Pflanzenstoffe

Der Wunderstoff aus der Avocado

von Chris Michalk, Biologe
Chris Michalk
Veröffentlicht am (Zuletzt aktualisiert am 04.05.2021)

Newsletter vom 02.05.21

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Leider geht uns der Spaß viel zu oft verloren. Du sagst den Leuten, sie sollen möglichst regional essen – verstanden wird: Iss nie wieder was aus dem Ausland. So ist das mit allem. Achte auf deinen (übertriebenen) Kaffee-Konsum wird zu, „edubily hat gesagt, Kaffee ist schlecht, also trinke ich nie wieder“. Und so weiter.

Dabei geht es ja selten um 100 % – ein guter Trick besteht darin, sich mit 80 oder 90 % zufriedenzugeben. Das Leben wird sehr viel angenehmer, weil der übertriebene Perfektionismus wegfällt. Und diese 80-90 % reichen, um seinem Lebensglück (in vielen Bereichen) sehr nahe zu sein, während zeitgleich genug Spielraum bleibt, der Flexibilität, Wachstum und Hormesis gewährleistet.

Thema für heute: Avocatin B

Also kommen wir endlich mal zum Thema für heute. Schon mal von Avocatin B gehört? Klingt chemisch – aber noch kann man diesen Wunderstoff nicht in der Apotheke kaufen. Den gibt’s nur aus einer Frucht, die man aus Zentral- und Südamerika herankarren muss. Die Rede ist von der Avocado. Nicht ganz „regional saisonal“, aber gesund. Denn: Die enthält zwei Lipide (Avocadene & Avocadyne), die man zusammengefasst Avocatin B nennt, und dieses Stoffgemisch ist Medizin.

edubily-Leser wissen ja mittlerweile (hoffentlich, wenn nicht, dann bitte mal beispielsweise unser Buch lesen), dass eine zu starke Fettsäuren-Oxidation im Muskel nicht gut ist. Denn ein Muskel soll immer schön Zucker aus dem Blut fischen, damit auch Insulin schön niedrig bleibt – wenn ein Muskel aber nur Fette oxidiert, verbraucht er keine Kohlenhydrate. Dieses (reziproke) Verhältnis zwischen Fett- und Kohlenhydrat-Oxidation wurde nach dem Entdecker benannt, heißt Randle-Zyklus.

Übergewicht oder andere Gründe für eine hohe Fettsäuren-Konzentration im Blut, sorgen dafür, dass es auf Zellebene konstant einen hohen Druck an Fettsäuren gibt. Es müssen ständig große Mengen dieser Fettsäuren verbrannt werden. Das macht irgendwann Insulinresistenz und später Diabetes. Daher gibt es Stoffe, die diese überschüssige Fettsäuren-Oxidation bremsen. Spätestens seit 2016 in Form von Meldonium bekannt, das der Tennis-Star Maria Sharapova als Dopingmittel missbraucht hat.

Jetzt kommt die Natur daher und sagt: Hey, ich habe längst etwas für dich. Ein Stoffgemisch, das genau das macht. Avocatin B hemmt nämlich die Fettsäuren-Oxidation. Wichtig: Wir sprechen von Biologie, wo es kein „ganz oder gar nicht“ gibt, also wird die Fettsäuren-Oxidation logischerweise nur ein bisschen gebremst. Das reicht aber, um Tiere in Studien vor Insulinresistenz und Diabetes zu schützen. Ist das nicht genial? Die Natur hat immer das passende „Pillchen“ oder Gegengift zu unseren Leiden parat.

Doch das ist nicht alles. Eine brandneue Studie zeigt nämlich, dass manche Tumore genau auf eine solche gesteigerte Fettsäuren-Oxidation angewiesen sind. Macht Sinn: Tumore brauchen viel Energie. Manche holen sie sich halt aus dem Zucker (Glukose), andere eher aus Fettsäuren. Also suchten Wissenschaftler nach einem Stoff, der diese hemmt:

Sein Team untersuchte zahlreiche nutrazeutische Verbindungen auf der Suche nach einem Stoff, der das Enzym hemmen könnte. „Und siehe da: Die beste Substanz stammte aus der Avocado„, sagt Spagnuolo.

Lustig, nicht wahr? Das heißt zwar nicht, dass Avocados die neue Chemotherapie sind und wir wissen nicht mal, ob die Mengen in Avocados irgendeinen ausgeprägten Nutzen im Körper haben. Fakt ist aber, dass es ein gutes Beispiel dafür ist, dass eine gesunde Ernährung konstant solche Stoffe in uns anspült. Und selten wirkt so ein Stoff alleine, meistens ist die Stoffmischung verantwortlich für einen synergistischen Effekt. Am Ende des Tages bleibt schon eine Wirkung hängen. 

Ergo: Die Guacamole ist zwar nicht regional, aber wen interessiert’s an dieser Stelle?

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Kommentare

  1. »Den gibt’s nur aus einer Frucht, die man aus Zentral- und Südamerika herankarren muss. Die Rede ist von der Avocado. Nicht ganz „regional saisonal“, aber gesund.«

    Hab auch schon mal Avocados aus Spanien gesehen, das ist zwar auch nicht regional, aber immer etwas regionaler als vom anderen Ende der Weltkugel. 🙂

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