Ernährung

Wie Schwermetalle (auch) krank machen

Manchmal sind Zusammenhänge relativ einfach zu verstehen, deshalb muss man nicht viele Worte dafür verlieren. So ein Beispiel machen wir heute mal.

Thema Schwermetalle. Sehr unterschätzt in meinen Augen.

Wenn man „alles richtig“ macht, sich aber dennoch schwer wie Blei fühlt – auch im Kopf –, dann sollte man mal darüber nachdenken. Denn: Sich Schwermetalle en masse reinzupumpen, geht in unserer heutigen Zeit sehr einfach, schnell und „zielgerichtet“.

Quecksilber legt Selen-Enzyme lahm

Dazu braucht man nur mal kurz an Quecksilber zu denken. Wir philosophieren z. B. in unserem Buch darüber, wie wichtig Schilddrüsenhormone sind.

Woran erkennt man das eigentlich? Nun die Synthese und die Hormone an sich erscheinen so trivial, brauchen im Grunde so wenige Ressourcen (ein bisschen Jod, ein bisschen Eisen, ein bisschen Eiweiß und so weiter) und trotzdem haben sie eine unglaubliche Wirkung auf den Körper, spielen quasi in allen Prozessen und Abläufen eine Rolle – in meinen Augen sind Schilddrüsenhormone „der Anfang und das Ende“. Weiß jeder, der das mal erfahren hat. Unglaublich!

Joa, nur, dass jenes Hormon, das die Schilddrüse ausspuckt, T4, ziemlich schwach ist im Vergleich zum Turbo-Hormon mit dem Namen T3. Das aber wird erst durch selenabhängige Enzyme aus dem T4 gebildet.

Jetzt der Punkt: Quecksilber legt sämtliche selenabhängige Enzyme lahm. Hmm … wie sich das wohl anfühlt, wenn „Leben“ im Gehirn fehlt? Genau, doch doch, genau so fühlt sich das an.

Was sind mikrovaskuläre Dysfunktionen?

Ein ganz anderes, aber ähnlich profundes Thema hatten wir neulich bereits angeschnitten. Thema „mikrovaskuläre Dysfunktion“. Klingt kompliziert, ist aber einfach zu verstehen.

Unsere Blutgefäße können (sehr) groß sein, wissen wir alle, nehmen wir mal die Halsschlagader (Arteria carotis) oder die Hauptschlagader (Aorta). Die sind in erster Linie wichtig, um viel Blut zu transportieren.

Entscheidend für die tatsächliche Übergabe von Nährstoffen und Sauerstoff (etc.) in den Geweben sind aber die kleinsten Gefäße, die Kapillaren.

Wenn die und andere Mikrogefäße nicht richtig funktionieren, „mikrovaskuläre Dysfunktion“, dann stimmt halt „die Durchblutung“ nicht – und was das bedeutet, wissen wir alle. Dann arbeiten die Gewebe nicht so wie sie sollen.

Wenn das im Gehirn passiert … dann ist das – je nach Schwere – wie … wenn man auf der Autobahn fährt und es stark regnet, das Sichtfeld wird dann schön klein und wir sehen kaum noch was bzw. es ist unglaublich anstrengend, ordentlich zu fahren.

  • Passiert das im Muskel, fällt jedes Treppensteigen schwer.
  • Passiert das in der Bauchspeicheldrüse, checkt die nicht richtig, wann und dass sie Insulin ausschütten soll.
  • Passiert das in der Niere, filtert sie halt nicht richtig.

… und so weiter. Übrigens steigt dann auch der Blutdruck, logischerweise.

Solche mikrovaskulären Dysfunktionen sind erschreckend einfach zu machen. Und mit was hängen die Funktionen der Arterien hauptsächlich zusammen? Mit einem Gas mit dem Namen Stickstoffmonoxid, kurz: NO.

Aus diesem Grund haben wir mal einen NO-Guide geschrieben. Früher dachte man, das sei nur irgendein Gefäßgas, heute ist klar, dass NO sogar die Lebensspanne, die Fitness, ja den ganzen Energiestoffwechsel steuert.

Warum wohl? Auch, weil es die Mikrogefäße fit hält.

Wie Schwermetalle mikrovaskuläre Dysfunktionen erzeugen

Also, erschreckend einfach zu machen … indem man für einen NO-Abfall in den Gefäßen sorgt. Es gibt im Wesentlichen zwei Arten, wie das „einfach“ geht:

  • Insulinresistenz

Insulin wirkt auf die Gefäße, lässt NO entstehen. Insulinresistenz beeinträchtigt die Funktion der Gefäßzellen … und deshalb macht Insulinresistenz auch mikrovaskuläre Dysfunktion. Mit was das in erster Linie zusammenhängt? Mit unverbrannten Fettsäuren, die sich da einlagern. Deshalb gilt: Metabolische Gesundheit = Gefäßgesundheit und umgekehrt.

  • Schwermetalle

Womit wir auch schon beim Thema angekommen sind. Quecksilber und Co. sind ja nicht nur ein Problem, weil sie wichtige Enzyme im Körper lahmlegen, sondern weil sie in der Lage sind, die Gefäße kapttzumachen.

Das wurde zum Beispiel für …

Quecksilber (Hg) hat viele schädliche Wirkungen auf die Gefäße: Es erzeugt oxidativen Stress, Entzündungen und vaskuläre/endotheliale Dysfunktionen, die alle zur Entwicklung zerebrovaskulärer Erkrankungen (Anm.: Erkrankungen, die Gefäße des Gehirns betreffen; z. B. Schlaganfall) beitragen können.

Jüngste Fortschritte in der Cadmium-Toxizitätsforschung deuten auf einen Zusammenhang zwischen Cadmium und Gefäßerkrankungen hin. (…) Cadmium hemmt auch die Stickoxidproduktion in Endothelzellen in einem kalziumfreien Medium, was darauf hindeutet, dass Cadmium die Endothelfunktionen durch die Hemmung der endothelialen Stickoxid-Synthase beeinträchtigen könnte.

Die Exposition des Menschen gegenüber mit Arsen kontaminiertem Trinkwasser ist ein ernsthaftes globales Gesundheitsproblem und prädisponiert für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Atherosklerose und mikrovaskuläre Erkrankungen. Das empfindlichste Ziel der Arsentoxizität in den Gefäßen, ist das Endothel, und die Inkubation dieser Zellen mit niedrigen Arsenitkonzentrationen, einer natürlich vorkommenden und hochtoxischen anorganischen Form von Arsen, induziert schnell die Bildung von reaktiven Sauerstoffspezies (ROS) durch Aktivierung einer spezifischen NADPH-Oxidase (Nox2).

… beschrieben.

It’s not the daily increase, but daily decrease

Warum ich ausgerechnet diese drei Schwermetalle im Beispiel anführe? Ganz einfach:

Reis ist voll mit Arsen, große Fische (z. B. Thunfisch) sind voll mit Quecksilber und dunkle Schokolade kann genug Cadmium enthalten. 

Soll heißen, grundsätzlich braucht man nicht anzunehmen, dass man sowieso kaum Schwermetalle über die Nahrung zuführt.

Das kann unter Umständen viel leichter sein als einem klar ist – ich bin damals selbst über meinen Quecksilberwert in der Haarmineralanalyse erschrocken (gerne und viel Thunfisch).

So gesehen kann man dann „alles richtig machen“ und sich trotzdem sch*iße fühlen. Deshalb erinnere ich an dieser Stelle nochmal an unsere Formel:

Da steht, dass man nicht nur dazugeben muss, sondern manchmal auch wegnehmen. In diesem Fall Schwermetalle. OK?

PS: Es wird immer klarer, dass wir heutzutage nicht so sehr darauf achten müssen, was wir richtig machen, sondern eher darauf, dass wir keinen Müll (Umweltgifte etc.) in uns reinpumpen.

PSII: Wir sollten beginnen, „von unten“ zu denken, davon auszugehen, dass der Körper in seinem Urzustand gut funktioniert – und erst durch das, was wir dann (nicht) tun, kaputtgeht. Deshalb funktioniert Fasten, macht Fasten gesund, schon mal darüber nachgedacht?

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Kommentare (11)

  1. Schöner Artikel, finde das Thema sehr wichtig.

    Was ist denn mit Zahn-Amalgam-Füllungen?

    Und wie bekomme ich die Schwermetalle wieder aus meinem Körper? Stimmt das, dass man für Schwermetalle keine natürliche Entgiftungsfunktion hat und diese sich über die Jahre im Körper kumulieren und zunehmend Probleme machen?

    1. Meine Erfahrung ist, dass der Körper auch mit Schwermetallen klarkommt, sofern man ihn nicht mehr damit belastet und er gut mit essentiellen Mikros versorgt ist bzw. die Gesamtgesundheit des Organismus stimmt. Amalgam … sollte nicht im Mund sein!

  2. Guter Artikel.

    Geht ihr auch auf die Thematik der „Ausleitung“ ein oder ist das eher in die Kategorie „Humbug“ zu schieben?

    1. Wichtig ist erst mal, einfach keine Schwermetalle zuzuführen. Der Rest macht der Körper, wenn er gut versorgt ist.

  3. Chris, wie siehts mit Austern aus? Ich esse sie liebend gern und sie haben mir extrem mit Testo und Haarausfall geholfen aber da sie eigentlich Staubsauger und Filter Wesen sind habe ich natürlich ein paar Berdenken.

    Lg

    1. Ja, Meeresfrüchte allgemein sind ein Problem in meinen Augen. Erstens, die Meere, vor allem in Küstennähe, sind verschmutzt. Zweitens, es geht dabei nicht nur um Schwermetalle, sondern auch um andere schädliche Substanzen, die sich gerne (im Fett) der Tiere anreichern. Drittens, quasi alle Meeresfrüchte weisen sehr, sehr hohe Mengen des organischen Arsens auf. Früher dachte man noch, das sei relativ unbedenklich, heute sieht die Datenlage ein bisschen anders aus, weil es auch nicht „normal“ ist, dass Fische so viel organisches Arsen enthalten. Austern könnten prinzipiell noch die bessere Option sein, weil die relativ kurzlebig sind und ja i. d. R. nochmal „ausschwemmen“ (fines de claire), bevor sie in den Handel kommen.

  4. Ein guter Artikel. Aber meine Unsicherheit steigt immer mehr. Was darf man überhaupt noch essen? Gluten ist schlecht, Eier und Fleisch sind schlecht, Hülsenfrüchte sind schlecht… Vegan ist gut, vegan ist schlecht.

    So langsam weiß ich nicht mehr, wie ich mich ernähren soll. Vor zweieinhalb Jahren habe ich Milchprodukte und Gluten vom Speiseplan verbannt. Allerdings fühle ich mich dadurch nicht anders. Im Gegenteil: Seitdem liegen die roten Blutkörperchen unterhalb der Untergrenze, eine bestimmte Leukoart ist permanent zu tief und der Zonulinspiegel zu hoch.

    Gibt es einen Wegweiser für Neulinge, der erstmal auf die richtige Spur im Ernährungsdschungel führt – ohne dass man sich vorher seitenweise durch Fachartikeln wühlen muss?

    1. Hey Ben,

      ich würde es mal so probieren: Regional einkaufen und nach Gefühl essen. Dieses Prinzip funktioniert erstaunlich gut.

      Liebe Grüße

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