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Motivation

Das Konzept der Mäßigung

von Chris Michalk, Biologe
Chris Michalk
Veröffentlicht am (Zuletzt aktualisiert am 02.07.2019)

… wird von vielen völlig falsch verstanden.

Viele Menschen nämlich verbinden das Wort Mäßigung mit dem Wort „Durchschnitt“. Und heute will niemand „durchschnittlich“ sein. Fälschlicherweise also nimmt man an, dass man das Extrem praktizieren muss, um am besten zu fahren – aus dieser Perspektive völlig nachvollziehbar, denn wer kennt schon zugrunde liegende Gesetzmäßigkeiten?

So extrem und doch so doof.

Mal ein Beispiel – übrigens sehr treffend, wie ich finde.

Tim Ferris gibt dem Normalbürger ein paar Rezepte an die Hand. Auf einigen Seiten finden wir – zumindest in der englischen Version – einen Ausdruck namens „Minimum Effective Dose“ (MED). Ferris, schlau wie er ist, versucht dir das folgendermaßen zu erklären:

(Meine Paraphrasierung)

Wenn du in der Sonne liegst, dann bedarf es 10 Minuten, um biochemische Reaktionen in Gang zu setzen, die deine Haut braun werden lassen.

Mehr als 10 Minuten (Sonnenkontakt) wird dir nicht mehr Bräune bescheren.

Ergänzend hierzu: 5 Minuten (bräunen) ist wohl zu wenig und 15 Minuten (bräunen) wohl zu viel.

Mäßigung würde hier nicht beschreiben, dich 5 Minuten in die Sonne zu legen, aber beschreiben, dass du nicht exzessiv 15 Minuten sonnenbaden musst, um den für dich notwendigen Gewinn zu erzielen.

Ist das eigentlich so schwer zu verstehen?

Mäßigung nämlich impliziert mir persönlich, dass das Leben, das alles hier im Leben, einer Sinus-Kurve ähnelt. Derjenige, der nicht erkennt, dass man auch mal „lassen“, mal „nicht-machen“ muss, um weiter zu kommen, der wird langfristig verlieren.

Des Lebens höchstes Gut ist der Flow. Jeder Mensch sehnt sich intuitiv nach diesem Zustand. Es verwundert also nicht, dass auch der Flow diesem Gesetz unterliegt: Zu wenig Spannung (Unterforderung) ist diesbezüglich genau so wenig nützlich wie zu viel Spannung (Überforderung).

Man muss die Bewältigung des Lebens ansehen, als einen Prozess der vorsieht einen Rhythmus zu finden und diesen Rhythmus fließen zu lassen.

Findest du diesen Rhythmus nicht, dann läufst du entweder zu langsam oder zu schnell.

Das Problem ist nur, dass manche Menschen Angst haben, womöglich (zunächst) einen Schritt langsamer zu laufen, um diesen Rhythmus zu finden. Natürlich nachvollziehbar, in einer Welt, die auf Schnelligkeit programmiert ist.

Meiner Meinung nach unterliegt hier allerdings ein Denkfehler, denn es ist der Rhythmus, der Leistung hervorbringt, nicht die – gefühlte – Schnelligkeit.

Dieses Phänomen kann man auf jeder Lebensebene finden:

  • Du trainierst lieber 6x die Woche, als 3x die Woche – du hast „Angst“, dass 3x zu wenig ist,
  • Du hast Angst, deinem Partner zu sagen, dass ihr euch womöglich seltener sehen solltet, um die „Spannung zu wahren“,
  • Du – Student – lernst lieber 10 Stunden, weil du Angst hast, dass 2 Stunden nicht ausreichen.

Das Prinzip der Mäßigung also würde dich nicht schlechter machen, sondern dich viel mehr an dein genetisches Maximum bringen. Wenn dieses genetische Maximum heißt, dass du eben kein Top Level Triathlet wirst – dann akzeptiere das doch! Langfristig wirst du dir damit nur schaden.

Ego frisst Leben! 

Ich möchte dir aber zeigen, warum du niemals „langsameres Laufen“ in Kauf nehmen wirst, um besser zu werden:

Wenn ich in meiner Praxis schon das Wort „ich bin Genießer“ höre, weiß ich: „Verlierer“. Schönredner. Von mir aus Trotzköpfchen.

Der hat keine Ahnung, was wirklicher Genuss ist.

Genuss? Nach drei Stunden Lauf bei glühender Hitze an einer Quelle sitzen und …trinken. Beinahe Flow.

So habe ich auch gedacht in meiner spätpubertären Phase.

Du bist kein „Verlierer“, wenn du nicht „drei Stunden“ läufst bei „glühender Hitze“. Glaube mir das.

Den ganzen Schwachsinn, diesen ganzen aufgebauschten Ego-bullshit kannst du vergessen.

Werde mal cool und höre auf zu meinen, dass du halb sterben musst, um Dinge im Leben zu erreichen.

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