Adaption

Dieses Thema enthält 2 Antworten und 3 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von Avatar PhanTazMa 11.01.2020 um 14:03.

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    Shman Frontal
    Shman Frontal
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    Verzweiflung klingt sehr verzweifelt. Heute weiß ich jedoch, dass das die halbe Miete war. Zu erkennen, zu sehen, zu fühlen, dass alles im Arsch ist, und man sicher ist keineswegs zu übertreiben. Volle Fahrt bis man klinisch krank wird. Das bleibt mir erspart, ich muss das nicht durch machen.

     

    Ich sitze nun da, ein elendes Stück, und kann mir keinen Reim bilden. Egal wo, sie sagen und schreiben das Gleiche. Testosteron, das Wunderzeug. Östradiol, die Krätze. Es ist schon 1 Jahr vergangen, ich war keinen wirklichen Schritt weiter. Jedoch habe ich gelesen. Und zwar viel. In der Regel 4-8 Stunden am Tag, wie es meine Zeit erlaubte. Und wenn ich keine Zeit hatte, dann machte ich mir welche. Ich war depressiv. Ich konnte auf alles scheissen, es war einfach. Was ist, wenn mein Körper einen Plan B hat? Und ich nichts davon weiß?

     

    Spätestens als ich Hans Selye entdeckte ergaben viele Dinge Sinn. Gleichzeitig passten die Meinung andere Biochemiker nicht mehr. Hans Selye beschrieb Östradiol als das ultimative Stresshormon. Östradiol mimt den schlimmsten Stressor, nämlich Schock. Das kann kein anderes Hormon. Während sich die 0815-Hobby-Forscher und selbsternannten Experten bzw Vollidioten in Forum und auf Blogs irgendeinen Müll zusammenstellten, und Östradiol’s Nachteile größtenteils darauf beschränken, dass es Testosteron klaut und Fett macht, wollte ich wissen, warum ein gewisser Raymond Peat, Östradiol geradezu dogmatisch verteufelte, und zwar auf einem Level, welches ich bis Heute nicht mehr erlebt habe. Ich legte mich gleich mit der Champions League an, die Arroganz war immer noch da, und auf perverse Weise, half es mir. Allerdings war damit jegliche Hoffnung die ich verspürte, dass Östradiol auch was gutes haben könnte, begraben.

     

    Mir blieb nichts anderes übrig als mich glücklich zu schätzen, dass Östradiol im Mangel war, und ich sollte froh sein, dass Testosteron so hoch ist. Wenn es nach ihnen ginge. War ich aber nicht. Und ich widersprach

     

    Arzt nach Arzt, das große Blutbild dutzende mal anfertigen lassen. Die Werte könnten nicht besser sein, zumindest das was gemessen wurde. Der typische Veganer Fehler. Ich entdeckte edubily, konzentrierte mich nun mehr auf die Schilddrüse. Ich las alle Bücher, bestellte mir zusätzlich Peat’s Bücher zu Horror Preisen und besorgte mir ein Netbook, um auf Pubmed und Co auch unterwegs lesen, aber vor allem auch recherchieren zu können. Dann lies ich meine Schilddrüse kontrollieren.

     

    Ich bekam Blut abgenommen, währenddessen per Ultraschall die Schilddrüse angeschaut. Nichts auffälliges, normal groß, sogar schön symmetrisch sagte der Arzt(damals konnte ich nichts damit angefangen).

    Im Wartezimmer nochmal Platz genommen, sie hatten ein internes Labor, die Werte waren nach nicht mal 1 Stunde fertig. Der Arzt rief mich abermals herein und zeigte mir den Wisch. TSH bei 1.03, „Das ist schon mal sehr gut!“ Sagte der Arzt. Ft3 bei 4.38ng/l, laut seinem Referenzbereich bei 99%. FT4 bei 74%.

     

    „Ihre Schilddrüse könnten nicht besser sein! Glückwunsch! Sie sind ein schlanker, gesunder junger Mann!“

     

    Ohne Östradiol im Blut ist es sehr schwer Aggressiv zu werden. Eine von vielen Eigenschaft welche man fälschlicherweise ausschließlich Testosteron zuschreibt. Ich schaute ihn nur wie ein Auto an, bekam kein Wort heraus, schaute schon fast auf den Boden. „Warum bin ich krank?“ fragte ich ihn, und er erwiderte, dass ich nicht krank sei. Ich sagte, dass das auch nicht gesund sein kann, und er meinte ich hätte zuviel Stress.

    In diesem Moment schoss mir Adrenalin und noch mehr Cortisol durchs Blut. Warum? Das Wort Stress fing seit längerem an mich zu triggern, ich konnte Hans Selye arbeiten nicht mehr sehen. Und nun konnte ich auch ohne Östradiol aggressiv sein. Ich erhob die Stimme, wurde sehr laut, schrie ihn an, ob das wirklich Alles ist. Er antworte nicht. Sein Blick. Er gewann. Ich ging einfach. Kein Angriff, nur Flucht, und somit auch irgendwie verflucht.

     

    Meine Adern waren geweitet, mein Kopf und Hände blutrot, ich war heiß, leichter Schweiß am ganzen Körper. Mein Herz schlug mit über 130bpm. Ich spürte Kraft, keinen Schmerz. 6 Monate später bemerkte ich rückblickend, dass ich mir noch Vorort selbst bewiesen habe, dass meine Schilddrüse bestens funktioniert.

     

    Überall auf der Welt träumen sie von diesen Hormonwerten. Sie jagen ihnen nach, und falls nötig, dann wird was geschluckt oder gar gespritzt. Ich frage mich, was ihr denn macht, wenn alle eure Blutwerte so sind wie sie ihr gerne hättet, und ihr am Ende trotzdem nicht das fühlt, was man euch versprochen hat, oder ihr euch zumindest erhofft habt? Was dann?

     

    Zuhause angekommen rauchte ich wieder eine. Plötzlich wurde mir übel, mein Herz stolperte, mein Magen verkrampfte, und ich bekam kalten Schweiß. Ich dachte ich bekomme einen Herzinfarkt. Ich rannte zur Küche, trank ein Glas Wasser und musste rülpsen, meine Verkrampfung verschwand, ich wurde stabil. Das nennt man Roemheld Syndrom. Aber mir war noch leicht schwindelig, ich hatte das Bedürfnis irgendetwas zu essen. Das Brötchen half nicht, die Putenbrust auch nicht, aber Cola. Dann war alles normal.

     

    Adaption. Solange du adaptierst ist klinisch betrachtet alles in Ordnung. Der Körper weiß sich zu helfen und hat ne Menge tricks auf Lager, um das System am laufen zu halten. Wenn man genau hinsieht, dann erkennt man es. Das erfordert aber äußerste Kompetenz und ungewöhliche Blutwerte, welche Du in der Regel niemals beim Arzt zusehen bekommst. Bei Manchen steigt DHEA-S ungewöhlich hoch an, bei anderen Cholesterin. Das wären noch die normalen Indikatoren. Es passiert jeden Tag, bei jeder Diät, bei jeder Emotion. Wenn du deine Adaption nicht halten kannst, dann kommt es zu Symptomen. Organe stellen langsam ihren Dienst ein, deine Mitos sterben ab, und dadurch deine Hormone. Ab da hat es sich klinisch manifestiert, und du bist krank. Ich bewegte mich an einer Schwelle, adaptierte noch recht gut trotz zahlreicher Symptome, klinisch krank war ich aber noch nicht. Aber auf bestem Weg dahin.

     

    Heute würde ich sagen, dass Adaption unausweichlich ist. Der eine braucht mehr Testosteron im Leben als der Andere, und der Nächste weniger, aber vielleicht mehr Östradiol. Optimale Werte sind eine Sache, aber wir sollten uns vor Augen halten, dass ein gewisser Grad an Adaption uns erst ausmacht, und wir dieses Schicksal auch so annehmen sollten. Vielleicht ändert das alles, und dein Körper hat sich das genauso vorgestellt. Anders kann ich mir nicht erklären wie mein Körper wusste, dass er mich in diesen verzweifelten Zustand versetzt hat, denn nur so konnte ich einen Weg heraus finden.

    Es gibt keine Stresshormone, nur Adaption. Denn Stress ist die Würze des Lebens, so sagte es einst Hans Selye.

     

    Energie und Struktur sind auf jedem Level von einander abhängig

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    #215302 hilfreich: 0
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    t0my89
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    2 pts
    Beiträge: 47

    Spanned zu lesen!

    Die letzten beiden Absätze verstehe ich allerdings nicht so richtig. Was meinst du mit „Wenn du deine Adaption nicht halten kannst, dann kommt es zu Symptomen.“ oder „wir sollten uns vor Augen halten, dass ein gewisser Grad an Adaption uns erst ausmacht, und wir dieses Schicksal auch so annehmen sollten“?

    Den Begriff Adaption verstehe ich als Anpassung des Körpers an die Umweltbedingungen. Das kann auch auch negativ sein. Wenn ich aufhöre ins Fitnessstudio zu rennen adaptiert mein Körper mit Muskelabbau. Dieses „Schicksal“ liegt doch in meiner eigenen Hand!?

     

    Viele Grüße

    Tomy

    #215343 hilfreich: 0
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    PhanTazMa
    Teilnehmer
    Beiträge: 47

    Du bist wirklich die Knowledge-Granate!

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