Ernährung

Wie du ein gesundes Essverhalten entwickelst

Folgender Artikel ist zeitgleich unser aktueller Newsletter. Wir posten diesen Newsletter hier im Blog aus zwei Gründen:

  1. Die Leute reden immer noch darüber, ob sie Kohlenhydrate, Bohnen oder Fleisch essen dürfen. Das muss endlich mal ein Ende haben. Diese Ernährungsidiotie kann man kaum noch ertragen. Wir leben nicht mehr in den 70ern, sondern bald im Jahr 2020.
  2. Leser, die noch keine Newsletter von uns bekommen, kriegen einen Eindruck davon, wie sowas aussieht.

edubily mag überzogenes Konzeptualisieren nicht.

Okay, sagen wir mal so: Konzepte können helfen, etwas besser zu verstehen, griffiger zu machen. Konzepte zu leben, schränkt aber ein, weil es uns schnell die größte Stärke des menschlichen Denkens nimmt: das Differenzieren. Denn was viele Menschen vergessen ist, dass Konzepte auch „nebeneinander“ existieren können.

Besonders konzeptversessene Menschen streiten sich deshalb häufig mit anderen Menschen, die gleichermaßen konzeptfokussiert sind, und merken gar nicht, dass sie beide recht – oder unrecht – haben. Deshalb sagen wir immer: Ernährungskonzepte schränken uns ein und sorgen letztlich nicht selten dafür, dass wir neue Probleme damit erzeugen.

Berechtigte Gegenfrage: „Ja, wie sollen wir es denn dann besser machen?“ Was Ernährung angeht, ist das ziemlich einfach, wie wir in unserem Buch darlegen. Wir brauchen zunächst eine Basis, von der wir wissen, dass sie uns „resettet“. Denn ein falsch gepolter Körper (inkl. Gehirn), trifft halt falsche Entscheidungen. Das Gute ist, dass der Körper dankbar und grundsätzlich bestrebt ist, richtige Entscheidungen zu treffen, denn im Endeffekt will er gesund bleiben. Es ist also nicht nur unser größter Wunsch, gesund zu bleiben, sondern auch der des Körpers.

Deshalb schreibt ein Dr. Strunz aus Roth seit Jahren von der „somatischen Intelligenz“, die erwacht, wenn man sich mal bewegt. Also: Das wäre ein Zugang. Sich im Sportverein anmelden, ein paar Mal die Wochen die Hantel in die Hand nehmen, morgens für die Joggingrunde die Sportschuhe schnüren oder regelmäßig zu wandern.

Ein anderer Zugang ist, mal ein paar Wochen die radikalste Form der Ausschlussernährung zu praktizieren – Anmerkung: Über Jahrtausende wohl die normalste Ernährung eines Menschen: Ein paar Wochen nur von Obst, Gemüse und mageren Proteinquellen leben. Was passiert: Energiestoffwechsel wird gesund, und ein gesunder Energiestoffwechsel (auch im Gehirn) trifft eben gesunde Ernährungsentscheidungen. Easy.

Ein weiterer Zugang wäre, mal einen Hormoncheckup zu machen. Zu gucken, ob ich Schwachstellen beim Motor habe. So könnte man sich mal die Schilddrüsenhormone oder den Eisenspeicher angucken. Doch zu diesem Thema gab es neulich erst einen Newsletter von uns. Unterm Strich sorgen gesunde Hormonwerte für einen gesunden Energiestoffwechsel und der … siehe oben.

Und jetzt kommt das Entscheidende: Wenn die Maschine mal brummt, dann isst man alles. Querbeet alles. Es gibt keine Verbote mehr. Die Bedingung ist nur, dass man die gleichen Nahrungsmittel nie in hoher Frequenz, d. h. oft zuführt. Wir lassen dem Körper nach dem McDonald’s-Essen ein paar Tage Zeit.

Denn erst der Abstand sorgt dafür, dass wir merken, ob uns etwas gutgetan hat, oder nicht.

Dieses „Geheimnis“ kann man übrigens auf viele, viele Lebensbereiche übertragen. Der Abstand hilft uns, bessere Entscheidungen zu treffen. Wenn man dann an Nahrungsmittel X (oder Person X ;-)) denkt, und es sich anfühlt, als würde man die Hand auf eine heiße Herdplatte legen … weiß man Bescheid. Man muss nur mal reinhören, in den Körper, und wieder ein Körpergefühl bekommen. Denn das ist unser bestes Messinstrument.

Anmerkung: Es gibt so eine Eigenart beim menschlichen Körper. Wenn der Körper in den roten Bereich rutscht, verstummen die Warnsignale zunehmend. Deshalb merken viele Menschen gar nicht, dass sie sich längst im tiefroten Bereich aufhalten. Das letzte und lauteste Warnsignal ist dann meistens der laute Knall. Dann sind aber bereits sämtliche Züge abgefahren.

Was es zu beachten gilt:

  • Es kann sein, dass wir genau wissen, dass uns ein Nahrungsmittel nicht guttut, oder es z. B. in Studien oft gezeigt wurde, dass es schädlich wirkt. Wenn der Körper uns aber ein starkes Verlangen danach signalisiert, dient es möglicherweise einem höheren Ziel. „Heißhungerattacken“ deuten deshalb meistens daraufhin, dass hormonell etwas im Ungleichgewicht ist oder wir z. B. einen gravierenden Mikronährstoffmangel haben. Hier darf man nicht die Ursache verwechseln.
  • Wenn wir aufhören, gewisse Lebensmittel zu essen (z. B. weil sie uns nicht guttun), kann es sein, dass es die Tage danach einen gewissen „Rebound-Effekt“ gibt und unser Körper irgendwas „vermisst“, es sich „seltsam“ ohne dieses Lebensmittel anfühlt. Das sollte nicht mit Punkt 1 verwechselt werden: Häufig liegt es an gewissen Stoffen dieser Lebensmittel, die Opioide enthalten bzw. das körpereigene Opioidsystem stimulieren – darunter fallen beispielsweise Gluteomorphin & Gluten-Exorphine aus dem Weizen oder Casomorphine aus Milchprodukten. Aber auch Kaffee kann so wirken. (Was für ein „Zufall“, dass es uns besonders schwerfällt, auf diese Ernährungsbestandteile zu verzichten und jeder immer sehr bemüht ist, den Konsum zu verteidigen.) Hier muss man sehr aufpassen, weil solche Effekte sich wie eine Mauer um uns aufbauen und verhindern können, die für uns richtigen Entscheidungen zu treffen.
  • Nach vielen Wochen der Absistenz kommt häufig eine neue „Sehnsucht“ nach Nahrungsmitteln, die wir momentan nicht essen. Kein Problem: Entweder, die Sehnsucht ist begründet, weil uns tatsächlich etwas fehlt (s. Punk 1), oder es ist halt einfach die Sehnsucht :-). Dann sollten wir es einfach essen – und genauso vorgehen, wie oben beschrieben. Wer also nach drei Monaten unbedingt wieder Weizenbrötchen essen muss, obwohl er genau weiß, dass er davon Bauchschmerzen o. Ä. bekommt, dann soll er’s halt essen. Mit unserer Abstandsregel sehen wir dann schnell wieder, warum wir dieses Nahrungsmittel ursprünglich nicht mehr gegessen haben. Das hat einen doppelten Effekt: Erstens fühlt es sich gut an, zu wissen, dass wir es essen können, wenn wir es wirklich wollen. Zweitens gibt es ein gewisses Reinforcement – denn durch wiederholtes Essen und wiederholtes Spüren, dass es nicht guttut, lernen wir nachhaltig, dass es nicht gut ist für uns.

Okay, lange Rede, kurzer Sinn: Nur der, der grundsätzlich alles isst, kann für sich herausfinden, was für ihn wirklich gut ist. Nur der, der grundsätzlich alles isst, stellt seinem Körper (genauer: dem Gehirn) die Nahrungsmittellandkarten zur Verfügung, die er (bzw. es) braucht, wenn es mal brennt.

Heißt: Wer nie rotes Fleisch isst, dessen Körper kann gar nicht wissen, dass in diesem roten Fleisch viel Eisen enthalten ist – und deshalb wird der Körper auch kein Verlangen danach signalisieren, wenn wir mal eine Zeit lang zu wenig Eisen zu uns genommen haben.

Verstanden? Sich nichts zu verbieten, aber ein paar kleine Regeln einzuhalten und zusätzlich ein paar Eigenarten zu beachten, ist der eigentliche Zugang zu unserem ganz eigenen Ernährungskonzept – und nur darum geht’s letztlich!

Ach ja: Noch ein Tipp. Es gibt Fälle, in denen ist der Körper einfach krank. Wenn also 9 von 10 Menschen Fleisch „vertragen“ (vor dem Hintergrund, dass alle Generationen seit es die Gattung Homo gibt, Fleisch gegessen haben), aber ausgerechnet DU nicht, es „nicht verdauen kannst“ (alles schon gehört), dann liegt es nicht am Fleisch oder an deiner sonderbaren Genetik, sondern daran, dass du höchstwahrscheinlich einfach krank bist. Dann musst du sowas halt flicken, bevor du die für dich falschen und unwahren Schlüsse ziehst (und dann andere verunsicherst, indem du deine Weisheiten in Internetforen postest).
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Kommentare (3)

  1. Was für ein super Artikel! Ich denke, ihr trefft hier voll ins Schwarze! Ich verfolge Strunz, Feil u.a. schon ein paar Jahre und versuche trotzdem immer auch kritisch oder offen für neue Infos zu sein, da ich selbst nicht aus dem medizinischen Bereich komme. Nach meinen bisherigen Erfahrungen hätte man es nicht besser auf den Punkt bringen können, als ihr in dem neuen Beitrag! Vielen Dank für eure tolle Arbeit! Macht weiter so!
    Iris

    1. Ja, ein guter Artikel, wie fast immer. Der entscheidende Satz ist aber: Wenn die Maschine einmal brummt….
      Leider brummt sie bei (aus eigenem Patientengut) geschätzten 90% eben nicht.
      Daher auch die Übertreibungen von Kollegen Strunz, der sehr wohl weiß, das no carb weder realistisch ist noch für „brummende“ Maschinen das Richtige ist.
      Er hat es aber wie Viele von uns mit kranken Stoffwechselmaschinen zu tun, die fast alle High Carb essen und zusätzlich mit schlechten Fetten kombinieren und viel zu wenig Protein essen. Über Bewegung, ausreichend Schlaf, Streß wollen wir mal schonmal gar nicht sprechen. Die Folgen sehen wir jeden Tag- z.B. leider auch immer mehr KInder und Jugendliche mit Typ 2- Diabetes.
      Wichtig ist also, so meine ich, auch hier im BLOG immer auch die nichtbrummenden Maschinen mitzunehmen und entprechend differente Empfehlungen auszusprechen.
      LG Ralf

      1. Puh Ralf, der Kommentar ist harter Tobak. Gefühlt jeder zweite Text von uns inkl. ein ganzes Springer-Buch handelt von diesem „nicht-brummenden Motor“ bzw. von verzogenen Systemen und den Möglichkeiten, diese Anomalien wieder zu korrigieren.

        Das hat mit low carb (fast) nichts zu tun. Eher mit der Qualität der Nahrung und unserem Lebensstil insgesamt. Und vielen anderen Stellschrauben, die im Zuge des falschen Lebensstils massiv verstellt sind.

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