100 Std. Meditieren in 10 Tagen – Warum das ewige Verlangen nicht zufrieden macht

Dieses Thema enthält 6 Antworten und 4 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von Avatar Sven 12.05.2019 um 08:09.

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    Sven
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    Hallo ihr Lieben,

    ich hatte das Glück einen Platz für einen (auf spendenbasierten) Vipassana Mediatiationskurs zu bekommen und möchte hier mit euch meine Erfahrungen teilen.

    Die Kurse finden in der Regel in sehr schönen, abgelegenen Orten statt und bieten Vollpension. Handy, Lesestoff und Gebrabbel müssen draußen bleiben, denn es herrscht "Edle Stille", was dazu dient sich voll auf sich und seine eigenen Gedanken zu beschränken ohne das euch mal wieder einer von außen einen Gedanklichen Floh ins Ohr setzt oder ihr die Ablenkung (Betäubung?) im Außen sucht ;-)

    Zum Ablauf will ich sonst garnicht viel sagen, das steht alles auf der Webseite.

    Was hat es mit "gebracht"?
    Dadurch das man quasi mal gezwungen wird sich mit sich selbst außeneinderzusetzen in Kombination mit Mediation und ein paar klaren und verständlichen buddhistischen Weisheiten, dass das Gefühl von Zufriedenheit IMMER da ist man es bloß oft nicht mehr wahrnimmt bzw. sein Glück im extremen (körperlichen) Kick sucht.

    Eine Beispiel das jeder kennt: Die Momente in der Natur (z.B. Sonnenuntergang am Meer) und man diesen kurzen Moment hat wo man mal nix WILL, kein Verlangen hat und eben einfach nur zufrieden ist. Oder beim Höhepunkt beim Sex, hier gibt es die paar (Milli)sekunden bei denen man voller körperlicher Empfindungen ist und ebenfalls einfach nur zufrieden ist… Bis das Hirn wieder einschaltet und meldet es WILL ,dass der Moment nie zuende geht oder man jetzt ein Bier trinken könnte ect. pp. … ab da ist die Zufriedenheit langsam wieder dahin. Eine weitere Spirale mit: will, will nicht, möchte, mag nicht usw. beginnt im KOPF.

    Beide Situation aus dem Beispiel vereint, dass man (kurzzeitig) nur auf seine Sinne, die körperlichen Empfinden (unterbewusst) geachtet hatte. Beim Tag am Meer z. B. warmer Sand an den Füßen, Wind auf den Armhaaren und das Licht der Sonne im Gesicht.
    Es ist ein menschliches Naturgesetz, dass man entweder denkt oder eben fühlt. Nur achten wir fasst nur noch auf die groben Empfindungen – z. B. eine eiskalte Dusche (auch hier hat man für einen Moment keine Alltagssorgen mehr).

    Ähnliches gilt übrigens auch für alle möglichen Süchte (das ewige Verlangen), wir WOLLEN unbedingt eine körperliche Reaktion forcieren: Kaffee, Süsskram, Sex aber auch Sport und Illusionen wie Netflix bingen. Welches je nach Situation ebenfalls körperliche Empfindungen auslöst (Action->Herzklopfen, Kribbeln oder Liebesfilm->Gänsehaut usw.)

    Bei der Vipassana Mediation lernt man nun auch auf die "feinen Empfindungen" wie z.B. Wärme auf der Hand, ein Kribbeln am Ohr ect. zu achten und nonstop seinen Körper zu scannen (ähnlich wie beim Autogenentraining) nur das man keine Empfindungen forciert sondern nur beobachtet. Allein dadurch ist der Denkstrom kurzfristig unterbrochen. Vipassana ist aber auch harte Arbeit und man muss üben seine Sinne zu schärfen, weil der Geist ständig abschweift. Aber das ist OK – ein Leitgedanke dort war: es verändert sich ständig alles. Das muss man akzeptieren. z. B. Das schöne Kribbeln am Ohr ist weg, dafür zwickt es jetzt im Knie. Auch das wird sich wieder ändern. Akzeptiere die aktuelle gefühlte Realität (deine Empfindungen) aber bleibe auch nicht daran haften. Sei gleichmütig mit Dir und der Situation. Wer WILL, dass der Schmerz weggeht oder das schöne Kribbeln bleibt ist schon wieder in der geistigen Verlangesspirale und in die Unzufriedenheitsfalle getappt. Die Erkenntnis war nun, es ist egal ob die Empfindungen grob oder fein ist – das Ergebnis ist genau das Gleiche -> Denkstopp->Zufriedenheit! Wir haben aber häufig verlernt auf die feinen Sinne überhaupt zu achten.

    Dazu ein paar Gedanken zu der Wim Hof Atmung und warum viele diese wieder sein lassen:
    Hier WILL man unbedingt einen geilen Flash und powert sich mit krasser Atmung hoch bis man endlich den krassen Flash bekommt! Und wenn man den nicht oder nur noch schwächer bekommt lässt man es alsbald wieder bleiben. Sorry, aber das ist wie Wichsen. Nix gegen Wim Hof – sein Konzept ist ja deutlich umfassender und diese Atemübung nur ein eigentlich winziger(?) Teil seiner Mission mit der er die Leute aus dem Denkstrom reißen kann. Ähnlich wie bei Schokolade, was kommt nach dem ersten Stück? Das Zweite, das Dritte und am Ende ist man überfressen und fühlt such mies. Man war/ist auf die Empfindungen (Genuss auf der Zunge) von außen angewiesen.

    Zusammengefasst:
    >Wer aufhört ständig etwas zu wollen, positiv wie negativ, ist zufrieden (nicht euphorisch aber auch nicht unzufrieden)
    >Das zugrunde liegende Problem ist das wir ständig Dinge mit dem Hirn (ändern) WOLLEN und dabei nie zufrieden sein KÖNNEN
    >Deine echte Realtität, sind die körperlichen Empfindungen (der Geist ist nur eine Kombi aus Erfahrungswerten und Fiktion)
    >Erwartungen an mich oder die anderen sind nur meine geistige Konstruktion, mein Wunsch, ein Hirngewichse. Man akzeptiert dabei nicht die aktuelle Realtität und muss quasi enttäuscht (unzufrieden) sein.
    >Eine Lösung ist die Vipassana, welche die Empfindungen schärft und so den Geist in einen zufriedenen wohlwollenden aber auch bestimmten klaren Zustand bringt.
    >Es ist (mentales )Training, genauso wie man auch den Bizeps trainieren muss. Alleine die intellektuelle Erkenntnis bringt nix. Ihr kennt das ja: tausend Ratgeber gelesen, zig Mediationsapps runtergeladen und mit dem Hirn alles 1A verstanden aber eben nicht erlebt bzw. erfahren. Erklär mal jemanden wie sich ein Runners High oder ein Schienbeinbruch anfühlt, der das nur aus Erzählungen kennt. Wie beim Tennistrainingsgsscamp kann auch ein "Mediationscamp" einen ordentlichen Forschtschritt und AHA-Moment-so-fühlt-sich das-an. bringen.
    >Der Geist ist zum denken da (das kann er gut, alles wunderbar) aber die Sinne für die Zufriedenheit!
    >Wenn man nichts verlangt und nichts erwartet ist der Moment da nach dem sich alle mit ihren ständigen Bemühungen "abquälen" oder kurzfristig (be)friedigen.
    >Für echte Zufriedenheit braucht man NIX von außen, keinen Berg zum Klettern und auch kein Festtagsmenü. Trotzdem kann man diese Dinge aber natürlich umso mehr schätzen, geniesen aber eben auch nicht unzufrieden sein wenn es wieder weg/vorbei ist.

    Hoffe das war jetzt nicht zu "schwurbelig" formuliert.

    Was ist Vipassana; https://www.dhamma.org/de/about/vipassana
    Wo gibt es die Kurse: https://www.dhamma.org/de/courses/search

    #180687 (0)
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    Django
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    Sven, danke für den Bericht. Ich tue mich mit Meditation nach wie vor ziemlich schwer, daher eine wirklich ernst gemeinte Frage: Wie vergeht da die Zeit?

    #180688 (0)
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    Sven
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    @Django

    verstehe die Frage nicht so recht, was ist der Hintergrund der Frage?
    Du WILLST dich nicht langweilen? Bist deswegen hippelig, ungeduldig?
    Dann ist es das Richtige für Dich. Aber gehe ohne Erwartungen (Wünsche, Verlangen) hin.
    Ähnlich erwarten wir ja auch von Meditationsapps (externer Reiz!) ect, dass diese uns doch endlich mal entspannen sollen…FAIL!

    Ein Beispiel aus den Tagen dort. Die "Buffet-Challenge":
    Mega gechillt kam ich aus dem Mediationsraum, dachte jetzt hab ich den Dreh raus, verinnerlicht.
    Tja und dann steht ich am Buffet, die Schlange lang – nerv 1, dann der Typ vor mir nimmt sich alles auch noch mega bedächtig und in Zeitlupe. Wie unverschämt, kein Respekt, bla bla…Hirnwichse – nerv 2.
    Da erkannte ich das Problem ist nicht der Typ oder die Schlange, sondern hat meine eigene Ungeduld / Unzufriedenheit gnadenlos offen gelegt.
    Es ging hier nicht um Leben und Tot und es war genug Zeit und Essen für alle da….und selbst wenn nicht. Ich hätte es wohl überlebt :-)
    Mein Denken und Handeln war nur voll auf mich selbst und Ego zentriert -> Ich ich ich will will will …jetzt schnell…BE-FRIEDIGUNG. Fail!
    So eine banale Situation hat mir schon den Moment versaut. Oder auch im Mediationsraum: Eine Fliege auf dem Arm reicht und man ist schon genervt oder nicht mehr bei der Sache. Banal! Wie soll man da mit dem Ernst des Lebens klar kommen?

    Zu deiner Frage:
    Aushalten und nicht bewerten und den Fokus ändern/beobachten ist die Übung. Irgendwas "nervt" schließlich vermeidlich IMMER. Cooler, achtsamer (auch nach innen) und gleichmütig werden das "Ziel." Dann kann Dich kaum noch was au der Bahn werfen und die Zeit ist dann egal…

    #180689 (0)
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    Sven
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    Sehr treffende Videozusammenfassung (nicht von mir)

    https://youtu.be/56lu_wvZLm8

    #180690 (0)
    Zopiclon
    Zopiclon
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    Beiträge: 580

    Danke für den tritt in die Eier

    Gruss

    #180691 (0)
    naklar!
    naklar!
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    Beiträge: 1665

    Zu Situationen wie der am Buffet:

    Überliste dich. Den ersten Schritt hast du schon getan – du hast es bemerkt. Als nächstes suchst du direkt Kontakt,etwas Smalltalk. Du wirst zu 90% eine nette Antwort bekommen. Nun hat sich dein Gefühl zur Person geändert.

    Letzte Übung: Vergleiche Vorher/Nachher.

    Lerne :-)

    #180692 (0)
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    Sven
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    Gerade einen neuen lesenswerten Bericht in meinem RSS Reader gefunden: https://schnelleinfachgesund.de/vipassana-meditation/

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