CLA: Wundersubstanz im Tierfett

Von Published On: 2021-09-28Kategorien: Stoffwechsel1 Kommentar

Wir sollten niemals vergessen: Ein Mensch isst seit über drei Millionen Jahren Fleisch bzw. tierische Produkte. Schon unsere Vorgänger-Art nämlich, Australopithecus afarensis, hat vor über drei Millionen Jahren Knochen aufgebrochen und das Mark aus den Knochen gekratzt.

Die Evolution weist den Weg 

Wohlgemerkt: Geht man davon aus, dass eine Generation circa 30 Jahre umfasst, sprechen wir hier von unglaublichen 100.000 Generationen an Menschen, die Fleisch oder tierische Produkte gegessen haben. Über weite Teile unserer Vergangenheit dürfte eine Generation sogar eher nur 25 Jahre gedauert haben, was dann 120.000 Generationen entspräche.

So etwas muss in unserem Genom verankert sein. Und zwar sehr tief. Tatsächlich finden sich in Genom-Analysen – moderne Tools – viele Hinweise darauf, dass dies so ist. Aber es wird uns – wie im letzten Newsletter angemerkt – nicht gelingen, die Komplexität des menschlichen Organismus dahingehend zu entschlüsseln.

Drum muss man ein bisschen vertrauen, eben zum Beispiel auf die Evolution und unsere Entwicklungszeit. Wer hier noch ein bisschen grün hinter den Ohren ist, kann entweder mal unser Buch lesen oder eine Zusammenfassung (engl.) hier. Dann wird auch klar, was Fleisch damit zu tun hat.

CLA – ein verborgener Schatz?

Wie dem auch sei. Es gibt in Studiendatenbanken unfassbare Schätze, über die niemand spricht. Gleichermaßen gibt es im Tier bzw. in Tierfetten unfassbare Wunderstoffe, über die niemand spricht, an denen aber fleißig geforscht wird.

Im Tierfett – genauer: im Fett von Wiederkäuern – nämlich findet man die wohl gesündeste Transfettsäure. Wir sprechen von der konjugierten Linolsäure, kurz CLA. Die wird im Pansen von Wiederkäuern von Bakterien gebildet. Je mehr Gras das Tier zu fressen bekommt, umso mehr wird davon gebildet. Der Gehalt kann dann um das Fünffache variieren.

Die Fettsäure landet später bei uns im Essen. Entweder in Form von Rindertalg bzw. Markfett oder Milchfett. Milchfett ist allgemein wohl der wichtigste CLA-Lieferant in unserer Nahrung und schon relativ kleine Mengen (10, 20 g Fett) können je nach Quelle (grasgefüttert?) einen beträchtlichen Anteil (= mehrere hundert Milligramm) CLA liefern.

Was ist denn, wenn CLA eine so starke physiologische Wirkung auf den (menschlichen) Organismus hat, dass wir besser nicht darauf verzichten sollten?

CLA macht den Muskel und das Hirn fit 

Zuallererst muss man wissen, dass CLA Einfluss auf unser wichtigstes Problem hat, es möglicherweise gänzlich beheben könnte: CLA macht die Mitochondrien, also die Kraftwerke unserer Zellen, fitIn einem ganz simplen Experiment – das sind eh die besten –, zeigten Forscher, dass CLA in Zellkulturen des Muskels auf Knopfdruck mehr Mitochondrien entstehen lässt. Zu verdanken war dies auch der dann gesteigerten Aktivität vom Mitochondrien-Masterregulator PGC-1alpha. Rausfinden wollten die, was da abgeht, nachdem sie Jahre zuvor rausgefunden hatten, dass CLA-gefütterte Mäuse eine deutlich bessere Ausdauer und eine gesteigerte Fettverbrennung aufwiesen.

Die gleichen CLA-Forscher – beide von der renommierten University of Massachusetts Amherst – konnten deutlich später diese ursprünglichen Beobachtungen bestätigen, indem sie in einem neuen Versuch zeigten, „dass CLA über einen PPARdelta-vermittelten Mechanismus die Ausdauerleistungsfähigkeit unabhängig von leichter Sportbelastung verbessert.“ Dies ging einher mit „einem gesteigerten PGC-1alpha“ (s. o.) und einer „Stimulierung der Mitochondrien-Neubildung“.

Mit anderen Worten: In diesen Experimenten wurde klar belegt, dass CLA nicht nur den ultimativen Ausdauer-Schalter der Zellen, PPARdelta, aktiviert, sondern folglich auch die dafür nötigen Proteine (z. B. PGC-1alpha) und die Strukturen, sprich die Mitochondrien, die sich dann auf Knopfdruck vermehren. In unserer Sprache heißt das dann:

Viel mehr Energie!

Das ist unglaublich bahnbrechend. Doch niemand weiß davon. Schließlich gibt’s diese einfache Fettsäure im Essen – und nicht als Medikament in der Apotheke. Doch das war nicht alles.

Von CLA wurde darüber hinaus gezeigt, dass sie vor Sarkopenie (= altersbedingter Muskelschwund) schützt und als Folge der positiven Effekte auf den Energiestoffwechsel Blutzucker-Entgleisung, Insulinresistenz und damit metabolisches Syndrom abwehrt, was mehrfach beobachtet wurde. CLA ist möglicherweise der Grund, warum Ziegenmilch einer Studie zufolge „die Entstehung von Fettleibigkeit, Fettleber und Insulinresistenz bei Mäusen verhindert“.

Was jedoch erst recht keiner weiß, ist, dass CLA sich auch im Hirn anreichert und dort Wunder vollbringt.

  • Durch ihren außergewöhnlichen Effekt aufs Gehirn könnte CLA „eine Rolle bei der Prävention und Therapie neurodegenerativer Erkrankungen“ spielen.
  • CLA gilt als „natürlicher Calpain-Inhibitor“, der direkt vor Alzheimer und Co. schützen könnte.
  • CLA lässt PPARalpha anspringen – dieser Zellschalter kurbelt die Fettverbrennung an und hemmt Entzündungen. Studien zufolge könnte das insbesondere das Gehirn vor Entzündung schützen.
  • Eine Schlüsselrolle im Gehirn spielt das Enzym PLA2 – bei Neurodegeneration findet man niedrigere PLA2-Spiegel. In Tierversuchen „verbessert eine mit CLA angereicherte Butter die Gedächtnisleistung und regelte die PLA2 kodierenden Gene im Gehirngewebe von Ratten hoch“.
  • Es gibt darüber hinaus Hinweise darauf, dass eine CLA-Zufuhr während der Schwangerschaft “bei den Nachkommen zu einer vorzeitigen Reflexreifung und einem verbesserten Gedächtnis” führt.
  • Sogar mit Blick auf Depressionen zeigt eine Studie, dass die in einem Maus-Modell beobachteten pathophysiologischen Merkmale nach Gabe von CLA (oder Fischöl) nahezu komplett umgekehrt werden können. Die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den Menschen bleibt aber fraglich.

Hier geht es also nicht mehr nur um Spaß an der Freude in Form von „mehr Energie“ und möglicherweise Lebensfreude, sondern konkret auch darum, Krankheit zu verhindern und das Gehirn leistungsfähiger zu machen.

Kurz: Es geht um Bioaktivität 

Heißt also: Nahrungsmittel sind bioaktiv und lassen sich nicht auf einige wenige Makronährstoffe („gesättigte Fette“, als Beispiel) reduzieren. Von 100.000 Menschen-Generationen sind wir die erste, die heute postuliert, man könnte auch gänzlich ohne Tierprodukte leben. Möglicherweise mit fatalen Konsequenzen. Aber das ist ein anderes Thema.

Tierfett macht Energie.

Eine unerhörte Behauptung!

One Kommentar

  1. Stinki 10.10.2021 at 20:19 - Antwort Kommentar melden

    und wieviel g pro Tag sollte man da ansteben

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