Omega 3

Nur noch mehr Verwirrung

Das Leben ist voller Paradoxa.

Unser Omega-3-Artikel hat einmal mehr für viel Wirbel gesorgt. Wir können unseren Lesern nicht verübeln, dass sie durch solche Artikel abgeschreckt oder verunsichert werden. Das liegt in der Natur der Sache.

Ist Omega-3 jetzt gesund? Ja, aber nicht immer. Biologie ist nun mal komplex.

Der Grad der Komplexität sollte sich nach dem Erfahrungsstand des Lesers richten. Bei einem ersten Kundenkontakt mit einem „Anfänger“ lautet der Ratschlag meistens: Nicht verkomplizieren, klare Linien reinbringen (d. h. z. B. regelmäßige Proteinzufuhr sicherstellen) und die Auswahl an Interventionen auf ein Minimum reduzieren.

Bevor man sich also gleich einen ganzen Schrank voller Ergänzungsmittel kauft, die man nach zwei Tagen ohnehin nicht mehr einnimmt, sollte man sich auf wesentliche Eckpfeiler konzentrieren. Daher mein Ratschlag für den Einstieg als Ergänzung immer: Magnesium, Multi und Proteinpulver.

Die Grundlagen reichen den meisten

Ich denke, die Verteilung des Expertise-Niveaus zeigt sich als Exponentialfunktion. Der Großteil der Leser bewegt sich also nicht im „Profi-Bereich“, sondern will einfache Ratschläge hören. Dass das häufig und schnell scheitert, weil man immer wieder auf neue Probleme stößt, ist Teil des Fortschrittes. Insofern wird sich jeder im Laufe der Zeit mal etwas schwierigeren Fragen widmen (müssen).

Exponenzialfunktion
Die wenigsten Leser interessieren sich wirklich für kompliziertes Expertenwissen (steigende rote Linie). Exponentialfunktion aus Wikipedia.

Machen wir uns doch nichts vor. Selbst mit guter Lebensführung werden wir altern und selbst mit bester Lebensführung werden wir sterben. Wir können unser Bestes geben und hoffen, dass uns unsere eigens umgestellte Genexpression weit und fit genug durchs Leben trägt. Realistisch betrachtet können wir dafür nicht viel tun. Realistisch betrachtet sind die Dinge, die großen Einfluss haben, einfach und banal. Meistens reicht die Grundlage Sport. Körperliche Anstrengung ist die Grundlage für Gesundheit und meistens reicht das sogar aus, um die richtigen Entscheidungen hinsichtlich unserer Ernährungsplanung zu treffen. Das passiert dann halt einfach.

Alles andere ist oft reine Spielerei. 

Diesen und jenen Wert auf Niveau X anheben … Dieses und jenes Tool verwenden …

Alles Gute ist einfach und wenn es nicht einfach ist, dann läuft was falsch. Wenn ich also jahrelang auf Biegen und Brechen einen Zustand erreichen will, dieser sich aber nie einstellt, dann sollte ich mir vielleicht nicht mehr über den Körper Gedanken machen, sondern über mein Mindset, über meine Einstellung. Vielleicht will ich in die falsche Richtung?

Wenn fitte Menschen (= Menschen, die die Eckpfeiler einer gesunden Lebensführung berücksichtigen) an sich schrauben, dann weil es ihnen Spaß macht. Weil, man wie ich, merkt, dass man durch Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren seine Konzentrationsfähigkeit beeinflussen kann. Das wird vielleicht nicht meinen Werdegang im Leben beeinflussen. Aber ich fühle mich ein paar Prozent besser.

Die unzählige Zahl an Schrauben, die es da gibt, die diskutieren wir hier im Blog. Es ist eine endlose Zahl an Möglichkeiten. Die sollen nicht verunsichern, die sollen Möglichkeiten anbieten. Wohl wissend, dass der Groschen nicht deswegen fallen wird. Im Gegenteil: Die Basis entscheidet darüber — und die ist, wie wir wissen, einfach und banal.

Deshalb kann ich den Unmut nicht verstehen. Wie kann man sich nur so in solche Sachen reinsteigern? Wo ist all das Magnesium hängen geblieben, das viele schlucken, um innerlich ruhig zu werden? Wir alle befassen uns mit Ernährung, Biochemie und Sport, weil es s p a ß (und ggf. gesund) macht.

Manchmal verliert man den Spaß ein bisschen, zumindest, was das Schreiben angeht. Weil man einfach nicht nachvollziehen kann, wie engstirnig und problemfixiert das Denken vieler Menschen ist. Wir sollten uns an unseren Möglichkeiten erfreuen, daran, überhaupt in der Lage zu sein, interessante Informationen so zu teilen. Das ist nicht selbstverständlich.

PS: Wir bräuchten im Grunde über gar nichts zu reden. Wir haben manchmal nur ein paar wenige Probleme. Wieso müssen viele Menschen nach einer Blutwertuntersuchung irgendein Ergänzungsmittel einnehmen? Weil sie vermutlich jahrelang viel zu wenig eines Stoffes zu sich genommen haben. Wieso müssen Menschen irgendwann mal abspecken? Weil sie vermutlich jahrelang statt Steak mit Salat und dem Stückchen Brot als Beilage eher mal der Bratwurst mit Pommes gefrönt haben. Wieso müssen viele Menschen an Burnout erkranken? Weil sie vermutlich jahrelang weder auf ihren Körper, noch auf die Vernunft im Kopf gehört haben. Krankhafte Zustände gehen oft, wenn nicht sogar immer aus chronischen Verhaltensweisen hervor. Biologische Prozesse oszillieren nun mal. Wir Menschen aber haben ein Gehirn, das das nicht versteht. Das Gehirn hätte lieber ein Auto als Körper. Genau so oszillierend sollten Umwelteinflüsse auf uns wirken dürfen. Egal, ob das Licht, Temperatur oder sonstwas ist. Das gilt für Kalorien (wir essen und wir essen nicht, Zyklus!), genau wie für die Zufuhr von Mikronährstoffen. Erst geben wir eine adäquate Menge rein, dann entnehmen wir wieder aus den Speichern. Wir müssen nicht dauerhaft hohe Mengen eines Stoffes zuführen. Im Gegenteil. Über diese krankmachende Wirkung haben wir oft genug schon gesprochen. Das gilt nicht nur für ein dauerhaftes Zuwenig, womit viele Menschen ein Problem haben, sondern auch für das Zuviel der Hardliner. Nur so floriert Gesundheit. Im Endeffekt also gilt das ebenfalls für die erwähnten n3-Fettsäuren. Wer jeden Tag Fischfest feiert und Lachse in der Pfanne brät, der wird ganz sicher nicht vergleichbar sein mit jemandem, ein paar Mal im Monat den Lachs auf den Sushirollen tankt und zufälligerweise noch Vitamin E in seiner Multi-Kapsel vorfindet …

übersicht
Phil (edubily)

Kommentare (8)

  1. Hi Chris,

    die Mehrheit der Leute wird das nie verstehen und ich musste spontan wieder an einer Deiner Begriffe denken, den ich vor langer Zeit hier gelesen habe: „Denken 2.0“. Auch ich mache ständig im Leben die Erfahrung, dass kontextbezogenes Denken eine Ausnahme darstellt.
    Lass Dich also nicht kirre machen von „1.0“ and keep on going… Das hier ist der beste mir bekannte Blog zum Thema 🙂

    Liebe Grüße
    Sabine

  2. Ja Chris fielen Dank für diese,wie ich meine mal wieder auf den Pukt gebrachte Aussage,konzentriert euch auf das Wesntliche,welches man ja auch immer wieder aus deinen hilfreichen Beiträgen erlesen kann.Da ich es seit der ersten Stunde genieße deinen (euren)Block zu verfolgen,wünsche ich mir das du nicht die Lust am Schreiben verlierst.Grüße von einem doch sehr dankbaren Leser.

  3. Hey,
    Ich finde es stark, wie ihr euch mit den Themen hier auseinandersetzt und sie verschriftlicht. Man merkt, dass ihr auf ganz hohem Niveau diskutiert und euch niemand so schnell etwas vormacht. Ich verfolge den Blog seit 1-2 Jahren, bin selber hoch interessiert und versuche auch das beste aus meinem Körper herauszuholen. Durch das Lesen eurer Artikel versuche ich mir selber eine kleine Expertise anzulesen, die ich natürlich auch über andere Kanäle versuche zu vertiefen.
    Meine Message: jeder, der etwas auf hohem Niveau durchführt, bekommt Gegenwind. Bestes Beispiel: Profi Sportler wie Fußballer, die auf die Kritik selten Bezug nehmen. Zieht euer Ding doch einfach durch. Ich für meinen Teil frage mich häufig beim lesen der aktuellen Artikel warum ihr wiederholt Bezug auf all die Kritiker nehmt. Leute, die nervig sind, kritisieren und hinterfragen wird es immer geben. Das aufbereiten von neuen wissenschaftlichen Artikeln, die ihr im Kontext bewertet, finde ich wesentlich interessanter.
    Bezug zu Lesermails und Artikel zu mentalen Themen finde ich natürlich gut. Denke nur, dass Nörglern nicht zu viel Beobachtung geschenkt werden sollte.
    Sportliche Grüße, Marius

    1. Kann man nicht besser formulieren, Marius! Schließe mich voll und ganz an.

      Macht genauso weiter, und lasst euch nicht die Lust nehmen?

      Neider sind bekanntlich immer lauter als die welche anerkennen und schätzen, leider!!!

  4. Schön geschrieben.
    Man kann nicht oft genug wiederholen, dass der Mensch in allen Belangen auf Zyklen angewiesen.
    Daher habe ich echt Probleme, wenn die Wirkung eines Stoffes einfach nur mit der Menge interpoliert wird und sich der irritierte Leser eine (dauerhaft) „Viel hilft viel“ Mentalität aneignet.

    Mach weiter Chris, und hilf uns weiterhin immer mal wieder unsere Einstellung/Ansichten zu „erden“.

    LG,
    Thorsten

  5. Ganz cooler Text.

    Zum Beispiel in der Ernährung herrscht ja häufig dieses schwarz-weiss Denken. Dabei können wir doch im Alltag auch ganz gut differenzieren.

    Sind Witze cool? Ja, aber vielleicht nicht an einer Beerdigung.

    Bananen haben doch Zucker drin, sind sie jetzt ungesund?

    1. „Bananen haben doch Zucker drin, sind sie jetzt ungesund?“

      Ja: http://www.bunte.de/meldungen/england-bananen-verbot-fuer-die-affen-im-zoo-von-devon-67725.html

      „Aber die Früchte, die wir selbst angebaut haben, beinhalten viel mehr Zucker und viel weniger Nährstoffe als wild gewachsene Früchte – was eben daran liegt, dass wir unsere Früchte süß und saftig mögen.“

      Vom Menschen angebaute Früchte an Affen zu verfüttern, sei für die Tiere so ungesund wie Kuchen oder Schokolade, so Plowman weiter. Die Affen könnten Probleme mit den Zähnen und der Verdauung bekommen, außerdem Beschwerden wie Diabetes. “

      Aber wie immer, die Menge macht’s.

      1. Na ja, das Thema muss man multiperspektivisch sehen.

        Wenn für einige Affen das Primärnahrungsmittel in der Wildnis das grüne Blatt ist, sie dementsprechend auf hohe Darmaktivität angewiesen sind und wohl für die Gesunderhaltung auch brauchen, dann sind Bananen en masse nicht so förderlich.

        Wenn ich an mich denke, dann geht es mir eigentlich so, dass ich den Großteil der Zeit genau 0 Lust auf übersüße Früchte, etwa Bananen habe. Aber ich habe auch wenig bis keine Lust auf saures Obst. Überhaupt, Obst steht oft gar nicht auf meiner Wunschliste.

        Bin ich diesbezüglich ein Alien? Ich glaube kaum.

        Eine gesunde Physiologie weiß genau, wann es zu viel ist. Und ich glaube auch nicht, dass sich Äffchen pudelwohl fühlen, wenn sie an Diabetes erkranken.

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