Kontroverses

Die „neuen“ anderen Coronazahlen

Ohne Wertung will ich heute im Artikel mal anschaulich darlegen, warum man bei Biologie und bei Bio-Statistik immer ein bisschen vorsichtig sein muss – und warum das erste, was wir damals zum neuen Virus im Newsletter gesagt haben, war:

Die Gefährlichkeit eines Virus wird zu Beginn einer Epidemie immer überschätzt.
Deshalb sollte man zunächst Ruhe bewahren.

Das bedeutet nicht, dass ein Virus dann harmlos ist oder nicht gefährlich werden kann. Es bedeutet aber, dass die ersten Schätzung zu Fallsterblichkeiten die tatsächliche Fallsterblichkeit dramatisch überschätzten. Und so oft ein völlig verzerrtes und bisweilen falsches Bild vom Virus gezeichnet wird.

Zahlen zu dramatisch

Ich weiß nicht, welche Zahlen wir am Anfang gehört haben, aber wir haben uns schätzungsweise im Bereich von 3 % aufwärts bewegt. Mittlerweile bewegen wir uns vielleicht noch in einem Bereich von 0,1 bis 0,3 % – Zahlen, die in erster Linie von bereits betagten Menschen nach oben getrieben werden. Wohlgemerkt: Und das, vor dem Hintergrund, dass dieses Virus noch nicht heimisch bei uns geworden ist.

Während so manch ein Virologe schon sterbende Menschen auf den Straßen Afrikas gesehen hat, und viele andere auf Basis der ersten Zahlen Hochrechnungen angestellt haben, wie viele Millionen von Menschen innerhalb weniger Monate alleine in D sterben werden und sterben könnten, blieben andere Statistiker bzw. Epidemiologen eher ruhig und zurückhaltend.

Denn die Dynamik eines Virus- bzw. Epidemiegeschehens erfährt mit der Zeit einen Wandel.

  • Das Virus bleibt nicht gleich gefährlich (es mutiert meistens zu milderen Formen),
  • ein (auch recht „harmloses“) Virus packt sich bei Beginn meistens sehr rasch die sehr vulnerablen Gruppen (was im Endeffekt viel über den Gesundheitszustand eines Staates sagt),
  • oft zeigen sich saisonale Effekte
  • und Menschen, Gesellschaften bzw. Gesundheitssysteme stellen sich auf das Virus ein.

All das sorgt zum einen für oft starke populationsspezifische Unterschiede bei der Ausbreitung. Deshalb schlägt ein Virus in Italien oder im Elsass vielleicht extrem ein, während man in Deutschland davon kaum etwas mitbekommt. Gleiches Virus, komplett andere „Kinetik“. Zum anderen verdeutlicht es, warum man eine Dynamik in Berechnungen mit einbeziehen muss.

Die aktuellen Infektions- und Sterbezahlen zeigen dies eindringlich (links Fallzahlen, rechts Sterbezahlen für den gleichen Zeitraum):

Frankreich

Frankreich

Österreich

Österreich

Spanien

Spanien

USA

USA

Wir sehen, dass in all den genannten Ländern zwar wieder ein deutliches „Infektionsgeschehen“ zu beobachten ist oder war – teilweise werden sogar Frühjahrswerte überstiegen. Die Sterbezahlen bleiben aber durchweg niedrig. Sogar in den USA war der Spätsommerpeak deutlich höher als der Frühjahrspeak – relativ betrachtet gibt es dort aber nur noch ein Bruchteil der Sterblichkeit.

Fazit

Ich denke, es ist immer gut, sich so etwas vor Augen zu führen. Wir tun zwar immer noch gut daran, das Coronavirus in seiner potenziellen Gefährlichkeit nicht zu unterschätzen. Auf der anderen Seite zeigt sich deutlich, warum Bio-Statistik komplex, dynamisch und nicht einfach zu interpretieren ist – aber es zeigt vor allem, warum man sich vor vorschnellen Dramatisierungen hüten muss.

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Kommentare (16)

  1. Hallo, bin ziemlich neu hier, froh diesen Blog gefunden zu haben und finde (auch) diesen Beitrag sehr gut, danke.
    Ich wüßte gern, woher die Grafiken bzw. dargestelltes Zahlenmaterial stammen.

    1. Antwort an Robert Krug

      Danke dir. Mich nervt es so sehr, dass a) Laien so viel Müll erzählt wird und die zwangsläufig in einer völlig anderen Realität leben und b) dass man versucht dieses Virusgeschehen binär darzustellen. Das ist aber Biologie.

  2. Vielen Dank für die Grafiken, die die Gefährlichkeit (Letalität) zeigen. Eine Infektion bedeutet nicht den Tod oder ein Siechtum. Es hat viel mit der individuellen Situation zu tun (Genetik, Immunsystem, Stoffwechsel). Nach jahrelangen Beobachtungen und gezielten Supplementierungen liegt es meiner Ansicht nach auf der Hand, wer erkrankt: diejenigen, die ein nicht funktionierendes Immunsystem haben, es mit einem Nährstoffdefizit oder einem Überschuss an Zucker oder mit Feinstaub (inhaltives Zigarettenrauchen) zu tun haben. Hinzu kommt der Vitamin-D-Mangel, der nur bei den Kleinkindern („Zahnpille“) nicht nachweisbar ist. Bei guter Substitution (und die ist vom Körpergewicht abhängig!) wird man einfach nicht krank. Ob Infektionen oder Krebs, beides hängt mit dem Immunsystem zusammen!

    1. Antwort an Hans-Peter Gabel

      Bezeichnend ist nur, dass wieder klar wird, wie die meisten Menschen denken: Eigenverantwortung abschieben, den Teufel an die Wand malen und andere („das System“) machen lassen. Noch nicht einmal habe ich irgendwo davon gelesen, dass empfohlen wird, auf das eigene Immunsystem zu achten. Es wird auch nirgends die kollektive Gesundheit bzw. das kollektive Immunsystem thematisiert. Dabei ist das ein Hauptgrund für die verschiedenen Fallzahlen in den Ländern. Diese Viruszentriertheit ist eine einzige Katastrophe.

      1. Antwort an Chris Michalk

        Soooo wahr!
        Der erste Politiker der das jetztr einigermaßen verstanden hat ist tatsächlich Boris Johnson. Der ist ja selber kein Adonis und nicht sonderlich fit und seine eigene Covid-19 erkrankung hätte ihn ja fast umgebracht und jetzt hat er zumindest mal diese „kauf 2 zahl 1“-Angebote für Fast Food verboten und Werbung für so Fast-Food Zeugs und Sachen mit Tonnen an Zucker drin darf erst nach 21 Uhr im TV kommen. Das ist zumindest mal ein erster Schritt.

        Ich glaube auch, dass die Bundesregierung mit einer deutlichen Empfehlung zu mehr Bewegung und der Verpflichtung der Bevölkerung ein Multi und 5.000 iE Vitamin D pro Tag zu sich zu nehmen mehr Leben hätte retten können, als mit dem Lockdown.

        LG Jens

        1. Antwort an jfi

          DAS wäre ein moderner Ansatz. Aber solange das BfR vor „Überdosierung“ warnt und der nachweislich mangelversorgten Bevölkerung – sogar attestiert durch RKI-eigene Studien – höhere Dosen als die üblichen 800 IE untersagt, wird das auch in den nächsten 20 Jahren nichts mit Lebensstil-assoziierter Prävention. Das ist so ärgerlich, man kann es kaum in Worte fassen. Wir sind rückwärtsgewandt pragmatisch.

          1. Antwort an Chris Michalk

            An Chris und Jens: Ich stimme euch beiden absolut zu. Persönlich finde ich es auch sehr traurig, dass die Bedeutung des eigenen Immunsystems in den Medien kaum bis gar nicht erwähnt wird; geschweige denn das Potential von gezielter, individueller und sinnvoll dosierter Nahrungsergänzung, um Mängeln vorzubeugen und damit dem Körper alle notwendigen Nährstoffe zuzuführen, die in der Ernährung des Individuums zu kurz kommen. Wie ja die NVS II und andere Untersuchungen auch gezeigt haben.

            Danke an dieser Stelle noch einmal an Chris und Phil für die tolle Arbeit im Blog, im Forum und mit euren Produkten! Wirklich klasse, macht bitte weiter so und bleibt euch treu.

            LG
            Dominik

      2. Antwort an Chris Michalk

        Bisschen Cherrypicking Chris. Kennt man sonst nicht so von dir.

        Es wird heute doch wesentlich mehr getestet, dementsprechend war sie Dunkelziffer viel höher im Frühjahr als jetzt. Also wenn man Tote zu Infizierten ins Verhältnis stellt.
        Ebenso sind aktuell meistens junge Menschen infiziert, diese haben eine geringe Mortalität.
        Ebenso ist die Behandlung in den Krankenhäusern besser, im Frühjahr waren diese in Spanien, Italien und auch in Frankreich und Co. komplett überlaufen. Es wurde wahrlos zu früh und mit zu viel Druck beatmet. Teilweise wurden Medikamente verabreicht die eher schaden als wirken. Heute kennt man das Virus besser und hat erste Mittel, welche die Mortalität stark senken.

        Ich würde mir wünschen du würdest einen Artikel über Studien machen, wie man vorbeugen kann gegen das Virus. Da wird man nämlich schnell sehen, dass Dinge wie Vitamin D, Zink, Selen und Co. viel Einfluss haben. Also alles was hier schon seit Jahren propagiert wird. Gerade zu Vitamin D gibt es so viele Studien, dass es eher unverantwortlich ist, dass die Regierung es nicht überall bewirbt und jedem dazu aufruft (auf Freiwilligkeit) es zu nehmen.

        Zuletzt wäre noch ein Artikel interessant über Bradykinin. Da gibt es viele Anzeichen, dass dies wohl die Hauptrolle bei schweren Fällen spielen kann.

        1. Antwort an Felix

          Mir ist bewusst, dass mehr getestet wird. Das darf natürlich ein Grund für die Diskrepanz sein. Das habe ich bewusst nicht thematisiert, weil es mir nicht vorrangig um die Gründe dafür ging, sondern um die Tatsache an sich, die in den aktuellen Diskussionen völlig untergeht. Momentan hört man nur: Mehr Infizierte. Punkt.

          Die anderen Punkte (Altersstruktur, Behandlung) habe ich angesprochen.

          Ich werde mir nicht die Blöße geben, und hier im Blog darauf eingehen, wie man am besten eine Coronavirus-Erkrankung vorbeugt. Jeder, der nach unseren Prinzipien lebt, hat bereits ein starkes Immunsystem und das beste Fundament. Soeben haben wir uns diesbezüglich auch wieder in unserer Insta-Story geäußert.

          LG

  3. Die hohen Sterbezahlen, gerade in Italien anfangs der „Kriese“, sind zustandegekommen durch die BEHANDLUNG der Patienten .

    Bei der „fabelhaften “ Roßkur würde auch fast jeder normalgesunde Mensch ins Gras beißen.

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