Mit Zink resistente Krebszellen töten?

Zink bei Krebs?

Sprechen wir heute mal kurz ein etwas ernsteres Thema an.

Es gibt Hoffnung – sie liegt im Internet begraben

Krebs-Patienten liegen mir sehr am Herzen.

Daher kann ich so manch eine Studie einfach nicht unkommentiert, ungeteilt in einer Studien-Datenbank verwahrlosen lassen.

Wie viele Goldschätze liegen dort eigentlich begraben? Das frage ich mich jeden Tag aufs Neue. Wie viele Menschenleben könnten damit gerettet werden? Selbst wenn es nur bei 1 % der Menschen helfen würde – mir wird ganz schwindelig, wenn ich das hochrechnen will.

Oh je. Oh je.

p53-Funktion und resistente Krebszellen

Um zwei Dinge:

  • Es gibt ein Anti-Tumor-Gen namens p53. Das ist normalerweise dazu da, kaputte Zellen zu erkennen und in den Zelltod zu treiben, DNA-Schutzproteine zu bauen oder das Zellwachstum zu stoppen, so, dass sie nicht schädlich für uns werden. In sehr, sehr vielen Krebs-Fällen ist dieses p53-Gen mutiert (funktioniert nicht mehr oder nicht mehr so gut)
  • Chemotherapie-Resistenz tötet

Ganz einfach zu verstehen, oder?

Da gibt es einen kleinen Held in deinem Körper namens p53, der dich gerne beschützen will. Leider, leider, ist der irgendwann nicht mehr da oder funktioniert nicht mehr richtig. Dann bekommen wir Krebs.

Doppelt doof ist, wenn man dann später Krebs hat und die Chemotherapie schlägt nicht an.

Zink macht p53 funktionsfähig

Doch wie passen diese beiden Punkte zusammen?

Auch das ist einfach: p53 braucht, um aktiv zu sein, Zink, damit es an die DNA binden und dort wirken kann.

In mehreren Arbeiten können wir nachlesen, dass Chemotherapie-resistente Krebszellen diese eben erläuterten p53-Fehler aufweisen, wobei p53 nicht mehr funktioniert, wie es soll.

Diese Arbeiten berichten, dass man ganz dringend nach Stoffen sucht, die diese p53-Funktion wiederherstellen.

Ich denke, die Titel der beiden Arbeiten sagen alles:

Zink-Supplementation wird für die zytotoxischen und immunologischen Wirkungen der Chemotherapie bei chemoresistenten p53-funktionsdefizienten Zellen benötigt. 

Die Wiederherstellung der p53-Funktion durch Zink steigert die Wirkung von Antikrebs-Medikamenten bei p53-Mutanten-Tumorzellen.

Alleine in diesem Zusammenhang gibt es noch viele weitere Arbeiten, die die gleiche Sprache sprechen.

Viele Krebskranke leiden unter Zink-Mangel

Wie relevant das tatsächlich ist, versteht man schnell, wenn man sich mal die Literatur zum Thema Zink-Defizienz bei Krebskranken anguckt. Siehst du. Das ist das Schlimme. Ich wage zu behaupten, dass man die hier genannten Effekte mit 15 mg Zink am Tag nicht erreichen wird. Doch von diesem Kosmos brauchen wir überhaupt nicht zu reden – wir können anscheinend froh sein, wenn Krebspatienten überhaupt einen ausreichenden Zink-Wert im Blut haben.

Traurig, aber wahr.

Zink-Spiegel wichtig, Zink-Überdosen falsch

Um es aber noch einmal ganz klar zu sagen: Das ist kein Freifahrtschein dafür, jeden Tag 200 mg Zink in den Rachen zu kippen und freilich müssen wir noch viele Fragen klären, so zum Beispiel, ob diese Zink-Wirkung bei allen Tumorarten auftritt oder ob sogar Nachteile entstehen können. Umgekehrt sollten wir alle mindestens eine Handvoll Möglichkeiten kennen, wenn es dann doch mal drauf ankommt. Daher müssen solche Schätze weitergegeben werden.

Literatur 

Cirone, Mara; Garufi, Alessia; Di Renzo, Livia u. a. (2013): „Zinc supplementation is required for the cytotoxic and immunogenic effects of chemotherapy in chemoresistant p53-functionally deficient cells“. In: OncoImmunology. 2 (9), S. e26198, DOI: 10.4161/onci.26198.

D’Orazi, Gabriella; Givol, David (2012): „p53 reactivation“. In: Cell Cycle. 11 (14), S. 2581-2582, DOI: 10.4161/cc.21020.

Garufi, Alessia; Ubertini, Valentina; Mancini, Francesca u. a. (2015): „The beneficial effect of Zinc(II) on low-dose chemotherapeutic sensitivity involves p53 activation in wild-type p53-carrying colorectal cancer cells“. In: J Exp Clin Cancer Res. 34 (1), DOI: 10.1186/s13046-015-0206-x.

Kocdor, Hilal; Ates, Halil; Aydin, Suleyman u. a. (2015): „Zinc supplementation induces apoptosis and enhances antitumor efficacy of docetaxel in non-small-cell lung cancer“. In:DDDT., S. 3899, DOI: 10.2147/dddt.s87662.

Margalit, Ofer; Simon, Amos J.; Yakubov, Eduard u. a. (2011): „Zinc supplementation augments in vivo antitumor effect of chemotherapy by restoring p53 function“. In: International Journal of Cancer. 131 (4), S. E562-E568, DOI: 10.1002/ijc.26441.

Puca, Rosa; Nardinocchi, Lavinia; Bossi, Gianluca u. a. (2009): „Restoring wtp53 activity in HIPK2 depleted MCF7 cells by modulating metallothionein and zinc“. In: Experimental Cell Research. 315 (1), S. 67-75, DOI: 10.1016/j.yexcr.2008.10.018.

Puca, Rosa; Nardinocchi, Lavinia; Porru, Manuela u. a. (2011): „Restoring p53 active conformation by zinc increases the response of mutant p53 tumor cells to anticancer drugs“. In: Cell Cycle. 10 (10), S. 1679-1689, DOI: 10.4161/cc.10.10.15642.

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Ein Kommentar, sei der nächste!

  1. Ja, das Konzept des „Immune Escape“ von Tumorzellen .
    Ein bekanntes Problem v a von niedrig malignen weniger aggressiven Zellen.
    Die chemosensiblen hochaggressiven Gruppen haben für solche Geschicke wohl keine Zeit .

    Interessant übrigens, dass auch VD3 als Chemo-Sensitizer fungieren kann, so zB bei Brustkrebszellen gegenüber Cisplatin.

    Vielleicht ergeben sich hier noch unerkannte Synergien um die mutierten Zellen chemo-sensibler zu machen!

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