Cholin und Eisen

Cholin und Eisen können die Gründe sein, warum ein recht intelligenter Mensch, niemals gute schulische oder akademische Leistungen erbringen wird.

Cholin kann man so erleben: Seit Wochen habe ich Probleme mir Dinge effektiv zu merken, muss ständig lange überlegen, mache unnötige (Schreib-)Fehler und habe Konzentrationsschwierigkeiten.

Das liegt ganz einfach daran, dass Cholin den wichtigsten Neurotransmitter des menschlichen Nervensystemes generiert, nämlich Acetyl-Cholin. Und dieses Acetyl-Cholin dient der Informationsübertragung zwischen Synapsen des Hippocampus (genauer: Hippocampi). Dieser Hippocampus ist unser Lernzentrum, ganz einfach ausgedrückt. Wenn wir jetzt also (bewusst) Informationen in das Gehirn überführen wollen, dann muss ein Zustand vorhanden sein, den man Konzentration nennt. Während der Konzentration werden gerade Teile des basalen Vorderhirns gut durchblutet und aktiviert. Dieses Areal liegt direkt schräg über den Augen, hinter der Stirn. Über genau diesen Weg werden Informationen in das Gehirn geschleust. In diesem Bereich finden wir etwas, das Nucleus basalis (Meynert) heißt. Dieses Ding produziert Acetyl-Cholin. Es ist also kein Wunder, dass Nucleus basalis dort zu finden ist, denn dieser komplette Bereich funktioniert nur, wenn genug Acetyl-Cholin da ist. Alzheimer-Patienten, die häufig Schwierigkeiten haben bezogen auf die Merkfähigkeit, haben in diesen Bereichen niedrige Acetyl-Cholin Werte.

Es macht – ich habe das selbst erlebt – einen riesen Unterschied, ob ich Inhalte schnell aufnehmen kann oder ob ich dafür zwei Wochen brauche. Denke mal an deine Lernleistungen die letzten Jahre.

Hinzu kommt das Eisen. Eisen ist eines der wenigen Spurenelemente, das tatsächlich an der Synthese von Neurotransmittern beteiligt ist. Eisen ist wahrscheinlich einer der wichtigsten Substanzen im menschlichen Gehirn. Fehlt Eisen in der Embryonalentwicklung, dann weist das Gehirn massive Dysfunktionen auf, die Kinder werden schon „blöd“ geboren. Eisen dient auch dazu, eine ordentliche Rezeptor-Dichte vorzuweisen…

Ich kann das so erklären: Was haben Depressive, AD(H)S-Kinder und „schlechte Lerner“ gemeinsam? Die haben alle ein Problem mit Dopamin. Das stimmt bei diesen Menschen nicht. Dopamin macht das leben „reizend“, macht die Arbeit, die ich mache „reizend“ und gibt mir das Gefühl des Glückes, wenn ich arbeiten kann… Ich arbeite sehr gerne! So etwas nennt man „reward“, also „gewinnbringend“. Damit wir das im Gehirn „fühlen“ können, brauchen wir Dopamin. Dopamin beschleunigt die Bildung und das Wachstum von Synpasen.

Damit Dopamin überhaupt produziert wird, brauchen wir Eisen. Denn das Eisen dient als Co-Faktor, das heißt es hilft bei der Synthese. Und dann… selbst wenn genug Dopamin da wäre, dann muss es irgendwo wirken. Und das tut es an Dopamin-Rezeptoren, die aber bei Eisen-Defizienz auch nicht mehr – oder weniger – vorhanden sind.

Übrigens wirkt Ritalin genau dort: Es hemmt die Dopamin-Transporter, so dass Dopamin länger im synaptischen Spalt bleiben muss, um dort zu wirken.

Natürlich kann das noch weiter spinnen: Eisen braucht das Gehirn, um zu wachsen und Eisen dient auch dem Sauerstoff-Transport im Blut. Und wir wissen: Das Gehirn braucht auch Sauerstoff. Das ist der Grund, warum so viele Menschen „müde werden“, wenn sie sich nicht bewegen am Tag. Die Sauerstoffversorgung stimmt dann nicht.

Wie soll denn ein Kind bitte unter diesen Voraussetzungen lernen oder Leistungen erbringen?

Aber… ich kenne unsere Gesellschaft. Weil niemand einen Plan im Sack hat und ein Sündenbock immer gesucht und gefunden werden muss, müssen unsere Kinder leiden.

Beginnt damit, dass sie Medikamente schlucken müssen, weil sich keiner anders zu helfen weiß.

Und, weil die Kinder in den seltensten Fällen so mündig sind, um für sich selbst zu plädieren: Der Lehrer meint, das Kind sei zu doof für das Gymnasium oder das Kind könne sich nie konzentrieren und stört den Unterricht. Das ist alles bekannt. Das heißt, dieser Bockmist bleibt immer an den Kindern hängen.

Ich weiß, wer niemals die Schuld haben wird: Die Eltern.

Aber wer füttert denn die Kinder? Wer ist denn dafür verantwortlich? Wohl nicht der heilige Geist.

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4 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hallo Chris,

    bin noch am Thema Acetyl-L-Carnitin dran. Dort steht, dass es bezogen auf die kognitiven Leistungen, auch über die gesteigertere Cholin „Verwertung“ im Hirn wirkt. Wenn ich bereits Cholin nehme, macht dann ALCAR noch Sinn oder könnte ich auch einfach die Cholin Zuführung (noch) etwas erhöhen?

    LG, Sven

  2. Hallo Sven,

    ich kenne deine Referenz nicht, aber eigentlich dürfte Acetyl-LCarnitin dabei helfen, eine Acetyl-Gruppe auf das Cholin zu übertragen. Diese These wird bestätigt durch die Arbeit von von White et al., 1990 („Acetyl-L-carnitine as a precursor of acetylcholine“).

    Meiner Meinung nach bedarf es diesbezüglich a) nicht explizit Acetyl-L-Carnitin, denn das Acetyl ist immer ausrechend da. Sondern es bedarf das Carnitin, das Acetyl binden und weitergeben kann.

    Weiterhin muss ja aber trotzdem Cholin in ausreichender Quantität vorliegen – denn ohne Cholin, bringen auch die Acetyl-Gruppen nichts.

    LG, Chris

    1. Hey Daniel,

      ich kann zwar vermutlich nicht mit dem Fachwissen von Chris aufwarten lassen, aber ich persönlich würde als Cholinquelle Eier empfehlen. Aus persönlicher Erfahrung weiß ich, dass bei mir 5 Eier am Morgen reichen, um selbst bei non-stop Lernen den ganzen Tag über nicht dieses Kribbeln im Kopf zu bekommen, dass soweit mir bekannt ist andeuten soll, dass nun zu wenig Cholin zur Verfügung wäre.

      Andere Resourcen für mehr Cholin wären Alpha GPC, Citicoline, Acetyl-L-Carnitine oder Centrophenoxine.
      Die Verträglichkeit und Wirkung dieser Cholinquellen ist allerdings von Individuum zu Individuum verschieden. Ich vertrage beispielsweise Alpha GPC nicht gut, während andere davon schwärmen.

      Würde mich freuen, wenn ich dir damit helfen konnte, bis Chris dir antwortet.

      LG,
      Johannes

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