Nahrungs­ergänzung

Quarks: Darum können NEM dir schaden (Eine Kritik)

Behauptet wird viel, wenn der Tag lang ist. Im Falle von Quarks haben sich Redakteure – ähnlich der Grünen-Politiker – mal wieder auf eine vermeintlich leichte Beute gestürzt: Die Nahrungsergänzungsmittel.

In dem knappen Instagram-Beitrag von quarks.de, der titelt,

Darum können Nahrungsergänzungsmittel (NEM) dir schaden,

werden Behauptungen aufgestellt, die zum Teil unwahr und falsch, aber in jedem Fall undifferenziert und pauschalisierend sind. Angelehnt dürfte dieser tendenziöse Beitrag wohl an den aktuellen Antrag der GrünenNahrungsergänzungsmittel besser regulieren – sein, den wir hier schon besprochen hatten.

In diesem Artikel wollen wir uns die Aussagen mal genauer ansehen und auf den Prüfstand stellen. Denn der Beitrag ist so ein typisches Beispiel dafür, wie durch mantraartiges Wiederholen von Behauptungen systematisch Wahrheiten geformt werden – und das, obgleich die tatsächliche Sachlage deutlich komplexer und umfangreicher ist.

Behauptungen und Gegendarstellungen

These 1: Kaum jemand braucht NEM.

Für die meisten Menschen sind Nahrungsergänzungsmittel unnötig. In Deutschland ist kaum jemand mit Nährstoffen unterversorgt. Gesunde Menschen mit einer ausgewogenen Ernährung brauchen keine Nahrungsergänzungsmittel.

Wichtige Aussage, aber keine Quellenangabe zu finden. Diese Behauptung, dargestellt als Tatsache, liest man häufig. Tatsächlich zeigt die Nationale Verzehrsstudie II (NVSII)immer noch die wichtigste und meist zitierte Arbeit zu diesem Thema , dass viele Deutsche eklatante Vitamin- und Mineralstoffdefizite aufweisen. Nur ein paar Beispiele:

  • Bis zu 90 % sind unterversorgt mit Vitamin D,
  • bis zu 85 % sind unterversorgt mit Folsäure bzw. Folaten,
  • beim Vitamin B1 und Vitamin C sind es jeweils bis zu 30 %,
  • jede zweite Frau nimmt zu wenig Eisen zu sich,
  • die Hälfte der Bevölkerung nimmt zu wenig Calcium auf,
  • ca. 50 % sind mit Jod mangelversorgt und jeder Dritte schafft nicht die Empfehlung an Magnesium.

Zudem: Menschen haben die unterschiedlichsten Lebensstile und Bedürfnisse, die grundverschieden sein können und von vielen Gegebenheiten abhängen:

  • Alter
  • Geschlecht
  • Energieumsatz bzw. sportliche Betätigung
  • Individuelle Ernährungsgewohnheiten (‘Vollwertiger’ Veganismus etc.)
  • Medikamenteneinnahme (dadurch höherer Bedarf)
  • Genuss von Alkohol, Zigaretten und Kaffee
  • Aufnahmestörungen im Darm oder Unverträglichkeiten
  • usw.

Wer ist also dieser ominöse Prototyp des “gesunden Menschen, der sich ausgewogen ernährt”?

Anmerkung: Dass man sich darüber, was eine “ausgewogene Ernährung” sein soll, vorzüglich und seitenlang streiten kann, zeigen die vielen, vielen Beiträge im Internet, die nicht nur von Laien, sondern auch von Wissenschaftlern veröffentlicht werden. Es gibt diesbezüglich also keinesfalls Konsens – einmal davon abgesehen, dass eine “ausgewogene Ernährung” in der Pfalz ein bisschen anders aussieht als in Italien 😉

These 2: Einnahme nur nach Bluttest nötig.

Nur bei einem echten Nährstoff-Mangel sind Zusatzstoffe notwendig. So ein Mangel kann nur mit einem medizinischen Bluttest festgestellt werden.

Zumindest die Aussage, dass ein Mangel nur mit einem Bluttest definitiv festgestellt werden kann, ist korrekt. Es muss dennoch bedacht werden, dass das Erfassen eines Mangels, je nach Parameter, ziemlich diffizil sein kann. Und zudem widerspricht dieser Punkt nicht der Gegendarstellung zur These 1, sondern unterstreicht viel mehr den Nutzen von NEM: Die Erfassung der Daten der aktuell noch immer wichtigsten Erhebung zu diesem Thema – die Nationale Verzehrsstudie II – beruht auf Fragebögen bzw. Interviews, nicht auf Blutmessungen.

Übrigens: Dieses Jahr hätte eigentlich die Gesundheits- und Ernährungsstudie in Deutschland (GErn-Studie) starten sollen, unter Zusammenarbeit vom MRI und RKI. Das Studiendesign sieht vor,  dass neben Befragungen zum Ernährungsverhalten von rund 10.000 Personen auch Blut- und Urinproben untersucht werden sollen. Das Coronavirus hat allerdings dafür gesorgt, dass alle Termine vorerst abgesagt wurden.

Für die korrekte Erfassung der tatsächlichen Mangelsituation der Bevölkerung müsste man also breitflächig Blutwertmessungen durchführen – und bis dahin ist die Aussage, “Niemand braucht zusätzliche Vitamine”, oder noch drastischer formuliert, “Zusätzliche Vitamine können schaden”, nicht bewiesen und nicht haltbar.

Stattdessen spricht die Beweislage für das Gegenteil:

1. Diskrepanz zwischen gemessenem Mangel und empfohlener Zufuhr.

Beispiel Vitamin D. Lt. NVSII sind bis zu 90 % der Menschen in Deutschland mangelversorgt. Es ist schon seit Jahren bekannt, dass es weit über 1000 I. E. Vitamin D täglich braucht, um überhaupt als adäquat angesehene Vitamin-D-Werte zu erreichen. Die Zufuhr-Empfehlung vom Bundesamt für Risikobewertung liegt aber noch immer bei nur 800 I. E. – die DACH-Region liegt mit ihren Empfehlungen damit weit unter dem europäischen Standard. In quasi allen anderen EU-Ländern ist min. das Doppelte, vereinzelt sogar quasi das Fünffache erlaubt.

Es gibt also eine enorme Diskrepanz zwischen als adäquat angesehenen Zufuhrempfehlungen und den als adäquat angesehenen Blutwerten, die mit den genannten Zufuhrempfehlungen häufig nicht zu erreichen sind. Und das, obwohl das Robert-Koch-Institut selbst seit Jahren anbringt, dass wir in Deutschland stark mangelversorgt sind mit Vitamin D: Eine RKI-Studie aus dem Jahr 2015 zeigt sogar, dass die Deutschen im Schnitt ganzjährig (!) mangelversorgt sind.

2. Diskrepanz zwischen Zufuhr und Blutwerten. 

Beispiel Zink. In der Nahrung, vor allem in Nüssen, Getreiden, Salaten und Gemüsen, kommen natürliche Hemmstoffe wie Phytinsäure vor. Phytinsäure hemmt die intestinale Aufnahme von zweiwertigen Mineralien, vor allem Eisen und Zink. Berechnungen zufolge kann sich der Bedarf an Zink verzehnfachen, wenn höhere aber noch normale Mengen an Phytinsäure über die Nahrung zugeführt werden.

Daher reicht es tatsächlich nicht aus, in Interviews oder Fragebögen (wie in der NVSII) die Zufuhr zu kalkulieren bzw. zu erfassen. Wenn Aussagen über die richtigen Zufuhrmengen getroffen werden sollen, dann muss dies über Blutwertmessungen getan werden. Aber das aktuelle Vorgehen mit Blick auf das Erfassen des Versorgungsstatus via Interviews und Fragebögen unterschätzt gegenwärtige Mangelsituationen eher noch!

3. Was sind adäquate Zufuhrmengen? – Triage-Versorgung der Enzyme 

Empfohlene Dosen werden von deutschen Behörden (BfR) im europäischen Vergleich extrem konservativ berechnet – dazu gleich mehr. Arbeiten vom berühmten Biochemiker Prof. Bruce Ames (1, 2, 3, 4, 5), einst Chef-Toxikologe in den USA, legen jedoch nahe, dass es auf Seiten des Vitamin- und Mineralstoffsbedarfs im Körper eine Triage gibt und Enzymsysteme hierarchisch mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgt werden.

Lt. seiner s. g. Triage-Theorie profitieren viele Enzymsysteme, die man gerade für ein langes und gesundes Leben braucht, von höheren Vitamin- und Mineralstoffdosen, da sie erst bei höherer Zufuhr ihre maximale Aktivität zeigen. Wer also immer davor warnt, wir könnten zu viele Vitamine zuführen, vergisst zeitgleich, dass es keinen definierten Maßstab hierfür gibt und das, was wir als „adäquat“ bezeichnen für die optimale Funktion von Enzymen sogar zu wenig sein könnte.

Dies liegt vor allem darin begründet, dass es schwer zu erfassen ist, wann genau man von einem Mangel spricht. Wie dargelegt werden Enzymsysteme hierarchisch mit Vitaminen etc. versorgt, weswegen bei Abfall der Vitamin- und Mineralstoffzufuhr zuerst jene Enzyme schlechter versorgt werden, die nicht für das akute Überleben gebraucht werden. In der Tiermedizin ist das ein lange bekannter Zusammenhang, dass bei (relativem) Mangel zunächst die Immunfunktion eingeschränkt ist, dann die maximale Wachstumsgeschwindigkeit des Tieres, die maximale, dann die normale Fertilität, und erst ganz spät zeigen sich echte klinische Symptome.

triage

4. Gen-Polymorphismen kollidieren mit Kredo, dass Blutwertmessungen das A und O sind 

Zuletzt noch ein wichtiges Argument gegen die Annahme, dass Blutwertmessungen immer sinnvoll sind: In den letzten Jahren wurde ein Wissenschaftsfeld in der Wahrnehmung immer dominanter, die Rede ist von der Nutrigenomik. Jeder Mensch hat einen ganz eigenen Stoffwechsel.

Alle chemischen Prozesse im Körper werden durch Proteine bzw. Enzyme ermöglicht, deren Bauplan von der DNA codiert wird. Dass wir Menschen trotz hoher genetischer Übereinstimmung so unterschiedlich sind, liegt vor allem daran, dass kleinste Veränderungen in unseren Genen dafür sorgen, dass sich Aktivitäten der gebildeten Proteine und Enzyme (deutlich) unterscheiden.

Diese s. g. Gen-Polymorphismen sorgen dafür, dass Menschen ganz unterschiedliche Mikronährstoff-Bedürfnisse haben. Was für den einen Überschuss ist, ist für den anderen Mangel. Solche Polymorphismen wurden in Stoffwechselpfaden von vielen Mikronährstoffen beschrieben, z. B. Vitamin A, Selen, Cholin, Zink, Eisen, Folsäure usw.

Es gibt für die Erfassung vieler Mikronährstoff-Mängel daher keinen definierten “Gold-Standard” im Sinne einer überragenden Bedeutung von Blutwertmessungen – im Gegenteil, bei Zink ist beispielsweise die Rede davon, dass eine “functional response” nach der Zinkeinnahme der Gold-Standard ist. Daher geht es bei der Einnahme von NEM ganz oft um das eigene Körpergefühl – auch, wenn das oft nicht gehört werden will.

These 3: NEM können gefährlich sein – es gibt keine Höchstmengen.

NEM einfach zur Vorsorge zu nehmen kann gefährlich sein. Trotzdem gibt es keine Höchstmengen für die Stoffdosis in Nahrungsergänzungsmittel.

Zunächst: Dass es keine Höchstmengen für NEM-Dosen gibt, ist schlicht falsch. Das Bundesamt für Risikobewertung hat erst 2018 seine Empfehlungen aktualisiert, an die man sich als NEM-Anbieter in Deutschland eigentlich zu halten hat. Ob ein Unternehmen diese Vorgaben auch umsetzt, muss eigentlich von der Lebensmittelüberwachung überprüft werden.

Richtig ist, dass es keine gesetzlichen Vorgaben in der Hinsicht gibt. Mit Blick auf die NEM-Dosen in Deutschland ist das auch überhaupt nicht relevant, denn im europäischen Vergleich – wo quasi alle anderen EU-Länder bereits gesetzliche Höchstmengen haben – schneiden die Empfehlungen vom BfR extrem konservativ ab. Im Klartext: Im europäischen Vergleich wird in Deutschland unter- nicht überdosiert! (Eine Vergleichstabelle findet sich hier.)

Die Aussage, dass die vorsorgliche Einnahme von NEM gefährlich sein kann, wird nicht belegt. Ein klassisches, häufig angeführtes Beispiel in diesem Zusammenhang ist Vitamin A. Daher gehen wir kurz auf dieses Beispiel ein: Der Tagesbedarf an Vitamin A beträgt ca. 1 mg. Der Höchstmengenvorschlag für Nahrungsergänzungsmittel vom BfR liegt bei 0,2 mg. In quasi allen anderen EU-Ländern ist min. das 4-fache gesetzlich (!) erlaubt:

Vitamin A im EU Vergleich

Zudem soll auf der Verpackung ein Warnhinweis angebracht sein, dass Vitamin A in der Schwangerschaft nur in Absprache mit dem Arzt eingenommen werden darf. Hintergrund ist, dass aus Vitamin A ein Hormon im Körper namens Retinsäure entsteht. Bei sehr hohen Dosen über längere Zeiträume wurde hierfür eine Giftigkeit nachgewiesen, die toxisch auf den Fötus wirken kann (s. g. „teratogene Wirkung“).

Als Folge wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass eine zu hohe Vitamin-A-Zufuhr über NEM oder über Nahrungsmittel wie Leber für Schwangere schädlich sein kann. Allerdings wurde unter normalen Umständen nie Intoxikation von Schwangeren durch Vitamin A eindeutig bewiesen. Zudem zeigte sich in einer vom BfR zitierten Studie, dass die hohen Mengen Vitamin A in Leber so verstoffwechselt werden, dass trotz der hohen Vitamin-A-Mengen keine Gefahr für Schwangere von diesem Lebensmittel ausgeht.

Und zu guter Letzt brauchen gerade Schwangere weitaus mehr Vitamin A, weil es enorm wichtig für eine normale und gesunde Entwicklung des Fötus ist – zeitgleich aber zeigt sich, dass viele Schwangere Vitamin A in nicht ausreichenden Mengen zu sich nehmen. Daher kam das BfR in seiner Risikobewertung zu Vitamin A sogar zum Schluss, dass Schwangere nur durch den Konsum von Leber adäquat mit Vitamin A versorgt sind:

BfR zu Vitamin A in der Schwangerschaft

Dieses Beispiel soll verdeutlichen, dass schon die Argumentationsgrundlage in solchen Beiträgen häufig nicht stimmt, weil von vermeintlichen “Tatsachen” ausgegangen wird, die eigentlich noch nie eine Tatsache waren. Durch andauerndes Wiederholen von “Vitamine bzw. Vitamin X können schädlich sein” sorgt man nicht für Aufklärung, sondern befeuert Verdrossenheit, Fehlinformation und erhöht das Risiko der Mangelversorgung nur!

Es sei noch angemerkt, dass es – wie überall – schwarze Schafe gibt, also NEM-Anbieter, die sich nicht an Vorschriften halten. Aber dafür kann man nicht eine ganze Branche pauschal diskreditieren.

These 4: NEM werden nicht wie Medikamente kontrolliert.

Nahrungsergänzungsmittel zählen als Lebensmittel. Sie werden nicht wie Medikamente kontrolliert.

Auch hier wird wieder nur die halbe Wahrheit erzählt. Hier klingt es so, als ob der Markt für Nahrungsergänzungsmittel nicht hinreichend reglementiert wäre. Das Gegenteil ist der Fall. Wie der Name verrät, sollen Nahrungsergänzungsmittel die Nahrung ergänzen. Entsprechend haben sie keinen Anspruch, Heilung herbeizuführen oder Medikamente zu ersetzen. Deshalb fallen Nahrungsergänzungsmittel unter das Lebensmittelrecht und es dürfen nur wissenschaftlich bewiesene Funktionalitätsaussagen zu der Wirkung von Stoffen getroffen werden, das sind die s. g. Health Claims.

Geforderte Claims werden von Wissenschaftlern der EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) eingehend auf wissenschaftliche Haltbarkeit geprüft und erst dann freigegeben. Zudem gibt es eine Novel-Food-Verordnung, wobei Stoffe und Stoffgemische, die neuartig sind, erst eingehend geprüft werden, bevor sie für den Verzehr freigegeben werden. Das heißt, Stoffe, die von der EFSA nicht zugelassen sind, dürften in D auch nicht in Verkehr gebracht werden.

In Deutschland müssen oder sollten sich Inverkehrbringer von NEM an die Empfehlungen des Bundesamt für Risikobewertungen orientieren – im Vergleich zum europäischen Standard sind die Empfehlungen wie bereits dargelegt zumeist sehr konservativ und mit anzubringenden Warnhinweisen versehen. Da NEM unter das Lebensmittelrecht fallen, gelten zudem folgende Verordnungen:

  • Lebensmittel-Basisverordnung
    (EG) 178/2002 (BasisV)
  • allgemeine Grundsätze des Lebensmittelrechts sowie der Lebensmittelsicherheit
  • Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB)
  • Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung (LMKV)
  • Zusatzstoff-Zulassungsverordnung (ZZulV)
  • Zusatzstoff-Verkehrsverordnung (ZVerkV)
  • Lebensmittelhygiene-Verordnung (LMHV)
  • Los-Kennzeichnungs-Verordnung (LKV)

Eine “Kontrolle” wie bei Medikamenten würde auch eine Zulassungspflicht voraussetzen. Aber: Wie sollte so etwas infrastrukturell aussehen? Sollen Produkte, die einzelne Vitalstoffe enthalten, einer Zulassungspflicht unterliegen? Das hieße, dass zwei Firmen für ein identisches Produkt dafür jeweils eine Zulassung durchlaufen müssten. Selbst bei Multivitamin-Produkten würde das keinen Sinn ergeben – bei NEM werden quasi immer die gleichen, sowieso bekannten und hinreichend erforschten (Vital-)Stoffe eingesetzt.

Medikamente hingegen haben teilweise komplett neuartige Wirkstoffe, die es vorher nie gab. Und: Medikamente haben eine pharmakologische Wirkung, die NEM nie haben werden. Hier steht Aufwand/Ertrag, sprich Aufwand in Relation zum erhofft verbesserten Verbraucherschutz, in keinem Verhältnis mehr. Was soll der Vergleich NEM mit Medikament also immer wieder?

These 5: Es gibt keine Meldestelle für Beschwerden.

Es gibt auch keine Meldestelle für Nebenwirkungen. Die können aber bei Überdosierung auftreten. Zum Beispiel Nierensteine oder Leberschäden.

Welchen zusätzlichen Nutzen soll eine Meldestelle für Nebenwirkungen haben? Hier schützt man den Verbraucher nicht zusätzlich. Nochmal: Nahrungsergänzungsmittel sind rechtlich betrachtet Lebensmittel. Und selbst wenn, jeder Verbraucher kann seine Beschwerde an den Verbraucherschutz oder die Lebensmittelüberwachung weitergeben.

Die reglementierte Zufuhrempfehlung sollte ausreichen, dass die Einnahme von Ergänzungsmitteln nicht mehr oder weniger Beschwerden macht als der normale Konsum von anderen Lebensmitteln auch – daher: Gibt es auch Meldestellen für den Fall, dass sich jemand nach einem Cheeseburger-Konsum übergeben muss? Diese rhetorische Frage mag albern sein, aber genau darum geht es rechtlich und faktisch betrachtet.

Der Aufwand, einer als subjektiv empfundenen, durch Nahrungsergänzungsmittel-Einnahme herbeigeführten Beschwerde jeglicher Art in einem jedem Fall zu prüfen, ist nicht nur extrem aufwändig – es wird auch in keinem Fall nachprüfbar sein, ob dies tatsächlich auf die Einnahme von NEM zurückzuführen ist.

Abschließende Worte

Die Sinnhaftigkeit eines Beitrags, wie der aktuelle Beitrag von quarks.de, erschließt sich einem nur schwer. Aus journalistischer bzw. redaktioneller Sicht – und aus wissenschaftlicher Sicht ganz zu schweigen – ist dieser Beitrag nicht mehr als ein Lückenfüller, der jedoch zum jetzigen Stand über 100.000 Aufrufe hat.

Aktuell scheint es wieder in Mode zu kommen, Beiträge oder Artikel zu Nahrungsergänzungsmittel zu verfassen, die in den wenigsten Fällen als Fürsprecher daherkommen. Es richtig und wichtig über Wirkungen von NEM, über Risikogruppen oder über eine Sinnhaftigkeit der Einnahme zu sprechen – dies sollte dann aber faktenbasiert und unvoreingenommen passieren.

So aber – wie mit dem aktuellen Beitrag von quarks.de – ist keinem geholfen. Auffallend ist auch, dass viele Menschen mittlerweile sehr feinfühlig auf solche Beiträge reagieren, das zeigen die Kommentare darunter. Bezeichnend diesbezüglich ist, dass es offensichtlich eine große Menge an Menschen gibt, deren persönliche Erfahrung mit NEM sich nicht mit den pauschalisierenden Behauptungen solcher Beiträge deckt. Warum wohl?

übersicht

Kommentare (38)

  1. Chris for Ernährungsminister!

    Aber Tacheles: Ich rieche größtenteils, dass die Grünen NEM weg bzw reduzieren wollen, damit das mit den Globuli besser funkt. Die Grünen sind in der Szene ja Bestens vertreten.

  2. Danke für den super Beitrag!
    Wenn ich es recht erinnere, sind in der NVS2 die Werte überhaupt nur so „gut“, weil die Multivitaminsaft mit reingerechnet haben😂. Ich suche mal nach der Seite…

  3. Die Diskussion um NEMs zeigt leider Züge des Fake News Trends bzw. dem Trend, Wissenschaft zu ignorieren und durch politische bzw. vom Weltbild geprägte Behauptungen zu ersetzen. Ich finde schon das Argument, dass zu viele NEMs gefährlich sind, bezeichnend. Ich kenne nichts, was in einem „Zuviel“ nicht schädlich wäre. Selbst mit zu viel Wasser kann man sich umbringen. Den Menschen vor sich selbst zu schützen, scheint die wichtigste Aufgabe der Anti-NEM Fraktion. Immer in der Annahme, dass man selbst alles besser weiss und der gemeine Pöbel in seiner Dummheit reglementiert werden muss.

  4. Hallo Chris, danke für den präzisen, klaren und aufklärenden Text. Schade, dass die Differenzierung, die in diesem Thema so wichtig ist, nur sehr selten stattfindet. Macht daher weiter so!

  5. Danke Chris für den informativen Beitrag,
    Es ist schade dass bei unseren Mainstream die Berichterstattung sich immer mehr verschlechtert. Die Sendungen werden nicht nach Fakten (wissenschaftlichen Aspekten) sonder nach Interessenlagen (z. B. Geldgeber ) erstellt. Besonders Schade dass die öffentlichen Rechtlichen Sender auch noch von der Allgemeinheit mittels GEZ finanziert sind und durch solche Informationen auch Meinungslenkung “Propaganda” durchgeführt wird.

  6. Danke Chris für diesen Artikel und ganz besonders dafür, dass du nicht müde wirst Fakten gegen Behauptungen aufzuführen. Ich persönlich bin des Kämpfens leid und halte meistens meine Klappe. Eine Bekannte, 39, stark übergewichtig, hat nun Wasser in den den Beinen und schon mehrere Ärzte aufgesucht. Natürlich wird sie nicht über Ernährung, Bewegung, Eiweiß- oder Kaliummangel nachdenken. Im Gegenteil man hört ja immer wieder, dass die Einnahme solcher Dinge kreuzgefährlich ist! Der letzte Arzt hatte endlich den richtigen Riecher und verordnete ein Diuretikum, natürlich wie so oft ohne ausschweifende Diagnostik 🤷‍♀️ Nun sind alle glücklich, Patientin und Doktor. Ein Schelm wer Böses dabei denkt und vielleicht sinniert, wohin nun die letzten Mineralien verschwinden…und was danach kommt!? Trotzdem schickte ich den Link zu eurer Seite! Ich kann leider die Welt nicht retten, aber bei dir sehe ich Potential 😉👍… Go on !

    1. Antwort an Sabrina

      Genau so denke ich und habs schon probiert. Bin 64 Jahre alt und habe schlanke Beine wie in der Jugend. Wenn ich manchmal einen Anflug von Spannungsgefühl habe, esse ich abends noch Leinölquark und die Beine sind wieder gut. Kalium habe ich durch Obst und Gemüse genug. Aber Eiweißmangel bei geschwollenen Beinen, das lernt jeder, der sich mit der Materie auseinandersetzt.
      Schade, dass so wenige erkennen,dass der Körper selbst heilt, wenn er gut versorgt ist.

  7. Na ihr seid einfach alle viel zu gesund und wenn ihr dann auch noch diese bunten Pillen nehmt, die ja eh nix bringen, dann müsst ihr doch nur ein Arzt, äh Pharmakologen, aufsuchen. Danach seid ihr alle wieder gesund und munter damit ihr weiter konsumieren könnt was essentiell für euch ist.

    1. Antwort an justdoit006

      Ach ja, die Sau: “Nems sind böse” wird wieder durch das Dorf getrieben, von den Medien. Leider im Moment nicht nur von Quarks. Fürher habe ich viel davon Gehalten, seit längerem schau ich mir das nur noch Kritisch an und muss oft abschalten (oder gar nicht mehr anschauen), wegen des Blödsinnes, die die da verzapfen. Zum Glück liest man wirklich von anderen Leuten, dass es so pauschal wohl nicht geht.
      Manchmal könnte man meinen Magnesium ist gefährlicher als Statine mit ihren Nebenwirkungen. Immerhin, kann bei zu viel Mg Durchfall bekommen! Also Obacht :)).

      Und danke für den Artikel: hast du einen Link zu deinem Artikel darunter gesetzt?

  8. Ich finde es unverantwortlich, dass gerade in Zeiten von Corona den Menschen so ein wichtiges Stück Eigenverantwortung quasi ausgeredet wird. Jeder von uns, die es besser wissen, weil selbst erfahren, muss weiter dagegen halten – also ein dickes Danke für eure Unterstützung!!

  9. Danke für diesen erhellenden Beitrag. Ich habe mich als der Bericht im Fernsehen kam sehr aufgeregt. Mir haben sowohl Eisen, als auch Vitamin D und Magnesium Substitution das Leben gerettet.

  10. Danke auchvon mir für diesen Beitrag. NEM s sind außerdem sehr hilfreich, um die Nebenwirkungen einer CHemo abzumildern. Und warum trommeln Prof Spitz und Uwe Gröber, wie wichtig Vit D, Magnesium,Vitamin A usw sind,um das Immunsystem fit zu halten? Und warum wird nicht der Alkohol – und Nikotin verbrauch reglementiert? Weil der Steuern einspielt? Da ist ein Zuviel auf jeden Fall gesundheitsschädigend.
    Schön,daß es Euch gibt!!

    1. Antwort an Gitte

      Hierzu MUSS man sehr kritisch kommentieren, dass insbesondere antioxidativ wirkende NEM
      dadurch die Effekte mancher Zytostatika alterieren und deren Wirksamkeit vermindern!
      Beispielsweise Platinverbindungen induzieren gezielt reaktive Spezies, das ist integrales Element der zytostatischen Wirkung auf die Tumorzellen.

      Eine Einnahme von NEM während eines Chemo-Zyklus mit bekannt über ROS-wirkenden Zytostatika ist im Sinne der Therapieeffektivität zu vermeiden. Das gleiche gilt für simultane oder alleinige Radio(chemo)therapie.

      Anders sieht es dann in der Zeit nach! der Gabe und Wirkung aus, um gesunde Zellverbände und Geweben besser zu regenerieren.

  11. Klasse passt alles, Vitamin D, ggf. L-Arginin etc.

    Allerdings muss man den Anbietern der NEM „Szene” vorwerfen, dass dem potenziellen Kunden „das blaue vom Himmel” versprochen wird. Da wird ErectoLust verkauft, ein bisschen Planzenextrakt und das im im Namen enthaltene Heilsversprechen wird dann bei einem 70jährigen nicht zur Realität.

    Nicht die Inhaltsstoffe und Zusammensetzungen sollten stärker kontrolliert werden. Eher die Werbeversprechungen.

  12. Danke für den interessanten Beitrag. Ich ärgere mich auch immer wieder über solche spekulativen Artikel, wo alles zusammengeworfen wird. Eigentlich sind das ja studierte Wissenschaftsjournalisten?
    Ich hätte noch zwei weitere Anmerkungen.
    1. Die Normwerte, auf die sich Labore und Ärzte berufen, sind ja nicht wie die von euch dargestellten Werte begründet festgelegt worden.
    Es handelt sich einfach um Durchschnittswerte von (je nach Maßstab) 90% der Probanten.
    Der Mangel geht also in den Normwert ein bzw. wird geradezu zur Norm erhoben!
    2. Ebenso passiert das regelmäßig (auch wenn das nicht gerade Thema ist) beim Eiweiß.
    Die ominösen 0,8 g/kg Körpergewicht wurden von der WHO als unterer Wert festgelegt, an dem Mangelernährung beginnt.
    In Deutschland wird das dann als Höchstwert definiert, bei dem angeblich eine (längst widerlegte) Nierenschädigung beginnen würde.

  13. Ich kann mich nur anschließen, hier wird die Sau durch Dorf getrieben. Klar gibt es schwarze Schafe in diesem Gewerbe. Aber die regelmäßige Zufuhr von wichtigen Grundstoffen sind gerade in der heutigen Zeit wichtig, da die Qualität des Essens deutlich nachgelassen hat.

    Man kann Artikel schreiben um ein Ziel zu verfolgen, so auch hier. Gerne frische ich den Beitrag mit wertvollen Informationen auf.

    Nationale Verzehrstudie II:
    https://bit.ly/30A0q77

    Vitamin- & Mineralstoffmangelversorgung:
    https://www.nature.com/articles/nrend
    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26162…)
    https://academic.oup.com/jn/article/1

    Vitamin D-Überdosierung:
    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30294

    Vitamin A-Versorgung:
    https://bit.ly/3fhfHxN
    https://drive.google.com/file/d/1E4uz

    Verwendung von Vitaminen in Lebensmitteln:
    https://www.bfr.bund.de/cm/350/verwen

    Wissenschaftliche Ergebnisse zu Nährstoffen und deren Wirkung:
    https://www.pnas.org/content/115/43/1
    https://studylib.net/doc/8812681/trac

    Zugelassene Höchstmengen in der europäischen Union:
    https://www.klartext-nahrungsergaenzu

    Nobelpreis für Medizin 2018:
    https://bit.ly/2zrpFNX

    Höchstmengen an Nahrungsergänzungsmitteln:
    https://www.klartext-nahrungsergaenzu

    Medikamentenregulierung
    https://drive.google.com/file/d/1Z9ck

    Nährstoffversorgung deutscher Kinder
    https://drive.google.com/file/d/1LatB

    Alkohol: Eine von vielen Studien, welche die Wirkung von Alkohol analysiert:
    https://www.thelancet.com/journals/la…)

    Zucker:
    https://de.statista.com/statistik/dat

    Gesamtmarktumsatzentwicklung Pharmaindustrie:
    https://de.statista.com/statistik/dat….

    FastFood-Restaurants am Beispiel von McDonalds:
    https://de.statista.com/statistik/dat….

    Rezeptfreie Arzneimittel
    https://de.statista.com/statistik/dat

    Lebensmittelrecht, welches für Nahrungsergänzungsanbieter gilt:
    • VO EG 1924/2006
    • VO EG 1925/2006
    • Diätverordnung
    • Nahrungsergänzungsmittelverordnung (NemV)
    • VO EG 852/2004
    • VO EG 2073/2005
    • FertigPackV
    • VO EG 10/2011
    • VO EG 1935/2004
    • VO EG 2023/2006
    • Lebensmittel-Basisverordnung
    • (EG) 178/2002 (BasisV)
    • allgemeine Grundsätze des Lebensmittelrechts sowie der Lebensmittelsicherheit
    • Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB)
    • Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung (LMKV)
    • Zusatzstoff-Zulassungsverordnung (ZZulV)
    • VO EG 1131/2011
    • VO EG 438/2013
    • VO EG 1333/2008
    • VO EG1334/2008
    • Zusatzstoff-Verkehrsverordnung (ZVerkV)
    • Lebensmittelhygiene-Verordnung (LMHV)
    • Los-Kennzeichnungs-Verordnung (LKV)
    Optionale Siegel:
    • Qualitätssiegel ISO 9001 und 22000 (Industrieprozesse und Lebensmittelsicherheit) und GMP & HACCP.

    Antworten moderated
    1. Antwort an Robin

      Kleine Anmerkung noch: diese Liste ist vom YouTube-Video mit Patric Heizmann, das unter unserer Mithilfe entstanden ist, entsprechend sind einige links von uns 😛

      1. Antwort an Chris Michalk

        Exakt. Er hat ein klares und gutes Statement abgeben, vor allem sehr gut recherchiert. War mir allerdings unsicher ob ich das Video posten darf. Wenn sie an der Liste beteiligt waren, vielen Dank. Super hilfreich und echt top!

  14. Ich kann mich dem Dank an Chris und das Edubily-Team nur anschließen. Es ist eine wahre Freude, diesen Artikel zu lesen und sich die elegante und differenzierte Auseinandersetzung mit den einzelnen Behauptungen auf der Zunge zergehen zu lassen.
    Der Artikel wird jetzt von mir mehrfach ausgedruckt und verteilt. Und ganz wichtig: als Wartezimmer-Lektüre in meiner Praxis (Chirurgie) ausgelegt. Denn inzwischen ist es bei uns nahezu zur Routine geworden bei Frakturen oder z.B. bei schlecht heilenden Wunden die “Basiswerte” (zuallererst Vitamin D, aber auch Zn, B12, Folsäure, Mg) bestimmen zu lassen und entsprechend der festgestellten Mangelsituation (Tausend Dank für Euren Vitamin-D-Rechner!) zu substituieren.
    Ich weiß, da ginge noch mehr, aber das ist in diesem Gesundheitssystem nicht so einfach möglich.
    Schön ist, dass mir Euer Artikel viel Zeit und Gerede ersparen wird, denn ich werde das Lesen einfach als “Hausaufgabe” aufgeben. 😉

  15. Ein super Beitrag!

    Besser kann man diese unerhört unwissenschaftliche und für ein Magazin wie Quarks peinliche Pamphlet kaum auseinander nehmen.

    Was ich allerdings gerne anmerken möchte ist Folgendes:

    Soweit mir bekannt, nehmen die Menschen in den 5 Blue Zones der Erde (überdurchschnittlich viele 90, 100 und 110 Jährige) keine NEMs ein.

    Allerdings leben Sie alle auf einem ähnlichen Breitengrad und haben daher vermutlich ganzährig gute Vitamin D Spiegel, die wir nur mühsam mit NEM erreichen.

    Außerdem dürfte die Nähr- und Vitalstoffdichte der dortigen Kost vermutlich höher und besser sein, als bei uns und eine ausgewogene und breite Ernährung einen im stressärmeren Alltag größeren Stellenwert haben.

    Dennoch: wenn man die Lebensweise der dort beheimateten Menschen versucht bestmöglich zu “emulieren”, dann kann man zumindest beim Durchschnitts-Industriekultur-Menschen bereits gesundheitliche Verbesserungen erzielen.
    https://www.menshealth.com/health/a33001048/fort-worth-dan-buettner-blue-zones/

    Daher ist ein sachlicher Dialog zu dem Thema, der auch kritische Betrachtungen zulässt und beinhaltet, richtig und notwendig. Aber eben in beiden Richtungen.

    1. Antwort an 4D-DOC

      Danke Doc, schön dich mal wieder zu lesen 😉 Sehe das mit der offenen Diskussion, wie gesagt, genauso.

      Ansonsten: Ich finde halt, man muss bzgl. Blue Zones ein bisschen aufpassen, dass man es nicht romantisiert. Wenn man sich mal Dokus zum Thema ansieht, wird man sehen, dass diese Menschen ein z. T. sehr hartes, karges Leben führen, das die Menschen auch nicht unbedingt erfüllt. Das, was sie so alt werden lässt, ist häufig ihre erstaunliche Robustheit – das ist aber nicht gleichzusetzen mit Vitalität, jedenfalls nicht in meinen Augen. “So” würde ich keine 90 werden wollen. Zudem: Man sollte eher “Longevity plus” anpeilen, wo moderne Erkenntnisse den Weg weisen. Wir wissen es heute eigentlich besser.

      1. Antwort an Chris Michalk

        Die Freude ist ganz meinerseits! Werde mich mal wieder öfter blicken lassen, die Seite ist und bleibt einfach eine Referenz, was die Tiefe und Aufbereitung komplexer biologischer Systeme angeht. Vergleichbares ist sehr schwer zu finden. 😉

        Zum Thema: Absolut, mitunter würde ich da nicht tauschen wollen. Allerdings ist das je nach Region auch recht verschieden. In manchen der Zonen scheint das Leben eher Arm an künstlichen Stressoren und die Menschen als Gruppe im Kollektiv wirken recht “glücklich” – aber wie Du vermutlich noch besser weißt als ich, gar keine leicht zu erfassende Größe.

        Was ich interessant finde ist das in allen Zonen soziokulturell sehr vergleichbare Ökosystem: der Mensch der Art Homo sapiens hat sich, soweit mir bekannt, über die meiste Zeit seines Daseins in eher kleineren Gruppen bis max. 150 Mitgliedern organisiert, was auf gewisse Weise in den Zonen ähnlich abgebildet ist. Größere Agglomerationen sind ja vergleichsweise jung – und daraus resultierend viele sehr diskutable Einflüsse.

        Natürlich haben wir mit unseren Fähigkeiten natürlich längst Möglichkeiten, von denen in den Zonen nie jemand gehört hat (und hören muss ;-)) geschaffen, hier tiefgehend die Systeme für uns zu optimieren.
        Über die Begrifflichkeit kann man sicher sprechen. Was allerdings auch gut am Alter liegen könnte: aus der Perspektive unseres Alters (Bereich 25-40) mag die Robustheit der 70, 80 oder 90-jährigen dort in den Zonen nicht wie die Vitalität wirken, wie wir sie (aktuell im oder nahe am Bereich der biologischen “Blüte”) uns bisher vorstellen.
        Aus der Sicht der meisten 70-100-jährigen hier sähe das vielleicht anders aus. Zumindest aus meiner Erfahrung aus dem med. Alltag wären sicher viele mit der “Robustheit” der Alten dort ganz glücklich. Im Verhältnis zu den Einschränkungen, die sie jetzt haben.

        Beste Grüße!

        1. Antwort an 4D-DOC

          Doc, ich danke dir 🙂 Und klar, deine Kommentare sind von mir immer sehr geschätzt.

          Die Frage ist halt, warum “unsere Alten” so “gebrechlich” sind. Wenn ich sehe, dass bei uns jeder Zweite an kaputten/dysfunktionalen Arterien stirbt, und mit Sicherheit 80-90 % darunter leiden (Durchblutung ist das A und O), aber gerade die Gefäßgesundheit ein Hallmark des gesunden Alterns ist und ganz sicher auch dazu beiträgt, dass Menschen “in den Zonen” (oder im Urwald 😉 robust bleiben, wird klar, dass in erster Linie der Lebensstil und vor allem die Ernährung hier die tragende Rolle spielen. Wenn der Lebensstil nicht stimmt, wird’s auch mit NEM schwierig.

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