Fette

Fett-Adaptation im realen Leben

von Chris Michalk, Biologe
Chris Michalk
Veröffentlicht am (Zuletzt aktualisiert am 01.07.2019)

Ich habe ja vier Jahre lang ketogen gelebt. Habe damit auch Sport studiert, stundenlang durch die Gegend gesprintet, quasi alles gemacht, was man auch mit Kohlenhydraten im Bein machen könnte.

Ich hatte auch nie „Schwindel“ oder irgendetwas in der Richtung, was auf eine Unterzuckerung hätte hindeuten können. Daher: Das, was die Leute uns da erzählen, ist alles Bockmist.

Wenn sich also zu dem Thema jemand auskennt, dann ja wohl ich. Wenn ich etwas weiß, dann das.

Dann sehe ich ja momentan auch zum Beispiel bei Dr. Feil immer dieses Semi-Wissen aus irgendwelchen Arbeiten. Und schlaue Kommentare in und unter den Beiträgen. Und denke: Oh man…

Hier wird immer irgendetwas als „mega besonders“ oder „must have“ dahin gestellt und ein Riesending daraus gemacht. Und immer untermauert mit „wir wissen heute“, „wir empfehlen“ usw.

Aber die Kehrseite der Medaille kennt niemand. Darf ich?

Also, nachdem ich dann irgendwann extrem ausgehungert war (meine Schuld!), war ich gezwungen mal wieder normal zu essen. Das war so ein point of no return. Dort hat man Angst um sein Leben, also isst man. Ich war aufgrund einiger anderen Probleme meines Körpers gezwungen, wieder Kohlenhydrate zu essen.

1. Mein Gehirn hatte eine sehr intensive Abneigung dagegen, was es mir fast unmöglich gemacht hat, auch nur eine halbe Scheibe Brot o.ä. zu essen. (ESSSTÖRUNG!)

2. Meine Glukose-Toleranz war in den ersten Tagen extrem schlecht. Das merkt man sehr und man kann es messen. Zahlen will ich keine hinschreiben – will ja niemand erschrecken.

3. Nachdem die Glukose-Toleranz der Leber wiederhergestellt war, sanken zwar meine Blutzucker-Werte, aber…

… meine Beine wollte merklich keinen Zucker mehr. Früher hatte man dieses „wohlige“ gklyogen-voll Gefühl im Bein. Dann, wenn Glykogen Wasser bindet und der Muskel plötzlich warm wird, sich gut anfühlt und sich merklich mit Zucker und Wasser füllt – jedenfalls war mir dieses Gefühl knapp zwei Jahrzehnte in Form meiner Schnellkraft-Muskulatur bekannt.

Dieses Gefühl habe ich seit dem nie wieder gehabt – leider. Dafür ein Muskel, der konstant Fettsäuren verbrannt, auch wenn ich lange nicht mehr in der Ketose war.

Das Problem war aber, dass der gegessene Zucker ja irgendwo hingehen muss: In die Leber. Nur, die schoss mir dann irgendwann meine Triglyceride in die Höhe, weil dort ja der Zucker in Fett umgebaut wird.

Es hat mich Monate, ja fast Jahre gekostet, bis ich auf den Trichter gekommen bin: L-Carnitin hat mich gerettet.

Denn das hat mir meine muskuläre Glukose-Toleranz wieder geschenkt, in dem es die Fettsäure-Konzentration im Muskel einfach verringert. Das sage ich ja immer… Du musst verdammt aufpassen: Eine Fett-Diät macht dich insulinresistent. Langfristig praktiziert weiß dein Körper nichts mehr von Kohlenhydraten.

Wenn du mutig bist und du dich dein Leben lang ketogen oder low carb ernähren möchtest… nur zu.

Aber danach nicht beschweren, wenn nichts mehr stimmt in dir.

 

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Kommentare (13)

    1. Antwort an icyhot

      Genau und dadurch hat es die „Fettsäure-Konzentration im Muskel einfach verringert“.

      Weiterhin verbessert L-Carnitin die Glukose-Toleranz indem es die Funktion eines Enzyms (Pyruvat-Dehydrogenase) des Kohlenhydratstoffwechsels verbessert.

      LG, Chris

  1. Ah, ok. Carnitin steigert also Fettsäure- UND Glucose-Oxidation. Ich muss sagen, das schien mir vorher etwas widersprüchlich. Gibt es denn schon einen Ausblick bzgl. der Langzeitwirkung einer Carnitin-Supplementation (ist eine „Dauermedikation“ erforderlich)?

    1. Antwort an icyhot

      Carnitin ist eine vitaminähnliche Substanz, die zwar selbst synthetisiert wird, allerdings nicht in ausreichendem Maße – zumindest nicht so, dass der Körper damit optimal versorgt wird. Die Nahrung stellt über 90% der Carnitin-Versorgung bereit.

      Carnitin also kann ohne Bedenken auch in größeren Mengen genommen werden. Negative Langzeitwirkungen sind ausgeschlossen und eine „Dauermedikation“ ist womöglich nicht immer angebracht, sondern kann helfen in Situationen wie Insulinresistenz, Herzinsuffizienz etc. oder eben die genannten Dysfunktionen vorbeugen.

  2. Mir, als NoCarb-Geschädigter, geht es da allerdings wie dir: die Ursache ist längst beseitigt, nur der Körper will nicht so recht mitziehen 😉 Deswegen auch dir Frage zur Dauermedikation. Nimmst du L-Carnitin weiterhin oder hat es einen nachhaltigen Effekt bewirkt? PS: sollte diese 4-Augen-Diskussion nicht in den Kommentarbereich passen, können wir uns gerne weiter per eMail unterhalten

    1. Antwort an icyhot

      Mittlerweile nehme ich es deutlich reduziert (1-2g anstelle von 3-6g).

      Habe aber wie gesagt auch andere Dinge wie Taurin etc., das ich benutze.

      Insgesamt aber soll LCar nur helfen, alles wieder zu normalisieren.

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