Blutwerte

Wenn zu viel Eisen dein Testosteron killt

Eisen ist in den letzten Jahren sozusagen mein Spezialgebiet geworden. Denn zum einen hat Eisen eine unfassbar mächtige Wirkung im Körper, und zum anderen habe ich – jetzt auch per Gentest verifiziert – einige kleine Besonderheiten im Eisenstoffwechsel.

Zu viel Eisen macht krank

Schon relativ früh nämlich habe ich gemerkt, dass „zu viel Eisen“ in meinem Körper für viele Probleme sorgt:

  • Abgeschlagenheit, Trägheit, Energielosigkeit
  • Nebel im Kopf
  • Libidoverlust
  • Deutlich verstärkte Entzündungsreaktionen
  • Neigung zur Insulinresistenz

All das lässt sich ziemlich gut erklären. „Zu viel Eisen“ nämlich …

  • legt den mitochondrialen Energiestoffwechsel lahm,
  • reichert sich im Gehirn an (mit möglichen Folgen für die T-Bildung und Kognition),
  • befeuert Entzündungsreaktionen, u. a. dadurch, dass es die Radikalen-Bildung verstärkt,
  • hemmt den Glukose-Stoffwechsel, u. a. dadurch, dass es a) selbst wie Insulin wirken kann (via mTOR) und die Insulin-Ausschüttung anregt.

Wenn ich mir also täglich Steak gönne, sieht es nach ein paar Tagen (!) mau aus. Wohlgemerkt: Mit dem Gegenteil, der starken Eisenrestriktion, habe ich auch schon (schlechte) Erfahrungen gemacht.

Aus diesen Beobachtungen habe ich schon relativ früh für mich abgeleitet, dass Eisen zwar enorm wichtig ist, aber schnell auch extremst problematisch werden kann. Ein Mediziner würde sagen: Dieser Wirkstoff hat eine sehr schmale therapeutische Breite. 

Kann auch bei dir so sein

Die Frage ist also nicht, ob Eisen so wirkt, sondern eher, wie schnell dies individuell der Fall ist. Bei mir sieht es genetisch betrachtet folgendermaßen aus:

  • Ich habe die „Asiaten-Variante“ eines Gens, das dafür sorgt, dass ich deutlich besser Eisen aufnehme. Hintergrund ist, dass man dieses Allel in ostasiatischen Ländern verbreitet findet, denn die dort herkömmliche relativ pflanzenbetonte Ernährung enthält hauptsächlich Eisen, das nicht so bioverfügbar ist. Ähnliche aber andere Allele findet man bei uns – diese machen bei eisenreicher Ernährung schnell Eisenüberladung.
  • Zudem habe ich Varianten im Transferrin-Gen (bindet Eisen im Blut und transportiert es durch die Gegend), die dafür sorgen, dass es Eisen nicht mehr so gut bindet. Das Eisen bleibt dann relativ „lose“ – es löst sich schneller von Transferrin und es schwimmt auch mehr Eisen im Blut rum, was da eigentlich nicht hingehört.

Unterm Strich kann sich Eisen dadurch schneller in meinen Geweben anreichern. Spannend finde ich, dass ich anhand dieser Konstellation ziemlich genau beschreiben kann, wie und warum sich (zu viel) Eisen negativ auf den Organismus auswirken kann.

Eisen und Testosteron – eine wechselseitige Beziehung?

Besonders interessant ist hier der Zusammenhang von Eisen mit Testosteron. In einer relativ jungen Arbeit wird sich ausführlich damit befasst. Kurz: Es gibt wohl eine wechselseitige Beziehung zwischen dem Eisenhaushalt und dem Testosteronhaushalt.

Weil ich die Arbeit und insbesondere einen Abschnitt besonders spannend und wichtig finde, will ich heute mal nicht nur paraphrasieren oder zusammenfassen, sondern mal etwas ausführlicher wiedergeben:

  • Testosteron scheint die Eisenaufnahme zu erhöhen.
  • Dem Körper fehlt aber der Mechanismus, überschüssiges Eisen auszuscheiden – es muss also eine Rückkopplung geben.
  • Entsprechend könnte ein hoher Eisengehalt im Körper die Testosteronbildung hemmen.
  • Bei Menschen, die an einer Eisenüberladung leiden, gehört der hypogonadotrope Hypogonadismus (also T-Mangel durch Gonadeninsuffizienz) zu den häufigsten Anomalien.
  • Bei der vererbten Hämochromatose (Eisenüberladung) ist die Prävalenz des Hypogonadismus nach dem Diabetes die zweithäufigste und tritt bei fast 50% der unbehandelten Männer auf.
  • Ähnliches beobachtet man bei anderen Erkrankungen des Eisenstoffwechsels (z. B. Beta-Thalassämie)
  • In all diesen Gruppen steht der Schweregrad des Hypogonadismus in Zusammenhang mit dem Grad der Eisenüberladung.
  • Angesichts der häufigen Bluttransfusionen, die früh im Leben beginnen, sind eine verzögerte oder stillstehende Pubertät bei Männern mit Beta-Thalassämie und Sichelzellanämie besonders häufig.
  • Die vordere Hypophyse scheint besonders anfällig für Eisenüberladung zu sein. Eine postmortale Studie an sechs Patienten mit Eisenüberladung unbekannter Ätiologie fand selektive Eisenablagerungen in der vorderen Hirnanhangsdrüse.
  • Die medikamentöse Eisenausleitung (via Chelat) bei Männern mit Beta-Thalassämie kann den Testosteronspiegel wiederherstellen und eine spontane Pubertät herbeiführen [53, 54].
  • Bei der vererbten Eisenüberladung (Hämochromatose) reduziert das Blutlassen nicht nur die Inzidenz signifikant, sondern kann bei rechtzeitigem Beginn auch eine Umkehrung des hypogonadotropen Hypogonadismus bewirken [55, 56].
  • Diese Daten deuten darauf hin, dass Eisen den Testosteronspiegel auf Hypophysenebene negativ regulieren kann.
  • Die Reversibilität des hypogonadotropen Hypogonadismus durch Aderlass oder Eisenchelation legt nahe, dass Eisen aus den Hypophysenzellen freigesetzt werden kann.
  • Wenn dies der Fall ist, könnte dies darauf hindeuten, dass diese Hypophysenzellen den Eisenspiegel im Körper messen und die Produktion des Lutenisierungshormons (LH) so einstellen, dass die Eisenhomöostase im Körper aufrechterhalten wird.
  • Die Auswirkungen von Eisen auf Testosteron sind möglicherweise nicht auf Personen mit vererbter Hämochromatose und transfusionsbedingter Eisenüberladung beschränkt.
  • Aufgrund der Eisenanreicherung von Getreidekörnern und der hohen Aufnahme von rotem Fleisch nehmen erwachsene Männer in den USA 10-15 mal mehr Eisen auf, als der Körper braucht[13].
  • Während die Eisenanreicherung die Inzidenz von Anämie verringert hat, sind die Auswirkungen einer chronisch erhöhten Eisenaufnahme weitgehend unbekannt. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass eine solche Zufuhr die Regulationsmechanismen, die zur „sekundären Eisenüberladung“ führen, übergehen kann [58].
  • Im Einklang damit ergab eine postmortale Studie an Erwachsenen ohne Hämochromatose, dass Eisenablagerungen in der Hypophysenvorderwand während des dritten Lebensjahrzehnts nachweisbar sind und bis zum sechsten Lebensjahrzehnt allmählich zunehmen [59]. In ähnlicher Weise haben MRT-Studien einen allmählichen Anstieg der Eisenkonzentration in der Hypophyse mit zunehmendem Alter gezeigt [60].
  • Diese Daten deuten darauf hin, dass das Zusammenspiel von Testosteron und Eisen auch in der Allgemeinbevölkerung klinisch relevant sein könnte.
  • Insbesondere dann, wenn ein negativer Rückkopplungsmechanismus besteht, würde man vorhersagen, dass die mit dem Alter zunehmenden Eisenspeicher den Gehalt an Lutenisierungshormon (LH) und Testosteron senken.
  • Daher ist das niedrige Testosteron des Alterns möglicherweise nicht pathologisch – es könnte vielmehr eine physiologische Reaktion auf zunehmende Eisenspeicher im Körper sein.

Kurzum: Zu viel Eisen im Körper scheint die T-Produktion lahmzulegen. Dies gilt nicht nur für prädispositionierte Menschen wie mich, sondern offensichtlich für viele Menschen.

Fazit

Das sind Themen, die sollte wirklich jeder auf dem Schirm haben. Denn viele Nordeuropäer gingen in jüngerer Vergangenheit durch ein „genetisches Nadelöhr“, wobei im Zuge der neolithischen Revolution viele Allele dominanter wurden, die helfen, besser mit einer landwirtschaftlich, oft vegetarisch(er) geprägten Kostform zurechtzukommen.

Das macht aber zeitgleich anfällig für genau solche Störungen. Wer sich also schon immer gewundert hat, warum viele Menschen so schnell Diabetes bekommen – hier ist neben der Körperkomposition ein möglicher weiterer Zugang. Den haben wir jetzt aber schon häufig besprochen. Der Zusammenhang mit Testosteron wiederum ist neu.

PS: Übrigens wurden solche Zusammenhänge schon vor Jahren in einem herausragenden Artikel bei Freetheanimal dargelegt.

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Kommentare (15)

      1. Antwort an Chris Michalk

        Hi Chris,
        Kannst du was dazu sagen, woher du diese Informationen hast ? Was für einen Test hast du gemacht und wie hast du ihn auswerten lassen ?
        Hast du schon mal überlegt, einen Artikel über Nutrigenomics/Nutrigenetics zu schreiben ? Was hälst du generell von dem Thema ? Ist das schon nützlich oder noch so sehr in den Kinderschuhen, dass es mehr verwirrt als hilft ?
        Gruß,
        Björn

    1. Antwort an Jack

      ja aber raypeat sagt auch das jod schlecht ist, bzw. keine wichtige Rolle im Stoffwechsel spielt. Die Leute haben nicht zu viel eisen sondern zu wenig jod und selen im verhältnis.
      Denn wenn man guten stoffwechsel also gute t3 werte hat, wandelt der körper das zu „viele Eisen“ in Schildrüßenhormone magermasse wärme etc um. Oder anders gesagt dann wird man keine Eisenüberladung bekommen.

      1. Antwort an Suleiman

        Das stimmt nicht. Ich habe seit Jahren einen fT3-Wert an der Oberkante und trotzdem – siehe Verlauf – ziemlich schnell Probleme mit Eisen. Im Gegenteil: Wenn die T3-Werte hoch sind, schaufelt der Körper nochmal viel besser Eisen in den Körper.

        Zudem sagt Peat nirgends dass Iod an sich „schlecht“ ist, er sagt lediglich, dass man nicht viel davon für eine optimale SD-Funktion braucht.

        Bitte mal besser recherchieren vorm Posten!

  1. Hallo Chris,
    sehr interessant. Ich kann noch hinzufügen, dass es auch eine unheilige Allianz zwischen Eisen und Quecksilber gibt. Also eine verstärkende Wechselwirkung.
    Unser beider Freund Michael Eades hat schon 1990 sehr viel zu Eisen geschrieben. Er hat die Theorie, dass „wir“ früher mehr Blut durch Verletzungen verloren haben, was heute praktisch nicht mehr vorkommt. Und daher der Mensch die Aufnahme nicht runterregeln kann bzw. das nicht nötig war.
    LG,
    Robert

      1. Antwort an Robert Krug

        Das kann man so nicht am Ferritin festmachen leider. Ein niedrigerer Ferritinwert würde jedenfalls schützen, denn wenn der Körper sparsamer werden muss, fährt er Transportsysteme und so weiter hoch, die Eisen „ungiftiger“ machen.

    1. Antwort an Robert Krug

      mal eine ganz blöde Frage: dieses Thema ist doch wohl eher nur für Männer interessant, richtig? Die Damenwelt menstruiert ja wenigstens (soviel zu fehlenden Verletzungen) und Testosteron ist jetzt nicht unbedingt das für Frauen wichtigste Hormon, oder?

      1. Antwort an Carina

        Kann man so nicht sagen. Also ja, Frauen sind in gewisser Weise eher geschützt: Frauen essen oft weniger rotes Fleisch und menstruieren. Aber trotzdem können auch Frauen ein zu hohes Eisen haben – und auch für Frauen ist Testosteron extrem wichtig.

    1. Antwort an Christian Brand

      Das kann man so genau nicht sagen, weil man das in diesem Fall nicht nur am Ferritin festmacht. Wenn z. B. – wie bei mir – das Transferrin Eisen schwächer bindet, ist eine eisenreiche Ernährung per se schon nicht gut. Das muss man für sich herausfinden, dadurch, dass man einfach mit dem Eisengehalt der Nahrung spielt und dann auf Veränderungen achtet. (Ferritin spielt insoweit eine Rolle, dass ein niedriger Ferritinwert sozusagen angibt, dass der Körper besser mit dem ihm zur Verfügung stehenden Eisen haushalten muss. Das an sich ist protektiv.)

  2. Danke für den Artikel. Gibt es eine Möglichkeit erhöhte Eisenwerte in den Griff zu bekommen? Weniger rotes Fleisch konsumieren etc. ist soweit klar, aber besteht auch die Möglichkeit über NEM’s o.ä. hohe Eisenwerte zu reduzieren?

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