Retinsäure

Warum zu viel Vitamin A nicht gut ist

So, kehren wir mal langsam zum Blog-Alltag zurück.

Nicht zu viel Leber, bitte

Mir ist schon relativ früh aufgefallen, dass zu viel Vitamin A Entzündungsreaktionen befeuert. Deshalb muss ich einige Leser, vor allem jene die per Mail anfragen, immer mal wieder bremsen:

Die Rede war von ab und zu, sprich einmal die Woche, einmal alle zwei Wochen … usw., 100, 150 g Leber zu essen.

Die Rede war nicht davon es täglich zu tun, oder sich wöchentlich 500 g reinzuballern.

Daher auch hier nochmal ganz langsam: Unsere Auffassung ist, dass wir fakultative Karnivoren sind. Das heißt, Fleisch etc. ist gerne gegessen, wenn vorhanden, oft genug muss man aber auch ohne auskommen können.

Wir haben das hier einmal so erklärt: Rotes Fleisch und Innereien sind Supertreibstoffe, mit denen man sich schnell auch übertanken kann. Wir sind nicht dazu gemacht, tonnenweise vorgeformtes Vitamin A aus tierischen Quellen ohne Probleme zu verarbeiten (reine Karnivoren können das) oder mit (zu) hohen Mengen vom Hämeisen klarzukommen.

Besondere Bedürfnisse als Mensch

Hintergrund ist, und das muss man mal begreifen, dass wir ein Mischwesen sind – weder reine Herbivoren, noch reine Karnivoren.  Aus der Hinsicht haben einige Standpunkte, die der Veganismus vertritt, ihre Daseinsberichtigung.

Dass wir keine reinen Herbivoren mehr sind, erkennt man z. B. daran, dass wir ganz schlecht im Konvertieren von ß-Carotin zu Vitamin A sind. Das hat unterschiedliche Gründe, ein wichtiger Grund ist, dass das dafür nötige Enzym bei uns nicht mehr so gut arbeitet.

Deshalb sind wir eben angewiesen auf „tierisches Vitamin A“. Nur, davon kann man sich übertanken. Bei uns Menschen fehlt ggf. die Bremse, die natürlicherweise beim Umwandeln von ß-Carotin zu Vitamin A im Darm da gewesen war. Denn in Herbivoren kann der Darm extrem genau dafür sorgen, dass die richtigen Vitamin-A-Mengen gebildet werden.

Was passiert bei zu viel Vitamin A in Tieren?

Was passiert, wenn man dieses Gleichgewicht bei solchen Tieren aushebelt, zeigt eine interessante Studie. Dort hat man gezeigt, dass es im Darm der Tiere ein Protein, genannt ISX, gibt, das wie ein Gaspedal bzw. eine Bremse fungiert, um die genau richtigen Vitamin-A-Mengen im Körper zu haben.

Schaltet man dieses Protein aus, wird zu viel Vitamin A gebildet, mit üblen Folgen für den Darm:

Die Forscher entdeckten, dass die Entfernung von ISX die Genexpression des Enzyms (Bco1), das Beta-Carotin in Vitamin A umwandelt, um das 200-fache erhöht. Aus diesem Grund produzierten Mäuse ohne ISX zu viel Vitamin A und begannen, es in Retinsäure umzuwandeln – ein Molekül, das die Aktivität vieler Gene reguliert, darunter auch der für die Immunität wichtigen Gene. Dies führte zu einer lokalen Schwellung – Entzündung -, als Immunzellen das Gebiet überfluteten und sich vermehrten. Durch diese schwere Entzündung wurde bei Mäusen, denen ISX fehlt, das Immunsystem geschwächt, und die Entzündung breitete sich auf die nahe gelegene Bauchspeicheldrüse aus.

Mäuse ohne ISX konnten ihren Vitamin-A-Spiegel nicht kontrollieren. Sie produzierten zu viel Vitamin A und zogen zu viele Immunzellen in den Dünndarm. „Zu viel Vitamin A kann Entzündungskrankheiten fördern“, schloss von Lintig. „In zukünftigen Studien wird die ISX-defiziente Maus ein vielseitiges Modell sein, um die molekularen Details des faszinierenden Zusammenspiels zwischen Ernährung und gastrointestinaler Immunität zu untersuchen.

Zu viel Vitamin A könnte den Körper entzünden

Also: Zu viel Vitamin A im Körper kann Entzündungen begünstigen. Da wir Menschen, wie oben dargelegt, direkt auf tierisches, sprich vorgefertigtes Vitamin A angewiesen sind, können wir uns auf diese Darmregulation nicht verlassen. Das ist uns leider verloren gegangen. Das heißt, ß-Carotin reicht für uns nicht – bei tierischem Vitamin A allerdings müssen wir aufpassen, dass wir nicht übertreiben.

Interessant ist zudem, dass Entzündungen im Darm wohl schnell auf andere Gewebe übergehen können. Und Kenner wissen eh: Im Darm wird das ganze Immunsystem justiert. Wer also im Darm eine Entzündung macht, kann erwarten, dass das Immunsystem auch systemisch nicht normal funktioniert.

Daher: Vitamin A ist extrem wichtig. Man sollte dennoch nicht übertreiben. Denn offensichtlich stellt Vitamin A das Immunsystem scharf.

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Kommentare (21)

  1. Oha, dann bin ich wohl die letzte Zeit etwas übers Ziel hinaus geschossen, bei mir gab es nämlich so 200-300 gr Rinderleber (manchmal auch 400 gr) fast jede Woche seit ca 3 Jahren.

    Allerdings ist mein hs-CRP wie immer bei maximal 0,3 und mein Immunsystem ist seit auch ca 3 Jahren von keinem Virus mehr überwunden worden, noch nicht mal eine Erkältung hatte ich in der Zeit. Vllt ab und an mal ein bisschen Halskratzen für 1-2 Tage aber das wars.

    Ist das ein Zeichen für ein übererregtes Immunsystem oder könnte es sein, dass ich die Quittung für das zu Viel an Vitamin A später bekomme?

    LG Jens

    1. Antwort an jfi

      Denke, es lohnt sich, mal mit den Mengen zu spielen. Einfach, um herauszufinden, wie es bei dir wirkt. Ich denke, in einem gesunden Körper sind auch hohe Vitamin-A-Mengen vertretbar, sollte sich aber irgendwo eine Entzündung ergeben, bzw. eine chronische Entzündung vorliegen, könnte es möglicherweise nicht so geil sein.

  2. Hallo Chris!

    Ich habe seit langem (also bestimmt über 2/3 Jahre) nach dem Lesen deiner Bücher 50.000 I.E. Vitamin A täglich (mit Unterbrechungen) genommen. Das, was ich dadurch insbesondere gemerkt hatte, war mehr Energie und besseres Hören (bin leider schwerhörig), keine Hautunreinheiten und keine trockene Haut, weswegen ich es aus Überzeugung genommen habe. Seit 1,5 Jahren reagiert mein Immunsystem leider hyperreaktiv: Ich habe z.b. nach einer kaum bemerkten Mandelentzündung eine reaktive Arthritis, bzw. rheumatisches Fieber bekommen und habe seitdem immer wieder Probleme mit reaktiven Arthritiden oder anderen Entzündungen (z.b. Erythema nodosum) . Ich bin noch auf der Suche nach der Ursache (nehme sonst LE two per day, aber das schon seit bestimmt 6 Jahren mit Unterbrechungen). Eine rheumatische Genese ist komplett ausgeschlossen.Könnte es an zu viel Vitamin A liegen? Beziehungsweise wieviel empfiehlst du mittlerweile?

    1. Antwort an Sabine

      LEF absetzen und auf B5 und B6(P5P) achten. Dein VitD Spiegel kennst du?

      Vitamin A, wie alle fettlöslichen Vitamine, sind mE nur deswegen gefährlich, weil es kaum schutzmechanismen ggü Überdosierungen gibt (Bei VitD umgehen wir diese ja).
      Unter Überdosiert verstehe ich und ziehe, im Gegensatz zu vielen Mediziner, einen induzierten Mangel mit ein. Wer zuviel VitD nimmt holt sich nen B5 Mangel, als Beispiel.
      Und ähnliche Theorien, aber auch gute Recherche, legen den Verdacht nahe, dass hohe Gaben VitA ähnlich Mängel verursachen, und nicht NUR, selbst Verursacher sind.

      Ein Punkt zwecks Dosierung, quasi Selbstkritik, ist, dass auch ich zu wenig kommuniziert habe, WIEVIEL man nehmen sollte (egal ab Nahrung oder Supp). Gerade in letzter Zeit bekam ich Mails von Leuten die über Bauchweh und Durchfall berichteten und zwar durch Kokosöl. War mir fast schon suspekt, dann fragte ich wieviel denn genommen wird, und kamen Antworten wie „3-5 ESSlöffel am Tag“.
      Und ich sooo „waaas“ 😀 😀 😀 3-5 TEElöffel max. Selbiger Kritikpunkt richtet sich aber auch An Peat, der viel zu selten Mengenangaben macht, und offensichtlich, kann man sich nicht darauf verlassen, dass Menschen dem Extremismus (bewisst wie unbewusst) fern bleiben. Würde viele Misserfolge in Diäten erklären

      1. Antwort an Shman Frontal

        … zu Schutzmechanismen, Überdosierung fällt mir ein: fettlösliche Vitamine werden gespeichert – wo? – im Fettgewebe. Weniger Fettanteil, weniger Speicherung.

            1. Antwort an Simone

              Ja bei Dr. Strunz, aber hier liegt er falsch. Erstens wird Vitamin A in der Leber gespeichert und zweitens meint „mehr Fettgewebe“ auch ein größerer sink für fettlösliche Vitamine, vor allem Vitamin D, weswegen fülligere Menschen mehr Vitamin D brauchen – einfach, weil mehr im Fettgewebe verloren geht. Weniger Fettgewebe heißt also nicht, dass man vor Überdosierung geschützt ist.

  3. Ich schätze diesen Block sehr. Aber bei diesem Artikel bin ich erstaunt über den Mangel an präzisen Aussagen. Ich trinke seit Jahren Karottensaft und esse so gut wie nie Leber. Im Blut gemessen habe ich aber seit Jahren einen guten Vit. A Wert. Was also meint „wir sind schlecht bei der Umwandlung von Beta Karotin in Vit. A?“ In wie vielen Fällen? Und was die Menge an Leber betrifft z.B. bei jfk….warum nicht mal messen lassen? Vielleicht verbraucht sein Körper einfach mehr wegen viel Sport? Kurzum, wer unsicher ist sollte m.E. Einfach mal nachmessen lassen. Wer sicher ist, auch. Dann hat man Klarheit und muss sich nicht im Ungefähren verlieren. Wenn dann noch eine gesunde Zielbandbreite genannt würde, wäre es perfekt. Ansonsten weiter so. Danke für diesen Block.

    1. Antwort an JL

      Problem bei deiner Argumentation ist nur, dass der Vitamin A Wert im Blut nicht aussagekräftig ist, weil dort AFAIR auch Vitamin A-Äquivalente gemessen werden, die aber nicht die gleiche Wirkung haben. Das stand entweder mal im Blog oder wurde im Forum diskutiert, genau weiß ich das nicht mehr.

      Und ja, ich treibe sehr viel Sport und führe daher auch viel Kalzium, Magnesium, Vitamin D und alle anderen Stoffe zu, die für den Vitamin A-Stoffwechsel wichtig sind. Evtl. bin ich auch deswegen vor einer Überdosierung bis zu einem gewissen Grad geschützt.

      LG Jens

    2. Antwort an JL

      Ja, wie jfi richtig sagt: Vitamin A im Blut ist nicht aussagekräftig. Den Status kann man nicht einfach so bestimmen, der „Gold Standard“ ist die Leberbiopsie. Wenn Vitamin A im Blut fällt, sind längst alle Stricke gerissen.

    3. Antwort an JL

      Uwe Gröber zum Beispiel geht davon aus das upps36% oder 46% (muss ich raus suchen) der Menschen Betacarotin sehr schlecht oder gar nicht umwandeln können. Siehe auch weiter unten bei Andrea, die sagt das ja auch.

  4. Uwe Gröber rät zu 3000-4000 I.E Vitamin A, bei 4000-5000 Vitamin D3. Ich meine es wäre fas 1:1 zu nehmen. Strunz mient 10 000 I.E pro Tag. Keine Ahnung wo ran man das persönlich festmachen soll bzw. merkt oder nicht merkt.

  5. Erfahrungswerte sowie ein gutes Körpergefühl > starre Zahlen. Jeder Körper ist ein eigener Kosmos. Der eine verträgt mehr der andere weniger. Jedenfalls danke für den erneuten Hinweis, dass man mit fettlöslichen Vitaminen nicht herumspielt. Zur Not sollte D3 die ev. aus dem Ufer gelaufene VitA-Hypervitaminose kontern. Die meisten „Empfehlungen“ sind doch auch nur ein grobes unteres Mittelmaß, will ja niemand dafür seinen Kopf hinhalten wenn zuviel empfohlen wurde.

  6. Durch regelmäßige Kontrolle weiß ich schon lange, das ich einen Vitamin A-Mangel habe. Ich habe schon immer hochdosiert Vitamin A genommen (früher nur 25.000 IE – mittlerweile 100.000 IE). Ich habe Probleme, damit gerade so den unteren Referenzbereich des Labors zu erreichen.

    Das gilt auch für meine Tochter.

    Da ich vor kurzem eine Genuntersuchung in den USA gemacht habe weiß ich, das wir beide drei SNPs im BCO-Gen haben. Das bedeutet: Carotin kann der Körper praktisch nicht in Vit. A umwandeln.
    Das haben wohl auch geschätzte 30-40 % der Bevölkerung (steht so zumindest in der Auswertung).

    Als Hautsymptom hatte ich immer ein Jucken in den Schienbeinen – ich hätte sie mir aufkratzen können wenn ich mich nicht immer gestoppt hätte.
    Später (ab 2014)setzte dann trockene Haut ein, die ich mit den Wechseljahren in Verbindung gebracht habe.

    Seit ich 100.000 IE täglich nehme ist das alles weg. Beginne ich zu reduzieren (50.000 IE) dann setzt das Jucken nach 2-3 Tagen wieder ein.

    Mein Mann nimmt 25.000 IE täglich und hat einen optimalen Vit. A-Spiegel (im Blut gemessen).

    Ich halte es wichtig, den Vit. A-Spiegel im Blut zumindest immer mal zu kontrollieren – egal ob man Leber isst oder Vit. A supplementiert.

    1. Antwort an Andrea

      Hallo Andrea,
      es ist übrigens das BCMO1 Gen, das für die Umwandlung von Carotin in Vit. A zuständig ist. Habe gerade in meiner Auswertung geschaut und ich habe auch 3 SNPs heterozygot. Also zweimal ca. 50% und einmal nur 40% umwandlungsleistung.
      Ich nehme zur Zeit 25000 täglich, das scheint wieder zu wenig zu sein, im heutigen Bioresonanzscan ist mein VA Wert mal wieder abgestürzt. Habe vor kurzem auch das VD erhöht (da habe ich zwei SNPs homozygot) auf 60000 täglich und mehr VD verbraucht mehr VA. Mit trockener, juckiger Haut habe ich auch zu kämpfen und vor etlichen Jahren als ich nur das bißchen aus dem Lef Mix nehm, hatte ich im Winter abends beim auffahren auf die Autobahn beinahe einen Unfall gebaut. Die Lichter in der Autoschlange haben mich so geblendet, konnte einfach nix mehr sehen.

      Werde jetzt demnächst auch wieder mehr nehmen.

      Chris schrieb von der Förderung von Entzündungen bei zu viel Vit. A. Ist es aber nicht so, daß bei Entzündungen aus anderer Ursache z. B. Darm (Schleimhäute) auch mehr Vit. A verbraucht wird?

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