem die Reifen zerstochen.“ Wie wahr.

Referenzen

Paulose, C., Dakshinamurti, K., Packer, S. and Stephens, N. (1988). Sympathetic stimulation and hypertension in the pyridoxine-deficient adult rat. Hypertension, 11(4), pp.387-391.

Workman, L. and Reader, W. (2008). Evolutionary psychology. Cambridge: Cambridge University Press.

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  • http://www.unbeschwert-schlank.ch Simon Marti

    Was ist eigentlich von 5 HTP als Ergänzung zu halten? Damit würde man die Seretonin noch deutlicher ankurbeln oder ist es dann schon zuviel Seretonin?

    • chris

      Hallo Simu,

      ich hab’s mir bestellt, probiere es und sage Bescheid 🙂

  • Jürgen

    Ich habe von Julia Ross zwar nicht „The Mood Cure“ gelesen, aber „The Diet Cure“. Auch sie spricht da von der großen Wichtigkeit gut ausbalancierter Neurotransmitter-Verhältnisse.
    Sie behandelt ja im Spezielen L-Glutamin, DL-Phenylalanin, Tryptophan / 5HTP, GABA und L-Tyrosin. Ein wichtiges Fundament in ihrem Programm ist es (neben der Ernährung), die Neorotransmitter im Hirn wieder ins Lot zu bringen, und ja nachdem, welche Mängel man bei sich durch den Test im Buch bestimmen kann, wird mit NEM gearbeitet. Allerdings wird auch ganz explizit geschrieben, dass das nicht für immer nötig ist, sondern so lange, bis wieder alles funktioniert.
    Ich fand das Buch sehr aufschlussreich.

    Auf Deine Seite bin ich jetzt auch erst vor kurzem gestoßen (über Paleo Planet), muss aber Begeisterung kundtun. Top Artikel!

  • Sven

    5 HTP drückt Dir Serotonin ins System, egal ob dein Körper das braucht oder nicht.
    Ähnlich wie bei L-Dopa für Dopamin. Uns zwar nur solange wie Du es nimmst – meist also max 24 Stunden + wenn Du es länger nimmst kann es ein chronisch zuviel geben. Sprich Serotonin staut sich über die Maßen an – nicht schön. Vitamine sind da eleganter.

  • http://www.foodlinx.de Nadja

    Sehr schöner Artikel und ich kann Dir nur beipflichten. Als ich anfing mich mit dem Thema Ernährung zu beschäftigen habe ich NEMs auch für unnötig gehalten, meine Probleme aber nicht über noch so saubere Ernährung in den Griff bekommen. Langsam – auch Dank Julia Ross und Dr. James L. Wilson – beginne ich zu verstehen, dass eine Zufuhr vielleicht zeitweise nötig ist. Mit B6 fahre ich zum Beispiel in der Tat sehr gut. Auch, weil Stress mein Hauptthema ist, das ich nicht immer mit Yoga, Meditation und Sport gut im Griff habe. That’s our life. Und zurück in den Wald will ich auch nicht(auch wenn ich da mit meinen B6 Kapseln Alphatier wäre 😉 ). Wie auch immer: Weiter so. ich hoffe, dass ich Dein Buch nochmal ergattern kann. Ich kann übrigens EPubli für die Publizierung und Formatierung empfehlen…Bisschen Geld, wenig Kopfschmerz. Viel Erfolg!

  • Gerit

    Chris, danke für Deine immer wieder interessanten, spannenden Beiträge!!!

  • http://www.improvedeating.de Sascha

    Moin Chris,

    warum genau ist Hühnchenbrust „Stufe 1“-Denken?

    Viele Grüße
    Sascha