Vitamin D3

Wie nützlich sind eigentlich Blutwerte?

Mit manchen Vorstellungen bezüglich „Blutwertoptimierung“ habe ich so meine Probleme.

Der individuelle Vitamin-D-Wert

Das fängt beispielsweise beim Vitamin-D-Wert an. Darüber haben wir heute in unserer Instagram-Story gesprochen (Du solltest uns auf Instagram folgen!):

  • Es gibt eine Studie vom Juni, die zeigt, dass Rentiere, die bekanntlich in nördlichen, sonnenarmen Breiten leben, 20 x besser Vitamin D aktivieren. Zudem verfügen sie über Genmutationen, die die Halbwertszeit von Vitamin D im Körper der Tiere von zwei auf mehr als fünf Monate verlängern.
  • Es gibt eine andere Studie, die darlegt, dass der Vitamin-D-Stoffwechsel der Inuit ebenfalls Anpassungen zeigt,

Da die nördlichen Ureinwohner seit langem in hohen Breitengraden leben, hätte die natürliche Selektion ihren Vitamin-D-Bedarf schrittweise reduzieren müssen. Es gibt tatsächlich Hinweise darauf, dass die Inuit die verminderte Produktion von Vitamin D durch eine erhöhte Umwandlung in seine aktivste Form und durch Rezeptoren, die effektiver binden, kompensiert haben. Bei der Diagnose des Vitamin-D-Mangels in diesen Populationen sollten wir daher keine Normen verwenden, die ursprünglich für europäische Bevölkerungsgruppen entwickelt wurden, die dieses Vitamin leichter produzieren und entsprechend angepasst haben.1

Warum spreche ich jetzt überhaupt den Vitamin-D-Wert an? Zum einen, weil Menschen hier wieder eine Wunderpille gefunden haben wollen. Ist sie auch, wenn man aus einem Mangel kommt. Die Frage ist nur, was die richtigen Werte sind. Nativ-Afrikaner haben so um die 100 nmol/L, sprich ca. 40 ng/mL. Die niedrigste Gesamtsterblichkeit wurde in einer Meta-Analyse mit über 25.000 Europäern – zum wiederholten Male – bei ca. 85 nmol/L, sprich bei ca. 34 ng/mL beobachtet.

Heißt, es liegt nahe, dass das physiologische Werte sind, an denen wir uns orientieren könnten. Zum Beispiel, indem man folgende Grafik als Schablone heranzieht:

Nature Reviews Endocrinology 5, 534-536 (October 2009)

Wie ich es selbst handhabe

Ich persönlich gehöre sicher nicht zu den „Vitamin-D-Skeptikern“, sehe allerdings auch kein Potenzial, das das, eines anderen Mikronährstoffs deutlich übersteigt. Hintergrund dazu ist sicher auch, dass ich seit Jahren mit Vitamin D arbeite, und sich bei mir bei hohen Dosen (ca.10k IE pd) Entzündungsreaktionen verstärken, sogar kleinste Schnittwunden sich leichter stärker entzünden. Seltsamerweise passiert das im Sommer – trotz intensiver Lichtbestrahlung – nicht.

Ich habe schon des Öfteren gehört mittlerweile, dass Vitamin-D-Werte trotz Ergänzung im Sommer sinken. Das heißt, hohe Werte von 80 ng/mL rutschen deutlich nach unten, obwohl sich an der Ergänzung nichts verändert hat. Das deutet für mich darauf hin, dass der Körper seinen Vitamin-D-Stoffwechsel im Sommer anpasst und ggf. Enzyme stärker arbeiten lässt, die der übermäßigen Vitamin-D-Bildung entgegenwirken. Da dies bei normaler Ergänzung offensichtlich nicht passiert, heißt das für mich, dass das ggf. ein UV-abhängiger Prozess ist.

Deshalb: Ich habe schon lange aufgehört hier einen bestimmten Blutwert einstellen zu wollen. Ehrlich gesagt spüre ich zwischen der Zufuhr eines niedrigen, und der Zufuhr eines hohen vierstelligen Bereichs auch keine zusätzlichen Veränderungen, wenn ich es mal eine Zeit lang nicht genommen habe. Ich merke aber, dass Eisen, Magnesium und Zink (alles wichtige Cofaktoren im Vitamin-D-Stoffwechsel) einen deutlichen Einfluss darauf haben, wie und ob Vitamin D im Körper wirkt. In meinen Augen ist das auch ein „Störfaktor“, der bei all den Studien nicht berücksichtigt wird.

Nun habe ich ganz sicher einen nordischen Touch, habe helle Augen und war strohblond als kleiner Junge. Bedeutet für mich, möglicherweise aktiviert mein Körper bei oraler Zufuhr mehr Vitamin D zur aktiven Hormonform. Vielleicht lasse ich diesbezüglich mal meine Polymorphismen untersuchen.

Die Grenzen der Standardisierung

Statistik will uns immer ein Stück weit standardisieren, natürlich, irgendwie muss man ja Grundsätze ableiten, die für einen großen Teil von uns gelten. Doch sowas erweckt schnell den Eindruck, wir könnten uns umgekehrt standardisieren. So in etwa: Beim Körpergewicht gibt es ein bestimmtes Idealmaß, das jeder von uns einfach so erreichen könnte.

Mich hat schon immer gestört, dass nie jemand auf die individuellen Voraussetzungen blickt. Es würde doch auch niemand auf die Idee kommen, aus einer französischen Bulldogge einen Windhund machen zu wollen. Aber in allgemeinen Debatten rund um das Thema Gesundheit machen wir das häufig so.

Da denkt niemand drüber nach, dass der eine vielleicht von Haus aus 70 kg Magermasse auf die Waage bringt, und der andere 50 kg. Bei gleicher Größe würden die beiden einfach so schon starke Unterschiede mitbringen. Deshalb, speziell hier wäre der BMI durch den Körperfettanteil zu ersetzen. Aber auch das wäre wieder fragwürdig, ein Polarfuchs hat halt – trotz gleicher Gesundheit – einen anderen Körperfettanteil als ein Wüstenfuchs. Soll sich der Polarfuchs jetzt zu einem Wüstenfuchs prügeln lassen?

Am Beispiel Wachstumshormon: Warum Standardisierung nur bedingt klappt

Wir können uns sowas auch mal auf der Mikroebene anschauen. Stellen wir uns dazu mal zwei Zellen vor, die eine blau und die andere grün.

Beide Zellen verfügen jetzt über einen Rezeptor für ein Wachstumshormon. Wir würden alle Voraussetzungen komplett gleich halten – sogar die Menge an Hormon, die die Zelle gerade umgibt und die an den Rezeptor bindet –, bis auf die Wirkung. Denn zwischen Rezeptor und der Wirkung steht eine Kaskade, die bei jedem Individuum anders sein kann.

Das heißt: Beim einen wirkt Menge X eines Hormons viel stärker oder schwächer als beim anderen:

Jetzt passiert etwas Interessantes: Halten wir alle Faktoren inkl. Hormonmenge konstant, verhalten sich beide Zellen komplett unterschiedlich. Die eine Zelle wird stark, die andere Zelle wird schwach wachsen:

Wenn wir jetzt also den Blutwert, hier die Werte eines Wachstumshormons, bei jedem standardisieren lassen würden, also zu jedem sagen würden, „Dein Wachstumshormon beträgt derzeit Höhe X, er sollte aber mindestens Höhe Y erreichen“, dann erzeugen wir trotzdem grundverschiedene Wirkungen, obwohl es doch genau die Wirkung ist, um die es uns geht – uns geht es in diesem Fall nicht um den Blutwert.

Daher ist es mir unbegreiflich, dass manche Menschen ernsthaft versuchen, mit Hilfe einer „Blutwertoptimierung“ sich standardisieren zu wollen, ohne dabei Grundinformationen über die Beschaffenheit ihres Systems zu haben. Oder mit anderen Worten: Solange ich nicht weiß, wie meine Zellen (bzw. mein ganzer Körper) auf den jeweiligen Blutwert reagieren – und die Hintergründe dazu können unfassbar komplex sein –, solange kann ich auch nicht Blutwerte „optimieren“.

Warum IGF1 unterschiedlich wirkt

Konkret mit Blick auf das Zellwachstum: Irgendwann hat man herausgefunden, dass ein künstliches Ausschalten des IGF1-Rezeptors – IGF1 ist ein anderes Wachstumshormon – das Leben von Tieren dramatisch verlängert. Das Ausschalten sorgt dafür, dass weniger Wachstum im Organismus ist. Die dafür normalerweise notwendige Energie kann nun in Erhalt und Stressresistenz investiert werden.

Zeitgleich zeigt sich in manchen Studien, dass ein hohes IGF1 das Tumorwachstum fördern kann. Macht Sinn. Andere Studien hingegen zeigen, dass IGF1 z. B. Muskeln wachsen lässt, Sehnen und Bänder stärkt, das Gehirn schützt.

Diese Informationen bringen uns nichts. Sie bringen uns auch nichts, wenn wir unseren IGF1-Wert kennen. Warum? Zwischen IGF1 und der Wirkung von IGF1 (= Wachstum) gibt es eine Proteinkaskade, die bei jedem von uns anders ist.

Es gibt Menschen mit Polymorphismen im Akt1-Gen, die die Wirkung von Wachstumsfaktoren dramatisch verstärken. Nicht per se schlimm, die haben dafür dicke Muskeln. Bei anderen Menschen gibt’s genau das Gegenteil, bei denen wirken Wachstumsfaktoren schwächer.

So eine „Kaskade“ an Vermittlerproteinen, die zwischen Hormon und Wirkung stehen und wobei jedes Protein genetisch bedingt eine andere Aktivität aufweisen könnte, sieht speziell für das IGF1-Signaling so aus:

Das heißt, was bringt uns ein Blutwert? Nichts. Wir müssen uns alle Blutwerte angucken, die Wechselwirkungen verstehen, wir müssen extrapolieren mit und auf Variablen, die wir gar nicht kennen, und wir müssen uns als Ganzes mit in die Interpretation packen.

Beim Wachstumsfaktor wäre die Frage: Bin ich klein und zierlich (egal was ich mache) oder bin ich groß und kräftig (egal was ich mache)? Letzterer muss sich dann ganz sicher nicht noch die Wachstumspfade stimulieren, während „Klein und zierlich“ ganz sicher davon profitieren würde.

Wo sind Blutwerte nützlich?

  • Beim Erkennen von Totalausfällen. So lassen sich gut Testosteron-Defizienzen oder ein Mangel an Schilddrüsenhormonen diagnostizieren, zum Beispiel.
  • Beim Erkennen von Extremen, Mangel vs. Überschuss.
  • Beim Erkennen von Zusammenhängen, verzogenes System: Hohes Ferritin, schwache Blutbildung, wenig Kupfer => Kupfer-Mangel?
  • Beim Erkennen von Störfaktoren, d. h. z. B. bei Schwermetall-Belastungen oder anderen Umweltgiften.
  • Beim Schnell-Checkup, z. B. die Stoffwechselgesundheit betreffend, Stichwort Trigs, Cholesterin, HbA1c (Langzeitblutzucker)

Aber du kannst Wert X nicht auf Zielwert Y boxen. 

Deshalb kann man es nur oft genug wiederholen. Zum einen habe ich den Eindruck, dass Menschen keine Vorstellung davon haben, wie komplex ein biologisches System ist – und ehrlich gesagt regt es mich auch ein bisschen auf, wie vermessen manche über sowas verfügen wollen, obwohl sie offenkundig keinen blassen Schimmer haben.

Zum anderen sollte die gute Nachricht verbreitet werden, dass ein gesunder Menschenverstand (Betonung auf gesund 😉 ) gepaart mit dem Gefühl für den eigenen Körper … oftmals ausreicht. Ein Löwe muss kein Biochemie-Buch lesen, gell?!

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Kommentare (35)

  1. Ist die Nahrung der ursprünglich lebenden Inuit nicht reich an Vitamin D? Oder was für Nahrungsquellen haben nutzen sie um den Vitamin D Bedarf zu decken?

    1. Hm nee. Also bei manchen Inuit-Populationen sicher, zumindest phasenweise/saisonal, bei anderen, vor allem vielen indländisch lebenden Ureinwohnern eher nicht. Zudem muss man beachten, dass die ja nicht von heute auf morgen in den hohen Norden gewandert sind, auf dem Weg dahin verging viel Zeit … und viel Möglichkeit zur Adaptation.

  2. Bezüglich Vitamin D habe ich dieselbe Erfahrung gemacht: Hebe ich den Wert per Substitution an, signalisiert mir der Körper bereits bei Werten knapp unter 40ng/ml, daß mehr nicht mehr bringt. Ganz im Gegenteil! Entzündungen werden verstärkt.
    Guter Artikel, der die Komplexität der Biochemie eines Körpers zu verdeutlichen versucht.

    1. Vielen Dank für deinen Kommentar! Übrigens, das mit den 30 bis 40 ng/ml ist interessant: Finde mal eine Studie, bei der gezeigt wird, dass eine Population, egal ob sie nah am Äquator lebt oder nicht, deutlich über 40 ng/ml kommt. Das ist eine absolute Rarität.

    1. Ja, es gibt noch weitere Polymorphismen, der beim VitD-Bindeprotein ist sicher einer der prominentesten.

      Ich glaube, auch beim Bredesen-Protokoll darf man nicht wieder den Fehler machen und alles wörtlich verstehen – Bredesen sagt in Interviews immer, dass es ein extrem individueller Plan ist.

  3. Wie immer danke für den Artikel!

    By the way:
    Du schreibst an einer Stelle, dass sich kleine Schnittwunden >>trotz<< Sonneneinstrahlung nicht entzünden. Vermutlich entzünden sie sich gerade wegen der Sonneneinstrahlung weniger. Insbesondere UVA wirkt anti-inflammatorisch und auf diesem Wege auch kanzerogen (eine Wirkung, die man sonst vor allem UVB-Strahlung zuschreibt, dann über direkte Schädigung der DNA).

    1. Hey Alex, ja, das weiß ich. Ich beziehe das eher allgemein auf die „negativen Entzündungseffekte von oralem Vitamin D“, das ich im Sommer (trotz vermeintlich intensiver Vitamin-D-Bildung) nicht erlebe. Es kann natürlich sein, dass UV-Licht die Wirkung von Vitamin D im Körper moduliert, ganz sicher sogar, aber selbst das hieße nur wieder, dass orales Vitamin D eher die suboptimale Lösung ist.

  4. Diese (eure) Erfahrungen sind kein Wunder.

    Eine Anhebung des Vitamin D Spiegels auf über 21 ng/ml (ein Wert, der heute schon als „Mangel“ gilt) erhöht Entzündungsfaktoren (und möglicherweise den Homocysteinspiegel):

    „In research published in January 2012 in the American Journal of Cardiology, Amer and Qayyum found that […] Beyond blood levels of 21 nanograms per milliliter, any additional increase in vitamin D was associated with an increase in CRP, a factor linked to stiffening of the blood vessels and an increased risk of cardiovascular problems.
    The team’s unpublished research also suggests a link between excess vitamin D and elevated homocysteine levels…“ https://www.hopkinsmedicine.org/news/media/releases/vitamin_d_more_may_not_be_better

    Die Tatsache, dass eure beobachtete erhöhte Entzündungsneigung nur bei Substitution, nicht jedoch unter natürlicher UV-Strahlung auftritt, lässt sich auch recht einfach erklären – der Körper hat eingebaute Begrenzung der Vitamin-D-Synthese bei natürlicher Bildung durch Sonnenlicht, d.h. die unnatürlich hohen Konzentrationen, die sich manche schwachsinnigerweise per Vitamin D Pillen zuführen, würde man natürlicherweise nie erreichen!

    „Eine Hypervitaminose ist durch eine lang andauernde Einwirkung von UV-B-Strahlung nicht möglich, da ab einer Prävitamin D3-Konzentration von 10-15 % des ursprünglichen Gehalts an 7-Dehydrocholesterol sowohl Prävitamin D3 als auch Vitamin D3 zu inaktiven Isomeren umgesetzt werden [2, 7, 10].“ (Quellenlink habe ich mir leider nicht abgespeichert, müsste ich nochmal suchen.)

    Hier greift ein physiologischer Schutzmechanismus gegen eine Intoxikation: Mehr als 70.000-140.000 I.E. pro Woche werden nicht synthetisiert.

    Der Hype um Vitamin D als „Wunderpille“, „Alleskönner“, „Heilmittel“, wie von van Helden u.a. (und dann auch noch als Hochdosierungsempfehlungen) propagiert, ist Schwachsinn und mitunter auch gefährlich, wie einige Studien klar zeigen.

    1. Die Forschung ist in der Hinsicht extrem undifferenziert. Man wird nur mit Mühe Studien finden, die aufzeigen, dass es auch nachteilige Effekte bei höheren Spiegeln/Dosen gibt.

      Ich würde das aber auch hier nicht an einem bestimmten Wert („21 ng/ml“) festmachen wollen, dazu ist der Vitamin-D-Stoffwechsel viel zu komplex. Zudem ist 21 ng/ml schon niedrig. Irgendwie beißen sich auch die Aussagen: 70.000 bis 140.000 IE sind im Schnitt 10 bis 20k IE pro Tag, und das sollte viel höhere Spiegel als 21 ng/ml generieren, eher so > 60 ng/ml, siehe Artikel.

      Aber es ist gut, dass man auch mal auf die Nachteile aufmerksam macht.

  5. „Der Hype um Vitamin D als „Wunderpille“, „Alleskönner“, „Heilmittel“, wie von van Helden u.a. (und dann auch noch als Hochdosierungsempfehlungen) propagiert, ist Schwachsinn und mitunter auch gefährlich, wie einige Studien klar zeigen.“
    Da ist Dr. Coimbra allerdings anderer Meinung

    1. Das Coimbra-Protokoll ist halt eine Therapie. Und wie jede Therapie wird auch das Coimbra-Protokoll Nebenwirkungen haben, wenn auch nicht so gravierende wie z. B. bei medikamentösen Behandlungen. Ich wäre immer vorsichtig, anhand von Therapie-Protokollen abzuschätzen, wie man mit etwas im Alltag am besten umgeht.

  6. Hinzu kommt, dass Toxine bspw. die Schilddrüsenhormonrezeptoren blockieren können. Oder man kennt es aus übermäßigen Gaben von T4, die dann den T3 Rezeptor verstopfen und T3 auch bei niedrignormalen Werten nicht mehr wirkt.

    Dann müsste man aber auch die Werte vom Mineralien und Vitaminen in Frage stellen?

  7. Im Sommer erreiche ich werte um die 50ng. Um die im Winter zu halten benötige ich deutlich weniger, als 70000ie pro Woche.
    Trotzdem peilen ich im Winter um die 60ng an.
    Man sollte vor Augen haben, dass die Halbwertzeit von Vitamin d 100 Tage beträgt.

  8. Hallo Lutz,

    Womit signalisiert denn dein Körper bei Werten an die 40 ng/ml heran, das mehr nichts mehr bringt?
    Welche Entzündungen werden denn bei Dir bei höheren Werten verstärkt?
    Meine Frau und ich haben mal vor einigen Jahren in den Sommermonaten 20000IE/Tag substituiert, weil wir damals noch wenig Erfahrung hatten und den relativ schnellen Anstieg der Werte etwas unterschätzten. Bei dann später gemessenen 100ng/ml im Blut haben wir uns zwar erschrocken, aber dennoch blendend gefühlt! (Auch wenn wir derzeit so um die 60 ng/ml anstreben)
    Auch die kalifornischen Rettungsschwimmer z.B. haben wohl häufig beschriebene Werte zwischen 80 und 100 ng/ml. Also es ist schon so, dass man auch im Sommer mit- und ohne Supplemente natürlich höhere Werte erreichen kann, wenn man sich der Sonne entsprechend aussetzt.

    VG Ralf

    1. Hi Ralf,

      die Rettungsschwimmer haben lt. Chris Masterjohn aber auch ein 12-20-fach erhöhtes Risiko für Nierensteine. Und repräsentativ scheinen mir solche Werte nicht zu sein. Wenn man sich mal die Gesamtstudienlage zu den Vitamin-D-Werten auf dieser Erde ansieht, ist das wohl eher die Ausnahme als die Regel. Fast 40 % aller Teilnehmer (ca. 170.000) bleiben unter 50 nmol/L, sogar in sonnenreichen Gebieten.

      Vitamin D Werte weltweit

  9. Bei 80ng waren meine Entzündungswerte beim hochsensitiven CRP unter der Sollgrenze. Nichts mit Entzündungen, nicht einmal bei den stillen Entzündungen.
    Mich würde auch interessieren, welche Entzündungswerte bei hohen Vitamin D-Spiegeln nach oben gehen.

  10. Ok Lutz, Gelenkbeschwerden habe ich keine, obwohl ich seit Jahren Vitamin d nehme. Ich hatte aus Versehen mal 120ng erreicht, auch kein Problem.
    Jetzt pendelt ich um die 60ng.

    Das einzige, was mir auffiel war, sinkt mein Wert unter 30ng, steigt die Infektanfälligkeit spürbar an!

    Ich las mal von einer Studie, nach der das Infarktrisiko bei Werten von 60ng deutlich niedriger lag, als in der Vergleichsgruppe mit Werten unter 20ng.
    Nach schulmedizinischer Leitlinie, spricht man erst von Werten unter 12ng von einem Mangel (…)

  11. Prof. Dr. Spitz berichtet in einem seiner Videos von einer Studie, wo die Vitamin D Sensitivität gemessen wurde, also die Frage: wie groß ist die Wirkung einer bestimmten Vitamin D Dosis. Dabei ist heraus gekommen, dass 25% der Bevölkerung eine deutlich verminderte Sensitivität hatten. Das sind dann typischerweise diejenigen, die von einer Hochdosisbehandlung profitieren.

  12. Aber zeigt es doch, dass mit Sonne durchaus derartige Werte zu erreichen sind.
    Rentner in Thailand kommen auf 90ng.
    Nur weil repräsentativ gesehen, die Mehrheit niedrige Werte aufweist, muss das nicht unbedingt das Optimum sein.

    1. Hast du die Studie, die zeigt, dass Rentner in Thailand mit 90 ng durch die Gegend laufen? Und selbst wenn: Auch das hat für unser Europäer kaum eine Relevanz. Bei uns (und sogar in Brasilien) schaffen es Rentner selbst mit viel Zeit (und Aufenthalt im Freien?) nicht einmal auf „optimale Werte“ >30 ng/ml.
      Ich denke auch nicht, dass die gezeigten Werte „optimal“ sind. Ich stelle aber gleichermaßen die Frage, ob die extrem hohen Werte in irgendeiner Weise förderlich oder nützlich sind.
      Im übrigen: Die Werte bei der Studie sind in nmol/L, nicht in ng/mL (Umrechnungsfaktor nmol/L geteilt durch 2,5 = ng/mL)

  13. Den Wert 90ng bei Thairentnern habe ich Doc Strunz entnommen.
    Aber wie schon geschrieben, im Sommer komm ich mit vielen Strandaufenthalten an Nord- und Ostsee, auf 50ng.
    Im Februar liege ich dann um die 20ng, Tendenz weiter fallend.
    Würde ich auf Gran Canaria leben, würde ich locker auf 60ng kommen – ganzjährig,!

    Um entsprechende Werte zu erreichen, muss man einfach mehr in die Sonne, als 10 Minuten am Tag die Hände in die Sonne zu halten.

    1. Die Thai-Studien, die ich kenne, zeigen im Schnitt Werte von etwa 30 ng/ml. Wenn die Werte im Sommer auf 50 oder 60 ng/ml steigen, ist das doch prima. Man sollte trotzdem immer Hinterkopf behalten, dass die UV-Strahlung an sich ein ganzes Netzwerk an Genen bzw. Proteinen reguliert, die alle modulatorischen Einfluss auf den D-Haushalt haben, weswegen x ng/mL durch Sonnenstrahlung nicht oder nur bedingt mit x ng/ml durch reine Ergänzung zu vergleichen ist. Das war mein ursprünglicher Punkt.

  14. Ok, …30ng zu 90ng…Doc Strunz neigt ja zur Selektierung in der Auslegung von Studien.
    Er schrieb auch mal von einer Studie, nach der Infarktpatienten auf den Vitamin d-spiegel untersucht wurden. Ergebnis: die Gruppe mit Werten von 60ng hatten 70% weniger Reinfarkte als die Vergleichsgruppe mit Werten um die 20ng.

    Das die Sonne mehr Effekte hat, als den D-Spiegel zu erhöhen, da bin ich exakt deiner Meinung!

    Extrem hohe Werte zwischen 80 und 120ng würde ich nur im Fall einer Autoimmunerkrankung anstreben. Genauer, 100ng. Zumindestens würde ich das antesten.

    1. Also das einzige, was ich bei Strunz dazu finde, ist das: 2007 das Ergebnis der NHANES-III-Studie. Vergleich der Gruppe mit Vitamin D über 40 ng/ml mit der Gruppe Vitamin D unter 25 ng/ml ergab die Reduktion des Darmkrebs-Risikos um 72%.
      Bitte bedenken Sie: Um 72%!!! Wovon reden wir dann eigentlich noch.

      Das ist dann in etwa übersetzt: Vom Mangel- in den Normalbereich …

  15. Hallo Chris,

    Die Häufigkeits der Nierensteine bei recht hohen Vitamin D-Werten ist doch wohl eher als ein gleichzeitiger Vitamin K- Mangel zu werten.
    Schließlich machen die Mädchen und Jungs in Malibu ja nichts Anderes, als unsere Vorfahren in grauer Urzeit- sich mit Lendenschurz draußen aufzuhalten. Die Vitaminproduktion und die folgenden Spiegel sind also völlig natürlich. Es hapert wohl wie bei so Vielen an der ausreichenden Vitamin K-Aufnahme, was natürlich fatal sein kann (auch für die Gefäße).
    Das Aufhalten in der Sonne ist (oder sollte) doch letztlich auch unser natürliches Verhalten sein.
    Für die Produktion von 10000IE benötigt man in Badehose im Sommer gerade mal 30 Minuten. Würde man das über den Sommer nur mal für diese halbe Stunde täglich tun, dann kommt man selbst bei uns ganz locker über 60ng/ml und höher.
    Ich denke, solche Studien wie oben zeigen gerade, dass die Mehrheit weltweit! dieses natürliche Verhalten eben nicht mehr zeigt. Denn sonst wären die durchschnittlichen Vitamin D- Spiegel zumindest in den sonnenreichen Regionen deutlich höher. Es geht eben weltweit kaum jemand mehr ausreichend mit Badehose in die Sonne….

    VG Ralf

  16. …es könnte sein, dass in dem anderen Artikel nicht ng sondern nmol (65)genannt wurde. Dann wären wir wieder in etwa bei den 30 ng, also dem DGE-Optimum.

  17. Zu den Rettungsschwimmern: aus welcher Quelle stammen denn die „80 – 100 ng/ml“? Ich konnte keine Studie finden, lediglich eine, in der von – Achtung – 64 ng/ ml die Rede ist. https://academic.oup.com/jn/article/135/2/317/4663651

    Zu der eingefügten Grafik von Chris: ich weiß nicht, ob sie aus derselben Studie stammt, aber auch in dieser wurde der Vitamin D Status auf globaler Ebene erhoben. Auf der Mitte der Seite findet man eine Tabelle mit Daten aus (wenn ich richtig gezählt habe) 32 Ländern: nur bei einer einzigen (!) Gruppe lag der Wert über 50 ng/ml (um genau zu sein, 55 ng/ml). Diese Gruppe waren schwangere Frauen aus Chris‘ Studie in seinem Artikel (die Naturvölker aus Afrika). http://www.jarcp.com/703-the-global-epidemiology-of-vitamin-d-status.html

    Und so geht es weiter, wenn man danach sucht:

    – Aborigines in Australien: „The overall mean level was 56.8 nmol/L (23 ng/ml).“ https://www.mja.com.au/journal/2011/194/3/vitamin-d-insufficiency-aboriginal-australians

    – Ecuador mit ganzjährig hoher Sonneneinstrahlung: „25(OH)D insufficiency and deficiency were present in 67.8% and 21.6%“ https://www.hindawi.com/journals/tswj/2015/545297/

    – Brasilien: Ein Forscherteam hat in einer großen Stichprobe Menschen untersucht, die in einer tropischen Region (8 Grad südlich des Äquators, mit sehr hoher Sonneneinstrahlung) leben: 2/3 wiesen einen Vitamin D-Spiegel unter 30 ng/ml auf. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3794891/

    – die First Nations in Kanada: „Mean serum 25(OH)D concentrations were 22.1 nmol/L (9 ng/ml) in men and 20.5 nmol/L (8 ng/ml) in women.“ https://www.tandfonline.com/doi/full/10.3402/ijch.v75.31956?src=recsys

    – Afrika: niedrigere Spiegel als Norweger

    „The median values for s-calcidiol were significantly lower in Ethiopians compared with Norwegians (young Ethiopians 23.5nmol/l (10 ng/ml) vs young Norwegians 81nmol/l (32 ng/ml). In spite of abundant availability of ultraviolet radiation, the population from Addis Ababa had a high rate of biochemical vitamin D deficiency compared with the Norwegian group.“ https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10526248

    – 60% einer kenianischen Stichprobe hatten einen Spiegel unter 30 ng/ml:

    „Vitamin D status in healthy black African adults at a tertiary hospital in Nairobi, Kenya: a cross sectional study
    …vitamin D deficient (levels < 20 ng/ml) was 17.4%. Those classified as vitamin D insufficient were 42.6%, while 40% were classified as vitamin D sufficient. If a cut off of 30 ng/ml was adopted then 60.1% of the study population would have been vitamin D deficient. https://bmcendocrdisord.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12902-018-0296-5

    – 1/3 bis die Hälfte Spiegel unter 10 ng/ml:

    Hypovitaminosis D in developing countries—prevalence, risk factors and outcomes
    Despite ample sunshine throughout the year, one-third to one-half of individuals living in Sub-Saharan Africa and the Middle East have serum 25-hydroxyvitamin D levels <25 nmol/l (10 ng/ml), according to studies published in the past decade. https://www.nature.com/articles/nrendo.2010.146

    ….und und und.

    Wo also sind die ganzen Naturvölker bzw. Bevölkerungsgruppen mit hohen Vitamin D Spiegeln und wenn sie nicht oder nur äußerst selten existieren, woher kommen dann die Empfehlungen für teilweise absurd hohe Werte wie 60 – 80 ng/ml?

    Leidet die ganze Welt heutzutage unter einem "Mangel"? Oder sind nach dieser Datenlage niedrigere Spiegel eventuell doch das evolutionäre Optimum?

    1. Zu den 80 bis 100 ng/ml wird man keine Studie finden, nicht mal bei Rettungsschwimmern, weil das einfach unfassbar hoch ist. Was ich auf die Schnelle diesbezüglich finden konnte: In athletics, the only demographic group that can normally achieve 25(OH)D levels in this range is lifeguards, following a full summer of sun exposure (average 64.4 ng/mL). (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3497950/)

      Aufschlussreich mit Blick auf Vitamin-D-Werte in Wechselwirkung mit K ist auch: https://www.youtube.com/watch?v=9H7tbWVNrXQ
      Dort wird auch nochmal auf die Rettungsschwimmer eingegangen.

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