Schadet synthetisches T4 der Schilddrüse?

Dieses Thema enthält 16 Antworten und 8 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von Avatar Teutonicus 21.09.2019 um 21:27.

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  • #196390 (0)
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    Teutonicus
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    Ein Bekannter möchte sein freies T3 optimieren und ein wenig näher an die 4,0 dran. TSH liegt schwankend bei 2,5-3,5.

    Ich habe ihm das hochdosierte Schilddrüsenprotokoll mit Lugolscher Lösung und Selen empfohlen, was leider ohne Effekt blieb, trotz Zink, Magnesium, Multi-Supplement und entzündungsarmem gemüsereichem Essen, Bewegung, Schlaf, ausreichend Kalorien und 200g+ Kohlenhydraten.

     

    Nun könnte man ihm einfach raten, vorsichtig ein wenig Levothyroxin zu ergänzen, unter Beobachtung der Blutwerte.

    Aus Sicht medizinischer Leitlinien spricht nichts gegen diese „Optimierung“, solange der Referenzbereich nicht gesprengt wird in Richtung Überfunktion.

    Allerdings frage ich mich trotzdem, ob eine langfristige zusätzliche Einnahme synthetischen Levothyroxins nicht der Schilddrüse schadet, bzw. deren Funktion durch Schrumpfen/Ermüden permanent teilweise zerstört. Ich denke da etwa an das Negativ-Feedback von künstlichem Testosteron, durch das es schon Fälle gab, bei denen die Eigenproduktion nach vielen Jahren nicht mehr auf dem Niveau von vorher lief.

     

    Vor allem würde mich auch interessieren, was du dazu sagst, Chris, da du hier schreibst:

    „Du kannst natürlich auch gleich zum Arzt und dir ein Medikamenten-Abo bestellen mit Thyroxin und co. Aber wer diese Möglichkeiten hier als „gefährlich“ klassifiziert, den möchte ich nach jahrelanger Hormon-Substitution (vom Arzt verordnet) gerne nochmal sprechen. Das ist natürlich sehr sicher und nicht gefährlich (Achtung, Ironie).“

     

    Resümierend nun also die zentrale Frage, die ich mir stelle: empfehle ich meinem Bekannten eine sanfte Angleichung durch Levothyroxin, damit er seine Alltags-Müdigkeit in den Griff bekommt oder handelt er sich dadurch langfristig schlimmere Probleme ein?

    #196399 (0)
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    Anonym
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    Spannendes Thema, ich lese mal mit!  😉

    #196403 (0)
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    Sven
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    Also von Thyroxin hab ich – gefühlt – zu 90% nur Negatives in den weltweiten Forum dazu gelesen. Bei Thybon und NDT sieht die Feedbacklage schon deutlich freundlicher aus. Low Dose Thybon wäre ein Versuch. Damit sollte auch nix runtergeregelt werden.

    #196412 (1)
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    helga666
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    Hallo Teutonicus,

     

    würde davon abraten isoliertes T4 zu nehmen. Je nach Stoffwechsellage bzw. wie gut dein Bekannter das T4 in T3 umwandelt kann das auch nach hinten losgehen, heißt das T4 lagert sich quasi ab und die SD fährt runter, sofern die Konvertierung nicht klappt oder es fehlen Mikros etc.. Wenn dann nur kombiniert mit einer Minidosierung anfangen, aber eher noch bevor Einnahme sehen wie andere Faktoren wie Stress, Umfeld zu kompensieren sind. Ja ich weiß, es wäre „einfacher“ was einzuwerfen, aber oft liegt im mentalen Bereich viel Potential. TSH deines Bekannten scheint zu hoch, ist ja aber auch nur Momentaufnahme.

     

    Kann noch viele weitere Ursachen haben warum dein Bekannter Müde ist. Das ist zuwenig Information… würde aber von isoliertem T4 abraten.

    Wie lange macht dein Bekannter das von dir empfohlene Protokoll denn?(Vlt ist er schon am richtigen Weg aber sein Körper braucht ev. etwas Zeit um zu adaptieren..) Was hat er vorher „anders“ gemacht? Irgendwoher muss ja die Müdigkeit kommen.. (vlt isst er Nahrung die seine SD nicht gerade unterstützen und er meint im Glauben an „Gesunde Ernährung“ sich etwas gutes zu tun, obwohl er sich durch vlt Unverträglichkeiten den Stoffwechsel sabotiert.)

     

     

    Shman Frontal
    #196429 (0)
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    wmuees
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    Darf ich hier mal einstreuen, dass es bei den Schilddrüsenhormonen einen REGELKREIS gibt?

     

    Mal vorausgesetzt, der Regelkreis als solcher funktioniert noch, bewirkt eine Zufuhr von T4 nur,

    dass die körpereigene Produktion runtergeregelt wird, bis der Blutspiegel wieder derselbe ist.

     

    Deswegen bleiben auch Interventionen mit Jod o.ä. ohne Erfolg. Kann ich bei mir z.B. genau so beobachten.

     

    Wenn der Regelkreis am Anschlag hängt, kann man durch Intervention viel erreichen. Wenn nicht, dann nur wenig.

    Oder: Zufuhr von soviel T4, bis der Regelkreis anschlägt (TSH = 0).

     

    Schon blöd, so ein Regelkreis….

     

    #196443 (0)
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    Anonym
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    @wmuees

     

    Magst du näher darauf eingehen?

     

    Das klingt ja erstmal ziemlich „hoffnungslos“ für die Medikation mit Schilddrüsenhormonen, weil aus deinem o.g. Beitrag für mich herausklingt, dass der Körper eh alles (runter-)regelt, wie er es will.

     

    Oder gilt das nur für die reine Substitution von L-Thyroxin?

     

    Mein bisheriges Verständnis war, dass Personen mit niedrigen freien Schilddrüsenhormonen (fT4 bei 1,0-1,5 und fT3 bei 2,0-3,0) durchaus von L-Thyroxin profitieren können, wenn der Körper durch das substituierte T4 dann auch mehr Ausgangsmaterial hat, um mehr T3 daraus zu bauen.

    #196462 (0)
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    Teutonicus
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    Danke euch schonmal, bis hier hin.

     

    Das bisherige Fazit, soweit ich euch richtig verstanden habe: direkt T3 statt T4 bzw. wenn, dann nur in Kombination.

     

    -> Da T4 nicht die aktive Form ist, kommt mir die Einnahme von T3 sogar eher noch drastischer und potentiell konsequenzenreicher vor in Bezug auf dauerhafte Schäden an der Schilddrüse durch Negativ-Feedback/Toleranzbildung. Wie gesagt, Organen die Funktion abzustellen erinnert mich an Testosteron oder auch den Abbau von Bauchspeicheldrüsenzellen bei längerer Ketose, mal reversibel, mal nicht.

    #196488 (2)
    Chris Michalk
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    Hat der mal auf Schwermetalle getestet? Mit Blei, Cadmium, Quecksilber und Co. kann man die Deiodinasen, vor allem die in den peripheren Geweben, ausschalten. Dann machen die Gewebe zu wenig T3 aus T4 und schlafen ein, unabhängig davon, wie die Werte im Blut sind.

     

    Ich würde übrigens auch eher zum Kombipräparat greifen. Dann kann direkt geschaut werden, ob die Müdigkeit vom (relativen) T3-Mangel kommt und man geht kein Risiko ein, dass T4 zu rT3 umgesetzt wird, und noch mehr lahmlegt. Hinzukommt, dass T3 zentral, dh im ZNS, gegensteuert, und es dann möglicherweise besser anhand des TSH-Werts ablesbar sein wird, wie gut die Versorgung ist.

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    #196490 (1)
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    helga666
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    Das gute alte Taurin wäre vlt. noch eine Option/Empfehlung statt der Thyroxingeschichte…

     

    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29996172

     

    Leber freispielen, mehr Kapazität für T4->T3 Umwandlung sofern ich das richtig interpretiere / kombiniere.

    Das Risiko einer T4 Akkumulation fällt bei Taurin weg und er profitiert davon eher.

    Taurin – Viel mehr als Stierhoden

     

     

     

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    #196513 (0)
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    Teutonicus
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    Chris (edubily) schrieb:Hat der mal auf Schwermetalle getestet?

    Danke, dann empfehle ich ihm mal so einen Chelattest zu machen.

     

    Chris (edubily) schrieb:Ich würde übrigens auch eher zum Kombipräparat greifen.

    Alles klar. Gebe ich so weiter.

     

     

    Noch einmal aber zu dem Punkt permanente Schäden durch Substitution: kann er bedenkenlos SD Hormone einnehmen, solange er im Referenzbereich bleibt, oder ist er dann langfristig umso mehr davon abhängig und hätte eines Tages beim Absetzen eine schlimmere Situation als vorher, weil die Schilddrüse in irgendeiner Weise abgebaut hat?

    #196515 (0)
    Shman Frontal
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    @Teutonicus

     

    Möchtest du meine Meinung dazu hören?

     

    liebe Grüße

    #196516 (1)
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    Sven
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    Also wenn man sich bereits FÜR externe Hormone entschieden hat sollte man definitiv vorher ft3 ft4 mal gemessen haben. Nicht selten z. B.  ist ft4 normal oder auch hoch aber ft3 niedrig ->Konvertierungsstörung liegt vor. Warum auch immer.

    Nur T4 zu geben ist dann ein voller Griff ins Klo. Ein Kombipräparat kann besser funktionieren. Nur T3 wäre aber wahrsch. am optimalsten für den Patienten. Und bei ein paar Milligramm davon über den Tag fährt der Regelkreis auch NICHT runter und man hat auch kein Schäden mit low Dose und VORHER gemachten Labortests bzgl. wohin die Reise gehen könnte.

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    #196527 (0)
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    Teutonicus
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    Danke, Sven!

     

    Shman Frontal schrieb:Möchtest du meine Meinung dazu hören?

    Selbstverständlich  😀

    #196539 (0)
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    H_D
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    Bodybuilder in der WK-Vorbereitung nehmen ja auch nicht T4, sondern direkt T3

    #196540 (0)
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    Sven
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    Danke HD.

    Wobei zu unterscheiden wäre das sich Bodybuilder absurd hohe Dosen reinziehen um in kürzester Zeit die letzten Fettdepots wegzurösten. Ein Normalo der einfach etwas fitter sein will ist mit unter 10mg über den Tag meist gut bedient.

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