Gefäßgesundheit

Kaputte Gefäße = kaputter Energiestoffwechsel

Wie fühlt es sich eigentlich an, wenn die Arterien sich weiten? Dazu gleich was. Jedenfalls: In der Fachsprache heißt dieses Weitstellen „Vasodilatation“. Diese gilt als Maß für die Gesundheit der Arterien.

Weite, gesunde Gefäße mit Stickoxid (NO)

Wer edubily liest, kennt den Grund. Denn die „normale“, also alltägliche Vasodilatation wird maßgeblich von einem Arterien-Enzym reguliert, das sich eNOS nennt.

Dieses eNOS produziert ein Gas namens Stickoxid (kurz: NO). 

Früher nannte man es Endothelium-derived relaxing factor. Für das Entdecken und Erforschen dieses Gases gab’s 1998 den Medizin-Nobelpreis für Ignarro, Furchgott und Murad … und einen Beitrag im Time-Magazin.

Ignarro, also nochmal: ein Nobelpreisträger, hat später dazu ein Buch geschrieben:

NO More Heart Disease: How Nitric Oxide Can Prevent – Even Reverse – Heart Disease and Strokes

Mit mehr NO (Nitric oxide; Stickoxid) zum „No“ zu Herzkreislauferkrankungen. Der Hintergrund ist einfach: Damit Gefäße krank werden können, muss dieses Gas, NO, abfallen. Ergo: Adäquate NO-Mengen halten die Gefäße nicht nur weit und offen, sondern auch gesund.

Das Gefäßendothel produziert mit Hilfe eines Enzyms namens eNOS Stickoxid, NO (nitric oxide), das die Gefäße weitstellt und gesundhält.

Die Gefäße werden zum Beispiel weit(er), es wird mehr NO freigesetzt …

  • bei Hitze-Einwirkung (heißes Duschen)
  • beim Sport
  • beim Trinken von z. B. polyphenolreichen Weinsorten (weil Ethanol selbst und die Polyphenole die Gefäße weit machen)
  • bei Insulin-Ausschüttung bzw. -Wirkung (besonders wichtig: am Herzen)
  • im Tiefschlaf
  • beim Konsum Antioxidantien-reicher Kost (Der heilige Kakao!)
  • bei Zufuhr von Acetylcholin (wird in der Medizin genutzt, um die Gefäßfunktion zu prüfen)
  • bei guter Schilddrüsen-Leistung

NO ist mit dem Energiestoffwechsel verknüpft

Der letzte Punkt ist besonders interessant, heißt es in einer aktuelleren Arbeit doch glatt:

Wir schlagen vor, dass der NO-Spiegel im Serum ein Indikator für die Einführung und Dosierung der Levothyroxin(T4)-Ersatztherapie bei Patienten mit subklinischer Schilddrüsenunterfunktion sein könnte.

Hintergrund ist, dass Schilddrüsenhormone die Bildung des o. g. eNOS-Enzym anregen, und als Folge mehr NO in den Gefäßen entsteht. Daher besteht ein Zusammenhang zwischen schwacher Schilddrüsenleistung und der Entstehung von Herzkreislauferkrankungen.

Hier wird also die Leistung des Energiestoffwechsels (= adäquate Schilddrüsenhormone) in Verbindung mit der Gefäßgesundheit gesetzt. Es stellt sich heraus, dass das lange nicht alles ist: Tatsächlich wirkt NO direkt auf den Energiestoffwechsel.

Das geht soweit, dass Tiere während einer Mast metabolisch ziemlich gesund bleiben, wenn man das Abfallen der NO-Werte blockiert. Genau: Eine Mast (bei uns: Insulinresistenz, metabolisches Syndrom, kaputter Energiestoffwechsel) geht einer mit einem Abfall der NO-Werte im Blut.

Ach so. Jetzt macht das Sinn, gell? Jetzt verstehen wir, dass

kaputte Gefäße bei Menschen mit kaputtem Energiestoffwechsel vorkommen.

Wer jetzt gerade also mit Insulinresistenz durch die Gegend läuft, kann sich darauf verlassen, dass der Herzinfarkt oder der Schlaganfall auch nur noch ein paar Jahre oder Jahrzehnte braucht.

NO ist mit der Gesamtgesundheit verknüpft

Wir sehen einfach die Zusammenhänge nicht: Unterm Strich bedeutet das hier Ausgeführte nämlich, dass alles, was gesund macht, auch immer positiven Einfluss auf die NO-Werte hat – und alles, was krank macht, die NO-Werte zum Fallen bringt.

Wohlgemerkt: Wir sprechen immer von eNOS/NO.

Der Babo der NO-Forschung, ein Herr namens Enzo Nisoli von der Uni Mailand, bescheinigt uns das via Studien, die in den besten Journals publiziert wurden: NO steuert nicht nur die Vermehrung unserer Mitochondrien, nicht nur die Leistung ebendieser (= unseres Motors), sondern vermittelt auch noch die Effekte vom Sport und die Effekte von Interventionen (z. B. Kalorienrestriktion), die uns Langlebigkeit bescheren:

Kalorienrestriktion erhöht via eNOS die NO-Werte. Über ein Vermittler namens cGMP wird das Langlebigkeitsenzym Sirt1 und der Mitochondrien-Masterregulator PGC-1alpha aktiv.

Oder anders herum formuliert:

Ohne ausreichend eNOS/NO dankt man früher und beschissener ab.

Früher, weil man halt nicht alt wird. Und beschissener, weil sich das Leben davor auch nicht gut anfühlt – klar, viele Menschen quälen sich mit ihrem kaputten Energiestoffwechsel.

Die Gefäßfunktion als Marker

Yo. Deshalb. Wer überhaupt gar nichts versteht, also gar nicht weiß, wie sich das anfühlt, wenn die Arterien sich weiten, im Körper aufspringen, wenn die Hände schön warm werden, wer sowas überhaupt gar nicht spürt, also weder beim Sport, noch beim heißen Duschen, noch beim Rotweintrinken, nach größeren Mahlzeiten … oder wann auch immer … der weiß zumindest, dass

es nicht sonderlich gut um die Funktion des Energiestoffwechsels bestellt ist.

Und um die Arteriengesundheit sowieso nicht. Ein einfacher Marker. So etwas ähnliches wusste der Pathologe Virchow vor über 100 Jahren schon:

Der Mensch ist so alt wie seine Gefäße.

Das ist systemisches Denken. Man analysiert Stellschrauben eines Systems, und schaut, wie diese untereinander verbunden sind.

Kaputtmachen geht – wie immer – schnell

Wer das alles ganz schnell kaputtmachen möchte, so ein hübsches, filigranes System, isst – neben viel McDonald’s und größeren Ladungen Neu5Gc – täglich Thunfisch, in dem wir Methylquecksilber in adäquaten Dosen finden. Quecksilber, wie alle Schwermetalle, machen oxidativen Stress im Blut – und das raubt NO. Umweltgifte können einem über diese Art und Weise ganz schnell das Leben versauen. Diese Erkenntnis ist noch ganz, ganz lange nicht angekommen. Der Teich, in dem ein Normalsterblicher in unserer modernen Welt fischt, wird immer dunkler.

Den NO-Guide gibt’s immer noch

Ach ja, all das haben wir nicht nur im aktuellen Springer-Buch so ähnlich besprochen. Tatsächlich haben wir diesbezüglich vor Jahren schon eine eigene kleine „Broschüre“ veröffentlicht, die sich immer noch bei Amazon finden lässt:

Referenzen

2016;14(3):266-70.

 2003 Feb 7;299(5608):896-9.

 2005 Oct 14;310(5746):314-7.

2007 Nov;56(11):2690-6.

 2007 Mar 30;100(6):795-806.

 2006 Jul-Aug;24(4):291-8.

2007 Dec;56(12):2872-7.

. 2015; 3: 6.

2004 Aug;287(2):H914-20.

2013 Jun;169(3):693-703.

 2011 Oct;43(4):224-8.

 

übersicht

Kommentare (15)

  1. Hey,

    habe mal bei einem Labor nachgefragt:

    Blutgase (entnahme am Ohrläppchen, arterielles Blut) werden nur in KK analysiert. NO kannte man jetzt so nicht wirklich. Ich würde nachvollziehen können dass eine Analyse nur in Krankenhäuser Sinn macht, weil sonst die Wege von Patient zu Analyseverfahren zu lang ist und sich entsprechend das Gas in der Probe abbauen.

    Aber stimmt das auch wirklich? Chris? Alle?
    Vermute persönlich hinter jeder Aussage aus unserem medizinischen System mittlerweile immer lebende Bulletten… sorry 🙂

    Diesen Link zu SD halte ich für sehr interessant und würde den sehr sehr gerne weiterverfolgen, da eine Einstellung von SD Hormonen über TSH (immer noch Standard bei über 98% aller Ärzte) sowie freie T3/T4 ein lausiges Thema ist.

    Anderseits sollte die Steigerung von NO bei subklinischer SDUF zu einer Verbesserung führen, würde ich das jederzeit einer oralen Hormongabe vorziehen – bin da nicht glaubenstechnisch unterwegs sondern kenne die ext. Hormone T4 u. T3 und weiss um deren Licht und Schatten

    1. Vielleicht ist ein besserer Marker der Nitrat/Nitrit-Gehalt im Urin, z. B., weil die korrelieren mit der NO-Menge im Körper. Problematisch ist das alles halt nur, weil da auch „falschhohe“ Werte rauskommen können. So ist bei Entzündungen häufig der Fall das iNOS extrem hohe Mengen NO macht, aber eNOS/NO quasi abgeschaltet ist. Wer diese hohen NO-Mengen messen würde, könnte vielleicht zu falschen Schlüssen kommen.

      1. Misst man die Parameter für Nitrostress, bekommt man eigentlich doch auch schon einen Hinweis ob NO funktioniert oder nicht?

        ADMA in Verbindung mit Arginin wäre ein weiterer Marker.
        Gibt es da joch mehr, oder aussagekräftigeres?

        Da wäre noch das Enzym LP PLA2. Soll ein guter Marker für Entzündungsprozesse im Endothel sein. Ist dieser Wert erhöht, könnte das ein Hinweis auf zu wenig NO sein?

      2. Wie ist es denn eigentlich mit der Entstehung von schädlichen Superoxid aus erhöhter NO Produktion (durch z. B. Zufuhr von Arginin) bestellt?
        Hatte da letztens ein Video zu gesehen – kannte das Thema so auch noch nicht…

          1. Am besten ist der letzt Satz von Poeggeller: „Arginin wird zunehmend Einzug in der Therapie halten“

            Aber sicher nicht in der Schulmedizin. Mein Kardiologe hörte noch nichts von Arginin, vom Medizinnobelpreis 1998, nichts von der Auswirkung von NO auf die Gefäßgesundheit.

  2. Wie ist da der Zusammenhang zu Migräne? Migräne hängt ja auch mit Vasodilatation zusammen, aber mal positiv und mal negativ und mal zufällig korreliert. Welche Rolle spielt NO dabei und kann das nicht dann negative Effekte auf Migräne haben wenn man künstlich am NO dreht? Wie verbessert man denn nun sein NO – Sport, vegetarisch essen und abnehmen?

    1. Hi Anja,
      na ja, optimierte NO-Werte hat man, wenn man so lebt, wie wir das hier im Blog, im Buch und in Guides vorschlagen 😉 Inwiefern NO wie auf Migräne wirkt, kann ich dir nicht sagen, weil ich selbst noch keine hatte.
      LG C

      1. Bei Migräne kenne ich mich auch nicht direkt aus weil ich davon (gottseidank) bisher verschont geblieben bin.
        Aber ich glaube dass man im Zusammenhang Migräne und NO vorsichtig sein muss, weil ich persönlich z.B. von dem Citrullin plus von edubily Kopfschmerzen bekomme, wenn ich das 2 oder 3 Tage hintereinander einnehme. Das spricht für mich auch dafür, wie gut das Produkt zusammengestellt ist und genau deshalb bin ich damit mittlerweile vorsichtig.
        Daher nehme ich das Produkt nur noch jeden zweiten Tag (passend zu meinen Trainingstagen).

        LG Jens

        1. Da die Migräne mit einer plötzlichen Vasodilation der Gefäße einhergehen kann, sollte man hier aufpassen.
          NO kann solche „Kurzschlüsse“ der Nervenzellen, und nichts anderes passiert bei einem Anfall, triggern.

          Typische NW der blauen Wochenend-Lifestyle-Pille in Rautenform sind übrigens brutale Kopfschmerzen.

          Eine gesunde Endothelfunktion ist weit mehr als nur NO.

          Insbesondere der Erhalt einer gesunden Funktion des Endothels ohne die Plaquesbildung ist ein wichtiger Faktor der Seneszenz.

          NO ist auch für viele Tumorzellen wichtig, da es die Tumor-Mikroumgebung durch verbesserten Blutfuss günstig beeinflusst.

          Alles hat wie immer zwei (oder mehr) Seiten…

          https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0163725808001411?via%3Dihub

          1. Ja, die Viagra-Kopfschmerzen sind aber überhaupt nicht zu vergleichen mit gesunder eNOS-induzierter „Grundvasodilatation“. Du sagst zwar richtig, dass „eine gesunde Endothelfunktion weit ist mehr als nur NO“, allerdings wird gerade die Gefäßgesundheit durch NO aufrechterhalten, da NO selbst eben weit mehr ist als nur „Vasodilatation“, wie ja auch Ignarro etc. gezeigt hat. Es geht im Grunde auch nicht per se um die NO-Werte an sich, sondern darum, dass die eNOS-Funktion erhalten bleibt, sprich dass eNOS nicht entkoppelt. Ich finde auch ein bisschen weit hergeholt, jetzt eine Tumor-Connection der Argumentation wegen anzuführen: Als Gegenargument lässt sich hier schnell bringen, dass Stickoxid selbst als Bestandteil der Immunabwehr auch zytotoxisch auf Krebszellen wirken kann bzw. ein Abfall normaler, für Zellen wichtige NO-Werte den Warburg-Effekt begünstigen kann. Und die Referenz, die du angibst, bezieht sich in erster Linie auf iNOS bzw. nNOS, wir sprechen aber von eNOS.
            Ich finde, selbst wenn man „immer zwei Seiten“ beleuchten will, muss man dem Sachverhalt gegenüber trotzdem fair bleiben. Wir sprechen – z. B. Stickoxid betreffend – immer vom Wahren gesunder, physiologischer Werte. Die Deutschen haben aufgrund ihres Lebensstils Probleme mit zu wenig eNOS/NO, das ist mehr als hinreichend belegt.

  3. Hallo Chris,
    mal wieder sehr interessant Dein Artikel. Was ich noch nicht wusste war der Zusammenhang von NO und der Schilddrüse bzw. das Acetylcholin die Gefäße weitet. Das könnte erklären, warum der eine oder andere beim Einnehmen von Lecithin (Cholin) eine Hitzewallung bekommt.
    LG,
    Robert

  4. Danke für den Beitrag!
    Das Gefühl der Wärme nach dem Essen und deutlich sichtbare Venen habe ich persönlich bis jetzt nur bei einer an Ray Peat angelehnten Ernährungsform gehabt, auch unterhalb des Nabels war der Effekt deutlich spürbar.

    LG Markus

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