Kontroverses

Wo Nahrungsergänzungsmittel kaufen? Amazon Bewertungsbetrug erkennen

Wo kann ich mit gutem Gewissen Nahrungsergänzungsmittel (kurz NEM) kaufen? Woran erkennt man gute Produkte oder seriöse Anbieter und wo ist ein Reinfall wahrscheinlich?

Wir können den Artikel abkürzen und die Frage im Titel „Wo Nahrungsergänzungsmittel kaufen“ mit „Bei uns“ beantworten. Spaß beiseite. Wir möchten keine Mitbewerber anprangern oder uns über andere Marken stellen, sondern einfach hilfreiche Tipps für Verbraucher geben.

Wenn dir die Punkte bekannt vorkommen: Es ist selbstverständlich kein Zufall, dass wir versuchen den Inhalt des Artikels bestmöglich umzusetzen.

Im ersten Teil wird es um allgemeine Tipps gehen. Im unteren Teil gehen wir explizit auf gängige Praktiken bei Amazon ein.

Dieser Artikel ist ziemlich ausführlich. Nimm dir einen Tee oder Eiweißshake und lehne dich zurück. Die Lesedauer beträgt rund 25 Minuten.

Woran erkenne ich schwarze Schafe?

Wir sind nun schon seit einigen Jahren dabei und konnten dementsprechend einen großen Erfahrungsschatz sammeln.

Wir sind selbst immer noch Verbraucher. Seit fünf Jahren sind wir nun aber auch auf der anderen Seite als Produzent tätig. Wobei Produzent eigentlich nicht korrekt ist, da wir, wie fast alle Anbieter, die Produktion nicht selbst übernehmen. Dazu aber später mehr.

Die angesprochenen Kriterien in diesem Artikel sind subjektiv. Jeder kann seine eigenen Prioritäten setzen. Dies ist eine Auflistung dessen, was wir als wichtig erachten. Vieles wird dir schon bekannt sein. Das ein oder andere wird dich vielleicht überraschen oder schockieren.

Verkauf ausschließlich über die eigene Website

Wo kann ich Nahrungsergänzungsmittel kaufen und wo sollte ich lieber das Weite suchen?

Stutzig kann man werden, wenn man auf ein Produkt stößt, das der Anbieter ausschließlich selbst über die eigene Website vertreibt.

Im Normalfall werden gute Produkte über weitere Bezugsquellen, wie zum Beispiel Partnershops, vertrieben.

Ist das nicht der Fall, kann das mehrere Gründe haben:

  • Der NEM-Anbieter möchte Exklusivität wahren (absolut legitim)
  • Andere Unternehmen möchten mit dem Anbieter nicht zusammenarbeiten (warum wohl?)
  • Es ist ein Abzock-Produkt und es handelt sich um einen Fake-Shop

Eine Fake-Seite kannst du oft schnell mit einem Klick auf das Impressum (sofern vorhanden) identifizieren. Weitere Hinweise sind:

  • Viele Rechtschreibfehler auf der Seite
  • Fehlendes Impressum mit Kontaktdaten wie E-Mail, Telefonnummer …
  • Fehlende Grundpreisangaben
  • Fehlende Lieferzeiten
  • Fehlende Pflichtangaben wie Verzehrempfehlung, Zutatenlisten, Warnhinweise

Auch wenn nur ein einziges Produkt über eine schöne Verkaufsseite vermarktet wird, kannst du Betrug wittern. Diese Seiten sind versehen mit Fake-Bewertungen, Fake-Testimonials, Fake-Versprechen, Fake … auf diesen Seiten ist alles fake.

Du denkst, das machen nur Kriminelle? Glaub mir, das ist im Internet 2019 fast normal und kostet nur ein paar Stunden Zeit und ein paar Dollar. Man muss nur clever genug sein.

Echte Online-Shops haben immer auch echte Produkt-Bewertungen. Wir nutzen dazu Trusted-Shops, was sicherstellt, dass nur Menschen Produkte oder unseren Shop bewerten können, die auch wirklich Kunden sind.

Eine Trusted-Shops-Partnerschaft mit Siegel ist relativ teuer und kann deshalb meist nur von Unternehmen genutzt werden, die schon eine Zeit lang dabei sind. Andere Bewertungssysteme kosten weniger, können aber genau so Bewertungen verifizieren.

Jedes Shop-System bringt von Haus aus ein internes Bewertungssystem mit, mit dem jeder Shop-Inhaber Bewertungen in wenigen Sekunden faken kann. Sofern kein externes Bewertungssystem genutzt wird, nutzen das leider sehr viele.

Wenn ich Shops ohne Siegel, aber mit vielen tollen Bewertungen sehe, kann ich nur laut lachen – mach du das ab jetzt bitte auch und klick schnell weg.

Versand aus dem Ausland

Der Punkt ist logisch und schnell abgehakt.

Bietet ein Online-Shop den Versand aus einem Drittland (außerhalb der EU) an, sollte das einen nachvollziehbaren Grund haben. Dass es nicht in Deutschland oder zumindest im EU-Ausland verfügbar ist, hat meistens einen guten Grund.

Alleine schon ein Ausschlusskriterium: Es kommt häufig zu Problemen mit dem Zoll. Wer mal auf dem Zollamt war, wird so schnell keine Lust mehr haben da anzutanzen und das Paket vor den Augen der Beamten zu öffnen.

Bedenke auch, dass du dich im schlimmsten Fall sogar strafbar machst, wenn du ohne böse Absichten Produkte aus einem Drittland bestellst, diese im Online-Shop zwar als Nahrungsergänzungsmittel angeboten werden, bei uns aber unter das Arznei- oder Betäubungsmittelgesetz fallen.

Bei EU-Produkten sollte das aber weniger gefährlich sein.

Verbotene Inhaltsstoffe und viel zu hoch dosiert

Laut Definition sind Nahrungsergänzungsmittel keine Medikamente, sondern Lebensmittel.

Der Unterschied ist, dass Nahrungsergänzungsmittel nur bei Markteinführung registriert werden, während Medikamente ein spezielles Zulassungsverfahren durchlaufen müssen.

Interessant ist, dass es in Deutschland im Gegensatz zu einigen Nachbarländern noch keine klar definierte Höchstmenge für Inhaltsstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln gibt.  Stattdessen gibt es seitens des Bundesamtes für Risikowertung (BfR) immer wieder Veröffentlichungen, an denen man sich als Anbieter orientieren kann. So wurde neulich eine Arbeit publiziert, die sich mit Höchstmengenvorschlägen in NEM-Produkten auseinandersetzt.  Frage: Welcher Anbieter liest das? Zudem ist es für den Anbieter nicht leicht, herauszufinden, welche Stoffe überhaupt für ein NEM genutzt werden dürfen. Cholin ist so ein Stoff, der den meisten geläufig ist – man findet ihn sogar in manchen deutschen NEM-Präparaten, aber „erlaubt“ ist das nicht. 

In Deutschland gilt:

Für die Sicherheit sind die Hersteller verantwortlich.

https://www.bfr.bund.de/de/gesundheitliche_bewertung_von_nahrungsergaenzungsmitteln-945.html

Hm ok und woher sollen die Hersteller wissen, was sicher ist? Die meisten haben absolut keinen Schimmer und gefährden dadurch den Verbraucher! 

Würden in Deutschland Höchstmengen für Nahrungsergänzungsmittel definiert und im Anschluss richtig kontrolliert werden, würde sicher die Hälfte der auf Amazon angebotenen Produkte durchfallen.

Begegnen dir also Produkte, die extrem hoch-dosiert sind (vergleichbar mit Arzneimitteln) oder Stoffe enthalten, die sonst niemand in Deutschland anbietet, weiß der Anbieter nicht wirklich, was er da anbietet. Dubios!

Ganz neu am Markt

Die Rechtsform GmbH bzw. UG ist die häufigste Form der Kapitalgesellschaft in Deutschland. Auch die meisten NEM-Firmen sind eine GmbH.

Wusstest du, dass eine GmbH verpflichtet ist, alle wichtigen Eckdaten zum Unternehmen im Bundesanzeiger zu veröffentlichen? Über eine kurze Google-Suche oder direkt auf Seiten wie northdata kann man kostenlos oder gegen eine kleine Gebühr Informationen zu allen Anbietern einholen.

Es ist fraglich, ob diese Dienstleister selbst überhaupt seriös sind, und ich möchte den Datenhandel hier nicht unterstützen. Auf der anderen Seite kann im Zweifel jeder schnell herausfinden:

  • Gibt es das Unternehmen wirklich?
  • Wo ist der Sitz?
  • Welche Personen stecken wirklich dahinter?
  • Seit wann gibt es die Firma?

Vor allem der letzte Punkt kann aufschlussreich sein.

Zu schön um wahr zu sein – Unglaublich natürlich

Niemand will Chemie einwerfen und jedes Produkt sollte möglichst natürlich sein.

Ein berechtigter Wunsch, der in den letzten Jahren jedoch mehr und mehr Züge annimmt, die komplett am Ziel vorbeischießen.

Nahrungsergänzungsmittel müssen in den meisten Fällen stark verarbeitet werden.

Wer (wie wir auch) Wert auf Natürlichkeit legt, sollte das Thema bei der Nahrungsmittelauswahl oder Kosmetika etc. sehr ernst nehmen.

Bei NEM jedoch ist es in den wenigsten Fällen sinnvoll. Warum sollte ein Spurenelement, das aus einer exotischen südamerikanischen Pflanze extrahiert (!) wird, besser als konventionelle Rohstoffe sein? Im ersten Moment hört sich das vielleicht attraktiver an. Im Endeffekt wurde das Produkt wahrscheinlich genauso stark verarbeitet. Und das Wichtigste ist doch: Die Produkte sind einfach schlechter und kaum erforscht.

Ein bekanntes, aktuelles Beispiel ist die Sango-Koralle. Warum um Himmels willen sollte ich eine Koralle nutzen, die mir lediglich Magnesium- und Calciumcarbonat gibt? Die gleiche Verbindung findet man in jedem Aldi-Präparat, das man für einen Euro kaufen kann. 

Billig billig billig …

Tu dir einen Gefallen und sei kein Sparfuchs. Bei Nahrungsergänzungsmitteln lohnt sich das Sparen ebenso wenig wie bei Lebensmitteln.

Bei Fleisch würdest du doch auch nicht auf die Idee kommen alle Supermärkte in deiner Region zu vergleichen und immer nur das Billigste vom Billigen zu kaufen, oder?

Falls doch, herzlichen Glückwunsch. Der gesunde Menschenverstand sollte dir sagen, dass du damit auch die schlechteste Qualität eingekauft hast.

Das gilt auch beim Preisvergleich im Internet. Nimm eine isolierte Aminosäure als Beispiel, die in England nur halb so viel kostet wie ein vergleichbares Produkt in einem seriösen deutschen Online-Shop.

  • Die Wahrscheinlichkeit, dass die Billig-Ware aus England besser ist, als die teure ist nicht sehr groß
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass die Billig-Ware aus England der billigste Rohstoff ist, der verfügbar ist, ist ziemlich groß

Dieses Prinzip gilt schon länger:

John Ruskin:
Gesetz der Wirtschaft

Vom Billigsten und vom Besten

Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgend jemand ein wenig schlechter machen und etwas billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften.

Es ist unklug, viel zu zahlen. Aber es ist schlimmer, zu wenig zu zahlen. Wenn Sie zu viel zahlen, verlieren Sie ein wenig Geld – das ist alles.

Wenn Sie zu wenig zahlen, verlieren Sie manchmal alles. Weil das, was Sie gekauft haben, nicht in der Lage ist, das zu tun, wozu es gekauft wurde.

Das Gesetz vom Gleichgewicht der Wirtschaft untersagt es, wenig zu zahlen um viel zu bekommen – das ist nicht möglich.

Wenn Sie mit dem niedrigsten Anbieter Geschäfte machen, ist es ratsam etwas für das Risiko aufzuschlagen, das Sie eingehen. Wenn Sie das tun, haben Sie genug, um für etwas Besseres zu zahlen.

John Ruskin, 1829 -1900

Ein anderes Beispiel ist Bulk-Ware bei Ebay. Bist du dir sicher, dass die 1000 Fischöl-Kapseln für 20 Euro eine gute Idee für deine Gesundheit sind?

Woran erkenne ich seriöse NEM-Anbieter?

Kundenservice

Wahrscheinlich der am meisten unterschätzte Faktor. Ein zuverlässiger Kundenservice ist kein Luxus.

Leider konzentrieren sich einige Start-ups darauf, ihre Geldscheine zu zählen oder große Visionen zu träumen. Als Kunde möchte ich respektiert werden und erwarte eine Antwort auf meine Frage. Ein gewissenhaftes Unternehmen wird immer daran interessiert sein, eine zufriedenstellende Lösung zu finden.

Ein Anbieter, der sich nur auf Marketing und Sales konzentriert, aber nicht in der Lage ist, eine E-Mail zu beantworten, ist in unseren Augen nicht seriös.

Transparenz

Obwohl dieser Punkt wichtig ist, wird er mittlerweile von einigen Verbrauchern fehlinterpretiert.

In der Nahrungsergänzungsmittel-Branche wird völlige Transparenz nie möglich sein.

Für den Kunden hätte es auch keine Vorteile, jeder Kapsel bei der Produktion zuzuschauen oder die Lieferwege der Rohstoffe tracken zu können.

Wie eingangs schon erwähnt, lassen bis auf wenige Ausnahmen alle Nahrungsergänzungsmittel-Anbieter bei externen Lohnherstellern produzieren. Bei Lebensmitteln im Supermarkt ist das nicht anders.

Die Abfüller möchten und dürfen jedoch nicht alle Betriebsgeheimnisse offen legen und sich nackig machen.

Abgesehen von der transparenten Produktion darf aber der Verbraucher durchaus auf Transparenz in anderen Punkten bestehen. Dabei sollte schon eine schnelle Google-Suche ausreichen:

  • Wer steckt dahinter?
  • Aus welchem Land?
  • Wird zusätzlich etwas zur Qualitätssicherung unternommen?
  • Was ist die Motivation (reine Gewinnmaximierung oder gibt es vielleicht sogar eine Idee)?

Produkt mit tollen Versprechungen

Es gibt immer noch massenhaft Produkte, die nur existieren, um dich abzuzocken. Die werden zum Glück weniger. Was uns jedoch fast täglich begegnet, sind einwandfreie Produkte, die mit unzulässigen Versprechen werben.

Wenn ein Produkt dich ausdrücklich von einer Krankheit heilen oder vor ihr schützen soll: Finger weg, da nicht erlaubt, da unseriös.

Auch wenn jemand behauptet, sein Magnesium-Produkt lässt dich besser schlafen oder sein Vitamin D hilft bei Erkältung: Such das Weite, denn diese Leute wissen nicht, was sie da schreiben (dürfen).

Da Nahrungsergänzungsmittel Lebensmittel und keine Arzneimittel sind, dürfen sie nicht „wirken“. Einzige Ausnahme sind nachgewiesene Wirkungen, die von der Europäischen Kommission für Lebensmittelsicherheit zugelassen wurden. Das sind die zugelassenen Health Claims.

Diese Claims wurden schon 2012 formuliert und sollen regeln, womit überhaupt geworben werden darf. Nochmal: Eigentlich sollen NEM keine Wirkung haben.

In Wirklichkeit helfen diese Claims weder Verbraucher noch NEM-Anbieter, denn sie sind so verschachtelt und sagen im Grund nichts aus. Ein klassisches Beispiel ist:

Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion des Zahnfleisches bei

COMMISSION REGULATION (EU) No 432/2012

Sinnvoll genutzt, kann man mit diesen Claims schon ein wenig arbeiten. Jeder Anbieter ist jedoch stark eingeschränkt. Eine umfassende Auflistung, was erlaubt ist, kannst du hier einsehen. 

Deutsche Qualitätsware

Nicht alles aus dem Ausland ist schlecht. Nach mehreren Jahren in der Branche ist bei uns privat jedoch klar:

Privat kaufen wir nur Nahrungsergänzungsmittel, die aus Deutschland kommen.

Der Standard und die Auswahl sind bei uns hoch. Hier wird alles kontrolliert, analysiert und oft durch Zertifikate nachgewiesen.

Was viele falsch einschätzen: Made in Germany ist heutzutage kein Luxus. Es gibt so viele gute Produzenten, Lohnabfüller und Fabriken in Deutschland. Aus unserer Sicht ist es für ein deutsches Unternehmen kaum sinnvoll, im Ausland produzieren zu lassen. Außer man hat wirklich nur Gewinnmaximierung im Blick.

Für dich als Konsument gibt es in den seltensten Fällen einen triftigen Grund, zum etwas günstigeren Produkt aus dem Ausland zu greifen.

Der Bewertungsbetrug bei Amazon

Jetzt wird es richtig spannend. Wie eingangs erwähnt, möchten wir uns gar nicht an Mitbewerbern abarbeiten. Andere können das machen, was sie wollen – uns kann das egal sein.

Von der Thematik sind wir jedoch auch direkt betroffen:

  1. Wer keine Bewertungen bei Amazon manipuliert, steht gegenüber anderen Firmen schlechter da
  2. Betrügerische Firmen kaufen nicht nur für ihre Produkte 5-Sterne Bewertungen, sondern auch 1-Sterne Bewertungen für Mitbewerber und sorgen dafür, dass sie sichtbarer werden als echte Bewertungen.

Zwei Begriffe müssen wir vorab noch definieren. Amazon unterscheidet zwischen Kundenbewertungen und Produktrezensionen

  • Kundenbewertungen betreffen nur den Händler: Hierbei sind mir keine Manipulationen in großem Stile bekannt, da diese Bewertungen von potenziellen Käufern kaum beachtet werden. Sie bewerten die Kommunikation des Kunden mit dem Händler und den Versand des Produkts. Wenn das Produkt, wie fast ausschließlich bei Nahrungsergänzungsmitteln üblich, von Amazon direkt verschickt wird (Fulfillment by Amazon, kurz FBA), ist die Bewertung an dieser Stelle wenig aussagekräftig.
  • Produktrezensionen beziehen sich, wie der Name sagt, auf das Produkt: Hier wird auf Teufel komm raus gefälscht. Diese Bewertungen entscheiden bei Nahrungsergänzungsmitteln, ob der Anbieter Geld verdient oder der Kunde sich gegen das Angebot entscheidet.

Auch wenn wir Bewertung schreiben, beziehen wir uns hier auf Produktrezensionen.

5-Sterne Bewertungen kaufen

Der Stern hat in einem Artikel 2017 geschätzt, dass wohl jede fünfte Amazon-Bewertung gekauft sei.

Bei manchen Nahrungsergänzungsmitteln bin ich mir sicher, dass noch nicht einmal jede Fünfte Bewertung echt ist!

Beispiel gefällig?

Aus dem Nähkästchen 1.0

Wir bieten ein bestimmtes Vitaminprodukt nun seit Anfang 2017 erfolgreich bei Amazon an. Das Produkt kommt ohne Zusatzstoffe aus und war damals echt innovativ. In der Form gab es das sonst nirgends.

Dieses Produkt wurde mittlerweile von mehreren Anbietern eins zu eins kopiert. Teilweise viel zu hoch dosiert und mit gefährlichen Verzehrempfehlungen.

Mit wenigen Klicks kann jeder aus der Branche herausfinden, wie gut sich ein Konkurrenz-Produkt verkauft und es nachbauen lassen. Als Orientierung dient der Amazon-Bestseller-Rank (BSR). Nahrungsergänzungsmittel sind grundsätzlich nicht oder nur sehr schwer patentierbar, also ist diese Vorgehensweise nicht illegal und im gewissen Maße absolut legitim.

Aber wie kann ich mit meiner jungen Produkt-Kopie nun gegen ein etabliertes Produkt ankommen, das sich seit Jahren gut verkauft? Na mit gekauften Bewertungen!

  • Unser Produkt hat – Stand heute – in 1014 Tagen bei Amazon 33 (ehrliche) Bewertungen erhalten. Das entspricht 0,03 Bewertungen pro Tag.
  • Eine Produkt-Kopie, die erst seit 332 Tagen bei Amazon angeboten wird, hat dagegen schon 58 Bewertungen erhalten. Das entspricht 0,17 Bewertungen pro Tag – also knapp sechsmal so viel.

Müssen wir anmerken, dass Bewertungen deutlich besser sind als bei unserem Produkt?

Kurzer Call-Back: Erinnerst du dich an das Zitat des Bundesinstituts für Lebensmittelsicherheit weiter oben im Text: „Für die Sicherheit sind die Hersteller verantwortlich.“?

Mit fettlöslichen Vitaminen spielt man nicht und eine Überdosierung kann wirklich fies enden. Die Produkt-Kopie ist nicht sicher. Würde sich die verantwortliche Lebensmittelüberwachung dieses Produkt anschauen (was sie offensichtlich nicht tut), würde sie zwingend zum Schluss kommen, dass dieses Produkt nicht in Verkehr gebracht werden darf.

Einschub: Warum die Überwachung von Nahrungsergänzungsmitteln in Deutschland nicht (so richtig) funktioniert

Es ist kaum zu glauben. In der Realität wird der NEM-Markt in Deutschland nicht richtig reguliert.

Deutschland ist immer noch im Föderalismus gefangen. Die Lebensmittelaufsicht (dazu zählen NEM) ist Sache der Bundesländer. In diesen Bundesländern sind wiederum mehrere kleinere Behörden für die einzelnen Betriebe zuständig. In größeren Städten sogar mehrere unterschiedliche. Allein in Berlin sind es 12.

Diese Behörden sollen zum Beispiel die Hygiene von Dönerläden kontrollieren aber auch einschätzen, ob Nahrungsergänzungsmittel sicher sind. Wie soll das gehen?

Was 1993 vielleicht noch vertretbar war, ist im Internet-Zeitalter schlicht nicht mehr zeitgemäß.

Mit zwei Klicks kann im Internet jeder ein Produkt aus Koblenz, München, Amsterdam oder Shanghai bestellen.

Die Überwachung der städtischen Büros sieht so aus, dass gelegentlich Stichproben der Produkte kontrolliert werden oder Produkte bei konkreten Verbraucherbeschwerden (möglicherweise durch anonyme Tipps von Wettbewerbern oder Hatern) genauer unter die Lupe genommen werden.

Eine Einschätzung, ob ein Produkt den rechtlichen Ansprüchen genügt, findet in der Regel nicht statt.

Wann fangen unsere politischen Vertreter endlich mit der Digitalisierung an? Es ist doch Wahnsinn, dass Nahrungsergänzungsmittel, die im Internet vertrieben werden, in Oberbayern anders kontrolliert werden als in Bremen.

Wir bräuchten klare Regeln und ein zentrales Organ, dass sich auf NEM im Internet fokussiert. Das wäre echter Verbraucherschutz.

Aber die Bewertungen sind doch verifiziert!

Früher war es einfacher an Bewertungen zu kommen. Amazon ringt um seinen Ruf und hat schon länger Fake-Bewertungen den Kampf angesagt.

Auch wenn tolle Bewertungen dem Online-Riesen kurzfristig mehr Umsatz bescheren, möchte Amazon langfristig doch als glaubhaft wahrgenommen werden.

In den letzten Jahren hat Amazon viele Bewertungen nachträglich gelöscht, bei denen sie vermuteten, dass es sich um gekaufte handelte.

Wenn jemand z.B. unverifiziert, also ohne nachweislichen Kauf, viele Produkte einer Branche bewertet hat, fiel das Amazon auf und die Bewertungen wurden nachträglich gelöscht.

Heute zählen eigentlich nur noch verifizierte Bewertungen. Diese zu erschummeln ist vielleicht eine Herausforderung, aber sicher kein Problem.

Zwei Methoden sind üblich:

Erstattung via PayPal

  • Der Kunde kauft das Produkt bei Amazon zum vollen Preis.
  • Der Kunde gibt eine verifizierte Bewertung bei Amazon ab.
  • Der Verkäufer erstattet dem „Tester“ den vollen Kaufpreis (oder mehr oder weniger) unbemerkt von Amazon über PayPal.

Erstattung via Amazon Gutschein

Genau das Gleiche könnte auch in Form eines Amazon-Gutscheins ablaufen.

  • Der Kunde kauft das Produkt bei Amazon zum vollen Preis.
  • Der Kunde gibt eine verifizierte Bewertung bei Amazon ab.
  • Der Verkäufer schickt dem „Tester“ einen Amazon-Gutschein, der nicht rückverfolgbar ist und variabel genutzt werden kann.

Spätestens seit 2018 ist dieses Vorgehen den meisten Experten in der Branche bekannt und bereits aufgegriffen worden.

Das Problem mit Erstattungen

Wenn heute von gekauften oder gefakten Bewertungen gesprochen wird, sind damit Bewertungen gemeint, die gegen Kaufpreis-Erstattung gehandelt werden.

Grundsätzlich verbietet Amazon alle anreizbasierten Bewertungen. Das heißt, sobald ein Händler einem Kunden einen Deal vorschlägt, wird es verboten. Findet keine Belohnung statt, ist die Bewertung erlaubt.

Wird im Voraus eine nachträgliche Erstattung vereinbart, ist das definitiv ein Anreiz. Es kann sich dabei um eine Teilerstattung oder Vollerstattung handeln. Oder sogar noch ein kleines Trinkgeld beinhalten. 

Weil sich die Händler beim Dealen auf nicht ganz legalen Abwegen befinden, machen sie sich erpressbar. Es ist ganz einfach. Da dieses Vorgehen nicht nur von Amazon verboten, sondern auch nach deutschem Recht mehr als fragwürdig ist, hat der Tester den Händler in der Hand.

Wie ehrlich sind Bewertungen?

Umgekehrt kann der Händler den Tester unter Druck setzen. Da eine Erstattung in der Regel erst nach der Bewertung stattfindet, kann der Händler die Rückzahlung verweigern, wenn die Bewertung ihm nicht passt.

Was denkst du, wie ehrlich diese Bewertungen sind, wenn im Anschluss der Kaufpreis erstattet wird?

Vor einiger Zeit gab es Deal-Plattformen, die angeblich echte Bewertungen vermittelt haben. Inwieweit die Beurteilungen wirklich neutral sind, lässt sich jedoch nicht sagen.

Negative Bewertungen kaufen

Fast egal welches Nahrungsergänzungsmittel du bei Amazon eingibst. Ich gebe dir Brief und Siegel, dass auf der ersten Seite der Suchergebnisse Produkte angezeigt werden, bei denen die Hersteller nachhelfen.

Ganz offensichtlich ist der Bewertungsbetrug in Produktkategorien, die besonders hart bei Amazon umkämpft sind. Dazu zählen beispielsweise OPC-, Kurkuma-, Hyaluron oder Haarvitamin-Produkte. Merkwürdige Produkte, die man jetzt nicht unbedingt als Topseller einschätzen würde.

Das ergibt ein großes Problem: Wenn meine Mitbewerber in rauen Mengen 5-Sterne Bewertungen kaufen, muss ich noch viel mehr Bewertungen kaufen. Es gibt Anbieter, die überbieten sich in dieser Disziplin.

Irgendwann ist es aber nicht mehr wirtschaftlich. Ob mein Produkt nun 700 oder 800 Fake-Bewertungen hat, spielt ab einem gewissen Zeitpunkt nur noch eine untergeordnete Rolle.

Viel effektiver ist es, die Konkurrenz-Produkte mit nur wenigen Bewertung schlecht bewerten zu lassen. Diese Strategie ist etwas für „Fortgeschrittene“ und derzeit angesagt.

Aus dem Nähkästchen 2.0

Nochmal zu unserem nicht näher genannten Vitamin-Produkt. Wir vermuten schon länger eine Kampagne mit negativen Fake-Bewertungen. Nachweisen lässt sich das kaum, aber entscheide selbst:

Kürzlich haben wir eine verifizierte 1-Sterne Bewertung erhalten. Zwei Mini-Sätze:

Es ist künstlich. Es liegt im Müll.

Kritik sei erlaubt, aber schauen wir uns den Käufer mal an. Er kommt aus Rumänien. Das macht stutzig. Ich habe nachgeschaut: 99,9 % unserer Kunden kommen nicht aus Rumänien.

Zudem ist das Bewertungsprofil ganz interessant. Er hat lediglich fünf Bewertungen veröffentlicht.

  • Zufällig alle an einem Tag
  • Zufällig alles Produkte aus der gleichen Nische
  • Zufällig vier Produkte tendenziell negativ und nur eines mit 5-Sternen
  • Bei dem Anbieter des 5-Sterne-Produkts weiß zufällig jeder, der sich ein bisschen auskennt, dass Bewertungen manipuliert werden

Zum Schmunzeln oder Weinen: Unser Rumäne hat, noch bevor das Produkt überhaupt bei ihm angekommen ist, das Produkt bei Amazon reklamiert und eine Erstattung beantragt – selbstverständlich hat Amazon die Erstattung ohne Diskussion bewilligt und wir tragen alle Kosten.

In diesem Fall hat Amazon bei Rückfrage nichts unternommen.

Negative Bewertungen hochranken

Ich gehe persönlich davon aus, dass negative Bewertungen mehr Geld und Energie für die Betrüger kosten. Dumm nur, wenn diese dann im Bewertungsprofil der Konkurrenz-Produkte untergehen.

Aber auch dafür gibts einen einfachen Hack: Einfach die miesen Bewertungen von Helfern oder Mitarbeitern mit Klick auf den Nützlich-Button hochranken. Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Bewertung des Fakers gleich ganz oben angezeigt wird, ziemlich groß. Raffiniert …

Bewertungen von Hatern

Das fällt nicht direkt in die Rubrik „gekaufte Bewertungen“, sind aber trotzdem Fake-Bewertung. Einfach, weil sie nicht authentisch sind.

Mit unseren Artikeln und Büchern haben wir früher gelegentlich provoziert und möchten immer noch polarisieren. Das ist zum Teil Absicht, da es für eine Marke nichts Schlimmeres gibt als aalglatt und profillos zu wirken.

Unser Profil hat uns in der Gesundheitsbranche bekannt gemacht, aber leider auch einige Leute vom Hate-Club – wie man so schön sagt – auf den Plan gerufen, die sich persönlich angegriffen fühlen.

Mit einigen Hate-Bewertungen müssen und können wir leben. Wahrscheinlich kommen nach dem Artikel noch einige, von Mitbewerbern, hinzu.

Es verfälscht jedoch das Bewertungsprofil eines Produkts, wenn Leute ihren Frust an uns (bzw. es sind ja nicht wir als Personen, sondern die Texte) über Amazon abarbeiten.

Das aber nur als Randnotiz. Gesichtslose Amazon-Seller, die ihr komplettes Budget statt in Artikel in Fake-Bewertungen stecken, sind mit Sicherheit weniger von Hatern betroffen.

Gefälschte Bewertungen bei Amazon erkennen

Soviel zur Theorie. Wie erkenne ich als Verbraucher jetzt aber gefälschte oder gekaufte Bewertungen?

Bewertungen sind nicht normal!

Zunächst muss dir bewusst sein, dass Rezensionen für Nahrungsergänzungsmittel nicht normal sind. Diese Sorte von Produkten wird auf ehrliche Art und Weise in den seltensten Fällen bewertet.

Denk doch mal an Zink-Kapseln. Was willst du da großartig bewerten? Du spürst die Kapseln nicht, du schmeckst sie nicht, du riechst nichts.

Du wirst beim Kauf von Nahrungsergänzungsmitteln in den seltensten Fällen positiv überrascht.

Entweder bewertest du, weil du enttäuscht bist (Kapseln zu groß zum Schlucken?), oder du willst das Produkt oder den Anbieter aktiv supporten.

Bei authentischen Marken ist Support gar nicht mal so ungewöhnlich. Bei gesichtslosen Amazon-Marken ist das nahezu ausgeschlossen!

In anderen Nischen sind Bewertungen viel wahrscheinlicher. Nimm Bücher als Beispiel. Nach dem aufmerksamen Lesen eines Buchs kann jeder eine Meinung vertreten. Dass er die bei Amazon veröffentlicht, ist viel wahrscheinlicher als bei Kapseln.

Eine Ausnahme ist da tatsächlich unser Whey-Isolat aus Irland. Im Vergleich zu anderen Produkten unseres Sortiments wird das Eiweiß deutlich häufiger bewertet. Das liegt aber vor allem daran, dass dieses Produkt qualitativ herausragt.

Ein nachhaltiger Rohstoff, tolle Nährwerte, super Löslichkeit und leckerer Geschmack … Der Geschmack ist natürlich subjektiv. Seine Meinung kann dazu aber jeder teilen.

Keine Social Media – keine echten Bewertungen

Es gibt Unternehmen, die starten innerhalb weniger Wochen nach der Gründung mit Nahrungsergänzungsmitteln bei Amazon durch und nehmen es locker mit etablierten Unternehmen oder sogar mit Konzernen auf.

Es gibt NEM-Anbieter, die haben zu einigen Produkten mehr Produktrezensionen als Likes auf ihren Social-Media-Plattformen zusammengenommen. Wie soll das gehen? Wie soll die Kopie eines bereits bestehenden Produkts die Kunden zu einer Bewertung bringen?

Die Reichweite eines Facebook- oder Instagram-Accounts eines Unternehmens soll kein Beweis sein. Hunderte Bewertungen bei einem Kapsel-Produkt und gleichzeitig 129 Facebook-Likes, garniert mit einigen Stock-Fotos von Senioren, sprechen aber eine eindeutige Sprache. 

Auf der anderen Seite ist es ganz normal Likes zu kaufen. Mehrere tausend Follow haben also auch nicht unbedingt eine Aussagekraft.

Keine Infos über den Anbieter

Das hatten wir oben schonmal. Wirf die Google-Suche an und schau dir an, welche Personen dafür verantwortlich sind. Du erfährst oft in wenigen Minuten, was wirklich dahinter steckt. Sitz der Firma, Gründungsdatum …

Nur über Amazon erfolgreich

Die typischen Bewertungskäufer sind nur über Amazon erfolgreich und haben selten ein zweites oder drittes Standbein. Bei manchen Sellern machen Amazon-Verkäufe bis zu 100 % Prozent des Umsatzes aus.

Was denkst du wohl, wohin ihr Werbe- und Marketingbudget fließt? Zum Teil sicher in Amazon-Werbung (PPC), aber höchstwahrscheinlich auch in die derzeit effektivste Maßnahme: Bewertungs-Manipulation.

Die Anzahl der Bewertungen im Verhältnis zum Alter des Produkts

Du kannst bei jedem Amazon-Produkt sehen, wann es in den Katalog aufgenommen wurde. Schau dir dieses Datum bei „zusätzliche Informationen“ an. Dann schau dir vergleichbare Produkte aber von etablierten Marken an. Fällt dir was auf?

Hier sehen wir auf einen Blick das Aufnahmedatum unserer Vitamin D3K2-Tropfen und die dazugehörige Anzahl der Bewertungen:

Realistisches Verhältnis Alter zu Anzahl der Produkte (Stand 8. Dezember 2019)

Auch dieses Produkt war mal echt innovativ. 2015/2016 gab es in Deutschland außer unserem nur ganz wenige Produkte. Mittlerweile zigfach kopiert/adaptiert.

Obwohl dieses Produkt seit Jahren zu unseren Bestsellern gehört, haben wir mickrige 31 Produktrezensionen in über drei Jahren erhalten. Dazu teilweise echt durchwachsen.

Nahezu identische Produkte haben dagegen solche Verhältnisse:

Unrealistisches Verhältnis Alter zu Anzahl der Produkte (Stand 8. Dezember 2019)

Wow, das muss ja eine ganz tolle und große Marke sein?! Ist es nicht – auch wenn du dich in der Branche auskennst, hast du noch nie was von denen gehört.

Externe Tools wie reviewmeta sind nicht sinnvoll

Es gibt Seiten mit kostenlosen Werkzeugen, die auffällige Produkte bei Amazon identifizieren sollen. Die funktionieren leider nicht zuverlässig.

Ein solches Tool ist reviewmeta.

Es wäre zu schön, wenn man einfach nur den Produktlink auf der Seite einfügen würde, und im Anschluss bekäme man eine aussagekräftige Info, ob die Rezensionen des Produkts echt oder gefakt sind.

Leider ist das nicht der Fall. Produkte von Mitbewerbern, bei denen ich weiß (!), dass sie manipuliert wurden, bestehen den Test. „Saubere“ Produkte von uns bestehen den Test zwar auch aber werden teilweise als suspekt eingestuft.

Wie kann das sein?

Der Algorithmus von reviewmeta sammelt viele Anhaltspunkte und fügt sie zu einer Bewertung zusammen. Je mehr auffällige Faktoren zusammen kommen, umso wahrscheinlicher ist, dass das Produkt durchfällt.

Viele Faktoren sind jedoch nicht zu Ende gedacht. Angenommen wir bitten (ohne Gegenleistung, also rechtens) in unserem Newsletter um Bewertungen eines Produkts. Sobald an einem Tag ungewöhnlich viele Bewertungen auf ein Produkt fallen, schlägt das Programm aus. In diesem Fall ungerechtfertigterweise.

Oder wenn ein Stammkunde von unseren Produkten überzeugt ist, uns supporten möchte und ausschließlich edubily-Produkte („eigentlich bewerte ich nichts im Internet“) bewertet: Auch das ist angeblich suspekt.

Auch der anderen Seite sind die Bewertungskriterien von reviewmeta längst allen Bewertungskäufern bekannt. Vor ein paar Jahren war das Tool brauchbar – mittlerweile lässt es sich austricksen und unterstützt dadurch sogar die Machenschaften bei Amazon.

 

 

Was tun gegen Fake-Bewertungen bei Amazon?

Amazon ist nicht blöd. Ihnen sind aber die Hände gebunden. Ohne eindeutige Beweise können sie keine Produkte sperren oder gegen die Händler vorgehen. Im Sommer wurden sogar schon Händler-Accounts gelöscht.

Verbraucher müssen die Augen öffnen. Glaubt am besten keinen Bewertungen im Internet.

Meiner Meinung nach ist das einzige, was Amazon unternehmen könnte, um dem Bewertungs-Irrsinn entgegenzuwirken, eine eigene Bewertungsplattform mit klaren aber fairen Spielregeln zu schaffen. Teilweise bietet das Amazon schon für eine sehr exklusive Produktauswahl mit Amazon Vine – Club der Produkttester an.

Es müsste allen Händlern zugänglich sein. Es könnte auch über zertifizierte Partner-Plattformen laufen.

Gekaufte Bewertungen können hilfreich sein

Es mag naiv klingen, aber ich finde Produkt-Tests könnten sinnvoll genutzt werden.

Dass auch kleine Händler und Existenzgründer mit guten Produkten bei Amazon innerhalb kürzester Zeit erfolgreich sein können, ist eine tolle Sache. Wir profitieren schließlich selbst immer noch davon.

Wie oben geschrieben, ist es leider die absolute Ausnahme, dass Nahrungsergänzungsmittel bei Amazon bewertet werden. Und das selbst bei einer hohen Verkaufszahl.

Bleiben wir mal realistisch: Wie lange würde es ohne Manipulation dauern, bis ein neu eingestelltes NEM einer durchweg unbekannten Marke auch nur fünf bis zehn echte Produktrezensionen erhält?

Wenn es eine Möglichkeit gäbe, diese Bewertungen ehrlich zu erhalten, ohne Gegenleistung, ohne Druck 5 Sterne vergeben zu müssen, und wäre diese Möglichkeit für alle gleichermaßen zugänglich, wäre das eine faire Sache. Das müsste man dann jedoch auf wenige Bewertungen pro Händler oder Produkt eingrenzen, damit große Händler es nicht missbrauchen.

 

 

Tipps an Händler: So kommst du an Produktbewertungen bei Amazon

Eine öffentliche Tester-Plattform von Amazon oder eine ähnliche Lösung sind in Deutschland leider nicht absehbar.

Auf legalem Weg gibt es nur wenige Möglichkeiten, die Anzahl deiner Produktrezensionen zu erhöhen:

  • Tolle Produkte anbieten
  • Einen respektvollen Kundenservice anbieten
  • Deine Marke stärken
  • Höflich um bedingungslose Bewertungen bitten

Wir werden nicht müde zu betonen, wie wichtig die Bewertungen für einen kleinen NEM-Anbieter bei Amazon sind. In Zeiten der Fake-Bewertungen umso mehr.

 

 

Fazit zum Artikel „Wo Nahrungsergänzungsmittel kaufen?“

Die Nachfrage zu Nahrungsergänzungsmitteln ist riesig und wächst weiter. Während früher nur wenige bekannte Marken NEM anboten, gibt es heute viele neue Anbieter, die niemand kennt. 

Für die Branche ist das eine Chance, da Wettbewerb in mehr Qualität und innovativen Lösungen resultieren kann. 

Das ruft aber auch viele „clevere“ Geschäftsleute auf den Plan, die sich mit der Materie nicht auskennen. Sie interessieren sich zwar für Business – was sie dir da verkaufen, interessiert sie wenig. 

Noch nie war es so einfach, mit Nahrungsergänzungsmitteln Geld zu verdienen. Schnell bei einem Lohnhersteller produziert, lassen sie sich über den eigenen Online-Shop oder Amazon mit Fake-Versprechungen oder Fake-Bewertungen verkaufen. 

In diesem Artikel haben wir gesehen, dass es keine sichere Methode gibt, die unseriöse Unternehmen und Produkte identifiziert. Vielmehr muss man sich als Verbraucher intensiv mit dem Anbieter auseinandersetzen um nicht dem Schwindel reinzufallen. 

Mit ein wenig Hintergrundwissen sollte es jedem Leser möglich sein Fake zu erkennen.

Abschließende Worte

Wir versuchen seit Jahren dieses Problem möglichst zu ignorieren. Wir möchten uns nicht daran beteiligen und können das Spiel ohnehin nicht ändern. Jeder Anbieter muss selbst wissen, wo er mit seinem Unternehmen hin will.

Schon 2017 haben wir einen ähnlichen Artikel auf unserer Seite mit dem Titel Das Falsche Spiel bei Amazon veröffentlicht. Damals ging es hauptsächlich um Fake-Bewertung bei selbst veröffentlichten Schrott-Büchern. Wie die Betrugsmasche 2019 in der Praxis aussieht, kannst du detailliert hier nachlesen.

Geändert hat sich seitdem nichts.

Noch immer werden „Bücher“ mit 20 Seiten geklautem Inhalt innerhalb weniger Wochen hochgerankt.

In den letzten Wochen haben nun immer mehr Mainstream-Medien wie die BILD Zeitung und der Spiegel das Bewertungs-Problem bei Amazon auf die Agenda gesetzt und darüber berichtet. 

Bei Knoblauchpressen oder Yogamatten wäre das Thema halb so schlimm.

In diesem Fall bildet jedoch die Inkompetenz der Geschäftsleute, eine nicht-existierende behördliche Überwachung bei NEM in Deutschland und gekaufte Bewertungen eine brisante Mischung.

übersicht

Kommentare (16)

  1. Informativer Artikel! Daraufhin habe ich mal meine, bei euch georderten Mittelchen bewertet:-)
    Stimmt natürlich, was soll man über NEM’s schon schreiben.

  2. Es ist Fluch und Segen dass wir in den Schweiz von Amazon nicht in diesem Ausmass profitieren können.
    Zum Glück gibt es auch hier sehr professionelle und preislich attraktive Anbieter.

  3. Danke für den Artikel. Habe ihn mit einem Tee konzentriert gelesen und einige Aspekte meiner Denkweise verändert. Besonders das Zitat von John Ruskin hat mir einen Denkzettel verpasst.

    Edubily lässt Hirne wachsen

  4. Phil, was meinst du? Wenn Markenprodukte drauf stehen wie z.B. Creapure, Carnipure, Kaneka Ubiquinol ect, kann man sich im Regelfall drauf verlassen, dass das auch drin ist? Oder wird auch da massiv getrickst?

    1. Bis auf zwei Ausnahmen bin ich vollumfänglich bei euch:

      a) Nährstoffe aus dem Nicht-EU-Ausland
      vor 10,12 Jahren gabs z.B. keine andere Chance, an „hochdosierte“ Nährstoffe wie Zink und Selen zu erschwinglichem (nicht Dumping-)Preis zu kommen, schon garnicht für schmale Budgets, ob als Schüler, Azubi, Student oder chronisch Kranke, die nicht (voll) erwerbsfähig sind. Ich hielt mich an eine große US-Marke & bestellte in NL oder direkt in den USA. Diese Marke wurde auch vereinzelt direkt in DE als Importware verkauft, zum 4-6fachen Preis. Der Zoll machte vor einigen Jahren beim Öffnen keinen Stress, da ichs kurz & knackig sinnvoll darlegen konnte: Unverträglichkeit der hier häufig üblichen Zusatzstoffe, Jahresration an Zink und Selen aufgrund von Mängeln.

      b) natürliche vs synthetische Nährstoffe
      ich kann nur aus meiner Erfahrung sprechen – als ich noch arg anfällig für Infekte & Migräne war (und die Pille nahm…), nahm ich hochdosiert Vitamin C in Form von Ascorbinsäure ein, testete versch. Dosierungen – ohne hatte ich andauernd Migräne und Infekte (zzgl. Zink). Irgendwann erfuhr ich von einem „Haken“ bei der Gewinnung der synth. Ascorbinsäure (zu lange her, weiß nicht mehr, was genau), schaute mich um und probierte Acerolapulver. Dort reichte mir ca. 1/4 der reinen Vitamin C-Dosis des Ascorbinpulvers, um Migräne und Infekte zu verhindern.

      Wenn ich mich aus meiner akuten Hashimoto-Zeit von vor über 10 Jahren noch recht entsinne, verhält es sich ebenso bzgl isoliertem synthetischen vs natürlichem (ganz klar auch nicht eben smooth herausgekuscheltem) Jod: synthetisches Jod kann verreißen, was natürliches (in seinem natürlichen Verbund vorliegendes, nicht isoliertes) bessert.

      Fix mal hochgezogene Schrottmarken:
      Erst jüngst habe ich eben jene von euch angeratene Recherche durchgeführt, aus purer Neugier, da mir schon grundlegend zu dubios: Werbeanzeige für eine frisch erstellte facebook-Seite. Darauf knappes Marketinggeschwurbel, Stockfotos & Links zu Amazon. Dort einige wenige recht neu erschienene Produkte, alle mega bewertet mit je knappem Hype-Text in hakeligem Deutsch, Usernamen primär osteuropäisch. Betreiber: 2 Osteuropäer mit Sitz in DE, ich meine Berlin. Bissl googlen führte zu einer auf einen der beiden eingetragenen Ltd in UK, Anschrift laut Google Maps Satellite ein eher ranziges Mietlager o.ä. in einem Industriegebiet, ein Schilderwald an Firmen.

      Kurz: Augen auf (nicht nur) beim NEM-Kauf.

  5. Warum hat die amerikanische Behörde für Vergiftungen seit Bestehen keinen einzigen Fall von Vergiftung durch Vitamine gefunden, obwohl die dort ultra hoch dosiert sind? Der Artikel ist reine Eigenwerbung!

    1. Kurz: Wirtschaft. Länger: Wenn man sich behördliche Verstrickungen äh… Konstrukte (nicht nur) in den USA anschaut, ganz klar aus wirtschaftlichen Interessen. NEM sind ebenso wie Pharma Milliardengeschäfte.

      Dass man Nährstoffe pauschal nicht kritisch überdosieren kann ist das andere schwarzweiße Ende von läppischen nichts bewirkenden Empfehlungen wie denen der DGE „zur Nahrungsergänzung für Gesunde“.

      Leider ist mir der Fachbegriff dafür entfallen, aber das offizielle wissenschaftliche Maß, mit dem meist bestimmt wird, wie hoch diese Obergrenzen liegen lautet „keine Wirkung zu erwarten bis Dosis X“. Soll wohl abgelöst werden, zieht sich aber seit Jahren hin.

  6. Warum hat die amerikanische Behörde für Vergiftungen seit Bestehen keinen einzigen Fall von Vergiftung durch Vitamine gefunden, obwohl die dort ultra hoch dosiert sind?
    Weil eine Vergiftung erst dann registriert wird, wenn man aufgrund selbiger im Krankenhaus landet.
    Vergiftung fängt aber eigentlich schon früher an. Z.B. wenn man von zuviel Vit C Durchfall bekommt.
    Eine lebensbedrohliche Vergiftung mit Vitaminen herbeizuführen ist relativ schwierig – aber möglich – z.B. mit Vit A.
    Hier sind meineswissen auch schon einiger Fälle bekannt geworden.

  7. Es gibt ganze Whatsapp/Telegram/Facebook Gruppen, die sich darauf spezialisiert haben. Da werden täglich hunderte Artikel reingestellt, bei denen man
    A) Das Geld direkt nach dem Kauf erstattet bekommt
    B) Das Geld nach einer Verkäuferbewertung erstattet bekommt (Wenn kein FBA angeboten wird)
    C) Das Geld nach einer Bewertung erstattet bekommt und dabei entweder auch die Paypal Gebühren oder eben nicht
    D) Einen Eigenanteil zahlt und den Rest nach einer Bewertung erstattet bekommt (Bei besonders hochpreisigen Produkten).
    Ich weiß noch, wie das früher ging, da bekam man immer Gutscheine für 100% Ersparnis, bis Amazon das eingestampft hat.
    Ich bin aber teilweise anderer Meinung, als der Autor. Es wird oft nach Preis und dann erst nach Bewertungen entschieden (erwische mich selbst oft genug dabei) und so halte ich es für denkbar, dass das Produkt mit den Fake Bewertungen auch in echt deutlich öfter gekauft wird, einfach weil es günstiger ist. Wenn ich zB D3+K2 Tropfen suche sind die Konkurrenzprodukte im Schnitt 10€ günstiger, bei Citrullin etwa 5€ (wobei dabei der Konkurrenz viele Inhaltsstoffe fehlen). So ist es denkbar, dass, wenn der Verkäufer irgendwann „nach einer Bewertung bettelt und/oder mit Rabatten/Gutscheinen/anderen Anreizen wirbt“ dem mehr nachkommen, da die niedrige Konversionsrate durch eine hohe Anzahl an Bestellungen übertroffen wird. Das Problem ist natürlich, dass man nicht weiß, was man schlussendlich bekommt und wo es herkommt (Stichwort Schwermetalle und China) oder die wirkungslose, aber natürlich billigere Alpha-Liponsäure statt R-Alpha-Liponsäure.

    Die Anreize überhaupt zu bewerten sind leider ziemlich gering und der Anteil von Leuten, die „zu dumm“ sind ist bei 1* Bewertungen auch sehr hoch, zB wenn das Produkt negativ bewertet wird, weil es nicht ankam und das am Besten auch noch bei FBA oder aufgrund einer (fehlenden) Eigenschaft, die aus der Produktbeschreibung hervorgeht.

  8. Ihr warnt vor den Überdosierungen. Bei Vitamin D zum Beispiel reichen in Deutschland für einen Erwachsenen angeblich 800 ie am Tag. Jeder der sich damit beschäftigt weiß dass das ein Witz ist. Nun kann man 800 ie in ein Präparat packen um die Vorgaben zu erfüllen, oder man nimmt 2000 ie, was für einen Erwachsenen die absolute mindestdosis ist. Wo bleiben die bedenken wegen Unterdosierung?

    1. Danke für den Kommentar und das Beispiel mit Vitamin D. Vitamin D Versorgung ist ein Thema für sich.

      Grundsätzlich glaube ich an den mündigen Verbraucher und finde es gut, wenn man die Wahl hat und selbst entscheiden kann.

      Vitamin D ist tatsächlich so ziemlich der einzige Stoff, bei dem die Behörden ganz klar Stellung beziehen und eine Höchstgrenze bei Nahrungsergänzungsmittel kommunizieren. Wie du richtig schreibst, sind das 800 I.E. pro Tag. Höher dosierte Produkte sind in Deutschland laut bfr u.a. schlicht nicht zulässig und kein Rechtsanwalt oder Gutachter wird die Verkehrsfähigkeit für den deutschen Markt bescheinigen.

      Jetzt kommt das Aber. Unsere Stammleser wissen, dass wir eine andere Meinung zu Vitamin D vertreten. Wie es zu der aktuellen Einschätzung kommt, ist in meinen Augen nicht logisch nachvollziehbar und könnte politische Gründe haben.

      Wir haben auf der einen Seite also unsinnige Höchstmengen – auf der anderen Seite wird es aber nicht reguliert. Produkte mit 1000 I.E. sind genau so „verboten“ wie Produkte mit 3000 I.E. (um den Dreh läge wohl unsere Empfehlung) oder 20000 I.E.. Das ist doch verrückt.

  9. Hi, ich bin Amazon-Vine-Tester und in den letzten Tagen sind auf einmal rund 2000 neue Produkte hinzugekommen, die nicht direkt von Amazon verkauft werden, sondern nur von Amazon Versand werden. Entsprechend könnte Edubily sicherlich auch dort jetzt mitmachen. Ich habe zwar auch so schon Edubily-Produkte bewertet, würde mich aber trotzdem freuen. 🙂

  10. Vielen Dank für diesen erschreckenden Artikel. Auch euren schon etwas älteren Beitrag „Das falsche Spiel bei Amazon“ aus dem Jahr 2017 habe ich mit großem Interesse erneut gelesen. Dabei wurde mir erst so richtig bewusst, wie schnell diese Gauner dazulernen und sich anpassen. Sie werden immer raffinierter. Zumindest bei Büchern gibt es neben Fake-Bewertungen lägst auch Fake-Experten. Es werden komplette Lebensläufe und Studienabschlüsse (bis hin zum Doktortitel) einfach frei erfunden, um die Buchverkäufe zu pushen. Alles wird besser, nur nicht die Produkte. Wie ihr völlig richtig schreibt, existieren diese zum Teil nur aus einem einzigen Grund: um abzuzocken.

Kommentiere diesen Blog-Artikel

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..