Mikronährstoffe

Das Eisen-Fiasko – wie Eisen gesund statt krank macht

Hallo … muss man ja fast schon sagen.

Die Zeit rast, gerade unter aktuellen Voraussetzungen. Der Blog bleibt erst mal Coronavirus-frei. Im letzten Newsletter haben wir uns mal intensiver dem Thema gewidmet. Bei Instagram sind wir diesbezüglich aktiver.

Heute soll es mal wieder einen Quickie geben. Etwas, was sehr wichtig ist, häufig vergessen wird und ganz oft zu Problemen führt. Diese Rede ist vom Eisenstoffwechsel. Eisen … vielleicht das wichtigste Spurenelement im menschlichen Körper. Je nachdem, aus welcher Perspektive man die Wichtigkeit bewerten will.

Es gibt jedoch nur eine einzige “Risikogruppe” für eine Mangelversorgung, und das sind Veganer oder vegetarisch lebende Frauen. Selbst bei vegetarisch lebenden Männern scheint der Eisenspeicher nicht zu verarmen, obwohl er in Studien – für meine Begriffe – einen Tacken zu niedrig gefüllt ist.

Es gibt auf der anderen Seite Menschen, die ohne Ende Eisen ins System kippen, und trotzdem nie das Gefühl haben, dass Eisen “wirkt”. Die Beine sind immer noch müde und der Kopf wird auch nie so richtig wach. Diesbezüglich muss man ein paar Dinge wissen.

Der Eisenstoffwechsel steht im Wesentlichen auf vier Beinen:

  • Kupfer: Es ist Kofaktor einer ganzen Reihe von s. g. “Ferroxidasen”. Das sind Proteine, die Eisen in einem bestimmten Oxidationszustand halten und somit dafür sorgen, dass dieses funktionelle Eisen “labil”, sprich verfügbar bleibt und entsprechend im Körper zirkulieren kann.
  • B12: der Klassiker, sorgt dafür, dass Eisen seinen Hauptbestimmungsort, das Hämoglobin, finden darf.
  • Biotin: Oft übersehen, aber Biotin wird gebraucht dafür, dass Eisen in viele Eisenproteine eingebaut werden kann, denn es reguliert die Hämsynthese.
  • Vitamin A: Vitamin A scheint großen Einfluss auf einige Schnittstellen innerhalb des Eisenstoffwechsels zu haben.

eisenstoffwechsel kofaktoren

Von diesen vier Beinen ist Kupfer das Wichtigste. Ich glaube, dass viele Menschen, die sich die klassische neu-deutsche Küche einverleiben, oft nicht gut mit Kupfer versorgt sind. Und da der Körper dieses Eisen nicht in funktionelle Strukturen einbauen kann, sprich z. B. in die Mitochondrien im Bein, schwimmt zu viel Eisen da rum, wo es nicht rumschwimmen soll.

Das macht …

  • insulinresistent und Entzündungen,
  • begünstigt endotheliale Dysfunktionen, sprich, macht die Arterien kaputt,
  • lässt Mitochondrien verhungern, was einen schlechten Energiestoffwechsel macht.

In Studien kann man die metabolische Gesundheit schnell und dramatisch dadurch verbessern, dass man Leute mit mäßig-hohem Ferritin (so ab 150) zum Blutspenden schickt. Meines Wissens hat noch nie jemand geguckt, was passiert, wenn man in solche Systeme mal ein bisschen Kupfer gibt.

Umgekehrt weiß man aus Studien ganz genau, was passiert, wenn Kupfer fehlt. Je nach Ausmaß kann das dafür sorgen, dass quasi überhaupt kein Eisen mobilisiert wird, dann kann Ferritin auch mal maximal in die Höhe schießen. Mit allen schlechten Folgeerscheinungen (s. o.) inkl. kupferbedingter Anämie.

Ich finde es deshalb oft einigermaßen amüsant, wenn sich Leute mit Eisen zuschütten. Eisen ist ganz, ganz oft ganz sicher nicht der limitierende Faktor, wenn es um den Eisenstoffwechsel an sich geht. Das ist eher ganz oft Kupfer. Es hat einen Grund, warum Leber (das Nahrungsmittel) so gesund ist. Dort sind zufälligerweise alle Faktoren enthalten, die ein funktionierender Eisenstoffwechsel braucht:

  • Kupfer
  • B12
  • Biotin
  • Vitamin A

Und natürlich Eisen selbst.

Noch Fragen? Wer jahrelang nur Sc*iße gefressen hat, sprich die erste Anlaufstelle morgens der Bäcker war, der sollte als erste Notfallmaßnahme direkt mal 100 g Leber essen. Gilt vor allem für die Fraktion der Puddingvegetarier und Chiasamen-Veganer.

übersicht

Kommentare (11)

  1. Hallo,
    freut mich einen Artikel über Eisen bei Dir zu lesen.
    Ich hatte selbst vor etwa drei Monaten einen Ferritin von knapp über 40.
    Mein Hausarzt wollte damals den Wert nicht bestimmen lassen und meinte zu mir, ich wäre 40 Jahre alt und der Ferritin wird schon passen.
    Nach dieser unqualifizierten Aussage habe ich diverse Werte selbst im Labor bestimmen lassen.
    Und siehe da, mein Wert war – meiner Meinung nach – deutlich zu niedrig.
    Natürlich habe ich meinen Hausarzt mit den Werten konfrontiert und darauf hin nur die Antwort bekommen, es wäre alles noch im Normbereich.
    Kein weiterer Kommentar, ich hatte natürlich Symptome die dafür sprachen.
    Kupfer und B12 war in Ordnung, Biotin und Vitamin A hatte ich nicht bestimmen lassen.
    Ich denke die Kausalität kann ich mir auch stichfest herleiten, möchte ich hier aber nicht weiter vertiefen.
    Nun supplementiere ich seit etwa 3 Monaten 100mg Eisen (auch Kupfer und B12) täglich und bin nun wenigstens mit dem Ferritin bei 90.
    Biotin und Vitamin A werde ich auf die Agenda nehmen.
    Gibt es etwas, das ich tun kann um das “Auffüllen” etwas zu beschleunigen?

    Danke und Gruß

        1. Antwort an Kevin

          Hallo Kevin, bei Uwe Gröber lese ich unter “Beeinträchtigung der Eisenresorption/-verwertung(z.B.Komplexbildung)”, diverse Medikamente, dazu Calcium,Magnesium, Mangan, Zink, Oxal-, Phosphor-, Phytinsäure (Nüsse, Getreide-, Sojaprodukte)Tannine Polyphenole (Kaffe, Tee, Rotwein), Milchprodukte

        2. Antwort an Kevin

          Sport ist die beste Möglichkeit den Körper dazu zu zwingen, freies Eisen ordentlich zu nutzen. Also lieber Kraft- & Ausdauertraining statt Blutspende um die Eisenwerte zu senken.

          Blutspenden ist dennoch gerne erwünscht, vor allem zu C-Zeiten

          1. Antwort an Tino Brecic

            Danke für den Hinweis.

            C-Zeiten bezogen auf Sport nehme ich an?

            Gibt es ein Limit ab wann dann wieder Eisen nötig ist, wie schnell sich bei welchem Sportpensum Ferritin abbaut oder geht es nur mit regelm. Blutteststs?

  2. Hallo zusammen,

    verfolge den Blog schon einige Zeit und bewundere das Engagement und wissen darin.
    Vielleicht könnt ihr mir den ein oder anderen Tipp geben wie ich mit folgendem umgehen könnte?
    Mein Ferritin liegt bei 290 nl/ml, Eisen (Serum) 58,7.
    da ich im Handbuch gelesen habe, das ein entzündeter Körper ( bei mir Basophile Granulozyten 2 Prozent / 0,13 Z/nl und CRP quantitativ 1,66 mg/dl) gerne den Ferritin-Wert in die Höhe treibt, bin ich mir nicht sicher wie ich das ganze angehen soll?
    Aussage einiger Ärzte: Ferritin im Normbereich und Servus.
    Wenn dieser Kommentar nicht erwünscht ist, bitte löschen.
    Ansonsten vielen Dank für den Blog, die Arbeit von Chris und natürlich sein Handbuch.

    schöne Grüße
    Matthias

  3. Servus,

    in dem Zusammenhang ist vielleicht auch die Rolle von Magnesium interessant.
    Bei einer Studie zeigen Magnesium defiziente Ratten einen signifikanten Anstieg (>2x) von Plasma Fe und Fe Akkumulation in Organgewebe, wohl verursacht durch steigender Hämolyse und erhöhter intestinaler Absorption.
    Offensichtlich “schwimmt zu viel Eisen da rum, wo es nicht rumschwimmen soll”, wenn Magnesium fehlt?!

    Sanchez-Morito et al. (2000). Influence of magnesium deficiency on the bioavailability and tissue distribution of iron in the rat”

    Danke für eure Arbeit und liebe Grüße,
    Jonathan

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