Ernährung

Ernährung: Ohne Sinn für Zusammenhänge

Wieso verstehen wir so oft die Zusammenhänge nicht? Ich frage mich das ernsthaft! Wieso schaffen wir es, unser logisches Denken bzw. eine saubere Beweisführung anhand uns bekannter Gesetzmäßigkeiten auf quasi alles anzuwenden … außer auf uns selbst – und wie wir, als System, im Reich der Gesetze mit anderen System wechselwirken?

Ich weiß, das klingt sehr abgehoben. „So“ muss ja niemand denken – aber ein paar Zusammenhänge könnten wir schon mal erkennen, oder?

Warum ich das schreibe … Eigentlich wollte ich nichts dazu sagen, aber es muss im Moment raus.

  1. Die kleine, hochtalentierte Sängerin Billie Eilish berichtet in einem Video, dass es „niemandem“ in ihrem Business gutgehe. „Alle depressiv und kaputt“. Bestätigt mich komplett in meiner Erfahrung, denn ich kenne ja mittlerweile auch den einen oder anderen „Promi“ aus den ersten Reihen.
  2. Ein Fußballer aus meiner Lieblingsmannschaft hat jetzt „Probleme mit dem Herzen, vermutlich aufgrund einer Viruserkrankung“. Das geht natürlich einher mit mangelnder bzw. fehlender Spitzigkeit, Müdigkeit und so weiter.

Ich sehe da mittlerweile ein paar nette Zusammenhänge:

  • Diese „Performer“ führen das Leben eines Rennfahrers. Die verbrauchen Unmengen an Ressourcen, merken es aber nicht bzw. wollen es nicht wahrhaben. Die glauben immer noch an „Energie kriege ich, wenn ich genug Kalorien esse“. Jetzt bin ich aber auch als kleiner Rennfahrer geboren („Der hat nie geschlafen“; „Ich habe noch nie ein Kind so schnell krabbeln gesehen“) und weiß heute, dass viele Probleme genau daherkommen und daherkamen: Verbrauchen, aber nicht wieder zuführen.
  • Diese Menschen verhalten sich oft ziemlich eigenartig, auch, was ihre Ernährungsgewohnheiten angeht.

Zu Billie Eilish können wir in Wikipedia lesen:

Seit 2014 lebt Eilish vegan. Im Juni 2019 veröffentlichte sie auf Instagram ein Plädoyer an ihre Fans, mit dem Fleischessen aufzuhören.[8]

Und der Sportsfreund oben lebt natürlich auch vegan, hat immer fleißig sein Essen ins Internet gestellt.

Speziell was den Sportskameraden angeht, weiß ich eine Sache: Ein Virus „flutscht“ nicht mal so eben aus der Nase oder aus der Lunge aufs Herz. Da kann man noch so (über-)trainiert sein. Wenn das passiert, sprechen wir von schweren Systemfehlern, genauer: Fehlern des Immunsystems. Auch, wenn uns Sportärzte immer weismachen wollen, dass „sowas“ halt auch „einfach so“ mal passieren kann.

Ja klar passiert das „einfach mal so“, nämlich genau deshalb, weil wir Menschen halt auch „einfach so“ leben. Ohne Sinn für Zusammenhänge.

Ich habe nichts gegen pflanzenbasierte Ernährungsformen – nur kannst du die Biochemie halt nicht austricksen oder an der Nase rumführen. Die macht einfach und reagiert – wie eine chemische Reaktion eben reagiert – auf das, was da ist, oder nicht.

Veganer argumentieren diesbezüglich gerne auf Grundlage des „Minimalprinzips“ und des „Bedarfs“ – sehen dabei aber weder, dass der Bedarf sich aufgrund von Lebensumständen deutlich nach oben skaliert, noch, dass die vegane Ernährung kein besonders wertvoller, weil wenig bioverfügbarer Bedarfsstiller ist. Deshalb werden solche Diskussionen fernab eines jeglichen Realitätsbezugs geführt. Wie so oft.

Die Eisen- oder Zink-Speicher mit einer pflanzenbasierten Ernährung verarmen zu lassen, ist kinderleicht. Wir reden hierbei nur von Eisen und Zink. Beide Stoffe dummerweise dafür verantwortlich, dass das Immunsystem funktioniert. Nochmal: Das kann über Leben und Tod entscheiden, das ist kein Spaß! Und Ernährung kein Spielzeug.

Wenn wir irgendwann eine Sache über Ernährung lernen müssen, dann ist es die,

dass wir mehr VON ALLEM brauchen.

Auch von den vermeintlich „nicht essentiellen“ Substanzen. Und,

dass Ernährungsformen, die auf Grundlage von Mindestanforderungen argumentieren, nicht brauchbar sind. Period.

Es hat einen Grund, warum …

… die damals so gegessen haben, warum Homo sapiens überhaupt schon immer so gegessen hat – im Vergleich zu seinen pflanzenfressenden Vorfahren.

Fleisch und „das Tier“ haben den Menschen, mehr noch, die Gattung Homo, entstehen lassen – und: der Mensch braucht Fleisch, um gesund zu bleiben. 

Ich schreibe das bewusst so, weil das richtige Fleisch (rot, vorzugsweise ohne Neu5Gc), schon in vernünftigen, nicht großen Mengen, Wunder wirken kann. Wenn ich’s nicht schon unzählige Male gesehen und erlebt hätte, würde ich’s nicht hinschreiben. Kein Witz.

Kleine Randnotiz noch: In den Frühzeiten des Paleo-Internets (so um 2010) gab es mal eine Website (die gibt es immer noch), dort stand:

Now that you’ve been eating like a predator for some time, you are discovering that when you eat like a predator, and play like a predator, you start thinking like a predator.

An dieser Aussage ist viel mehr Wahres dran als uns im ersten Augenblick beim Lesen klar wird. Man könnte auch sagen:

Iss wie ein Mensch, und du fühlst und verhältst dich so.

Na, ob die Evolution uns zu einer „kaputten, depressiven, nicht zähen, anfälligen“ Spezies gemacht hat? Ich glaube kaum. Das ist genauso man-made wie vieles andere auch.


Exkurs: Wir sind fehlreguliert

Noch nie gewundert, warum so viele Menschen Krebs kriegen? Warum Menschen die personifizierte Krankheit sind? Man muss sich nur mal umhören – schnell stellt sich die Frage: Gibt es überhaupt einen Menschen, der sich gesund fühlt und tatsächlich gesund ist? Spannende Frage!

Nun, jetzt muss man nicht übertreiben. Jedes System hat Fehler, so auch das System Körper. Deshalb sind „Kleinigkeiten“, gesundheitliche Kleinigkeiten, eben genau das. Das Problem ist nur, dass es ja häufig genau um diese Kleinigkeiten gar nicht geht – sondern um schwere Systemfehler.

Zunehmend komme ich persönlich zum Schluss, dass der Körper bei vielen, vielen Menschen schlicht und ergreifend fehlreguliert ist.

Wie komme ich darauf? Nun, ich stelle mir vor, wie Substanzen wie Vitamin A und Vitamin D (daraus entstehen die Hormone Retinsäure und Calcitriol), beispielsweise, abertausende Gene regulieren. Das Ausmaß dieser Regulation kann sich keiner von uns vorstellen – und den Impact, der sowas auf längere Sicht hat, auch nicht. Wer sich die Macht solcher Genregulationen kurz vor Augen führen möchte, der sollte kurz an die Macht des Testosterons denken. Dieses Hormon kann aus einer Frau einen Mann machen. Kurz drüber nachdenken bitte.

Nun ist das ja nur ein Beispiel. Das sind zwei (!) Stoffe. Und die Wahrheit oder „das Problem“ mit solchen Systemen ist ja, dass sich Auf- und Abwärtsspiralen ergeben. Dass ein Systemfehler häufig einhergeht mit anderen Systemfehlern. Deshalb ist plötzlich der Darm kaputt, später lagern sich Metalle im Gehirn ab und die Fettmasse scheint sich zu verselbstständigen. Oder, wie in unserem Beispiel, das Herz fängt sich plötzlich einen Virus ein – das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

Betrachtet man das ein bisschen „von oben“, wird klar: Wir reden von verschiedenen Gesichtern derselben Gestalt. Deshalb kann man „Krebs“ nicht heilen, wenn man nicht versteht, dass nicht (nur) die Tumorzellen an sich „krank“ sind und bekämpft werden müssen, sondern der ganze Körper eigentlich krank, fehlreguliert ist. Das sind systemische Fehler. Deshalb kann man „Fettleibigkeit“ nicht durch „Kalorienrestriktion“ heilen. Das ist Symptombekämpfung, die auf Grundlage falscher Annahmen durchgeführt wird.

Wohlgemerkt: Immer vorsichtig sein! Wer seine Haut jahrelang mit UV-Strahlung „verwöhnt“, der braucht sich nicht zu wundern, dass er die Wahrscheinlichkeit, an Hautkrebs zu erkranken, massiv erhöht hat.

Also, Fehlregulationen.

Der Witz an der Sache ist, dass wir das meistens gar nicht merken. Der Körper „macht“ auf Basis unserer Entscheidungen einfach. Kompensiert fröhlich, reguliert das so und das andere so. So lange, bis das ganze System Körper „verwurschtelt“ ist. Das kann in manchen Fällen wunderbar funktionieren und einen durchs ganze Leben tragen. Bei anderen kommt dann halt was dazwischen … und die werden krank.

Dass sich alles um Regulation dreht, sollte uns spätestens nach Bodo Melnik klar sein. Das war der Wissenschaftler, der sich in der Zeitung Welt so geäußert hat:

„Milch ist ein hochbrisanter Cocktail“

In seinen Arbeiten legt er dar, dass Milch über sämtliche Substanzen verfügt, die „Informationen“ übertragen. Es geht also nicht nur um Eiweiß, Kohlenhydrate und Fette, um Energie und irgendwelche Aminosäuren. Sondern darum, dass Milch von Mutter Natur gemacht ist, um Jungtiere maximal schnell zum Wachsen zu bringen. Dabei liegt es natürlich auf der Hand, dass die da ein bisschen raffinierter vorgeht. Melnik postuliert: Die Milch enthält kurze Genfragemente, die microRNA, die ihrerseits die Genexpression in anderen Tieren regulieren können. Nicht nur die Milch enthält solche microRNAs – das gilt für viele Nahrungsmittel.

Wir brauchen nur ein bisschen weiterzudenken. Wir führen täglich Nahrungsmittel zu – nehmen wir als Beispiel mal den Kaffee. Dort sind über 1000 (!) chemische Substanzen enthalten, die ihrerseits potenziell die Genregulation in unserem Körper beeinflussen können. Das ist nicht weit hergeholt: Wenn in Studien von „positiver oder negativer Wirkung von Kaffee“ gesprochen wird, dann genau deshalb. Wir erinnern uns beispielsweise daran, dass Kaffee ein recht potenter PDE-Inhibitor ist, dadurch das cAMP-Signaling aktiviert. Genregulation!

Zudem haben wir neulich gelernt, dass Schwermetalle (stellvertretend für sämtliche Umweltgifte) normale zelluläre Abläufe blockieren. Wie kann man das noch nennen? Genau, Fehlregulationen herbeiführen. Auch diese Schwermetalle führt man zu, auch diese Schwermetalle sorgen dafür, dass uns gesunde Regulationen abhanden kommen, und Zellen, später dann der ganze Körper, krank werden. Auch das ist eine Form der Genregulation, aber eben der für uns schädlichen.

Jetzt kommt der für uns entscheidende Punkt: An welcher Wahrheit wollen wir uns orientieren? Bis wir herausgefunden haben, wie Nahrungsmittel langfristig auf uns wirken, mit welchen Folgen und warum, vergehen Jahrzehnte – bis dahin leben wir alle nicht mehr. Deshalb sollten wir vielleicht wenigstens beim Punkt Ernährung, die ja nur eine Stellschraube dieser mächtigen Systemregulation ist, ein bisschen demütig sein, uns einmal nicht über die Evolution und alles, was wir über Millionen von Jahren mitgekriegt haben, stellen – sondern simple Tatsachen akzeptieren.

Eine Tatsache heißt: Fleisch. 

Diese Ansicht ist derzeit ein bisschen unpopulär, ist mir aber egal! Wir dürfen erwarten, dass wir in unserer fleischarmen Zukunft nicht gesünder, sondern kränker werden.

Das richtige Fleisch nämlich ist die „Eichung“ für das System Mensch. 

Doch Achtung … Wer sich mit dem Masthuhn vollstopft, wird sich aus dieser Perspektive auch keinen sonderlich großen Gefallen tun. Oder glauben wir, dass es „gesund“ ist, kranke, kaputtgezüchtete Tiere zu essen? Information!

PS: Für mich ist Veganismus genau deshalb einfach typisch Mensch. Evolution und alles, was dazu gehört, nicht akzeptieren wollen. Sich durchs eigene Handeln drüber stellen. Wo dieser Starrsinn immer hinführt, wissen wir ja mittlerweile. Der moderne Mensch scheint immer alles besser zu wissen – und muss dafür bezahlen.

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Über den Autor

Ich bin Chris Michalk. Im Zuge einer Stoffwechselerkrankung habe ich den Blog 2014 ins Leben gerufen und bin der Mann hinter den meisten edubily-Texten. Meinen Bachelor-Abschluss machte ich in Zellulärer Biochemie (1,0; Studiengang: Bsc. Biowissenschaften). Ich befasse mich am liebsten mit Themen, die Gesundheitsoptimierung und Leistungsfähigkeit betreffen, und bin Autor unseres fünften Buches, "Gesundheit optimieren, Leistungsfähigkeit steigern", das 2019 beim Springer-Verlag erschien.

Kommentare (6)

      1. Oben im Artikel steht „Fleisch (rot, vorzugsweise ohne Neu5Gc)“, dazu gehört weder Leber noch der Büffel aus dem Hintergrundbild.

        Nach dem Artikel über neu5gc kürzlich kam ich auf Putenunterschenkel. Die sind beim „mehr-als-nur-Bio“-Bauern in der Nähe richtig günstig (7,50 Euro pro Kilo) und auch sehr schmackhaft.

        Laut dem ursprünglichen Artikel käme noch in Frage:
        Primaten der Neuen Welt, Marder (auch Frettchen, Wiesel), Flossenfüßer (33 Arten bestehend aus Robben, Seelöwen und Walrossen), Kleinbären (~ 15 Arten, darunter Waschbären, Ringelschwänze und Nasenbären), Igel (17 Arten), Fledermäuse aus mindestens zwei verschiedenen Abstammungslinien, Pottwal (eine einzige Art) und Weißwedelhirsch (eine einzige Art).

        Abgesehen von dem Hirsch, den es nur in Amerika und in geringen Stückzahlen in Finnland gibt, will ich davon aber nichts dauerhaft essen. Deswegen würden mich weitere Quellen für neu5c-freies/armes Fleisch interessieren.

        Zur Info: Ich habe eigentlich immer mit Entzündungen zu kämpfen, selbst wenn es mir gut ging, die Blutwerte waren immer leicht erhöht. Ich habe das früher ignoriert und vor knapp 2 Jahren auf eine bei mir festgestellte „Anomalie“ geschoben. Seit 4 Wochen esse ich so weit wie möglich nichts mit neu5gc und aktuell sind alle Entzündungen weg. Mag Zufall sein, aber einen Versuch ist es mir Wert.

        1. Das ist kein Büffel, sondern ein Bison. 😬 Und Straußenleber enthält kein Neu5Gc, als Beispiel.

          Edit: auf der mobilen Version erschien dein Kommentar stark gekürzt! Daher: nachträglich vielen Dank für deinen interessanten Input und deine Erfahrungen! Ich sage dazu nochmal was!

          Nachtrag: Ich habe auch sehr positive Erfahrungen mit einer Neu5GC-armen bzw. -freien Ernährung gemacht. Behalte deine Entzündungswerte mal im Auge – sollten die bei Neu5Gc-„Abstinenz“ weiterhin so bleiben, wäre es sicher interessant, darüber mal einen Beitrag zu schreiben. Ansonsten: Wie im ursprünglichen Neu5Gc-Artikel schon dargelegt, ist es nicht damit getan, zu schauen, ob Neu5Gc potenziell gebildet werden kann (= das entsprechende Gen vorhanden ist oder nicht). In einer Studie heißt es z. B. dass „weibliche Hirsche“ kein Neu5Gc in den Organen aufweisen und Kangaroos z. B. im Muskel nicht. Heißt, das Gen für die Neu5Gc-Bildung kann zwar da sein, aber es ist wohl unklar, ob es dann auch in allen Geweben gebildet wird. Für uns bleibt momentan nur auf, auf Geflügel auszuweichen. Hühnchen, Pute, Strauß – von allen Tieren gibt’s unterschiedliche Teile, die alle irgendwie anders schmecken. Alles weitere wird die Zukunft zeigen.

        2. Die Diskussion über Neu5Gc allein ist so ein Beispiel für eine Betrachtung „ohne Sinn für Zusammenhänge“. Grundsätzlich sinnvoll, passt aber eher zum erwähnten Artikel über Neu5Gc.

  1. Sehr schöner Artikel Chris, der wieder mal aufzeigt, wie wichtig differenziertes Denken ist, gleichzeitig auch klarmacht, dass das eben nicht immer möglich ist und man die „Schuld“ nicht zwangsläufig beim Gegenüber, sondern eher in der Gesamtheit seiner Existenz suchen muss. Jaja, kompliziert formuliert, man kann oft nix für Dummheit, wenn die Umweltvariablen differenziertes Denken nicht begünstigen oder überhaupt ermöglichen.

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