Ernährung

Rotes Fleisch: Ein zweischneidiges Schwert

Heute gibt es mal wieder einen etwas längeren Artikel von uns. Nicht abschalten, es ist spannend 🙂


Wir vertreten ja die Meinung, dass wir Menschen

fakultative Karnivoren 

sind. Bedeutet: Fleisch wird gerne gegessen, wenn vorhanden; wir müssen oder können aber auch oft genug ohne Fleisch auskommen. Wie viel Fleisch letztlich wirklich gesund ist, lässt sich schwer sagen, und wird ganz sicher von der eigenen Genetik bestimmt.

Was man auch ganz sicher sagen kann: Wir sind in keinster Weise vergleichbar mit reinen Herbivoren (z. B. Kühe) und obligaten Karnivoren (z. B. Katzen). Wir sind ein unvollkommenes Mischwesen in der Hinsicht. Wir bräuchten sozusagen eine eigene Kategorie. Daher wird jeder Versuch, uns einer Gruppe zuzuordnen kläglich scheitern.

Wenn man über “Fleisch” spricht, würde ich generell unterscheiden zwischen Fisch und Geflügel (“weiß”) und dem roten Rest, z. B. Rind, Schwein, Wild und Co. (“rot”). Geflügel enthält nur die Hälfte bis ein Drittel der Eisenmenge vom roten Fleisch; und auch nur 1/3 der Menge an Hämeisen. Zudem enthält weder Geflügel noch Fisch die Sialinsäure Neu5Gc. Dazu gleich mehr.

Dass wir ein “unvollkommenes Mischwesen” sind, rührt daher, dass wir ganz vielen genetischen Einflüssen unterliegen. Wir waren für die meiste Zeit unserer Entwicklungsgeschichte Äffchen, also quasi reine Pflanzenfresser mit entsprechender Physiologie, später aber wurde die Zufuhr von Fleisch dominanter – und zwar in einem Zeitraum, in dem auch die fortschrittliche Gattung Homo mit ihrem ersten Vertreter Homo habilis entstand.

All das lässt sich in unserer Physiologie wiederfinden. Manche für Pflanzenfresser typischen Pfade in unserer Biochemie sind atrophiert. Zudem zeigt unsere Anatomie ganz klar, dass der Mensch vermehrt auf qualitativ hochwertige, einfach zu verdauende und rasch verfügbare (Mikro-)Nährstoffe angewiesen war. Auf der anderen Seite gibt es gut konservierte Pfade und sogar s. g. “Vegetarier-Polymorphismen”, die z. T. relativ jung sind und im Zuge der neolithischen Revolution dominant(er) wurden.

C282Y: Der geborene Vegetarier?

Auch, wenn die Paläo-Ernährung prinzipiell ein gutes Template ist, muss man immer sehr genau auf die eigenen (Ernährungs-)Präferenzen achten, die einem mehr Wahrheit verraten, als jeder noch so gute Ernährungsratgeber. So gibt es – wie gesagt – z. B. sehr junge genomische Veränderungen in vielen von uns, vor allem Nordeuropäern, die als Anpassung, an eine vermehrt “vegetarische”, neolithische Ernährungsweise fungieren.

Nehmen wir als Beispiel mal eine der prävalentesten Gen-Mutationen überhaupt, die Rede ist vom ominösen C282Y. Dieser Gen-Polymorphismus ist das Ergebnis einer Cystein-Tyrosin-Substitution an Position 282 des HFE-Gens. Das Gen codiert für das s. g. HFE-Protein, das eine tragende Rolle im Eisenstoffwechsel spielt. Die C282Y-Mutation, sorgt dafür, dass Eisen wesentlich besser aufgenommen wird. Jeder Zehnte von uns trägt es einmal (heterozygot) und schätzungsweise jeder Hundertste bis Dreihundertste trägt es doppelt (homozygot).

Interessant ist, wo man dieses besondere Gen findet:

Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass der geographische Cline für die Häufigkeit von C282Y in Europa zunimmt, wenn die Durchschnittstemperaturen unter 16°C sinken, eine kritische Schwelle für die Thermoregulierung, wobei Regentage den Trend verstärken.

Die Autoren vermuten, dass die Temperatur und die relativ fleischarme Ernährung dazu beigetragen haben, Gen-Mutationen hervorzubringen, die eine verstärkte Eisenaufnahme als Folge haben. Denn, wie edubily-Leser wissen: Eisen ist das wichtigste Spurenelement im Mitochondrium, und entsprechend wichtig um Wärme zu generieren und den Körper so vor Auskühlung zu bewahren. Aus diesem Grund wird auch vom “Wikinger-Gen” gesprochen, die dieses Gen vermutlich in die Menge getragen haben.

Im falschen Setting, also in einer Ernährung mit viel Fleisch usw., macht dieses Gen aber eine Krankheit namens Hämochromatose, auch unter Eisenüberladung bekannt. Dachte man früher noch, diese Eisenüberladung ginge nur von einem Gen-Polymorphismus aus, weiß man heute, dass es einige HFE-Gen-Polymorphismen gibt, die eine Eisenanreicherung im Körper begünstigen.

Konkret bedeutet das, dass der Anteil von uns, der schnell zu viel Eisen in den Körper schaufelt, weitaus höher sein dürfte als die Wahrscheinlichkeit an sich z. B. homozygot für C282Y zu sein. So tragen ca. 1/3 aller Untersuchten mindestens einen HFE-Gen-Polymorphismus in Litauen bzw. in Slowenien. Wie viel Eisen es im Körper letztlich braucht, um Anomalien hervorzurufen, ist fraglich.

Interessant ist, dass auch neuere Untersuchungen das Thema für sich entdecken. So las man letztes Jahr bei Sciencedaily:

eisen überladung sciencedaily

Hier wird die Eisenüberladung als “Tarn-Erkrankung” bezeichnet, weil man sie spät entdeckt, und sie diffuse Symptome erzeugt, die man eher mit dem Alter in Verbindung bringt. Interessant: Schlappheit, Gelenkschmerzen und Muskelschwäche werden da als Beispiele genannt.

Interessant ist übrigens, dass es mehrere Gen-Polymorphismen gibt, die helfen, besser mit vegetarischen Ernährungsformen zurechtzukommen. So gibt es mehrere Versionen des FADS1-Gens – dieses ist dafür zuständig, die für uns so wichtigen langkettigen essentiellen Fettsäuren aus den kürzeren, pflanzlichen Vorstufen zu machen. Der “Vegetarier-Polymorphismus” sorgt dabei dafür, dass dieses Enzym härter arbeitet.

geborene vegetarier gen polymorphismus
Aus: https://phys.org/news/2017-06-modern-european-genes-favor-vegetarianism.html

Eisen als Wachstumsbeschleuniger

Das Thema Eisen ist überhaupt ein sehr, sehr spannendes. Sehr lange bekannt etwa ist, dass Blutspenden oder Aderlass massiv vor Diabetes (und anderen Erkrankungen) schützt. Eisenrestriktion oder -Chelatierung schützt ß-Zellen der Bauchspeicheldrüse. Und in Studien an Menschen können diese Interventionen die Insulinspiegel deutlich senken. Wie Eisen mit dem Kohlenhydrat-Stoffwechsel verknüpft ist, haben wir hier schon besprochen.

Eisen ist neben der Fettmasse bzw. dem Gesamtenergiestatus des Körpers wohl die wichtigste Stellschraube, wenn es darum geht, Diabetes und Insulinresistenz zu vermeiden. Wie Eisen mit Erkrankungen, vor allem des Energiestoffwechsels, korreliert, wurde hier mal sehr schön aufgearbeitet.

Noch atemberaubender ist eine ganz neue Arbeit, veröffentlicht in Nature:

Iron chelation inhibits mTORC1 signaling involving
activation of AMPK and REDD1/Bnip3 pathways

Dort haben die Wissenschaftler gezeigt, dass viel Eisen den Wachstumsschalter mTOR(C1) aktiviert, und wenig Eisen mTOR(C1) hemmt, indem es den “Hunger-Schalter” AMPK aktiviert. DAS ist aus vielen Gründen extrem interessant, z. B., weil das bedeuten würde, dass ein niedriges Eisen Langlebigkeitsschalter (AMPK und Co.) in uns aktiviert.

Ich persönliche habe schon lange die Vermutung, dass Eisen in vielerlei Hinsicht besonders ist; genau genommen habe ich auf diese Arbeit lange gewartet. Eisen ist sowas wie ein “universeller Taktgeber”. Die Eisenverfügbarkeit reguliert schon in Einzellern ganze metabolische Programme. Es liegt daher nahe, dass Eisen eine besondere Rolle zukommt, wenn es darum geht, das genetische Programm tiefgreifend zu steuern.

Fleisch ist ein Turbo – gut und schlecht

Rotes Fleisch ist ein Turbo. So wertvoll und qualitativ hochwertig, dass man sich damit auch schnell übertanken kann – zu diesem Schluss kann man jedenfalls kommen. Daher sollte man gut in sich reinhören, wie viel man davon braucht. Fleisch liefert neben Eisen nämlich noch die einen oder anderen Faktoren, die die metabolische Gesundheit negativ beeinflussen können:

  • L-Carnitin: Bekannt seit dem Sharapova-Doping. L-Carnitin-Restriktion verlagert den Energiestoffwechsel der Zelle in Richtung Kohlenhydratoxidation – Folge: Bessere Insulinsensitivität. Fleisch ist extrem reich an Carnitin und drückt den Energiestoffwechsel der Zelle dadurch in die andere Richtung. Was natürlich auch Vorteile haben kann.
  • TMAO: Aus Cholin und Carnitin wird im Körper TMAO. Mal gegessen, kein Problem. Immer viel Cholin und Carnitin im Tank sorgt dafür, dass ständig mehr TMAO im Blut zirkuliert. Interessante Studien (z. B. hier) zeigen, dass TMAO einen Phänotyp entstehen lassen kann, der dem des metabolischen Syndroms gleicht. Auch das Enzym, das in uns TMAO entstehen lässt, FMO3, spielt hier eine Rolle.

Man findet sicher noch einige andere, würde man etwas intensiver drüber nachdenken. Aber hier soll keine Schuldzuweisung erfolgen, sondern viel mehr eine möglich “Problematik” erläutert werden, die im Alltag bei der individuellen Ernährungsplanung eine Rolle spielt.

Wer sich schon immer gefragt hat, warum viele Bodybuilder beim Aufbau auf Rind und bei der Diät auf Geflügel setzen – hier hat man wenigstens einige Gründe dafür. Das eine fördert Wachstum, das andere eher nicht.

Gehirn und Immunsystem: Neues zu Neu5Gc

Ich persönlich finde all das sehr spannend, wie schon immer, aber ein relativ neues Thema lässt mir keine Ruhe: Neu5Gc. Ich denke, wir haben in der deutschen Blogosphäre, falls es sowas für Deutschland überhaupt gibt, bisher am meisten über dieses Thema berichtet. Und je mehr ich dazu weiß, umso mehr denke ich, dass da was dran ist, das man ernst nehmen sollte.

Kurz nochmal zur Auffrischung: Neu5Gc und Neu5Ac sind die wichtigsten Sialinsäuren in vielen Tieren. Sialinsäuren kleiden unsere Zellmembranen aus, und formen dort die s. g. Glykokalyx. Die meisten Tiere bilden sowohl Neu5Gc als auch Neu5Ac, wir Menschen haben die Fähigkeit zur Bildung von Neu5Gc verloren. Daher kommt bei uns nur noch Neu5Ac vor. Quasi alle Menschen verfügen seit ihrer Kindheit über Neu5Gc-Antikörper – entsprechend ist Neu5Gc eine “Fremdsubstanz” für den Körper. Führen wir Neu5Gc über die Nahrung zu, z. B. durch Konsum von Rindfleisch, kann eine Xenosialitis entstehen. Ausführlich beschrieben haben wir dies hier.

Arbeit 1

Über eine meiner Lieblingsarbeiten zum Thema Neu5Gc haben wir schon öfter berichtet. Es handelt sich dabei um eine Dissertation, die sich mit der Rolle von Neu5Gc bei Alzheimer befasst. Die Arbeitet heißt:

Xenosialitis modulates the function of the Alzheimer’s disease
associated SIGLEC3 in human THP1 macrophages

Dort findet sich folgende Abbildung:

neu5gc alzheimer

Da steht: Neu5Gc, das ja fröhlich Zellmembranen eingebaut wird, “verstopft” die Sialinsäuren-Entsorgung innerhalb von Zellen (hier: Microglia), was zur Anhäufung der Sialinsäuren innerhalb der Zellen führt. Microglia sind das “Überwachungs- und Reinigungssystem” des Gehirns, hochspezialisierte Zellen, die dafür sorgen, dass das Gehirn “sauber” bleibt und ordentlich funktioniert. Die Sialinsäuren-Anhäufung in Microglia sorgt wiederum dafür, dass diese nicht mehr richtig funktionieren – Schadstoffe, wie z. B. das Amyloid-ß, Vorstufe von Alzheimer-Plaques, werden nicht mehr entsorgt und reichern sich stattdessen an.

Ich finde, das sind sensationelle Erkenntnisse. Die Arbeit schließt ab mit:

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Neu5Gc aus Lebensmitteln ein möglicher Kandidat als Initiator einer präklinischen mikroglialen Dysfunktion ist. Neu5Gc stört die mikrogliale Immunantwort und induziert chronisch die Produktion von Radikalen. Das Ausschalten von SIGLEC3 dämpft die durch Neu5Gc induzierte Entzündung und stellt ein mögliches therapeutisches Ziel gegen den Ausbruch von Late-onset-Alzheimer dar.

Also, statt den Leuten zu erzählen, besser nicht so viel Neu5Gc zu essen, will man lieber Therapeutika entwickeln, um die Auswirkung des Konsums zu dämpfen. Alles klar, gute Idee! Fakt ist jedenfalls: Kein Säugetier hat Neu5Gc im Gehirn, selbst dann, wenn es Neu5Gc selbst bilden kann – wie sich zeigt: aus guten Gründen.

Arbeit 2

Offensichtlich ist Neu5Gc ein Schwerpunkt der Neumann-Gruppe von der Uni Bonn. Denn 2018 gab’s noch eine weitere Dissertation zu diesem Thema, die nicht weniger spannend ist. Diese Doktorarbeit heißt:

Ectopic expression of the sialic acid modifying enzyme
CMAH in human THP1 macrophages

Auch hier wurden wieder Immunzellen untersucht. Man liest auch in dieser Arbeit sehr interessante Aussagen:

Die Anreicherung von Neu5Gc kann nicht nur durch Störung der aktivierenden und hemmenden Signalübertragung von Makrophagen toxisch sein, sondern auch durch seine Metaboliten, wie z.B. Glykolat, die langfristige Anpassungen verursachen können. Diese Anpassungen können die angeborenen Immunreaktionen der Makrophagen, wie Phagozytose oder die Produktion reaktiver Sauerstoffspezies, einschränken. Diese beiden angeborenen Immunreaktionen sind für das ordnungsgemäße Funktionieren von Makrophagen von entscheidender Bedeutung (…)

Bedeutet: Neu5Gc in Immunzellen hemmt u. a. die Fähigkeit zum Beseitigen von Schrott (via Phagozytose), sondern beeinträchtigt auch die Bildung von ROS, die aber gebraucht werden, um Eindringlinge (und Krebs) effektiv zu zerstören.

Dieser Wissenschaftler hat drei wesentliche Punkte beobachtet:

  • Wenn Neu5Gc in Zellmembranen von Makrophagen (Immunzellen) eingebaut ist, können die weniger gut Schrott beseitigen (Phagozytose).
  • Der Neu5Gc-Abbau lässt Glykolat entstehen; beim Verstoffwechseln dieser Substanz wiederum entsteht Wasserstoffperoxid, was den Immunzellen Antioxidantien raubt.
  • Zudem werden innerhalb der Makrophagen zu viele Radikale erzeugt. Ein Mechanismus könnte sein, dass Neu5Gc – wie bereits in der anderen Arbeit dargelegt – die Sialinsäuren-Entsorgung (über die Lysosomen) verstopft. Dabei könnten ähnliche Symptome wie bei der lysosomalen Speicherkrankheiten entstehen

Abschließende Worte

Nun ja. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich den neusten Trend, die “karnivore Ernährung”, ein bisschen albern finde – wer also immer Kritik am Veganismus übt, aber selbst “karnivor” isst, hat wohl ein Brett vor dem Kopf. Hier erkauft man sich “Gesundheit” möglicherweise zu einem ganz hohen Preis.

Man mag damit zwar Darmerkrankungen (und damit assoziierte Probleme) in den Griff bekommen, Mikronährstoffdefizite ausgleichen, meinetwegen forciert man sogar die Ketonkörper-Produktion, womit man Effekte des Fastens mimen kann, okay. Aber eine Ernährung, die als Basis rotes Fleisch nutzt, und damit impliziert, wir könnten leben wie ein Tiger, macht auf Dauer mit ziemlicher Sicherheit viel kaputt – jedenfalls in einigen Menschen.

Denn wie immer zählt auch bei diesem Thema die Nutrigenomik. Jeder von uns muss lernen, mit seiner eigenen Genetik umzugehen. Deshalb sollte man sich immer davor hüten, eine spezielle Ernährungsform als “die perfekte Ernährung für alle” zu proklamieren. Es gibt weder artgerecht, noch genetisch korrekt, noch sonst was in der Richtung – wie es unterschiedliche genetische Voraussetzungen gibt, gibt es Ernährungsformen wie Sand am Meer.

Es gibt nur: Iss möglichst “natürlich”, hör auf das Feedback deines Körpers, aber bedenke dabei, dass du dich nicht nur zwei Tage mega geil fühlen, sondern die nächsten 20, 30, 40 oder 70 Jahre gesund und munter bleiben willst.

übersicht

Kommentare (23)

  1. Wie bei jedem Lebensmittel ist alles, positive wie negative, mengenabhängig.
    Beim Fleisch (esse zu 90% nur Wild, täglich so 300- 600 g) fällt es mir jedoch sehr schwer nur durch die eigene Einschätzung einen passenden Mengenbereich zu finden. Das Negative an Fleisch “spürt” man einfach nicht…
    Kannst du da einen Mengenbereich nennen, oder hast weiterführende Quellen/Literatur (in Hinblick auf die negativen Eigenschaften Neu5Gc usw.)
    Grüße Tim

    1. Antwort an Tim

      Wie gesagt, was “gut” oder “schlecht” ist, hängt von den eigenen Voraussetzungen ab, und natürlich von dem jeweiligen Lebensmittel inhärenten Eigenschaften. Es gibt einfach bessere und schlechtere Optionen.

      Was den genauen Mengenbereich angeht: keine Ahnung. Im Artikel ist unser großer Neu5Gc-Artikel verlinkt, den kannst du dir mal anschauen. Ansonsten würde ich selbst viel probieren. Mal sehr wenig rotes Fleisch essen, mal viel und so weiter. Dann wird man schnell merken, was einem besser bekommt. Typische Anzeichen für “eher nicht so gut”, ist Schlappheit, Mangel an Antrieb, Konzentrationsprobleme, Stimmungsschwankungen, depressive Verstimmungen, Hautunreinheiten, Neigung zu Entzündungen, Zahnfleischgesundheit … und so weiter. Wer nicht genau hinschaut, sieht vielleicht keine Relation zur Ernährung – sehr fatal!

    2. Antwort an Tim

      Da Fleisch alkalisch ist, müsste man jede Menge Basisches dagegensetzen. Das ist bei dieser
      Fleischmenge von 300-600g pro Tag ganz unmöglich. Ich limitiere meinen Fleischkonsum (Geflügel)
      auf 500-600g in der Woche. Es kommt primär auf Aminosäuren an, und Fleisch ist nur einer der möglichen Träger.
      Grüße von Johannes

  2. Hallo Chris
    Danke für den sehr interessanten Artikel, der zum Nachdenken anregt. Ihr schreibt ja in Eurem Buch von einem möglichen “Reset”, vor allem mit Gemüse, Obst und Fleisch. Wenn man nun (nach langem EBV-Verlauf mit der Folge von ziemlichem Durcheinander im System) in diesem Reset ist und sich (mit sehr viel Gemüse und sehr viel Fleisch, auch viel Fett daran wegen den Kalorien, die sonst fehlen) ganz gut fühlt, aber die Haut zeigt Entzündungsneigung, wäre ein Versuch mit weniger Fleisch also eine gute Idee. Die dringenste Frage ist dann aber: woher nimmt man bei magerem Poulet und Fisch die Kalorien (mein Sohn: sportlicher Mann mit viel Muskeln), wenn man auf sonst fast alles negativ reagiert (Eier gehen nicht, Hülsenfrüchte auch nicht, als einziges funktionierten Kartoffeln). Eiweissshakes werden auch nicht vertragen, da Milchweissallergie, und Erbsenprotein und Soja geht. auch nicht. 1.5 kg Gemüse hat gerade mal 450 Kalorien, das hilft gegen den Hunger auch nur bedingt, leider 🙁

    1. Antwort an Dinah

      Hi Dinah, nicht per se weniger Fleisch, eher weniger “potenziell problematisches Fleisch”.

      Zu den Kalorien: Es gibt ja eine Vielzahl an Möglichkeiten, den kalorischen Gehalt der Ernährung zu steigern … Man kann mehr Fette nutzen (z. B. ins Gemüse 50 g Butter geben), Avocado/Oliven/Nüsse falls vertragen, ich würde sogar mit Säften arbeiten in diesem Fall. Bei Eiern ist meistens das Eiweiß problematisch … dann dieses entfernen und halt mit Eigelb arbeiten, das sowieso der Kalorienlieferant ist. Bio-Geflügelwürstchen enthalten relativ viel Fett, Geflügelhack z. B. auch. Dann auch mal über “Spielereien” nachdenken: Stichwort Butter-Kaffee … ist für die Mehrzahl an Menschen komplett unnötig, aber hier hat man die Möglichkeit, mehr Fett/Kalorien “nebenbei” ins System zu bekommen. Und so weiter!

    1. Antwort an ChrisGo

      In meinen Augen ist Geflügel in fast jeder Hinsicht ein gutes Fleisch. Erstens ist Arachidonsäure nicht per schlecht (sie ist essentiell, um genau zu sein) und zweitens ist das Fleisch, das bei mir gekocht auf dem Teller landet, oft so mager, dass wir um Fettsäuren im mg-Bereich sprechen. Wenn ein Körper, der 100 bis 200 g Fett am Tag umsetzt, damit nicht klarkommen würde, dann gute Nacht 🙂

        1. Antwort an Shman Frontal

          Na ja, also ich sehe das mit Tryptophan nicht ganz so eng und bin sogar eher der Meinung, dass Fleisch und Fisch generell nicht zu den harten Tryptophan-Lieferanten gehören, auch Geflügel nicht.
          Ich hab eben nochmal kurz nutritiondata bemüht; wenn ich mich nicht verguckt/verrechnet habe: Milchprotein ist der beste Tryp-Lieferant mit bis zu 2% Tryp-Anteil; Eiklar, Lachs, Geflügel (Pute/Huhn) und Schwein kommen mit ca. 1 % um die Ecke, nur Rind scheint mit um die 0,5 % sehr niedrig daherzukommen. Ich hab mir als Vergleich nochmal ein Wild angesehen, Elch, der kommt auf über 1,5 %. Was ich damit sagen will: Das schenkt sich alles nicht viel.

  3. Hallo Chris,
    es ist spannend, was Du sozusagen um das Thema “Fleischkonsum” an Studien beobachtest. Es gibt durchaus die eine oder andere neue Erkenntnis, die das Bild, sagen wir mal, erweitert.
    Nur was man eben zur Kenntnis nehmen muss…und daher würde ich empfehlen, die Aussage “Brett vor dem Kopf” zu überdenken, ist:
    Es gibt viele authentische Beschreibungen, wo Menschen Ihre schlimmen Leiden (Autoimmunerkrankung bzw. Bipolare Störung) komplett verloren haben, indem sie “Carnivore” essen, was im übrigen alle Sorten von Fleisch, eigentlich Nose to Tail beinhaltet und auch Eier und Fisch. Wobei ich von Fisch nunmal immer abrate wegen der Schwermetalle. Diesen Menschen konnten sehr wahrscheinlich mit einigen Pflanzenstoffen nicht mehr zurecht kommen (Minderheit!)…und “atmen” plötzlich auf, wenn die weg sind. Das muss man zur Kenntnis nehmen.
    Ob das für den sozusagen “Gesunden” sinnvoll ist, sich so zu ernähren, steht auf einem ganz anderen Blatt und ich beschreibe in meinen Büchern ja auch eine omnivore Ernährung. Und lebe die auch…habe eben Carnivore nur mal für 10 Tage ausprobiert, um zu sehen: Geht das? Ja geht, ist aber für mich zu langweilig. Ich mag mein Wurzelgemüse 😉 …ich mag auch meine Äpfel, wenn sie Saison haben.
    Trotzdem finde ich die Bewegung spannend und die starten nun auch eine groß angelegte Studie. Was man auch sehen muss: Es fällt ganz offensichtlich vielen Menschen leicht, mit dieser Ernährung sehr viel Gewicht zu verlieren. Was im Rahmen einer Kur sicherlich eine gute Sache ist, da die so ihr Blutprofil deutlich verbessern, was dann auch die Studie zeigen wird (oder eben nicht). Und ggf. ist das eine gute, weil leicht zu befolgende, Interventionsernährung, um Menschen weg zu bekommen von Fettleibigkeit und Diabetes T2. Von daher ist mir “Brett vor dem Kopf” etwas zu negativ wertend 🙂 …wie geschrieben: Für den Gesunden sieht das u.a. aus Deinen beschriebenen Gründen anders aus. Zumal eine gut gemachte Nose-to-Tail Ernährung auch recht aufwendig ist. Nieren in Biolandqualität …oder Herz. Schwierig zu bekommen…kauft keiner. Immerhin bekomme ich jetzt Leber.
    Aber ich finde es gut, dass Du das Thema weiterhin kritisch beobachtest.
    Viele Grüße,
    Robert
    PS: Was ich beobachtet habe in meinen 10 Tagen “Carnivore”. Es ging mir insgesamt sehr gut. Harnsäure nebenbei bemerkt ist bei mir nicht gestiegen (Blutmessung). Aber ich hatte auf 10 K Joggen – bei gleicher Geschwindigkeit – ca. 8 Herzschläge mehr (148 anstatt 140 bei 5min/KM). Und insgesamt fiel mir das Laufen schwerer. Es dauerte, bis ich “warm” war…habe ich nun 3 mal überprüft.

    1. Antwort an Robert Krug

      Hi Robert,
      eine engstirnige oder sagen wir, eingeschränkte Sichtweise, ist jedoch, anzunehmen, dass die “Beobachtungen” der karnivoren Ernährung irgendeine herausragende oder besondere Eigenschaft zuschreiben würden. Das, was man mit der karnivoren Ernährung erreichen kann, haben andere auch mit der veganen Ernährung erreicht, wovon wir glaube ich beide überzeugt sind, dass es nicht die langfristig beste Lösung ist. Man muss auch stark unterscheiden zwischen: Mit dieser Ernährungsform kann ich etwas heilen oder Schäden kompensieren, die ich durch mein vorheriges Verhalten hervorgebracht habe und: mit dieser Ernährung bleibe ich langfristig gesund und hole das Maximum aus meiner “Langlebigkeitsgenetik” raus.
      Ich persönlich sehe keinen oder kaum einen Unterschied mit Blick auf die vermeintlichen Effekte zwischen einem strikten Paleo-Ansatz mit Fleisch, Obst, Gemüse, abgerundet mit Nüssen/Samen und einem extrem strikten “Nur-Fleisch-Protokoll” – ersteres ist meines Erachtens nur viel gesünder (Polyphenole und Pflanzenstoffe etc. sind gesund) und wird viel besser, wenn man moderne Erkenntnisse wie in diesem Artikel dargelegt mit einfließen lässt, z. B. eher Geflügel isst als rotes Fleisch. Zudem würde ich mal behaupten, ohne die Epidemiologie-Keule rauszuholen, dass man einfach akzeptieren muss, dass “weiß” durchweg besser abschneidet als “rot”, und es dafür ganz bestimmt handfeste Gründe gibt, die für manche weniger stark und für andere eher ins Gewicht fallen.

      1. Antwort an Chris Michalk

        Hallo Chris,
        ich bin voll bei Dir, dass man unterscheiden muss zwischen: ich bin krank und mit dieser Ernährung könnte ich ggf. meine Probleme in den Griff bekommen (Diabetes T2, Rheuma, …) oder eben “unser” Ziel: gesund alt werden. Dr. Strunz hat es mal schön auf den Punkt gebracht mit der Frage, was haben die Menschen damals wohl gegessen? “Na das war da war.” 😀 …so einfach. Und dazu gehören Wurzeln, Beeren, Pilze, Wild, …Paleo genau. Ich finde den “Carnivore” Ansatz eben aus Behandlungssicht (für Darmkranke) interessant. Wir haben uns letztes Jahr mit Amber O’Hearn persönlich unterhalten können (auf dem EMG-Kongress). Sie war Bi-Polar und depressiv (->Darm) und ist komplett geheilt, nimmt seit Jahren keine Medikamente. Sobald sie wieder was Pflanzliches ausprobiert, hat sie uns gesagt, bekommt sie wieder Probleme. Meine Theorie: Der Darm / das Mikrobiom hat irgendwann so stark gelitten, dass sie viele pflanzliche Schutzstoffe nicht abbauen kann. Die verursachen dann sofort Entzündungen und rufen die Probleme hervor. Amber ist auch insofern glaubwürdig, da sie groß kein Geld damit verdient. Sie schreibt keine Bücher, verkauft keine XY-Carnivore-Produkte…sie will einfach nur denen helfen, die ggf. ein ähnliches Problem haben. Und von Gluten kennen wir diese Geschichten ja auch…und kennen dank Fasano den Zusammenhang.
        Ja spannend…das SNP für dieses Gen lautet übrigens: rs1800562 und die Ausprägung G/G ist die, die nicht dazu führt, dass man deutlich mehr Eisen einlagert. A/A ist die Ausprägung, die dazu führen kann, dass Menschen zu viel Eisen einlagern. Ich habe G/G 🙂 …also darf ich weiter Steaks essen. Mein Ferritin war auch noch nie über 200…

        1. Antwort an Robert Krug

          Offen gesagt, aus meiner eigenen Erfahrung, glaube ich eher nicht, dass das bis auf wenige Ausnahmen was mit “Pflanzenstoffen” zu tun hat, sondern eher damit, dass Menschen unterschiedlich schnell löchrig im Darm werden. Die Neigung dazu führt unter “herkömmlichen” Umständen schnell dazu, dass man zu viele Schwermetalle und sonstige Stoffe ins System schaufelt, die da nicht hingehören. Gerade Nüsse, Samen, Hülsenfrüchte usw. sind nicht nur reich an Mikros, sondern auch reich an Schwermetallen. Zudem sind gerade Pflanzenproteine in der Hinsicht oft problematisch, weil sie von vielen nicht gut verdaut werden. Das gilt für Obst und Gemüse in paleokonformer Hinsicht aber nicht. Paleo “erlaubt” auch keine Kartoffeln wegen der Saponine – die machen den Darm m. E. sogar noch löchriger als Gluten. Daher, jedenfalls meine Erfahrung: Karnivor für sowas ok (“erweitertes Fasten”), striktes Paleo aber besser. Ich z. B. brauche einfach Obst und Gemüse, mit nur Fleisch fehlt mir was – daher denke ich nicht, dass Fleisch alleine alles abdecken kann.
          Cool übrigens bzgl deines Genotyps – hast du auch Ergebnisse für die anderen Polymorphismen innerhalb von HFE?

  4. Ich habe mit “strikt Fleisch” defintiv auch meine Probleme gehabt insofern, als dass ich auch einfach mal mein Pastinaken-Kartoffel-Stampf mit Oliven + gebratenen Zwiebeln dazu essen möchte. Oder zur Leber eine leckere Speck-Zwiebel-Schoko-Sosse. …bzw. aktuell frisches Obst. Macht für mich auch keinen Sinn, darauf zu verzichten, wenn man davon keine Probleme bekommt.
    Ich habe noch an 1-2 SNPs bzgl. Transferrin gesucht…die waren in meiner Gen-Sequenz aber nicht mit dabei.

    1. Antwort an Bettina Appel

      Ein Ferritinwert von 64 ng/ml ist schon ganz in Ordnung, v.a. wenn auch der Hämoglobinwert passt. Das Serumeisen (ich nehme an, das soll µg/dl heißen?) schwankt über den Tag sehr stark und ist daher wenig aussagekäftig.

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