Insulinresistenz – Teufelskreis – Widersprüche

Dieses Thema enthält 58 Antworten und 8 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von Avatar La_Nicci 05.03.2019 um 11:39.

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    La_Nicci
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    Hallo

    Mein 2019-Riesenprojekt: Abnehmen und Insulinresistenz loswerden bzw. Insulinsensitivität erhöhen. Voll motiviert … aber leider auch verwirrt wegen der Strategie und Widersprüche.

    Früher, noch schlank und super sportlich, war ich in der low-carb-Szene total dabei, dachte, das sei einfach nur gut. Leider habe ich mir in all den low-Carb Jahren meine Insulinsensivität total verbaut. Als ich dann beschlossen habe, diesen ganzen low-carb-Wahn sein zu lassen (weil ich einfach keine Lust mehr hatte), habe ich dann leider keine Carbs mehr vertragen. Innert kurzer Zeit wurde ich prädiabetisch; was ich immer noch bin, nun auch noch mit viel Übergewicht und einer zusätzlichen reaktiven Hypoglykämie (relativ gesehen). Ich will jetzt abnehmen UND die Insulinsensivität zurückerlangen. Weil mich Chris‘ und Phils Buch zum Stoffwechsel sehr überzeugt hat (schon nur deshalb, weil es sehr schön zeigt, wie man sich mit low-Carb den Stoffwechsel versauen kann), will ich es mit den Vorschlägen aus diesem Buch versuchen.

    1) Es gibt da aber eine Verständnis-Verwirrung. Aus dem Stoffwechselbuch habe ich entnommen, dass ich bei Insulinresistenz abnehmen soll, aber ohne die KHs zu bannen. Also Mischkost mit KH und Proteinen und wenig Fett.
    Doch dann lese ich im Artikel „Die Wirkung von Leptin: Der Schlüssel zur Traumfigur“ eine Anmerkung von Chris mit folgenden Worten: „Der Fettstoffwechsel muss immer relativ betrachtet werden. Wenn jemand beispielsweise sehr dick ist, dann lagern sich Fettsäuren und -Derivate im Muskel ein und überladen die Mitochondrien. Dummerweise kann der Muskel von Diabetikern (respektive Insulin-Resistenten) sehr häufig nicht gut mit der Fettmenge umgehen. Das kann man z. B. zeigen anhand einer niedrigeren mitochondrialen Dichten und weniger Kapazität bzgl. der Oxidation von Fettsäuren. Hier ist eine Steigerung der Fettsäure-Oxidation absolut gewinnbringend, denn dadurch wird man die Fettsäuren im Muskel los (und hoffentlich auch im Schwabbel): Der Muskel wird wieder Insulin-sensitiv. Programmiert man den Muskel aber auf chronisch stark gesteigerte Fettverbrennung, so wird er die Glukose-Utilisation schlicht dramatisch verringern. Natürlich wäre solch ein Muskel (bzw. der Körper) vermutlich geschützt vor metabolischer Entgleisung (z. B. Fettleibigkeit). Auf der anderen Seite aber, können dieselben Signalwege auch dafür sorgen, dass der Muskel wiederum Insulin-resistent wird.“
    Ja, wie gehe ich nun vor?
    Ich frage mich, warum Chris im Stoffwechselbuch überhaupt empfiehlt, bei Insulinresistenz auf den KH-Stoffwechsel umzuschalten (klar, weil es insulinsensitiver macht), aber im Artikel gleichzeitig sagt, den Fett-Stoffwechsel sei bei Übergewichtigen (die ja meistens insulinresistent sind) sei dann doch anzustreben, weil sonst die Muskeln die Fettsäuren nicht loswerden.
    Ich verstehe es so, dass man entweder
    a) auf Fettsäurestoffwechsel geht (low-Carb), um die Fettsäuren aus den Muskeln zu kriegen – dabei wird man aber leider noch insulinresistenter
    oder
    b) man geht auf den KH-Stoffwechsel, wird wieder insulinsensitiver, nimmt aber nicht ab, weil die Fettsäuren nicht aus den Zellen können
    Das ist doof, denn ich will ja beides: Gewicht verlieren UND insulinsensitiver werden! Dann was bringt mir Gewichtsverlust durch Ketose/low-Carb, wenn ich danach wegen noch stärkerer Insulinresistenz wieder zunehme, weil ich den kleinsten Krümel Kohlenhydrate dann nicht mehr vertrage? Dann bin ich nämlich wieder am gleichen Punkt wie früher, als alles angefangen hat.
    Wie soll man das nun zusammenbringen?

    2) Dann wäre da noch das Problem mit der reaktiven Hypoglykämie. Obwohl ich generell zu hohen Blutzucker habe, ist der Abfall von sehr hoch zu mittel zu gewissen Tageszeiten drastisch. Das ist nicht nur ein bisschen zittrig und schwindlig werden – ich hatte auch schon starke Bewusstseinstrübungen davon, gerade nachts.
    Jedenfalls weiß ich nicht, wie ich die Hypoglykämie mit dem sonstigen Insulinproblem managen könnte. Der einzige Weg, um diese Hypo-Anfälle zu vermeiden, ist bei mir, wenn ich alle 90 Minuten etwas Kleines esse. Aber so nehme ich wohl kaum ab, da ja Insulin so ständig ausgeschüttet wird. Wie soll ich also beides – Insulinresistenz, Gewichtsverlust und reaktive Hypoglykämie – unter einen Hut bringen?

    Wenn jemand Ideen dazu hat – mille grazie!

    Nicci

    #179927 hilfreich: 0
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    edubily-dev
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    Es ist ganz einfach: Ein guter KH-Stoffwechsel und ein guter Fettstoffwechsel sind miteinander verknüpft.

    Warum? Weil der Fettstoffwechsel die Fette wegschafft und dadurch den Kohlenhydratstoffwechsel verbessert.

    Da das alles sehr kompliziert ist, kann man es vereinfacht so ausdrücken: Nimmt man überschüssiges Fett aus dem Körper, werden die Zellen wieder insulinsensitiver. Es ist egal, mit welcher Kostform das erreicht wird. Kleine Einschränkung: Ultra low carb (ketogen) erzeugt eine andere Art der Insulinresistenz (physiologische IR), die aber nicht vergleichbar ist mit der "echten", also pathologischen Insulinresistenz. Ketogene Kostformen eignen sich bei Diabetes deshalb so gut, weil man dadurch natürlich nicht noch mehr KHs in den Tank gibt, der ja keine KHs mehr aufnehmen kann … Später, also wenn KHs aufgrund der Fettreduktion wieder vertragen werden, kann man dann auch mehr KHs einbauen.

    Alles aber auch hier genauer nachzulesen: https://edubily.de/2018/07/den-insulin-f…hsel-verstehen/

    #179928 hilfreich: 0
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    La_Nicci
    Beiträge: 40

    Danke, Chris, für deine Antwort.

    Wenn ich nicht so verdammt neugierig wäre, würde ich nicht mehr weiter nachfragen, aber es juckt mich ;-)
    Es ist mir klarer, aber noch nicht 100%. Wenn man also als Diabetiker low-carb ein paar Pfunde abspeckt, werden die Zellen insulinsensitiver. Das begreife ich eben nicht. Weil, nach deinen Forschungen, ist ja die Ursache einer Reistenz, dass bei einem Fettsäuren-Stoffwechsel die Zellen Glukose dann gar nicht mehr hereinlassen können, weil die Rezeptoren auf die Fettsäuren eingestellt sind und nicht auf die Glukose. Wenn man dann mit low-Carb dann 20 Kilo abnimmt – warum sollte das dann insulinsensitiver machen, wenn doch die Zellen mit der Glukose gar nicht mehr umgehen können? Nur weil weniger Fett (Fettsäuren) im Körper sind, heißt das doch nicht, dass die Zellen deshalb insulinsensitiver werden. Oder doch? Sorry fürs Korrinthenkacken.

    #179929 hilfreich: 0
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    edubily-dev
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    Gesund/Normal = Zelle kann beides je nach Bedarf/Situation oxidieren ("metabolische Flexibilität")

    Krank/nicht normal = Zelle nimmt zu wenig Kohlenhydrate auf, oxidiert Kohlenhydrate schlecht, überfrachtet mit Fett

    Zitat


    Nur weil weniger Fett (Fettsäuren) im Körper sind, heißt das doch nicht, dass die Zellen deshalb insulinsensitiver werden.


    Doch, genau. S. Artikel, den ich dir oben verlinkt habe.

    #179930 hilfreich: 0
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    La_Nicci
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    Gut, dann war das wohl der bug in meinen Hirnwindungen gewesen. Jetzt ist alles klar.

    #179931 hilfreich: 0
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    edubily-dev
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    Schau mal, das ergibt doch auch Sinn: Wie stellt man einen entgleisten Energiestoffwechsel wieder her? Indem man ihn zurück in die Spur setzt. Und das geht, indem man Anomalien (z. B. zu starkes Übergewicht) korrigiert. Natürlich gibt’s auch Ausnahmefälle, bei denen das nicht so einfach möglich oder wirksam ist. Aber die Datenlage verdichtet sich dahingehend, dass wirklich fast jedem geholfen werden kann auf diesem (einfachen) Wege.

    #179932 hilfreich: 0
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    naklar!
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    ( einfach ) = simple, but not easy.

    #179933 hilfreich: 0
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    edubily-dev
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    Beim nochmaligen Lesen meines Posts vorhin dachte ich das gleiche – Danke :-P

    #179934 hilfreich: 0
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    La_Nicci
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    Haha, ja total easy. Ich nehm dann mal 30 Kilo ab und melde mich schwups wieder, wenns geklappt hat.

    Nein, aber im Ernst, irgendwie wird das gehen. Vielleicht dauert es halt ein wenig länger, da ich wegen der Hashimoto nicht zu low-carb gehen darf (und ehrlich gesagt auch keine Lust mehr darauf habe), aber mein Zauberwort heißt ab heute: KONTINUITÄT i.S.v. durchhalten.

    #179935 hilfreich: 0
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    Luna
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    Hi
    Erlaube eine kleine Zwischenfrage: Wieso sollte man mit Hashi kein low carb machen dürfen?
    Ich habe selbst Hashi und mit low carb oder sogar very low carb/ketogen keine Probleme.
    Ganz ehrlich, ich halte das für eines der vielen Gerüchte aus den Hashiforen. Wenn es danach geht, gibt es wohl nichts was man als Hashi nicht meiden sollte. Nichts für ungut.
    Trotzdem: viel Erfolg für dein Vorhaben.
    LG
    Luna

    #179936 hilfreich: 0
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    La_Nicci
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    Hallo Luna

    Das gilt natürlich nur für mich persönlich. Ich kenne mich sehr gut mit Low Carb aus, habe das sehr lange gemacht (mein halbes Leben), aber seit ich Hashi habe – auch mit guter Einstellung – funktioniert es für mich nicht mehr. Ich habe glücklicherweise noch eine fast intakte SD und keine laufenden Entzündungen, doch meine Balance ist sehr anfällig. Wenn ich zu wenig Carbs esse, dann sackt mir der T3 ab. Das könnte ich mit meinen Schweinehormonen gegensteuern und erhöhen, aber dann fühlt sich die Einstellung nicht mehr so gut an – vermutlich auch, weil ich dann etwas kompensiere, was meine SD unter Idealbedinungen auch selbst herstellen könnte. Und zu den Idealbedingungen gehört eben eine gewisse Menge an Carbs. Aber wie gesagt – gilt für mich persönlich. Ich kenne auch Leute mit Hashi, die gut low-carb essen können. Jeder ist halt anders.

    #179937 hilfreich: 0
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    ChristineH
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    Zitat von La_Nicci im Beitrag #5


    Jetzt ist alles klar.


    Respekt! Mir ist es bis heute noch nicht wirklich klar, obwohl ich schon sehr lange hier mitlese ;-)

    Ich habe mich mittlerweile darauf zurückgezogen: Insulinresistenz bei mir (fett übergewichtig) kann nur durch negative Energiebilanz behoben werden und dann isses auch egal, wie hoch der KH-Anteil prozentual ist.

    Zur Zeit ist meine Hormonschieflage, die mir ständig sehr zermürbend einen Fressbefehl diktiert, nicht ganz so schief wie sonst, so dass ich momentan eine Art Potato Hack plus mageres Protein fahre, also ziemlich viele KH und sehr wenig Fett. Möglichst "langweiliges" (non-rewarding) Essen, damit ich mich nicht so überfresse wie sonst.

    #179938 hilfreich: 0
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    La_Nicci
    Beiträge: 40

    Hi Christine

    Das mit dem "non-rewarding" schwebt mir auch vor, denn die einzige Gefahr bei Carbs ist bei mir, dass sie Lust auf mehr machen, auch wenn ich schon satt bin. Je langweiliger (zumindest am Anfang), desto besser. Bei mir braucht es immer so 3-4 Wochen und dann nimmt das mit den Gelüsten ab. Die größte Hürde wird dann der Sommerurlaub sein. Sonne, Strand, Meer … ich weiß, ist doof, aber so ohne Cocktails oder Gelati fehlt irgendwie das Tüpfelchen auf dem i. Aber mental darauf vorbereitet, wird das auch irgendwie gehen.

    Wie viel Fett willst du denn verschenken?

    #179939 hilfreich: 0
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    negore
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    Zitat von Chris (edubily) im Beitrag #2


    Ultra low carb (ketogen) erzeugt eine andere Art der Insulinresistenz (physiologische IR), die aber nicht vergleichbar ist mit der "echten", also pathologischen Insulinresistenz


    Das passt ganz gut bzgl Teufelskreis. Ist die physiologische IR nur Temporär oder chronisch? Wie schauts aus wenn man intensiv Sport macht, da ja bei steigender Anstrengung der Stoffwechsel gewzungenermaßen auf KH umstellt. Ist das nicht ein Vorteil im Intervalltraining, da ich in den Pausen hauptsächlich Fett verbrenne und dann bei der Belastung mehr KH im Speicher habe?

    LG

    #179940 hilfreich: 0
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    La_Nicci
    Beiträge: 40

    Negore

    Die physiologische IR besteht so lange, wie du sie "betreibst" ;-) Also temporär oder chronisch.
    Das mit dem Sport kommt wohl darauf an, was du dir an Nahrung zuführst. Wenn du keto isst, dann hast du ja gar keine KH zum verbrennen, sondern erzeugst Glukose aus Fett und steigst nicht auf den KH-Stoffwechsel um. Das mit dem "in den Pausen hauptsächlich Fett verbrenne und bei der Belastung mehr KH im Speicher", da verstehe ich nicht, wie du das meinst. Warum sollst du bei Belastung mehr KH im Speicher haben?

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