Erfahrungsberichte

Ein ehrliches Wort …

Wir nähern uns dem Jahresende. Und eigentlich sollte hier noch ein anderer Artikel zum Thema Cholin kommen. Kommt die Tage sicher noch.

Stattdessen gibt es jetzt mal ein paar ehrliche Worte. So zwischendurch quasi.

Wenn ich in all den Jahren, in denen ich wirklich das komplette Feld der körpereigenen Biochemie beackert habe und zusätzlich eine maximale Menge an Praxiserfahrung sammeln konnte, eine Sache gelernt habe, dann ist es die:

Der Körper macht, wie er will. 

Und wenn er gerade nicht so macht, wie du es willst, macht er es trotzdem.

Ist der Körper richtig eingestellt, oder macht er zufällig das, was wir wollen, rollt der Fels von der Spitze des Berges einfach ins Tal. Ohne unser Zutun. Wir können dann genüsslich dabei zusehen.

Ist der Körper fehljustiert, oder macht er – auch oft genug aus guten Gründen – das Gegenteil von dem, was wir wollen, rollt der Fels ins falsche Tal. Und wir können uns mit aller Macht gegen den Fels stemmen, er rollt trotzdem. 

Wie gesagt, das hat alles meistens seine guten Gründen. Zum Glück macht der Körper oft genug das, was er in Millionen von Jahren gelernt hat – wir selbst treffen reihenweise falsche Entscheidungen und würden uns damit schnellstens ins Verderben stürzen.

Blöd wird es nur, wenn der Körper dafür sorgt, dass der Fels ins falsche Tal rollt, wir strengen uns zwar maximal an, aber es nützt nichts. Und wir wissen genau, dass der Körper gerade Scheiße baut.

Dann ist in den meisten Fällen das System fehlreguliert. Wie oft haben wir über dieses Thema gesprochen? Und zu diesem Thema gibt es für uns nur ganz, ganz wenige Ansätze:

  • Essentielle Mikronährstoffe zuführen – in mäßigen Mengen, keine Hochdosen (macht sonst wieder genau das Gegenteil von dem, was wir wollen).
  • Genug Energie zuführen.
  • Den Körper nicht durch seltsame Kostformen (chronisch irgendwas) oder Verhaltensweisen (z. B. 28 Kaffee am Tag; besser keinen) konstant in eine bestimmte Richtung drücken.
  • Giftstoffe (Schwermetalle, andere Umweltgifte, Gluten etc.) aus dem Essen meiden.
  • Den Körper derart belasten, dass quasi kein Tag vergeht, an dem nicht irgendein Muskel Muskelkater hat.
  • Ruhig und ausgiebig schlafen.
  • Den Körper angenehm, d. h. mäßig stressen, mit Kälte, mit Hitze, mit Leben an sich.
  • Auf das Gefühl, auf den Körper hören – was sind seine Bedürfnisse?
  • REPEAT.

Immer wieder werden wir gefragt: Wie schaffe ich es, dass mein verzogenes System wieder normal wird? Oben steht’s. Die Leute nehmen’s nur nicht ernst. Und verstehen nicht, dass der Schlüssel in der täglichen Wiederholung liegt.

Es ist doch kein Zufall, dass wir ein Multi anbieten, oder? Wer das nicht täglich über mindestens vier Wochen genommen hat, und dann in immer wieder regelmäßig nimmt, kann doch schon mal gar nicht mitreden.

Wer noch nie eine Hantel in der Hand hatte, kann doch schon mal gar nicht mitreden. Wer immer noch täglich 75 % seiner Kalorien aus Weizen bezieht … kann doch schon mal gar nicht mitreden.

Wer seinen Körper immer noch mit der falschesten Ernährungsform, die es auf dieser Welt für Homo sapiens gibt, belastet, also vegan isst, kann schon mal gar nicht mitreden (Grund hier meistens: leerer Eisenspeicher).

Die Punkte oben sind der Rechen, mit dem wir dafür sorgen, dass die Erde sich wieder schön gleichmäßig verteilt. Und sah die nach dem ersten Mal Drüberrechen wieder total gut aus? Eher nicht. Wiederholung. Immer, und immer wieder – bis ans Lebensende.

Soeben lese ich bei ScienceDaily mal wieder, dass quasi alle Erkrankungen und Dysfunktionen, die wir heute haben, von uns selbst gemacht sind. Bis auf ganz wenige Ausnahmen, wo es genetische Disposition gibt.

Und sollten wir mit diesen hier genannten Vorgehensweisen „keine Erfolge“ haben – und die werden sich so oder so auf jeden Fall einstellen! – dann kann man sich der Therapie zuwenden. Den Coimbra-Protokollen, den Schilddrüsen-Ärzten … und was es da nicht alles gibt.

Meiner Erfahrung nach aber unterschätzen wir die Macht der Heilkraft des Körpers. Und überschätzen zeitgleich die Möglichkeiten, die es außerhalb dieser Vorgehensweisen hier gibt.

Das führt dazu, dass wir weder konsequent genug in unserer Vorgehensweise sind (arbeitest du täglich die oben genannte Liste ab?), noch ausdauernd genug. Der Schlüssel ist die Wiederholung.

Und wenn wir den Körper 8 Jahre lang misshandelt haben, können wir nicht verlangen, dass wir ein so fehlreguliertes System nach zwei Monaten wieder in die Spur gesetzt haben.

Der Körper ist unglaublich plastisch. 4 Wochen Sport und du hast einen anderen Muskel. Ein komplett anderes Enzymsystem, einen komplett anderen Stoffwechsel – macht einen komplett anderen Menschen. Als Beispiel.

Der Körper ist eigentlich eine „Heilungsmaschine“. Wir haben ja gelernt, dass jede Zelle sogar über ein „Gedächtnis“ verfügt, das Zustände der Embryonalentwicklung abgespeichert hat. So gesehen verfügt jede Zelle über ein unglaubliches Potenzial sich selbst zu heilen.

Für die meisten von uns sind die wahren Stolpersteine nicht „der kaputte Körper, der nicht macht“, sondern unser mangelnder Glaube, die mangelnde Konsequenz und unser mangelndes Durchhaltevermögen. Und die falschen Prioritäten auf der anderen Seite.

Das englische Wort für Glaube ist faith. Mir jedenfalls vermittelt das etwas anderes als unser deutsches Wort dafür. Faith heißt für mich in diesem Zusammenhang, zu wissen und darauf zu vertrauen, dass ich mit den hier genannten, doch einfachen Methoden unglaubliche Wirkungen erzielen kann.

Das ist deshalb ein so passendes Wort, weil die Wissenschaft erst jetzt so langsam lernt, wie unfassbar vielfältig, weitreichend und nachhaltig solche „Lifestyle-Interventionen“ wirken. Übersetzt: Bevor ich weiß, wie viel Tausende Myokine bei der Bewegung des Muskels ausgeschüttet werden, und was die alles tolles können, machen, heilen und so weiter … nehme ich lieber eine Hantel in die Hand … und glaube.

myokine

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Kommentare (16)

  1. Ja, es sind wohl die vielen kleinen und beständigen Dinge im Leben, die uns im Lot halten, körperlich und geistig. Exesse, im positiven, wie im negativen, sind nie gut. Man schaue sich die langlebigsten Menschen an, ganz normale Leute, einige selbst bis ins hohe Alter mit kleinen Lastern, ansonsten täglich mit ihren vielen ganz normalen körperlichen und geistigen Aufgaben und Ritualen beschäftigt. Kein Extrem-oder Leistungssportler, die uns immer wieder als Vorbilder eines gesunden, sportlichen Lebens angepriesen und stilisiert werden, gehören dazu oder sind die gesündesten und langlebigsten Menschen, oft genau im Gegenteil. Schon allein das ist erstaunlich und zeigt, daß selbst der stets für die Gesundheit gepriesene Sport, was er ohne jeden Zweifel ja auch ist, in der Extremform oder einer Art „Überdosis“, schädlich ist. Man könnte unzählige weitere Bsp. anführen. Es hat sicher seinen Grund, weshalb bei Mönchen und Nonnen nicht nur der Lebenszufriedenheits-und Glücksfaktor so hoch sein soll, sondern auch deren durchschnittliche Lebenserwartung. Ein karges, zumindest nicht in Völlerei ausartendes Leben nebst entsprechender Ernährung, tägliche körperliche Betätigung im Alltag, auch ohne jeden Sport, die vielen anderen täglichen körperlichen und geistigen Rituale und eine enge und herzliche Beziehung zu einer vertrauten Personengruppe, nebst vielen anderen sozialen und empathischen Faktoren, wirken hier anscheinend mehr, als der normale Life-Style, den man uns immer wieder in TV und Werbung als ideal usw. verkauft.
    Man kann hier noch sehr viel mehr anführen, aber der Artikel selbst, beschreibt das Ganze ja sehr schön.
    Gruß Bernd

  2. Chris, ist also der Blutstrom das richtige Objekt wo man nach den nötigen Substanzen suchen muss?
    Ein Spiegelbild der Gesundheit oder Krankheit?
    Irgendwo habe ich gelesen dass in den Knorpel die Nährstoffe durch Diffusion hineinkommen und nicht
    per Blutstrom.Es gibt vllt. auch andere Ausnahmen.
    Was zeigen Biopsien zB. mehr (oder weniger) als Blutbild?

  3. Schöner Artikel. Was man noch erwähnen könnte ist Gesellschaft und Nähe zur Natur. Wobei das auch ein wenig aus meiner Perspektive kommt, wo ich in Berlin lebe. Wir als Gesellschaft haben uns der Natur fast komplett entzogen und haben auch nicht mehr den auf vielerlei Ebenen gesunden Kontakt mit Anderen, Thema Stammesleben in kleinen Gruppen. Dazu kommen all die oben genannten Punkte…aber ich glaube, uns fehlt dieses Leben in einer kleinen Gruppe, wo man sich täglich austauscht und zusammen auf die Jagd geht. Das steckt einfach tief in uns drin und geht in einer Großstadt vollkommen verloren. Hinzu kommt, dass man schnell als Querdenker / Nerd abgetan wird, wenn man so lebt, wie Du es korrekt auflistest 😉
    VG,
    Robert

    1. Antwort an RobertK

      @RobertK, so sehe ich das auch. Wir sind soziale Wesen und haben auch nur deshalb überlebt und uns evolutionär durchgesetzt. Das wird dem modernen Menschen durch eine Gesellschaftsform des angeblich „freien“, selbstbestimmten Individuums ausgetrieben, der letztlich aber vor allem nur der Wirtschaft als Konsument und der Politik als Wahlstimmenbesorger dienen soll. Die Sippe/Familie als bedingungsloser Schutz und Rückhalt für den Einzelnen wird weitestgehend zerschlagen und als altmodisch und rückständig verkauft, der Einzelne ist somit besser zu lenken, zu indoktrinieren usw. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden, bei dem einem mehr, dem anderen weniger, bewußt oder unbewußt.
      Gruß Bernd

  4. „Soeben lese ich bei ScienceDaily mal wieder, dass quasi alle Erkrankungen und Dysfunktionen, die wir heute haben, von uns selbst gemacht sind.“

    Wie heißt denn der Artikel bzw. hast du einen Link? Danke

  5. Ein Klasse Artikel, dem ich komplett zustimme. Es dauert einen fehlregulierten Körper wieder auf Spur zu bringen und es funktioniert nicht durch irgendein Wunderpräparat sondern nur durch die sinnvolle Kombination und durch Zyklen. Für mich eine kleine Ausnahme unter all den Hypes ist IF – ich bin davon wirklich mehr als begeistert und habe für mich selbst Fortschritte erzielt bezüglich Körperkomposition und Stoffwechsel Flexibilität an die ich nicht geglaubt hätte.

    Jetzt das Dennoch: Ich bin immer noch sehr begeistert von den älteren edubily blogbeiträgen, die dann doch eher einzelne Maßnahmen in den Fokus stellen. Anzuwenden in bestimmten Situationen unter eigener Verantwortung. E.G. Schilddrüsenprotokoll, Bor oder auch “Hochdosis” Vitamin A.

    Nur mein kleiner Wunsch für 2020: Chris, haltet auch hier bitte weiter die Augen für uns nach neuen Studien und ggf. vielversprechenden Ansätzen offen. Bleibt dann in der Eigenverantwortung eurer Leser sich zB die Maus-Studien Dosen des Mito-Cocktail zu geben um den Macharena zu tanzen oder eben vielleicht auch nicht 🙂

    Frohes Neues!

    1. Antwort an Stephan

      Grammatikalisch verstehe ich es so, dass man jeden Tag irgendwo Muskelkater spüren soll, was den Körper wohl stresst und mittel- bis langfristig zum Übertraining führen kann. Gleichzeitig soll man ja aber den Körper nur mässig stressen. Das erscheint mir auch widersprüchlich. Allenfalls fehlt das Wort „nicht“:
      Den Körper NICHT derart belasten, dass quasi kein Tag vergeht, an dem nicht irgendein Muskel Muskelkater hat.

      1. Antwort an Nicole

        Nee. Wer z. B. dreimal die Woche *trainiert* hat durchgängig Muskelkater. Natürlich in verschiedenen Muskeln. Vielleicht liegt es auch daran, dass jeder was anderes unter Muskelkater versteht. Wenn ich heute Kniebeuge *trainiere* (bitte auch hier auf die Definition achten, Training heißt Reiz setzen), dann sollte ich morgen, übermorgen und ggf. noch einen weiteren Tag die Beine spüren. Hintergrund ist „Muskelkater“ (Mikrotraumata => lokale Entzündung) bzw. Schädigung struktureller Komponenten wie Bindegewebe.
        Natürlich immer vor dem Hintergrund, dass man ausgeruht genug ist, und das hat weniger mit der lokalen Ermüdung zu tun als mehr mit einer zentralen/systemischen Komponente. Hier muss man eben auf sein Körpergefühl hören.

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