Der Mensch ist ein Karnivore (?)

Von Published On: 2021-08-09Kategorien: Evolution0 Kommentare

Bis heute beschäftigt viele Menschen die spannende Frage, an welche Art der Ernährung „wir Menschen“ genetisch angepasst sind.

Nun ja: Eine absolut richtige Antwort darauf wird man schon alleine deshalb nicht finden, weil es eben … Afrikaner, Europäer, Asiaten, Inuit, Aborigines, Südamerikaner und viele weitere Ethnien in vielen verschiedenen ökologischen Nischen dieser Welt gibt. Es gibt also nicht „den“ Gen-Menschen. Nichtsdestotrotz gibt es freilich eine genetische Basis der Menschen, die über Jahrmillionen evolutiv geformt wurde.

Auskunft darüber, wie der Stoffwechsel mit Blick auf Ernährung lange Zeit geformt wurde, geben nicht nur eine riesige Zahl an Studien (z. B. hier), sondern auch „Ur-Menschen“ selbst. Fragt man nämlich Hadza, das sind Menschen mit den „ältesten“ Menschen-Genen, was „die wichtigste Sache im Leben ist“, antworten die plump mit „Fleisch – Fleisch und Honig” Und: “Jagen: Paviane, Antilopen, Zebras“. Viele Menschen vor uns dürften den Sinn des Lebens darin gesehen haben, irgendwie an Fleisch zu kommen. Die Hadza meinen dazu: „Wir brauchen Fleisch um glücklich zu sein“.

Wohlgemerkt: Ein Mensch muss in der Wildbahn tatsächlich Fleisch essen (z. B. B12-Bedarf), um überhaupt zu überleben.

Eine aktuelle Studie vom mittlerweile prominenten Miki Ben-Dor (den haben wir auch schon vor sechs Jahren in unserem Buch genannt), der seit Jahren über die Ernährung unserer Vorfahren publiziert, legt nun eine Reihe von „Beweisen“ dar, warum der Mensch genetisch betrachtet eher ein Karnivore, sprich ein Fleischfresser ist. „Was erlaube Ben-Dor?“ werden sich Veganer an dieser Stelle fragen.

Hier mal ein Auszug (ausführliche Ausführung in der Studie):

  • Bioenergetik: Der Mensch hatte einen hohen Energiebedarf für eine gegebene Körpermasse und verfügte über eine kürzere Zeitspanne am Tag, um Nahrung zu beschaffen und zu verzehren. Die Jagd liefert im Vergleich zu Pflanzen einen zehnfach höheren Energieertrag pro Stunde (…)
  • Ernährungsqualität: Bei Primaten ist ein größeres Gehirn mit einer Nahrung mit hoher Energiedichte verbunden. Da der Mensch das größte Gehirn unter den Primaten hat, hat er wahrscheinlich die Nahrung mit der höchsten Energiedichte, tierische Fette und Proteine, bevorzugt.
  • Stoffwechselanpassung: Der Mensch hat sich an eine fettreichere Ernährung angepasst, vermutlich durch Tierkonsum. Die Ergebnisse von Swain-Lenz et al., 2019: “legen nahe, dass Menschen Regionen des Genoms abschalten, um sich an eine fettreiche Ernährung anzupassen, während Schimpansen Regionen des Genoms öffnen, um sich an eine zuckerreiche Ernährung anzupassen”
  • Magensäure: Bei Fleischfressern ist der Säuregehalt des Magens höher, um durch Fleisch übertragene Krankheitserreger zu bekämpfen. Beim Menschen ist der Säuregehalt des Magens sogar noch höher als bei Fleischfressern und entspricht dem von Aasfressern.
  • Insulinresistenz: Menschen haben wie Fleischfresser eine geringe physiologische (nicht pathologische) Insulinsensitivität, um Glukose/Zucker zu sparen.
  • Darmaufbau: Die Darmmorphologie und die relative Größe des menschlichen Darms unterscheiden sich grundlegend vom Darm der Schimpansen. Längere Dünndärme und kürzere Dickdärme sind typisch für die Darmmorphologie von Fleischfressern und schränken die Fähigkeit des Menschen ein, Energie aus Pflanzenfasern zu gewinnen.
  • Fettgewebe: Ähnlich wie die Morphologie bei Fleischfressern. “Diese Zahlen deuten darauf hin, dass der Energiestoffwechsel des Menschen an eine Ernährung angepasst ist, bei der Lipide und Proteine und nicht Kohlenhydrate den größten Beitrag zur Energieversorgung leisten.” (Pond & Mattacks, 1985).
  • Isotopen-Analyse: Alle Studien zeigen, dass der Mensch bis sehr spät, vor dem Aufkommen der Landwirtschaft, ein großer Fleischfresser war.

Die Autoren nennen darüber hinaus neuerliche Anpassungen an eine vermehrte Pflanzenkost und vermerken, dass der Mensch wohl quasi über seine komplette Entwicklungszeit in den letzten zwei bis drei Millionen Jahren ein „Fleischfresser“ war – allerdings zeigen sich junge Anpassungen an eine Pflanzenkost, die lt. Autoren nicht ausreichen, um optimal daran adaptiert zu sein.

Wie dem auch sei: Man muss nur mal die Augen schließen und sich vorstellen, wie ein Mensch nach dem letzten glazialen Maximum vor 20.000 Jahren Europa (re-)besiedelte und was er da in der Wildbahn wohl so gegessen hat – Tipp: Brötchen und Nudeln eher nicht. “Veganes Erbsenprotein” auch eher nicht. Und besonders stärkehaltiges Wurzelgemüse – also die Kartoffel – gab es auch nicht.

Drum bleibt’s wie immer dabei: Probieren geht über Studieren ;-)


Studien bzw. Artikel, die wir diese Woche gelesen haben.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden .