Nahrungs­ergänzung

NEM besser regulieren? Die Grünen stellen einen Antrag

Am 12.05.20 veröffentlichte die Partei Bündnis 90/Die Grünen einen Antrag für den Bundestag unter dem Titel Nahrungsergänzungsmittel besser regulierenIn dem Antrag fordert die Partei u. a.

  • eine gesetzlich vorgeschriebene Höchstmenge für Vitamine und Co.,
  • eine Meldestelle zum Erfassen von Neben- und Wechselwirkung nach Einnahme von NEM,
  • europaweite Vereinheitlichung der Höchstmengenvorgabe,
  • und eine staatliche Zulassungspflicht mit behördlicher Sicherheitsprüfung für NEM.

Wir haben dem Bestsellerautor und Gesundheitscoach Patric Heizmann eine sehr ausführliche Stellungnahme zu diesem Antrag geschrieben, die er im unten angeführten Video ausgiebig eingearbeitet hat.

Wir bitten dich, dir dieses – längere und ausführliche – Video in aller Ruhe und aufmerksam anzuschauen. Dieses Thema betrifft nämlich jeden, der sich eigenverantwortlich mit seiner Gesundheit befassen will, also sowieso schon mal jeden edubily-Leser.

Ich persönlich denke, dass sich die Partei mit dem Antrag keinen Gefallen getan hat. Wir leben heute nicht mehr im Jahr 2000: Eine große Zahl an Menschen in Deutschland weiß heutzutage um die Bedeutung einer guten Nahrungsergänzung.

Zeitgleich leben wir in Deutschland – auch ohne ein Gesetz für NEM – im wohl am strengsten reglementierten Staat in ganz Europa. Mit dem Bundesamt für Risikobewertung haben wir wohl zudem die konservativste Behörde, die mit ihren Empfehlungen weit unter den gesetzlichen Vorgaben quasi aller europäischen Länder liegt

Letztlich haben die Behörden dafür Sorge zu tragen, dass Vorgaben auf Seiten der Anbieter auch eingehalten werden. Genau genommen ist dies aktuell die Aufgabe der Lebensmittelüberwachung, die hier oft überfordert scheint.

Unsere abschließende Bewertung der Forderung lautet daher: 

Die von der Partei Bündnis 90/Die Grünen angebrachte Forderung ist zum Teil gut und nachvollziehbar, zum Teil dokumentiert sie aber auch Ahnungslosigkeit. Der Nahrungsergänzungsmittel-Markt in Deutschland wäre bereits überdurchschnittlich streng reguliert, würden die Vorgaben von allen Seiten eingehalten werden.

Die Empfehlungen vom Bundesamt für Risikobewertung sind im Vergleich zu vielen EU-Mitgliedsstaaten sehr konservativ und streng, und bisweilen halten sie auch dem aktuellen wissenschaftlichen Konsens nicht stand (s. Vitamin D), der sich in Empfehlungen bzw. gesetzlichen Vorgaben anderer EU-Staaten bereits niederschlägt.

Dies steht also im Widerspruch zu den Forderungen der Partei: Eine EU-weite Vereinheitlichung der Empfehlungen würde eher dazu führen, dass höhere, nicht niedrigere Mengen an Vitaminen und Co. zugelassen werden müssten.

Richtig und wichtig wäre hingegen die Forderung, eine genauere Einhaltung der Empfehlungen bzw. gesetzlichen Vorgaben durch bessere Kontrolle und ggf. spezielle „NEM-Behörden“ oder NEM-Abteilungen bei Lebensmittelüberwachungen zu forcieren. Allerdings müsste man hierfür nichts an der sowieso bereits vorhandenen (Infra-)Struktur ändern.

 

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Kommentare (15)

  1. Ehrlicherweise muss ich sagen das ich mir das Video nicht angesehen habe, aber sind Höchstmengen den tatsächlich so wichtig?

    Ich halte es für wesentlich wichtiger das genau das drin ist was drauf steht und es auch keine Verunreinigungen gibt als irgendwelche Höchstmengen. Das sollte doch bitte jeder volljährige Kunde selbst entscheiden können.

    1. Antwort an justdoit006

      Ja, gerade die Höchstmengen sind sehr wichtig. Würden diese nun beschränkt auf die Vorgaben des Bundesamtes für Risikobewertung, und nichts anderes kann ein solcher Vorstoss vorhaben, dann können chronisch Kranke nicht mehr ihre therapeutischen Dosen zu sich nehmen. Es ist jetzt schon schwer, entsprechende Mengen zu bekommen. So haben z.B. die ersten Hersteller von NEMs bereits ohne Information die Inhaltsstoffe heruntergeschraubt aus vorauseilendem Gehorsam. Und man muss jetzt schon viele Tabletten einnehmen, um sich vernünftig zu versorgen. Es macht dann einen Unterschied, ob ich ein 50mg Zink Präparat nehmen kann, oder die empfohlenen 5mg. Von den Ansichten über Vitamin D mal ganz zu schweigen, da kommt man schon als Gesunder nicht zu vernünftigen Werten mit den offiziellen Vorgaben.

      1. Antwort an Mario

        Mario, „vorauseilender Gehorsam“ finde ich ein bisschen arg unpassend. Genau genommen hat sich auch bisher eigentlich jeder an die Empfehlungen vom BfR zu halten. So wie wir das auch schon immer umsetzen. Und zum Antrag: Sollen sie doch machen, „europäische Vereinheitlichung“, dann sehen sie vielleicht, dass andere Länder über unsere Empfehlungen nur schmunzeln.

        1. Antwort an Chris Michalk

          Chris, es war schon auffallend, daß grob innerhalb des letzten Jahres vermehrt Hersteller ihre Produkte runterdosiert haben ohne ersichtlichen Grund. Es kamen innerhalb dieser Zeit einige Bestrebungen ins Rollen, die Dosis entsprechend zu reglementieren, sowohl auf nationaler wie auch auf europäischer Ebene. Es ist natürlich nur eine Vermutung, da es keine Aussagen der Hersteller gab, aber die Empfehlungen des BfR gibt es ja schon länger, und die waren bislang dann höchstens als Einnahmeempfehlung auf der Packung aufgedruckt, und spiegelten sich nicht in der Höhe der Inhaltsstoffe wider. Man kann schon von einer regelrechten Kampagne gegen Nahrungsergänzungsmittel reden. Siehe u.a. hier von Ende 2019: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/107181/Apotheker-befuerworten-Zulassungspflicht-fuer-Nahrungsergaenzungsmittel

  2. Renate Künast ist Sprecherin für Ernährungspolitik und Tierschutzpolitik der grünen Fraktion, sowie ein Mitglied des Ausschusses des Bundestags für Ernährung und Landwirtschaft
    Harald Ebner (Antragsteller) ist Obmann des Ausschusses Ernährung und Landwirtschaft.
    Friedrich Ostendorf (Antragsteller) ist Vorsitzender des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft.
    Markus Tressel (Antragsteller) ist Mitglied des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft.
    Dr. Kirsten Kapper-Gonther (Antragstellerin) ist Obfrau des Ausschusses für Gesundheit

    Die Liste lässt sich beliebig weiterführen, sprich alle Antragsteller/innen haben im engeren oder weiteren Sinne mit Ernährung zu tun und sind engagiert in Organisationen, die dem Schutz der Natur dienen.

    Sie alle haben es doch mit in der Hand, dass NEMs irgendwann einmal überflüssig werden.

    Ansonsten bin ich reichlich sprachlos was den Antrag betrifft. So undifferenziert und platt irgendwie. Patrick Heizmann
    hat den Antrag analysiert und zu den Inhalten sachgerecht Stellung bezogen. Ich hoffe, der Beitrag wird an entsprechender Stelle überhaupt wahrgenommen.

  3. Die Grünen begehren nicht auf wenn die Zahl der Diabetiker auf 6 bis 8 Mill.steigt. Folge: jedes Jahr 50 000 fussamputationen, 2000 deutsche werden blind…ungezählte hypertoniker…viel trauriges Elend. Sie, die Grünen und die anderen Politiker, schweigen zu diesem Drama genau wie die Ärztefunktionäre, zum Beispiel der Bundesärztekammer. Könnten das merkantile gründe sein?? Der Antrag der Grünen ist schlecht vorbereitet, da macht sich keiner Gedanken zum Beispiel über die krasse Unterversorgung von zb vitamin D (eigentlich ein hormon) mit all den hässlichen Folgen.. neulich in der apotheke: ein Kunde wollte Ibu 600. Ist rezeptpflichtig, sie können aber Ibu 400 haben.das ist nicht rezeptpflichtig..die Tablette hat rillen…man kann leicht mit ibu400 600mg/800mg erreichen…da hat die Politik auf schmierige Lobbyisten der Pharmaindustrie gehört…liebe Grüne , das ist sehr pein lich, da habt ihr versagt. An NEM stirbt kaum ein Mensch, an pharmaka sehr wohl!!! Hört einfach auf und geht nochmal in Euch…die Frage braucht Deutschland 120 Krankenkassen ist spannend, Dänemark u d Schweden hab en nur eine…sollen Krankenhäuser an Krankheiten verdienen? Braucht D private krankenhäuser? Da könnt ihr euch austoben…Grüsse michael schwabe dr med

  4. Ich bin (fast) sprachlos mit welchen Argumenten die Grünen diesen Antrag einbringen wollen. Dank an Patrick Heinzmann, der für mein Verständnis sachlich aufklärt wie NEM verbraucherschutzmäßig wirkt. Seine Darlegungen sollten die Grünen-Politiker, speziell Frau Künast (ich bin von ihr enttäuscht), überdenken, denn für mich ist das Thema, das sich die Grünen hier vorgenommen haben, sehr oberflächlich von der medizinischen und dem Verbraucherschutz angegangen. Zum Schluss wie bereits in den meisten Kommentaren: Wir Verbraucher können lesen und eigenverantwortlich handeln.

  5. Wieviele geschädigte oder Tote durch NEM haben wir denn in Deutschland järlich?
    Und wieviele durch (stärker reglementierte, zulassungspflichtige und ggf. auch verschreibungspflichtige) Medikamente?
    Es kann allesfalls einen Regulierungsbedarf bezüglich Reinheit, Qualität und Schadstoffen geben; wenn nicht schon längst vorhanden. Ansonsten besteht doch gar kein Regulierungsbedarf. Von dem Thema eigenverantwortliches Handeln mal ganz zu schweigen.
    Warum kümmern sich die (Grünen) Politiker nicht lieber um Bann von Tabakprodukten, Reglementierung / Einschränkung von (zugesetztem) Zucker oder eine weitere Ökologisierung der Land- und Viehwirtschaft?
    Verbessert die Qualität von Nahrungs- und Lebensmitteln, dann besteht weniger Bedarf (!) an NEM.

    1. Antwort an Thorsten Stock

      Hallo Thorsten,
      lt.Rene Gräber gibt es:
      20.000 Tote JEDES Jahr durch Krankenhausinfektionen 
      58.000 Tote durch Arzneimittelnebenwirkungen – in Deutschland. Jedes Jahr.

  6. Ich bin mal gespannt, ob ich es noch erleben werde, dass die Grünen etwas unternehmen, dass mir nicht irgend etwas verbieten will.

    Noch nie sah ich allerdings so wenig Sachkenntnis bei den Grünen wie beim Thema NEM. Kein Wunder, das hat mir grünen Themen nun wirklich nichts zu tun!
    Bevor die dich in Ernährungsfragen einmischen, sollten sie sich erstmal kundig machen!
    Man kann nicht alles verbieten, ohne Alternativen anzubieten.
    Man muss sich das mal vor Augen führen, NEM, Fett, Zucker, Fleisch…alles soll am besten verboten werden. Aber was sind die Alternativen?
    Da kommt nur noch vegetarisch und vegan, also grüne Ideologie. Aber ohne Fett und Zucker und ohne tierisches Eiweiss, aber umfassend ernährt…

  7. Zum Thema Verbraucherschutz gibt es einige interessante Äußerungen der Heinrich Böll Stiftung – immerhin Die grüne politische Stiftung. Darin heißt es u.a. „Staatliche Eingriffe zur Wahrung von Verbraucherinteressen sind dann gerechtfertigt, wenn es dadurch besser als durch marktendogene Mechanismen gelingt, Informationsdefizite abzubauen, für Rechtssicherheit zu sorgen sowie Gefahren für Gesundheit und Sicherheit abzuwehren. Dies gilt insbesondere dann, wenn der Markt nicht in der Lage ist, ausreichend Vertrauen aufzubauen.
    Allerdings hat der Staat in solchen Situationen keinen Freibrief für jedwede Intervention, insbesondere dann nicht, wenn er sich anmaßt, besser zu wissen, was gut oder schlecht für den Verbraucher sei. Es gilt, den Einzelnen nicht zu bevormunden, sondern ihm seine Entscheidungsfreiheit zu lassen.“ (siehe https://www.boell.de/sites/default/files/assets/boell.de/images/download_de/oekologie/Verbraucherpolitik_Scharnagel.pdf). Der oben verlinkte Antrag spricht eine andere Sprache.
    Zudem werden in dem Antrag Zusammensetzung und Dosierung der NEM gemeinsam verargumentiert, aus Verbrauchersicht ist die Dosierung (Masse, Menge Volumen,..) einfach nachvollziehbar, die Zusammensetzung hingegen schwer. Trotzdem scheint das Hauptanliegen „Höchstmengen/Grenzwerte“ zu sein – schwer verständlich.

  8. Da haben die grünenPolitiker die schlichte Denke der Maschinenmedizin 1 zu 1 übernommen.
    Zu viele „Arbeitsessen“ mit den entsprechenden Lobbyisten, führen eben zu gehirngewaschenen Politikern.
    Und dann meinen die auch noch ohne stichhaltige Argumente auskommen zu können.

  9. Menschen mit Autoimmunerkrankungen brauchen die Vitamine hochdosiert weil MTHFR und VDR nicht, oder nicht richtig arbeiten. Diese genetischen Problematiken sind lange bekannt und sehr verbreitet. Sie werden in Deutschland hartnäckig ignoriert und stillschweigend unter den Teppich gekehrt. Untersuchungen dazu werden neuerdings sogar verweigert. Die weit verbreitete HPU hat keine Abrechnungsnummer. Bei COMT Problematiken wird immer noch Ritalin verschrieben. Die Dosierungen der Vitamine müssen überarbeitet werden. Wir brauchen höhere Dosierungen. Es wird Zeit dass das endlich alles an die Öffentlichkeit kommt.

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