Kohlenhydrate

Glukose verlängert das Leben

von Chris Michalk, Biologe
Chris Michalk
Veröffentlicht am (Zuletzt aktualisiert am 01.07.2019)

Heute mal einen Kommentar zu einem ‘off topic’ Thema, denn eigentlich wollte ich mich ja euren Fragen widmen.

Aber manchmal ist die Welt so lustig, dass man anderen zeigen muss, über was man selbst so lacht.

Viele praktizieren heute eine no carb Diät, wissen aber gar nicht, worum es da eigentlich geht, warum diese Ernährungsform einige therapeutische Potenziale mit sich bringt.

Hier mal in ganz kurz:

  • KD aktiviert AMPK,
  • das bei der KD gebildete ß-Hydroxybutyrat scheint einen Langlebigkeitseffekt zu induzieren,
  • KD senkt Insulin und IGF.

Alles das sorgt i.d.R. dafür, dass Mitochondrien besser funktionieren und eben gewisse Langlebigkeitsgene aktiv werden – mal sehr einfach ausgedrückt für den Laien.

Nur zwei Punkte, die alle, aber wirklich alle übersehen:

a) Die meisten, die no carb praktizieren, befinden sich gar nicht in der Ketose (mal nachgemessen?) und essen – um die oben genannten Effekte auch wirklich entstehen zu lassen – zu viel Protein.

b) In der freien Wildbahn, isst kein Mensch konstant eine isokalorische Diät, das heißt eine Diät, die konstant den Bedarf an Kalorien abdeckt. Was dazu führt, dass die genannten Langlebigkeitsgene aktiv werden.

Heißt: Alles das da oben, was man sich von einer ketogenen Diät verspricht, tritt ein, wenn man sich mal nicht konstant satt frisst, so wie wir das sowieso Jahrmillionen (nicht) getan haben.

Und: Eine ‘richtige’ KD wäre so etwas wie 85% Fett, 14% Protein, 1% Kohlenhydrate.

Und das… das praktiziert sowieso keiner, glaube mir das.

Du isst zu viel Protein, zu viel Gemüse, zu viel Obst. Eine ketogene Diät würde heißen, reine Fett-Diät. Macht niemand.

Was wäre das auch für ein Leben? Nur Olivenöl trinken plus 150g Fleisch, oder wie?

Egal, back to topic:

Jedenfalls finden wir im Alter eine ‘Telomer Dysfunktion’ – also einen Zustand, bei dem die Schutzkappen der DNA ihren Zweck nicht mehr erfüllen. Dadurch entstehen vermehrt DNA-Schäden.

Die Zelle wird ‘ineffektiv’ hinsichtlich ihrer Energie-Produktion und oxidiert dann zunehmend Glukose. Die Glukose aber, die so normal gegessen wird, reicht nicht aus, um eine ausreichende Versorgung zu gewährleisten.

Daraus folgt:

  • schlechtes Energiegleichgewicht,
  • Katabolismus,
  • IGF/mTOR-Signalweg Hemmung,
  • Hemmung der mitochondrialen Biogenese,

… und Gewebe-Atrophie.

Kurz: Du bist alt 🙂

… und hast keine Energie mehr, verlierst Muskulatur, deine Zellen sind nicht mehr anabol genug (siehe dazu meinen Artikel), was auch für die Herz-Zellen gilt, deine Zellen produzieren kaum mehr Kraftwerke, was dazu führt, dass du noch weniger Energie hast – insgesamt also baust du ab! 

Das ist ja nun wirklich nichts Neues.

Was aber neu ist, ist folgendes Statement (aufpassen und mitlachen!):

A ​glucose-enriched diet reverts these defects by activating glycolysis, mitochondrial biogenesis and oxidative ​glucose metabolism.

Also… EXTRA zugeführte Glukose, kehrt diese Prozesse um und macht dich wieder einigermaßen lebensfähig.

Also, wenn das nicht der Witz des Jahres ist, dann weiß ich auch nicht.

Die so verteufelte Glukose also, schützt dich hier sogar und verlängert – gemessen – dein Leben.

Vielleicht müssen wir, muss ich, vollständigen umdenken?

Vielleicht müssen ältere Menschen ja tatsächlich mehr Glukose verspeisen?

Was zeigt uns das mal wieder?

In dieser Welt braucht man vor allem eines: Differenzierungsfähigkeit. 

Referenzen

Missios, Pavlos et al. “Glucose substitution prolongs maintenance of energy homeostasis and lifespan of telomere dysfunctional mice.” Nature communications 5 (2014).

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