Prävention

Epigenetik: „Heilung“ mal anders

Was ist eigentlich „Heilung“?

Jeder, den es mal mehr oder weniger ernsthaft erwischt hat, wird merken, dass „Heilung“ etwas anderes ist als das, was man gemeinhin darunter versteht.

Am ehesten lässt es sich noch so beschreiben:

Gesundheit ist eine wunderschöne Symphonie, Krankheit dagegen ein wildes Klimpern auf dem Klavier.

Damit ist nicht das Gefühl gemeint, sondern das, was im Körper in dem Moment passiert. Ich schreibe hier oft „verzogenem System“, aber damit wird die Reichweite meines Erachtens nicht klar.

Heilung ist, ein bestimmtes epigenetisches Muster wiederherzustellen

Heilung ist ein Prozess, bei dem der Körper sich wieder in eine bestimmte Spur setzt, die er bereits kannte. Das Orchester spielt wieder die schöne Symphonie, der Körper wird wieder geeicht.

Die Frage ist, woher er weiß, was richtig ist, was sein ureigener Zustand des optimalen Funktionierens ist. Die neueste Altersforschung weist uns die Richtung: Es muss etwas mit der Epigenetik zu tun haben.

Wir alle tragen Gene in uns, die an und für sich erst im komplexen Geflecht anderer an- oder abgeschalteter Gene (genannt: Epigenom) an Bedeutung gewinnen. Heißt: Es ist ein epigenetisches Muster, also ein bestimmtes Muster von an- und ausgeschalteten Genen, das die Information über unsere Gesundheit enthält bzw. diese Gesundheit „macht“.

Erst vor kurzem wurde entdeckt, dass Zellen über ein „Gedächtnis“ verfügen, mit dem sie sich an die Embryonalentwicklung zurückerinnern können – Zellen können unter bestimmten Umständen dann auf dieses epigenetische Muster umschalten und … dadurch heilen.

Auch hier wieder: Gene werden in einem ganz bestimmten Muster aktiv. Dieses Muster ist dann quasi ein bestimmtes Bild bzw. eine bestimmte Symphonie, die den kompletten Körper neu einstellt, anders reguliert.

Wie Setpoints bei der Wiederherstellung helfen könnten

Damit der Körper weiß, welche Zustände für ihn richtig sind, schaltet er in bestimmten Phasen Setpoints. Solche Setpoints kennen wir von der Gewichtsregulation. Schon im Kindesalter speichert der Körper ein Bild davon ab, was für ihn das Körpergewicht – präziser: der Körperfettanteil – betreffend richtig ist.

In jeder Lebensphase könnte er – zum Beispiel nach schlimmen Unfällen, hormonellen Entgleisungen und anderen … – auf dieses Bild als „Vorbild“ zurückgreifen, um den Körper wieder in einen für ihn richtigen Zustand zu setzen.

Nun wird der Körper etliche solcher Bilder gespeichert haben. In den unterschiedlichsten Lebensphasen. Die meisten davon wohl in der Kindheit, und, wie oben beschrieben, während der Entwicklung im Bauch unserer Mutter.

Fakt ist, diese Bilder können nur in Form von epigenetischen Mustern aktiv werden. Heißt, wann immer der Körper auf das Muster eines solchen Setpoint zurückgreifen will, muss er ganze Gen-Sets neu programmieren, sprich an- oder abschalten. Es stellt sich ein neues epigenetisches Muster ein.

Heilung ist etwas Mystisches

Für mich ist Heilung mittlerweile etwas Mystisches. Verbunden mit viel, viel mehr als wir herkömmlich annehmen. Ich glaube mittlerweile, dass der Körper – außerhalb des Labors von Wissenschaftlern – um ein Vielfaches raffinierter und besser ist als wir das wahrnehmen und glauben.

Wenn der Körper …

  • plötzlich das essen möchte, was du beim Aufwachsen gerne gegessen hast,
  • Orte einsaugen möchte, an denen du früher viel Zeit verbracht hast,
  • Musik hören möchte, die dich an ganz bestimmte Lebensphasen erinnern und diese fühlen lässt,
  • dich zu Orten oder zu Tätigkeiten bringt, die in gesunden Phasen Teil deines Lebens waren,
  • dich dazu drängt, dich mit alten Freunden zu treffen, und mit ihnen über alte Zeiten zu schwärmen,
  • in deine bzw. seine „gewohnte Umgebung“ zurückfallen möchte,
  • (etc.)

… dann geht es hier vielleicht gar nicht um irgendeinen philosophischen, kognitiven, psychologischen Effekt, sondern darum, dass der Körper sich auch genetisch an diese Zeit zurückerinnern möchte.

Das ist gar nicht so weit hergeholt: Sportpsychologen nutzen genau dieses Prinzip seit Jahrzehnten, genannt „Mentales Training“. Der Gedanke an die Muskelkontraktion sorgt für Anpassungen im Muskel – genau genommen ist das auch nichts anderes als Veränderung im Epigenom.

Möglicherweise geht es hier um Setpoints, auf die der Körper zurückgreifen möchte, um ein bestimmtes epigenetisches Muster zu erzeugen, das uns hilft, wieder gesund zu werden.

Der Körper sucht seine ureigene, wohlklingende Symphonie, und findet sie mit solchen Ankerpunkten – die die zu einem bestimmten Zeitpunkt vorherrschende Umwelt, wenn auch kurz, mimenmöglicherweise.

Das Leben trägt einen

Wenn wir mal ein bisschen rauszoomen: Eigentlich trägt einen der Körper auf diese Weise so durchs Leben, dass wir es gar nicht merken. All das läuft „einfach so“ ab, im Hintergrund sozusagen. In vielen verschiedenen Bereichen. Auch hier entwickelt man mit der Zeit in gewisser Weise eine Zen-Einstellung:

Man sitzt im eigenen Kino, schaut seinem eigenen Film zu. 

Leben heißt daher nicht, das Schiff selbst zu lenken, dafür ist das Navigationssystem und der Bordcomputer viel zu gut – Leben heißt eher, ein bisschen zu justieren, wenn wir uns selbst und dem Körper mal eine Zeit lang ein Bein gestellt haben.


Übrigens: Das Selbstbewusstsein, solche Gedanken – die schon länger in Form dieses Artikels existieren – hier überhaupt zu veröffentlichen, habe ich soeben aus einem Interview mit Altersforscher Dr. Sinclair gewonnen:

Im Grunde steht hier: Alterung ist die Veränderung des Epigenoms, es schaltet sich zunehmend ein neues epigenetisches Muster, ein „Alterungsmuster“. Es scheint aber sowohl ein „Backup“ des „jungen Musters“ zu geben als auch Substanzen, die in der Lage sind, dieses via Backup wiederherzustellen. Die Frage, die sich stellt ist, wie der Körper bzw. die Zellen, das macht bzw. woher solche Enzyme wissen, welches epigenetische Muster gesund und jung macht. Und hier knüpfe ich an meinen Artikel an: Heilung (oder: Wiederherstellung eines originalen oder jungen Musters) ist … etwas Mystisches 😉

PS: Natürlich weiß die Wissenschaft momentan nicht, ob das „manuelle“ Umswitchen von „Alt“ auf „Jung“ durch uns selbst überhaupt möglich ist. Natürlich nicht. Sie werden es auch nicht so schnell herausfinden, denn Labortiere … sind eben keine Menschen. Ich wette, all das, was die da gerade erforschen, ist zumindest phasenweise längst gelebter Alltag – seit es Lebewesen auf dieser Erde gibt.

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Kommentare (15)

  1. Wohl wahr – ein toller Artikel.
    Da Du Dich hier schon dem „Mystischen“ näherst, möchte ich hier die Vorteile von Meditation mit ihrer ruhigen, tiefen und vollständigen Atmung ins Feld führen. Generell lässt sich sagen, dass wir durch Meditation (oder besser ganz allgemein die Praxis des Yoga) einen vertrauensvolleren und gelassenen Umgang mit dem Leben trainieren können. Und so entspannt, wirft uns nicht gleich jeder Fehler im System komplett aus der Bahn.

    Der körperliche Aspekt, d. h. Sport, bewusstes Essen und auch die gezielte Zuführung von NEM sind wichtig, doch ist der Mensch eben mehr als ein Fleischklöpschen 🙂

    Liebe Grüße
    e.

  2. Hey Chris,
    Deine optimistische Aussage:

    „Erst vor kurzem wurde entdeckt, dass Zellen über ein „Gedächtnis“ verfügen, mit dem sie sich an die Embryonalentwicklung zurückerinnern können – Zellen können unter bestimmten Umständen dann auf dieses epigenetische Muster umschalten und … dadurch heilen“

    hinsichtlich des Heilungsprozesses hat – leider unausgesprochen- zur Voraussetzung, dass die Zellen des Embryos sich deswegen gesund entwickeln konnten, weil die Mutter ihrerseits gesund war. Wenn das aber nicht der Fall war, wenn also schon der Embryo (unerkannt) deswegen nicht gesund war, woran sollen sich dann die Zellen „erinnern“? Dann ist doch gar kein „gesundes“ epigenetisches Muster vorhanden, das erinnert werden könnte. Sollen solche Menschen dann für immer zum „Unheil“ verurteilt sein?

    LG Albrecht

    1. Hey Albrecht, da ist zwar was dran, aber ein junger Organismus kommt eben als junger Organismus auf die Welt (bzw. gedeiht im Bauch). Dort sind keine alterstypischen Methylierungsmuster und das Genom ist (noch) fit (und noch wichtiger: Zellen durchlaufen da ihren Differenzierungsprozess, der aber ein Stück weit rückgängig gemacht werden muss, je größer der Schaden ist, der später repariert werden soll). Zudem kommen wir ja in den meisten Fällen „gesund“ zur Welt, also mit funktionsfähigen Organen. Und darum geht’s. Ach ja, das steht so auch im Artikel. LG Chris 🙂
      Edit: Aber klar … Solche Setpoints, wenn es sie denn so gibt, können auch „kaputte“ Bilder abspeichern. Und ein fehlerhaftes Backup … Das wird aber eher im frühen Kindesalter relevant, denke ich. Aber ja, auch solche Systeme sind anfällig für Fehler, deshalb sollte es Lebensabschnitte geben, in denen unsere Entwicklung einigermaßen reibungslos abläuft.

      1. Hallo,
        ich habe mir die selbe Frage gestellt, wenn man z. B. an Kallmann Syndrom leidet und der Körper diverse Hormone nie produziert hat (und nur die “Erfolgshormone” erst im Erwachsenenalter in Minimaldosis substituiert werden), wie kann so jemand je an einen Punkt gelangen wo er sich komplett und leistungsfähig fühlt?
        Oder die Mutter hat vor / während der Schwangerschaft schon unerkannt größere Probleme z.B. mit der Schilddrüse, ist es dann möglich für die eigenen Probleme damit je zu einem guten Set Point zurück zu finden? Oder was wäre der Workaround außer ein bisschen T3 und T4 lebenslang zu substituieren?
        Vielen Dank für deine tollen Einsichten und Anregungen!

    2. Die angeborenen Erkrankungen sind vielleicht in zwei Gruppen einzuteilen:
      a. die mit den Gendefekten, also Mutationen in der DNA oder b. Fehler in der Epigenetik.
      Daraus resultierend, würde im Fall b. die DNA „fehlerfrei“ sein und die Epigenetik könnte dann jeder selbst verändern, wodurch sich angeborene Erkrankungen „korregieren“ liesen.
      Im Fall a. könnten in Zukunft die Abschnitte im Embryonalalter iatrogen korregiert werden.

      Falls nun jemand einen angeborenen DNA-Defekt hat, wird er diesen sicher nicht korregieren können, zumindest nicht im Moment. Denkbar wäre jedoch auch ein Austausch der fehlerhaften DNA-Abschnitte auch im Erwachsenenalter.

      Ohne Eingriff aus der Wissenschaft hat in der Vergangenheit die natürliche Selektion, die herzlos ist, diese Organismen aussortiert.

  3. Ist Krankheit wirklich nur eine epigenetischen Verstimmung des Körpers? Was mit den ganzen von außen einwirkenden, schädigenden Effekten? Infektionen, Verletzungen, Vergiftungen, etc.? Was mit genetischer Veranlagung? Die können einen auch bei bester epigenetischen Konstitution treffen. Dann muss der Körper reagieren, sein eigentlich ideales Programm der neuen Situation anpassen.
    Wo findet die Epigenetik ihre Grenzen? Irgendwo kann sie ja dann doch nicht gegen die Genetik bestehen. Mir wäre zumindest noch kein Fall bekannt, indem z.B. durch epigenetische Anpassung aus einer blonden Frau ein schwarzhaariger Mann geworden wäre 😉
    So wird es aber wohl auch auf diverse Krankheiten zutreffen. Nicht jede Krankheit wird sich durch einen epigenetischen Reset „heilen“ lassen. Aber vielleicht durch eine geeignete Intervention (Supplementation, Ernährung, Medikamente, Live Style) erträglicher gestalten lassen. Wäre das dann Heilung? Oder doch eher nur ein „Work Around“?

    1. Also: Wie immer in der Biologie, auch hier sprechen wir nicht von einem „grenzenlosen Holismus“. Biologische Systeme sind genauso fehleranfällig wie alle andere Systeme auch.

      Dann zu den Fragen konkret: Ich denke, man muss der Einfachheit halber mal zwischen systemisch und lokal unterscheiden:

      Systemisch: Es muss auch das ganze System betreffend eine Art Grundordnung geben. Warum fühlt sich jemand „normal“ oder „ich fühle mich wohl“ … oder umgekehrt „mit mir stimmt etwas nicht“ – jetzt könnte man es auf einfache Zusammenhänge wie bestimmte Zytokine oder Hormone herunterbrechen, aber damit ist es m. E. nicht getan. Es muss eine Art gesamtsystemische Grundordnung geben, zu der sich der Körper immer wieder zurückerinnern kann – und die kann sich auch aus den Ordnungen der einzelnen Subsysteme ergeben – aber das sind Fragen, die lassen sich heute einfach noch nicht beantworten. Fakt ist aber, dass ein Körper ganz sicher täglich zumindest in Teilen auf solche Backups zurückgreift, um sich immer wieder in einen für ihn normalen Zustand zu setzen. Das muss kein komplettes Systemrebooting sein, aber es werden sicher täglich bestimmte Setpoints herangezogen, weil ein Organismus, der 80 Jahre alt wird, konstant darauf achten muss, dass alles im Rahmen bleibt.

      Lokal: Besser kann man es beschreiben, wenn man lokal beginnt. Wie im Artikel dargelegt: Deine Frage zu Verletzungen etc. ist ja prima, denn … wie sollen „Verletzungen“ heilen, wenn der Körper a) nicht weiß, wie er im Originalzustand mal ausgesehen hat und b) bestimmte Zellen sich zurückdifferenzieren, um einen Stammzell-ähnlichen Phänotyp anzunehmen, damit Heilung überhaupt gelingt? Genau darauf verweist die Arbeit, die ich im Artikel im Zusammenhang mit der Embryonalentwicklung verlinkt hat. Durch dieses epigenetische Gedächtnis, können Zellen sich immer wieder ein Stück weit zurücksetzen und sich zurückerinnern. Allgemein muss eine Zelle immer ihre Identität wahren. Woher weiß sie, was ihre Identität ist? Sie bekommt diese Identität zum einen in der (Embryonal-)Entwicklung zugewiesen, zum anderen wird sie weitervererbt. Aber ein Backup muss auch hier da sein, sonst würden unsere Zellen ständig ihre Identitäten verlieren und wir wären ein einziger Krebshaufen. Eine Rücksetzung bzw. ein „Wiederfinden der Ordnung“ findet in jeder Nacht auch in unserem Gehirn statt. Wer sich abends wie ein Alien fühlt und morgens wieder wie „Ich“, dann hat das Gehirn genau das gemacht. Woher weiß das Gehirn, was der normale Zustand ist? Epigenetische Muster. Hier muss natürlich der Spagat geschafft werden: Neue, nützliche Muster/Inhalte müssen integriert werden, das heißt, der Baum darf nie zu stark gestutzt werden. Aber auch das ist alles viel zu weit noch, darüber kann man im Moment noch keine klaren Aussagen treffen.

      Und doch, Thorsten, grundsätzlich könnte sich so quasi jede Krankheit heilen lassen, sofern ein Organismus lebensfähig, d. h. mit keinen zu schweren Genmutationen (um auf dein Beispiel einzugehen) geboren wird. Denn die Prämisse dieser „regenerativen Medizin“ (um ein Teilgebiet davon genannt zu haben) ist, dass durch Umlegen gewisser Zellschalter wieder ein Urzustand hergestellt werden kann, die Zelle oder das Gewebe betreffend. Denn es ist egal ob das Klavier (die DNA) dunkelbraun, schwarz oder weiß ist – sofern man eine wohlklingende Symphonie darauf spielen kann, gibt’s ein Backup davon und das Backup könnte grundsätzlich immer wiederhergestellt werden. Wie genau hier genetische Prädispositionen für bestimmte Erkrankungen mit reinspielen … völlig unklar, hier müsste man mal checken, wie groß der prozentuale Anteil tatsächlich ist, der sich z. B. durch Epigenetik gar nicht beeinflussen lässt – aber wie gesagt, all das hier ist kein „grenzenlos Holismus“, es wird auch hier Menschen geben, die einfach Pech gehabt haben.

      Noch was: Was denkst du, was man durch den Lebensstil verändert? Was heißt, eine Erkrankung „erträglicher“ machen? Wer gibt dir das empfinden, dass etwas „erträglicher“, sprich deiner Ideallinie näher ist. Lebensstiländerungen sorgen vielleicht gerade dafür, dass durch Wiederherstellung von ursprünglichen epigenetischen Mustern, man sich näher an seiner eigenen Ideallinie/Grundordnung befindet … und dann wird auch der Ausfall eines Systemteils besser verkraftet. -> hier wieder: lokal < - > systemisch

      LG

  4. Das ist ein wunderbarer Artikel. Ich stimme Dir zu, das die Natur im allgemeinen, unser Körper im besonderen etwas herausragendes, unfassbares ist. Wie alles funktioniert, wenn es funktioniert, Im Gleichgewicht bleibt, irre. Nur denke ich, das wir uns schon lang von Körper und Geist entfremdet haben, glauben man könnte einer Maschine gleich alles reparieren, trennen Körper und Geist, sind in unserer Wahrnehmung und Ignoranz so allmächtig, das wir meinen, das wäre nur ein Klumpen Fleisch, der unserer Hilfe bedarf. Gesetzt man gerät in eine Abwärtsspirale aus Krankheit und psychosomatischen Denken, wie könnte es gelingen, einen dieser Setpoints aus vergangener Zeit gesunder Zeit ab zu rufen. Hast Du eine Idee, Chris?

    1. Schau mal, das kann man ggf. ein bisschen wie mit einer intakten und nicht mehr intakten Familie vergleichen. Eine intakte Familie ist so gesehen auch ein „System“, das aus einzelnen Gliedern besteht. Das System fällt auseinander, wenn die einzelnen Glieder nicht mehr „funktionieren“.

      Das heißt, man könnte z. B. zu einer Beratung gehen und sich den Spiegel vor Augen halten lassen. Auf unseren Körper bezogen: Man schaut sich an, dass z. B. wichtige Stellschrauben funktionieren, also z. B. die Schilddrüse.

      Das Schöne: Manchmal reicht es aus, dass ein Glied wieder stimmt, dann ergeben sich Aufwärtsspiralen und das ganze System greift wieder. Dann „heilt“ auch eine Familie. „Heilung“ ist ja dann so gesehen nicht nur, dass die Systemglieder wieder funktionieren, sondern, dass irgendwie ein neuer „Geist“ drin steckt. Auf die biologische Mikroebene bezogen, flutscht das System Körper auch epigenetisch wieder in die Spur (s. mein Kommentar oben, eine Grundordnung stellt sich wieder ein).

      Manchmal reicht das aber nicht. Dann muss man mehr aus den Mitgliedern „rauskitzeln“, sie z. B. an „früher“ erinnern, und wie man früher als Gemeinschaft funktioniert hat. Man muss dem Ganzen also einen kleinen Schub verpassen, damit das alles wieder ins Rollen kommt. Meistens hängen beide Szenarien (also die oben) mit der hier zusammen – aber für uns bedeutet es, den Körper an die Hand zu nehmen, und bewusst und aktiv Dinge zu tun, die ihm helfen, wieder den roten Faden zu finden, also damit er für sich besser epigenetische Muster einstellen kann. Sowas wäre z. B., dass man sich im Sportverein anmeldet oder eben Dinge tut, wie sie im Artikel stehen.

      Meiner Erfahrung nach muss man den Körper ein bisschen wie eine Pflanze behandeln. Man setzt sie an den passenden Platz (für uns = Umwelt), gießt sie richtig (für uns = Mikronährstoffe, Lebensmittel, Wasser etc.), entfernt ggf. Schädlinge (für uns = z. B. Schwermetalle, schädliches Verhalten, wie z. B. Süchte jeglicher Art, auch Kaffee), oft hilft bei sowas auch ein Heilfasten … und im Regelfall ergeben sich dann automatisch Aufwärtsspiralen, die helfen, dass alles wieder ins Lot kommt.

      Man muss aber beachten, dass Systemteile nicht komplett ausfallen sollten. Weil es eben Grenzen für uns gibt. Dann muss man anders nachhelfen: Wenn die Schilddrüse z. B. gar nicht mehr funktioniert, kann man sich Mühe geben und gucken, dass sie wieder will, wenn sie aber nicht mehr will, dann muss man die Funktion halt nach heutigem Standard ersetzen.

      Im Grunde also nothing new für edubily-Leser. Das wichtigste aber ist immer Zeit und Geduld. Es kann manchmal äußerst kompliziert sein, und dauerhaft klemmen. Aber man sollte, wie gesagt, die Geduld nicht verlieren.

      Eine gute Anleitung für „Gesundung“ ist übrigens auch das Bredesen-Protokoll: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4221920/table/T1/?report=objectonly

    2. Hier fangen wir auch mit der Hypnose-Therapie an, dass wir mit dem Unterbewusstsein schaffen und so frühere „Setpoints“ wieder herzustellen. Es sind mentale Ursachen in der Kindheit, die dann schlussendlich auch Krankheiten oder Beschwerden auslösen.

  5. Ich pers. glaube nicht an diese Setpoints und Backups. Wenn dem so wäre, dann würden selbst Kinder keinen Krebs bekommen bzw. müßten diesen dann ja besonders schnell und einfach und praktisch ausnahmslos besiegen können, denn deren Setups eines quasi neuen und vollkommenen Körpers liegen ja nur sehr kurz zurück, im Gegensatz zu älteren erkrankten Menschen.
    Aber ich denke, daß das Mentale einen größeren Einfluß auf den Menschen generell und auch auf Heilung speziell und vor allem auch auf Alterung hat. Der alte Spruch, man ist so alt, wie man sich fühlt, hat womöglich eine größere Bedeutung und auch eine konkrete Wirkung, als man meint. Man denke dabei an das berühmte Beispiel des greisen schmerzgeplagten Pianisten, der aber am Klavier sitzend zum „jungen Pianisten“ aufblüht und für diesen Moment alle Gebrechen ablegt wie ein paar Krücken. In gewisser Hinsicht kann man sich womöglich „jung“ oder zumindest jünger denken. Vielleicht reicht dazu allein schon aus, die im Alter irgendwann quasi unweigerlich einsetzenden Verschleißprozesse zu ignorieren, diese einfach nicht anzunehmen oder zumindest als negativ anzusehen, statt darüber zu lamentieren und zu akzeptieren. Auch der Placeboeffekt mit seinen häufigen absolut erstaunlichen Auswirkungen auf Heilung gehört ja direkt in dieses Schema.

    1. Es ist ja auch kein Glaube mehr, sondern Tatsache (wie du dem Artikel entnehmen kannst) ^^ Und btw: Bis auf wenige Krebsfälle, wo es eine Disposition gibt, kriegen Kinder auch viel, viel, viel seltener Krebs als Erwachsene (und dass die sich überstandener Erkrankungen auch viel besser davon erholen, ist auch kein Geheimnis), in der Tat lässt sich die Krebswahrscheinlichkeit mit zunehmendem Alter als Exponentialfunktion darstellen:

  6. Hallo Ihr Lieben, jetzt mal Butter bei de Fische…
    Die Antwort von Chris Michalk auf den Post von Thorsten vom 09.11. finde ich schlichtweg genial.
    Denn: ich hab‘ nen Gendefekt. Kurzfassung – extrem fragile Blutgefäße. Prognose – irgendwann fliegt mir mit hoher Wahrscheinlichkeit ne mittelgroße Arterie um die Ohren.
    Epigenetik kann den Defekt nicht heilen. Aber ich kann durch meine Lebensweise bestimmen, wie wohl ich mich fühle und wie ich mit so einer Diagnose umgehe. Hier geht es doch nicht darum auf Biegen und Brechen 120 Jahre alt zu werden. Lebens-QUALITÄT vor Quantität.
    Und wenn ich sehe, welche „Errungenschaften“ der pharmazeutischen Industrie der gesunde Teil meiner Familie nimmt, greife ich ganz entspannt zu Chris‘ Multi und denke „passt schon.“ 😀
    Liebe Grüße

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