Ernährung

„Low carb einfach widerlegen“ (Infografik)

edubily ist der Sargnagel beim Begraben von Unwahrheiten. Nehmen wir mal Low carb. Angeblich eine der natürlichsten Ernährungsformen des Menschen. Ergo: Muss gesund machen. Und umgekehrt bedeutet das, dass alles, was nicht Low carb ist, irgendwie krank machen muss. Doch, doch, so wird uns das erzählt.

Das müsste ja dann für alle Menschen gelten, oder nicht? Schließlich gibt es nicht den „Gen-Deutschen“, nicht den „Gen-Europäer“ oder den „Gen-Amerikaner“. Wer also einen absoluten Wahrheitsanspruch in den Raum stellt, muss sich auch an entsprechenden Gegenbeispielen messen lassen. Wie amüsant das werden kann (und vor allem: wie einfach so eine ideologische Sicht widerlegt werden kann), zeigen wir heute mal anhand eines einfachen Beispiels. Los geht’s:

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Über den Autor

Ich bin Chris Michalk. Im Zuge einer Stoffwechselerkrankung habe ich den Blog 2014 ins Leben gerufen und bin der Mann hinter den meisten edubily-Texten. Meinen Bachelor-Abschluss machte ich in Zellulärer Biochemie (1,0; Studiengang: Bsc. Biowissenschaften). Ich befasse mich am liebsten mit Themen, die Gesundheitsoptimierung und Leistungsfähigkeit betreffen, und bin Autor unseres fünften Buches, "Gesundheit optimieren, Leistungsfähigkeit steigern", das 2019 beim Springer-Verlag erschien.

Kommentare (11)

  1. Mich würde in diesem Zusammenhang das Anti-Aging Protein CHIP interessieren. Ich verweise mal auf den Link im Ärzteblatt:
    https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/74277/Alterungsprozess-Protein-mit-Anti-Aging-Aktivitaet-entdeckt

    Durch das CHIP Protein werden die Anzahl der Insulinrezeptoren reduziert, was zu einer Lebensverlängerung der Zelle führt. Kann man jetzt sagen, Low Carb -> weniger Insulinrezeptoren -> längeres Leben?

    „Früh in der Evolution wurden Zuckerauf­nahme und die Regulation der Lebens­spanne miteinander verknüpft. Entschei­dend ist dabei das Hormon Insulin. Es senkt den Blutzuckerspiegel, wenn es an seinen Rezeptor auf der Zelloberfläche bindet. Gleichzeitig werden Prozesse zur Stressbewältigung und zum Überleben heruntergefahren.

    In Zeiten guter Nahrungsversorgung erscheinen sie dem Organismus als überflüssig. Langfristig reduziert dies jedoch die Lebenserwartung. Genetisch veränderte Labortiere, bei denen der Insulinrezeptor nicht mehr funktioniert, leben tatsächlich länger als jene mit funktionstüchtigem Insulinrezeptor.“

    Würde mich sehr über eine qualifizierte Antwort freuen 🙂

    1. Der Buschmann übrigens hat mit mir eine gewisse Ähnlichkeit, nur die Fluppe fehlt und die Hautfarbe ist etwas heller, aber auch sonnengebräunt. 🙂
      Ich betreibe seit einem guten Jahr LowCarb und hab damit auch diese Figur erreicht. Ich meide KH aus Obst und Gemüse nicht, sondern orientiere mich mehr an Paleo. Also ohne Brot und Industriemüll. Soviel zu meinem Hintergrund.

    2. Wenn das mit dem Insulin so einfach wäre (was bei niedrigeren Organismen sicher auch einfacher ist; übrigens kann man die nicht nach ihrem Wohlbefinden fragen und Lebensspanne als Endpunkt ist ziemlich nichtssagenden), würden alle Menschen mit Insulinresistenz ja länger und gesünder leben müssen, weil Insulin da ja gerade nicht mehr wirkt. Das einzige, was wirklich gesichert und für „normale Menschen“ (ohne Genveränderung usw) realistisch ist, ist, dass die Insulinsensitivität optimal sein sollte. Wie genau man das erreicht, ist eher zweitrangig.

  2. Nun gut, die Ärztezeitung meinte auch mal dass 60 LDL Cholesterin ausreichend ist. Für mich ist das zwar Realsatire aber hey, muss ja nicht alles falsch sein was die da so erzählen 😁

  3. Diabetiker leben in der Regel auch nicht LowCarb und spritzen sich das nötige Insulin. Ich finde den Zusammenhang zwischen Glucose-Stoffwechsel und Alterung spannend. Steht übrigens nicht nur im Ärzteblatt. Bei einer Keto induzierten, physiologischen Insulinresistenz muss doch der Effekt der verlangsamten Alterung ebenso eintreten? Diabetes und Übergewicht sind natürlich schädlich und die Lebenserwartung sinkt.

    Eine Studie an Mäusen verspricht 13 Prozent länger Leben :

    https://science.orf.at/stories/2864328/

    1. Das Thema haben wir wirklich schon sehr oft hier im Blog besprochen. Es geht immer um Reproduktion vs. Stressresistenz. Lowcarb ist nicht Keto, und Keto, mit 90 % Fett in der Nahrung, mimt physiologisch gesehen das Fasten. Heißt, ja, es gibt eine Verlagerung Richtung Stressresistenz, was aber einhergeht mit einer Reduktion der reproduktiven Performance, heißt, man muss mit niedrigeren T3-Werten, niedrigen Testosteron-Werte und anderen anabolen Hormonen (IGF, z. B.) rechnen, was die Lebensqualität an sich maßgeblich einschränken kann bzw. wird. Deshalb sagte ich, dass man Modellorganismen nicht nach ihrem Befinden fragen kann. Deshalb muss ein optimaler Kompromiss gefunden werden, und der heißt „optimale Insulinsensitivität“ – Insulin wirkt dann gut (=> reproduktive Achse), auf der anderen Seite sinkt es sehr schnell und sehr stark wieder ab (s. Kitava; => Stressresistenz). Fasten bzw. intermittierendes Fasten oder temporäre Kalorienrestriktionen dienen dann als Mittel der Wahl, um das Ganze noch zu optimieren.

  4. Vlt, da man auf LC/Keto aber recht schnell an was anderem stirbt bzw so eine scheiss Lebensqualität ha, kann man das so nicht sagen. Man sollte übrigens die Studien lesen bevor man irgendjemand etwas glaubt, in diesem Fall wurden spezielle, kurzlebige Mäuse verwendet. Die Studie ist also kaum bis garnicht auf den Menschen zu übertragen. Ich empfehle Chris‘ Artikel „warum Mäusestudien (nicht) funktionieren“. Wenn der Ferrari(Glukose) kaputt ist dann machts natürlich Sinn mit dem Golf(Keto)zu fahren und wenn garnichts geht dann halt Moped (Low Carb). Freiwillig auf LC Oder Keto zu gehen halte ich für sehr sehr… ja.

  5. Hat vielleicht auch damit zu tun, dass die Kohlenhydrate, die das Naturvolk da isst, schwerer aufzuschlüsseln sind als unsere moderne Kartoffel? Wie’s aussieht muss man sehr genau unterscheiden, über was für Kohlenhydrate wir hier reden. Deswegen ist es ja auch sehr missverständlich, überhaupt generell von „Kohlenhydraten“ zu reden – das ist zwar biochemisch korrekt, aber die verschiedenen Arten von Kohlenhydraten „verhalten“ sich im Körper eben sehr verschieden.

    https://www.ergomax.de/blog/ballaststoffe-darauf-kann-ihr-darm-aufbauen/?___store=de&___from_store=de

    1. Die essen halt Maniok, Taro und Süßkartoffeln. Die unterscheiden sich mit Blick auf den KH- und Ballaststoffgehalt nicht sehr von der Kartoffel, sind ja alles USOs. Die Kartoffeln enthält im Schnitt 16 g KHs. Um also auf 160 g KHs zu kommen (lange nicht high carb), müsste man ein Kilo davon essen. Kartoffeln sind ein sehr gutes Beispiel für einen sehr guten Volumen/KH-Quotient. Von Nudeln und Brötchen hat in diesem Artikel ja niemand gesprochen. Umgekehrt lassen sich pauschale Aussagen von Low carbern durch solche Beispiele einfach widerlegen. Denn würden solche Pauschalstatements stimmen, dürfte es ja sowas, wie im Artikel beschrieben, gar nicht geben. Und die Blue Zones erst recht nicht.

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