Sensation: “Lichtnahrung” funktioniert!

Von Published On: 2021-05-24Kategorien: Pflanzenstoffe7 Kommentare

Diese Überschrift ist ganz hübsch. Alternativ hätte ich gewählt:

Die wohl sensationellste Studie der letzten Jahre.

Einfach, weil die Ergebnisse so genial sind.

Vom Salat schrumpft der Bizeps? Von wegen!

Da schreiben Wissenschaftler in einer Arbeit aus 2014 allen Ernstes:

Chlorophyll, das dem Fadenwurm Caenorhabditis elegans gefüttert wird, führt zu einer Erhöhung der ATP-Synthese bei Lichteinwirkung, zusammen mit einer Erhöhung der Lebensspanne. Wir zeigen weiter, dass das gleiche Potential, Licht in Energie umzuwandeln, in Säugetieren existiert, da sich Chlorophyll-Metaboliten in Mäusen, Ratten und Schweinen ansammeln, wenn sie mit einer chlorophyllreichen Nahrung gefüttert werden. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Moleküle vom Chlorophyll-Typ das mitochondriale ATP modulieren, indem sie die Reduktion von Coenzym Q katalysieren, ein langsamer Schritt in der mitochondrialen ATP-Synthese. Wir postulieren, dass durch den Verzehr von pflanzlichen Chlorophyll-Pigmenten auch Tiere in der Lage sind, Energie direkt aus dem Sonnenlicht zu gewinnen.

Da steht wirklich, dass die denken, dass Säugetiere aus Licht Energie gewinnen können. Spontane Reaktion:

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Wie funktioniert das?

Okay, um zu verstehen, wie die darauf kommen, muss man erst mal verstehen, wie Pflanzen ihre Energie gewinnen. Pflanzen sind photoautotrophe Lebewesen. Sie “essen” Sonnenlicht und anorganische Stoffe wie CO2 und Wasser. Dafür nutzen sie die Fotosynthese, was auch der Grund, warum die grün sind. Das grüne Farbpigment Chlorophyll nämlich, sitzt in Chloroplasten. Das sind – analog zu unseren Energiekraftwerken der Zellen, den Mitochondrien –, gelinde gesagt die Energiekraftwerke der Pflanzen.

Mit Hilfe von Chlorophyll wird hier eine Elektronentransportkette betrieben, wobei Photosysteme, in denen Chlorophyll sitzt, die Elektronen aus Wasser gewinnen und die Energie des Lichts nutzen, um die Elektronen in die Elektronenkette zu speisen. Ähnlich funktioniert das in den Mitochondrien bei z. B. Säugetieren, allerdings gewinnen wir die Elektronen hier aus der Nahrung und Licht spielt keine so tragende Rolle bei der Übertragung der Elektronen innerhalb dieser Transportkette.

chloroplast

Das Chlorophyll sitzt im Photosystem II und I und wird von Licht “angetrieben”. Wasser dient als Elektronenspender und die Lichtenergie wird genutzt, um die Elektronen in die Elektronentransportkette zu speisen. Das Resultat ist ATP, Lebensenergie.

Chlorophyll ist also ein Molekül, das die Energie des Lichts (Photonen!) in eine biochemische Reaktion umsetzen kann. Das können Mitochondrien so grundsätzlich bzw. in diesem Ausmaß nicht. Doch jetzt postulieren Wissenschaftler, dass nicht-pflanzliche Lebewesen das auch können – also, dass auch wir die Energie des Lichts für die Bildung von ATP (Lebensenergie) nutzen können. 

Die Forscher zeigen: Chlorophyll bzw. Abkömmlinge davon, die man isst, reichern sich in den Mitochondrien an, also in der Membran, wo die Elektronentransportkette sitzt. Es wird dort Teil ebendieser Kette. Licht, das dann von Chlorophyll “aufgefangen” wird, hilft auch hier, den Elektronenfluss zu verbessern bzw. zu steigern und kurbelt dadurch die Bildung von ATP an. 

Ergebnisse wurden später bestätigt

Das sind unglaubliche Resultate. Okay, wer jetzt denkt, das Ganze klingt ein bisschen fishy, dem sei gesagt, dass zwei Jahre später ähnliche Ergebnisse in einer der besten Fachzeitschriften weltweit, Nature, publiziert wurde. Dort kommen Wissenschaftler zu ähnlichen Schlüssen und meinen:

In Anwesenheit des Chlorophyll-Metaboliten erhöhte die Lichtexposition bei Fadenwürmern den ATP-Gehalt, reduzierte oxidativen Stress und erhöhte die mittlere Lebensspanne, ohne eine Auswirkung auf die Reproduktion der Tiere. Mäuse, die mit Chlorophyll-Metaboliten gefüttert und über mehrere Monate dem Licht ausgesetzt wurden, zeigten eine Verringerung der systemischen Entzündung, gemessen durch α-Makroglobulin im Plasma. Wir postulieren, dass Chlorophyll die Mitochondrien in die Lage versetzen kann (…) Licht (zu) absorbieren und die Energie auf mitochondriales Coenzym Q (zu) übertragen.

… was folglich den ATP-Gehalt erhöht.

Mehr Salat

Na, also wenn das nicht Grund genug ist, den einen oder anderen Salat mehr zu essen, dann weiß ich auch nicht. Übrigens: Natürlich wird man dadurch nicht in der Lage sein, ausschließlich von Licht leben zu können. Lichtnahrung funktioniert – aber nur als kleiner Bruchteil der normalen Energiegewinnung aus herkömmlicher Nahrung. 

7 Comments

  1. Thorsten 26.05.2021 at 07:33 - Antwort Kommentar melden

    Was für ein cooler Sch….
    Kann man den „Bruchteil“ auch quantifizieren? Vielleicht in äquivalenten Kalorien, die man ja dann nicht essen bräuchte/sollte?
    Welche Nahrungspflanzen sind denn besonders reich an Chlorophyll? Und wie grün muß man werden (Haut)? Und wäre der Effekt auf die Haut beschränkt oder würde sich das auch auf die tiefer liegenden Muskeln auswirken?
    Fragen über Fragen. Aber eines bist klar: Grün ist die Zukunft.
    Die BILD würde wahrscheinlich eine Story daraus machen: „Vegetarier schläft beim Sonnenbaden ein und wacht fett wieder auf“ :-)
    Danke für den Beitrag.
    LG

    • Sonja 26.05.2021 at 11:38 - Antwort Kommentar melden

      Mach doch einfach so wie es sich richtig anfühlt ;-)
      Ich habe persönlich eine sehr hohe Neigung zu “Grünzeug” – ob es sich um asiatischen Pflücksalat, Feldsalat oder zwei Bund Petersilie handelt ist da erstmal 2. rangig.
      Ich habe außerdem eine ausgesprochen hohe Affinität zu starkem Sonnenlicht und spüre quasi wie dann mehr Energie zur Verfügung steht (Wissenschaftlich betrachtet, hatte ich dies aber bislang eher auf Hormone zurückgeführt). Aber wenn ich dies hier lese, frage ich mich: Zufall? *ggg*

    • LutzK 26.05.2021 at 12:36 - Antwort Kommentar melden

      “Und wie grün muß man werden (Haut)?”
      Jetzt kann ich mir auch zusammenreimen, woher der kleine Meister Yoda die übernatürliche Energie hatte. :-)

    • Chris Michalk 26.05.2021 at 13:14 - Antwort Kommentar melden

      Hallo Thorsten,

      ja, hiermit haben wir die Frage nach der absoluten Nachhaltigkeit geklärt. Wir konvertieren einfach ins Pflanzentum. Im Ernst: Daumenregel, je grüner umso mehr Chlorophyll. Ob die Haut dabei grün werden muss, haha, wage ich zu bezweifeln. Die absorbierten Wellenlängen liegen im Bereich zwischen Infrarot und UV, die Chancen stehen gut, dass sie tief(er) ins Gewebe eindringen. Ob das tatsächlich Kalorien spart, steht aber auf einem anderen Blatt, weil die Elektronen bei uns sehr sicher quasi ausschließlich aus der Nahrung kommen, nicht etwa aus Wasser (wie bei Pflanzen). Daher wird der Kalorienspar-Effekt wohl eher sehr gering sein, aber immerhin könnte Licht den Elektronentransport ankurbeln und dadurch ggf. energiesparend sein. LG ;-)

  2. Matthias 30.05.2021 at 21:53 - Antwort Kommentar melden

    Hallo,
    ein wirklich interessanter Artikel. Über die positiven Eigenschaften von Chlorophyll bin ich auch schon gestoßen. Dazu hätte ich eine Frage. Auf der Suche nach einem Mixer für Smoothies bin ich über die Thematik der Chlorophyll-Freisetzung gestolpert. Die These ist, dass die Pflanzenfasern nicht unbedingt aufgespalten werden können und somit das Chlorophyll nicht effektiv aufgenommen werden kann. Ist euch das bekannt? Ist da etwas dran?

    LG Matthias

    • Chris Michalk 01.06.2021 at 10:31 - Antwort Kommentar melden

      Na ja, ein Teil wird sicher nicht rauskommen. Allgemein bin ich fest davon überzeugt, dass der Körper das da schon rauskriegt. Ein Smoothie-Mixer ist ja keine Verdauung von einem Menschen.

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