Mentales

Das philosophische edubily: Glück und andere Themen

Oft werden wir auf das Thema Glück angesprochen – geht in Richtung Dankbarkeit, Lieben und Zufriedenheit. Spielt das nicht auch eine Rolle? Neben „all der trockenen Biochemie“?

Der Mensch als fühlendes Wesen, der neben einem (hoffentlich) funktionierenden Chemiebaukasten Körper eben auch eine Seele hat, die sich zum Beispiel nach Geborgenheit sehnt. Was ist, wenn es im Krankheitsfall genau daran mangelt? Im Krankenhaus? Da kann der Chemiebaukasten perfekt funktionieren …

Was ist Glück für uns? Wann können wir Glück erleben?

Glück kann für mich sein …

… wenn ich auf den Beschleunigungsstreifen einer Autobahn fahre und merke, dass er zu kurz ist, um den parallel fahrenden LKW zu überholen, der auch keine „andere Wahl“ mehr hat als weiterzufahren – stattdessen fahre ich etwas langsamer und ordne mich hinter dem LKW ein … und der LKW-Fahrer bedankt sich bei mir. So eine kleine „Problemstellung“ sauber und reibungsfrei gelöst zu haben, mit zwei für einen Moment zufriedenen Menschen, erzeugt irgendwie Glück.

… wenn ich Kunst erlebe: Ein Musical, zum Beispiel, zeigt für mich ein extrem hohe Maß an Perfektion. Wenn man sich vorstellt, wie viel Fleiß und Arbeit in so einer Vorstellung steckt, wie viel es von Menschen körperlich und kognitiv abverlangt – und diese Menschen es trotz allem spielendleicht aussehen lassen und dabei jedes erdenkliche Maß an (Körper- und Geist-)Grenzen ausreizen. Oder, wenn ich Musik höre, von der ich genau weiß, wie vielschichtig sie auf allen das Lied betreffenden Ebenen ist. Tiefe, Überraschung und Komplexität/Diversität machen mir Glück.

… wenn ich mich verlieben darf, und dabei weiß, dass der Vorgang an sich nicht nur ein hohes Maß an Einklang auf allen Ebenen für mich voraussetzt, sondern ich es auch noch leben und jeden Moment dieser für mich perfekten Form des Einklangs genießen darf, in dem man den anderen schmecken, riechen und fühlen kann – während es sich eigentlich um quasi die primitivste (oder doch die höchste?) Form des Seins handelt. Vielleicht erzeugt gerade das Glück?

Glück kann aber auch ganz anders sein, sich ganz anders ausdrücken und zeigen. Das Lächeln eines anderen Menschen? Die stolzen Augen vom kleinen Hund, wenn er einem Hasen hinterhergejagt ist? Zu realisieren, dass wir sind? Warum beispielsweise das „Wiederentdecken“ von für uns häufig so „banalen“ Dingen glücklich macht oder Glück erzeugt, hat uns eine Extremwanderin mal eindrucksvoll geschildert. Jeder, dessen Körper mal kaputt war und irgendwann wieder (einigermaßen) funktionierte, weiß hier bestens Bescheid.

Weil es hier ja nicht immer nur um „trockene Biochemie“ geht und wir ja manchmal auch ein bisschen philosophieren, wollte ich an der Stelle nur nochmal drauf hinweisen, dass es eine Blog-Kategorie gibt, in der man auch solche Themen findet. Ich weiß gerade nicht, ob wir da tatsächlich alle relevanten Artikel reingepackt haben, auf jeden Fall findet der geneigte Leser dort einige. Mal eine Auswahl:

Was wollen wir unterm Strich mit diesen ganzen Artikeln sagen? Der Mensch ist ein bisschen mehr als die Summe seiner chemischen Reaktionen und wir wollen dahingehend auch keinen Reduktionismus betreiben. Wer oder was schaut in dem Moment durch die Augen in die Welt? Das gilt auch für meinen kleinen Hund.

PS: Häufig etwas mehr „Geschwurbel“, dafür aber garantiert interessant und informativ verpackt, findet man wöchentlich bei uns im Newsletter. Heute (normal Sonntag) wieder erschienen. Eintragen kann man sich auf der Startseite von edubily.de oder unter diesem Artikel. Sollte jemand, der bisher noch nicht eingetragen war, auf die Idee kommen, den aktuellen NL lesen zu wollen, der kann mir einfach eine Mail schreiben, ich leite die Mail dann weiter. (Angebot gilt nur noch für heute Abend! 😛 )

 

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Kommentare (5)

  1. Auch ich mußte sehr schnell begreifen, wie extrem Körper und Psyche
    gegenseitig voneinander abhängig sind, und natürlich
    wechselwirken.

    Daher ist diese Kategorie mehr als berechtigt, und „Geschwurbel“
    sei gnädigst verziehen 😉 .

    1. Hallo Chris, erstklassiger Artikel – herzlichen Dank dafür!

      Das Wort „Glück“ wird oft als extatisches Erleben missverstanden bzw. das ständige Streben und Suchen danach führt dann meist zum Gegenteil.
      Akzeptieren des gegenwärtigen Augenblickes und sich darauf einlassen führt zu innerlichem „Frieden“ -> Nicht zufrieden (man will mehr davon) noch unzufrieden (man will weniger davon), sondern genau die Mitte 🙂

  2. Lieber Chris,

    schön, dass diesem Thema hier auch Raum gegeben wird. Es klingt sehr abgedroschen, aber ich spreche tatsächlich gerne von Körper, Geist und Seele.

    Körper, ja, da wissen alle was damit gemeint ist. Das körperliche Wohlbefinden, die Versorgung mit guter Nahrung und ausreichend Bewegung.

    Geist, das ist die kognitive Ebene, das Bewusstwerden, dass Gedanken nur Worte und Bilder sind, keine Tatsachen. Kognitive Defusion und solche Themen.

    Seele, das ist die Grundüberzeugung, dass wir etwas „in“ uns haben, dass weder Gewicht, Größe, Hautfarbe und Form hat, uns aber einen unendlichen Wert und eine grenzenlose Würde verleiht. Das ist nicht gebunden an eine Religion, auch, wenn viele Menschen das zu Beginn immer vermuten. Diese Seele „nähren“ wir durch Dankbarkeit, der Bereitschaft, die „helfende Hand“ für Andere zu sein.

    Just my two cents… 🙂

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