Existiert Adrenal Fatigue?

Dieses Thema enthält 9 Antworten und 5 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von Avatar Teutonicus 29.03.2020 um 18:12.

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  • #220997 (1)
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    Teutonicus
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    Ich stoße mittlerweile immer öfter auf den Begrif Adrenal Fatigue. Gemeint sein soll offenbar eine „Ermüdung“ der Nebennierenrinde, die sich jedoch weder organpathologisch diagnostizieren lässt, noch annähernd was zu tun hat mit lebensbedrohlicher adrenaler Insuffizienz.

     

    Unter anderem wird hier im Forum davon gesprochen und sogar in einem Beitrag von Chris: „[…] Falls du eine Nebennieren-Schwäche hast, […]“ (https://edubily.de/pflanzenstoffe/pflanzenheilkunde-ingwer/)

     

    Mir ist sowas aus der Schulmedizin überhaupt nicht bekannt und ich konnte keine Studien finden, die neue Erkenntnisse solcher Art auch nur andeuten.

    Im Gegenteil sogar. Adrenal fatigue does not exist, a systematic review: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4997656/

    https://www.health.harvard.edu/blog/is-adrenal-fatigue-real-2018022813344

     

    Die einzigen Quellen für dieses angebliche Krankheitsbild bestehen meiner bisherigen Recherche nach aus unfundierten Berichten der Gefühlslage einzelner Privatleute oder Websites von Heilpraktikern, die teilweise auch Geisterbeschwörungen und oralen Verzehr von ätzenden Desinfektionsmitteln befürworten. Und dass Unternehmen wie Stada oder Ratiopharm sich nicht wie Nonprofit Organisationen verhalten ist auch selbstverständlich, erst recht deswegen aber stelle ich in dem Fall Manipulation in Frage. Siehe Entwicklung der Referenzbereiche einer behandlungsbedürftigen Schilddrüse, Blutdruck und so weiter. Mit Kusshand würde man jedem Stressgeplagten gerne dauerhaft Cortison verschreiben und idealerweise im Anschluss noch an den üppigen Folgen mitverdienen.

     

    Also, wo habt ihr das her?

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    #220998 (1)
    Marie
    Marie
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    Es ist richtig, dass in der Schulmedizin keine Nebennierenschwäche existiert!

    Es gibt

    Herzschwäche

    Leber/Gallenschwäche

    Magenschwäche

    Aber Nebennierenschwäche, nee, Fehlanzeige.

     

    Um diese sinnvoll zu behandeln, braucht es keine Medikamente, die patentierbar sind.

    Lebensstilveränderungen, Schlafhygiene, Lichthygiene, sinnvolle Ernährung, Stressmanagement, gute Nems

    Dazu eventuell Hydrocortison, die körperidentische Variante und DHEA. Beide nicht patentierbar.

     

    Cortison ist nicht körperidentisch, daher patentierbar. Hat aber massive Folgen in der Behandlung, da das Regulationssystem Hypothalamus-Hypophyse stark beeinflusst wird.

     

    Die SD-Referenzbereiche sacken immer weiter ab, Hormon-Normwerte richten sich nach dem Alter (was selten den Gesundheitswerten entspricht)

    SD Hormone müssen körperidentisch sein, sonst würde der Schwindel sehr schnell auffliegen. Also gibt es da nix zu verdienen.

    Aber an den Folgen von niedrigen Werten ist jede Menge rauszuholen: Statine, Blutdrucksenker, Antidepressiva, Betablocker, Schlafmittel, …

     

    Die Blutwerte vieler Leute und die anschließenden therapeutischen Interventionen haben mir gezeigt, dass es diese Schwäche durchaus gibt.

     

    Lotti
    #220999 (0)
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    Sven
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    Verstehe deinen Beitrag nicht ganz?

    Adrenal Fatigue ist sicher keine konkrete Indikation sondern eine Begriff für eine Symptomansammlung. bzw. ein Mangel an Hormonen welche die NN liefern sollten. Warum die NN weniger liefern ist tatsächlich die Frage, den meist sind diese – ein Glück- anatomisch noch in der Lage dazu. Der Begriff Burnout meint evtl. das Gleiche.
    Air-out oder im Arsch klingen halt nicht so gut 😉 . Geben tut es das aber trotzdem. Adrenal Hormone Dysbalance wäre daher evtl. passender.

     

    #221002 (0)
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    Teutonicus
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    Marie schrieb:Es gibt

    Herzschwäche [..]

    Diese „Schwächen“ sind aber kausal auf eindeutig identifizierbare strukturelle Pathologien zurückführ- und nachweisbar. Das theoretische Vergleichsbeispiel Kokainmissbrauch -> Herzmuskelfibrose -> Beeinträchtigung der Herzfunktion, ist nicht abbildbar auf „zu viel Stress“ -> Nebennierenschwäche -> beliebige Erschöpfungssymptome. Von mir aus auch Schilddrüsen Autoantikörper -> Gewebszersetzung -> veränderter Kalorienverbrauch. Oder Ecstasy -> Verringerung serotonerger Rezeptorendichte -> traurig ängstliche Hangover-Gefühle.

    Welche Kausaldiagnostik isoliert denn die Nebenniere? Cortisol im Speichel lässt keine validen Schlüsse über den totalen Ausstoß von Cortisol im Gesamtorganismus zu und erst recht keine physische Organschädigung.

     

    Sven schrieb:eine Begriff für eine Symptomansammlung […]

    Das ist dann aber eine andere Definition, als das, was unter „Nebennierenschwäche“ typischerweise beschrieben wird. Allgemeine Erschöpfungssymptome können ja von vielem ausgehen. Und dass dann unter anderem Beruhigung in jeder Form (Marie’s Beispiele oben) hilft, ist nichts neues. Aber ein lokales organisches „Ausbrennen“ der Nebennieren, die vom Stress schwach geworden sein sollen wie ein Muskel beim Training, irritiert mich.

    #221004 (1)
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    meise
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    Witzig, ich hab vorgestern zufällig den Artikel von selfhacked dazu gelesen:

    https://selfhacked.com/blog/adrenal-fatigue/

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    #221005 (1)
    Marie
    Marie
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    Eine Schwäche muss nicht durch einen Schaden am Organ entstehen.

    Schwach heißt einfach, es macht nicht das, was erwartet wird.

    Dann sollte man nach Ursachen suchen.

     

    Auch eine Herzschwäche ist nicht zwingend durch organische Probleme bedingt, SD-Unterfunktion kann z.B auch solche Symptome, sogar messbar, auslösen.

     

    Cortisol kann man sehr wohl verlässlich messen, ein Tagesprofil gibt Aufschluss.

    Wenn mans nicht glaubt, dann noch Blut dazu  + die Symptome.

    Auch den Verlauf/Stadien einer NNS kann man, wenn man will, gut beobachten.

     

    Physische Organschädigung ist bei der NN Morbus Addison oder Morbus Cushing.

     

     

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    #221010 (0)
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    Teutonicus
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    Und dass es dazu nicht eine einzige Forschungsarbeit mit nachvollziehbarer Beweisführung gibt, liegt an der spitzbübischen Gerissenheit der Industrie?

     

    Also wir müssen sicher keine Diskussion über Pharma Wirtschaft beginnen, ich hab selbst dort zwei Freundinnen in hohen Posten und weiß aus erster Hand, dass durchweg über Leichen gegangen wird, extrem viele Leichen. Aber dieses schwarz-weiß Denken widerspricht der Evolution. Pharma ist kein singuläres Gebilde in Syndikat Struktur wie das Tijuana-Kartell. Wenn Forschende auf Signifikanzen stoßen, wird aus eigenem Vorteil publiziert, sogar obwohl es oft unbrauchbar ist und erst recht wenn in einer Nische neues Geld verdient werden kann. Schon im Generikageschäft fängt der Rechtsstreit um Patente zwischen Unternehmen an. Wenn einer was entdeckt, das den anderen aussticht oder vom Markt drängt, wird die Gelegenheit bis auf einzelne Ausnahmen auch ergriffen. Obendrein auf längere Sicht sowieso. Das ist die selbe Halblogik wie Spekulationen über unterdrückte Zaubermedikamente, die jeden Krebs heilen können. Ohne Frage ist die Welt mit Faustregeln angenehmer und klare Feindbilder sinnstiftend, aber so eindimensional funktioniert das nicht.

    #221012 (1)
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    helga666
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    Coole Fragestellung, ich vermute Dreierlei:

     

    1 – Da ist zuwenig Kohle drin, weil Krankheit zu selten, insuffiziente Ausbildung des Organs in der Entwicklung, ja warum nicht

    2 – Der alternativ med. Markt will auch verdienen

    3 – Deine Motivation eine 100%ige reproduzierbare Genauigkeit in einer „Erkrankung“ festzumachen die mit hoher Wahrscheinlichkeit auch einen erheblichen mentalen Anteil hat (vorheriger Ausschluss von physiologischen Insuffizienzen) ist gerade dadurch eine für unsere jetzigen diagnostisch verfügbaren Mittel noch zu nebulöse Angelegenheit. Du machst dir sicher mehr Gedanken über mögliche Rückschlüsse von unserer Umwelt auf unsere Gesundheit als der Großteil derer die eine medizinische Laufbahn einschlagen und den Eid d. Hippokrates nur als Lippenbekenntnis wahrnehmen.

     

    In den Artikeln von Chris scheint es auch immer wieder durch, dass Substanzen, Nahrung usw. eine eher untergeordnete Rolle spielen, betreffend der Gesamtgesundheit. Mentale und soziale Einflussfaktoren sind wohl messscheuer als Körpersäfte.

    Ich kann mich auch irren.

    Ein geiles Buch von Michio Kaku The Future of the Mind beschreibt diagnostische Möglichkeiten in der zukünftigen Medizin die äußerst stimulierend sind. Hat mit dem Topic grade nichts zu tun, aber der neuronal vernetzte Gedankenbrunnen hat zugeschlagen.

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    #221014 (0)
    Marie
    Marie
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    Die Lebensumstände haben sich dermaßen verändert, dass die NNS eine Reaktion darauf ist.

    Im Grunde steht der Körper ununterbrochen unter Stress, auch oft, wenn man es nicht merkt.

    Das Verhältnis Stress-Ruhe-NNErholung ist nicht mehr ausgewogen.

     

    Dazu kommen Stoffe aus der Umweltgifte, EMF Belastung, ungesunde Lichtdispositionen….

    Das alles zusammen geht dann bei vielen nicht mehr.

     

    Seit ü 40 Jahren gibt es die Pille, die ich auch als einen Mitauslöser sehe, weil sie die Progesteronbildung stark stört. Progesteron wiederum ist das Vorläuferhormon von Cortisol.

    Da diese Derivate über den Urin abgehen, können mittlerweile auch die Männer betroffen sein, weil sie auch vom Grundwasser leben müssen.

     

    NNS sehe ich als Folge des modernen Lebens, da muss man nix Neues erfinden.

     

    Die Therapieansätze helfen, also sehe ich da schon Zusammenhänge, dass es die o.g. Gründe sind, die dazu führen.

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