Infobesity

Dieses Thema enthält 4 Antworten und 5 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von Avatar Mo 16.02.2019 um 21:08.

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    Tobi90
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    Angeregt durch ein Video, das ich heute gesehen habe, habe ich mein Verhalten mal wieder kritisch hinterfragt. Am Anfang dachte ich, der Typ labert mal wieder den 0815-Quatsch und betreibt Bullshitbingo, aber zumindest der Technologie-Teil (zusammen mit der Ungeduld) hat mich dann doch gepackt und direkt an den Infobesity-Artikel erinnert.

    Und es ist leider einfach verdammt wahr. In meiner Generation (U30), aber im Grunde auch darüber hinaus, sieht man so gut wie jeden nur am Smartphone. Ob im Bus, Zug, auf der Straße, in der Vorlesung, Bibliothek, beim Mittagessen. Aber nicht zur wenn man alleine ist, sondern auch häufig, wenn Leute dabei sind.

    Beim Infobesity-Artikel habe ich es mir noch nicht so ganz eingestehen können, aber ehrlich gesagt würde ich mich nun uneingeschänkt als "infobese" bezeichnen. Konzentriertes Arbeiten wird häufig durch den Blick aufs Handy bzw. Refresh der Standard-Apps unterbrochen. Kreative Langeweile gibt es nicht; im Zweifel wird das Handy gezückt, ob beim Frisör, im Bus/Zug oder beim Toilettengang. Und wenn ich mich so umsehe oder mit anderen darüber spreche, ist das eher die Regel aus die Ausnahme.

    Trotzdem oder gerade deshalb macht es das Ganze nicht besser!

    Ein befreundeter Psychologiestudent meinte neulich zu mir, es gäbe das Konzept/die Hypothese in der Suchtforschung, dass – analog der Alkoholsucht – ein entsprechend Süchtiger bei erneuter Nutzung seines Suchtobjektes mindestens das gleiche Level wie vor der Abstinenz bzw. Entscheidung zur Komsumreduktion erreichen wird.

    Konkret bedeutet das: Hast du vorher jeden Tag eine Flasche Wein getrunken und entscheidest dich nun, jeden Tag nur noch ein Glas zu trinken, wird das nicht funktionieren (auch nicht mit vorherigem Entzug). Entweder ganz oder gar nicht, wobei ein höhereres Level natürlich auch möglich ist. Bei Alkohol scheint das beispielsweise bestätigt zu sein. Interessanterweise scheint es bei der (extremen) "Fettsucht" ja auch ähnlich zu sein, obwohl das natürlich nicht optimal vergleichbar ist – aber der Körper versucht (hormonell) offenbar trotzdem, immer wieder zu seinem alten Übergewicht zurückzufinden (siehe diverse Artikel, Kevin Hall etc.).

    Fraglich ist natürlich, ob es denn möglich ist, sich im Hinblick auf die angesprochene "Infobesity" oder "Info-/News-/Internet-/Social-Media-Sucht" so zu disziplinieren, dass man seinen Konsum auf ein kontrolliertes Maß zurückfährt.

    Sprich: Z. B. 10 Minuten vor Ende der Mittagspause und ansonsten nur auf wichtige Privatnachrichten/Anrufe/Mails antworten. Handy ansonsten in der Jackentasche oder so, auch in Meetings oder beim Essen, nicht auf den Tisch legen etc. Dann wieder am Abend nach dem Essen für 15 Minuten und ggf. noch morgens auf dem Weg zur Arbeit.

    Wäre sehr erschreckend, wenn das nicht möglich ist. Denn eine Form von Abhängigkeit existiert (bei mir und vielen anderen) definitiv. Allerdings sind die Fälle Alkoholsucht und Infobesity meiner Meinung nach doch ganz gut vergleichbar und ich spüre die Dopamin-Maschinerie recht deutlich – kurzfristige Belohnung ist stehts nur einen Swipe entfernt.
    Dennoch möchte ich nun versuchen, meinen Konsum deutlich bewusster – im Sinne eines Werkzeugs – und reduzierter zu gestalten. Allerdings gar nicht so einfach, da einige "Tools" dann doch sehr sinnvoll sind (Kalender, Musik, Navigation, Kommunikation).

    Wie seht ihr das? Habt ihr ähnliches bei euch erkannt und entsprechend daran gearbeitet? Wie sind eure Erfahrungen?

    #179778 hilfreich: 0
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    Django
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    Beiträge: 169

    Das ist eine Theorie von vielen. Es gibt z.B. bei der Behandlung von Alkoholikern auch den entgegengesetzten Ansatz, bei dem einfach eine deutliche Reduktion statt eines völligen Verzichts auf Alkohol angestrebt wird.

    #179779 hilfreich: 0
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    t0my89
    Teilnehmer
    Beiträge: 43

    Servus!

    Ich bin selbst Ende meiner 20er und erkenne dieses Suchtverhalten bei mir ziemlich stark. Besonders Youtubevideos, Socialmedia (Whatsapp,Instagram) und die Suche nach neuen Informationen auf NewsPlattformen lassen mich regelmäßig vorm Bildschirm kleben. Ich habe schon mehrmals versuche einer "Low-Information-Diet" ausprobiert, bin aber immer sehr schnell rückfällig geworden. Die Durchführung von ketogenen Diäten, Fastentagen, kalte Duschen hab ich dagegen schon öfters längerfristig durchgezogen (ein bisschen WIllenskraft ist bei mir also vorhanden). Besonders das regelmäßige abchecken nach Whatsappnachrichten ziehen mir die Aufmerksamkeit in vielen Momenten ab.
    Ich würde gerne mal eine längere Zeit komplett ohne Internet leben, allerdings planen verschiedene Freundeskreise von mir ihre Aktivitäten ausschließlich über Whatsappgruppen. Soziale Kontakte würden also bei komplettem Verzicht darunter leiden, weil ich vieles nicht mitbekommen würde. Alleine das stellt schon eine riesige Hürde für mich dar.
    Hinzu kommt der (berufliche) Alltagsstress der mich anfällig für sinnfreie Dopaminkicks macht.

    Zu den Folgen:
    Ich befürworte die Thesen von Mandred Spitzer (Digitale Demenz) und bemerke schon länger eine Beeinträchtigung meiner eigenen Merk- und Konzentrationsleistungen. Ich bin leider auch schlecht darin mich an die kosumierten Medien zu erinnern oder sie mit eigenen Worten wiederzugeben. Es ist natürlich möglich das andere (körperliche) Faktoren dafür ebenfalls ursächlich sind, dennoch denke ich das der Stress durch digitale Medien einen erheblichen Teil dazu beiträgt. Das Gehrin wird schlichtweg auf den Input vieler Informationen getrimmt und passt sich an (Neuroplastizität). Im Studium hat ein Professor immger gesagt: "Sie müssen den Output von Informationen üben!" Leider stimmt das Verhältnis von Input zu Output bei mir (und den meisten Menschen in meinem Alter) überhaupt nicht mehr. Bin gespannt was das langfristig mit uns macht.

    Habe bisher keine Lösung gefunden "gesünder" mit der Problematik umzugehen.
    Falls jemand Anregungen und Tipps hat, freue ich mich über Austausch.

    Viele Grüße
    Tomy

    #179780 hilfreich: 0
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    Wolf08
    Teilnehmer
    Beiträge: 15

    Kann das hier sehr empfehlen –> https://www.amazon.de/Digitaler-Minimali…asap_bc?ie=UTF8

    Wenn man Cal Newport im Youtube sucht und Minimal Digital Minimalism eintippt, kommen auch einige Interviews/Podcasts zu dem Thema welche alle sehr aufschlussreich sind!

    #179781 hilfreich: 0
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    Mo
    Beiträge: 381

    man könnte nur noch zur vollen stunde online gehen

    dann alle 2 stunden etc.

    das geht schon, wenn man will

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