BEITRAG
Mitochondrien

Unglaubliche Neuigkeiten zu Vitamin K2

Heute mal etwas, was mich wirklich beeindruckt hat. Also los.

K2-MK4 der alte Mito-Booster

Les ich neulich eine Studie, die da heißt:

Vitamin K2 Prevents Lymphoma in Drosophila

Übersetzt: Vitamin K2 verhindert die Entstehung von Lymphdrüsenkrebs … bei Drosophila:

Meine Damen und Herren, darf ich vorstellen? Das ist Drosophila melanogaster, ein oder sogar das Lieblingsforschungsobjekt vieler, vieler Wissenschaftler. In vielen Laboren dieser Welt beheimatet, besonders gerne in der Neurobiologie und der Genetik.

Erschienen ist die Arbeit im weltbesten Journal Nature. Gehört übrigens zu Springer (bitte nicht mit dem Axel-Springer-Verlag verwechseln, das ist eine Beleidigung!).

Und dort liest man Folgendes:

Unsere Ergebnisse zeigten, dass VK2 die Entstehung eins Lymphoms verhindert, indem es als Elektronenträger wirkt und die Funktion und Struktur der Mitochondrien korrigiert, indem es die Produktion von mitochondrialen reaktiven Sauerstoffspezies mtROS hemmt (…) was als Folge die mitochondriale Energieproduktion verbessert.

Halten wir fest:

  • Vitamin K2 verhindert in diesem Modell die Entstehung von Krebs
  • Es fungiert, ähnlich wie Coenzym Q10, als Elektronentransporter in der Mito-Membran
  • Dadurch werden Mitochondrien “fitter”
  • Es entstehen weniger freie Radikale in den Mitos
  • … und als Folge verbessert sich die ATP-, also Energieproduktion.

Und dann:

Unsere Studie deutet darauf hin, dass die Korrektur der mitochondrialen Funktion ein grundlegender Schritt in der Tumorbehandlung sein könnte und identifiziert VK2 als einen key player in Krebstherapie-Strategien.

Aha. Also: Der Energiestoffwechsel scheint der Anfang und das Ende zu sein – für uns und unsere Gesundheit. Genau deshalb dreht sich in unserem neuen Buch alles um diesen ominösen Energiestoffwechsel.

Doch weiter.

Die Resultate sind mir im Wesentlichen egal. Es geht ja hier nicht darum, mit K2 jetzt irgendeinen Krebs zu behandeln, sondern darum, dass K2 wohl eine größere Rolle für den Energiestoffwechsel spielt als bisher angenommen. Ähnliche Ergebnisse hatten wir schon mal.

Es gibt verschiedene K2-Versionen

Doch um welches K2 geht es da? In diesen Studien geht es meistens um K2-MK4. Liegt auf der Hand, denn der Körper macht aus K1 prinzipiell K2-MK4 – und packt es in die Gewebe, zum Beispiel das Gehirn. Deshalb findet man im Gehirn kaum K1 und stattdessen K2-MK4. Was sucht es da?

Wir kennen allerdings auch MK-7, das im Blut viermal stärker Vitamin-K-abhängige Proteine aktiviert als Vitamin K1. Darüber hinaus gibt es K-Formen mit noch längeren Seitenketten, z. B. Vitamin K2 MK-9, MK-10 oder MK-11. 

Die Seitenkette des K-Vitamins bestimmt über den Namen: Je länger die Seitenketten, umso größer die Zahl

Jetzt kommt der Punkt: Was können MK-9, MK-10 und MK-11? Das ist die Frage aller Fragen und ein komplett untererforschtes Feld. Mein Gefühl sagt mir, dass die noch wichtig und entsprechend besser erforscht werden. Ein Hinweis findet sich z. B. hier:

Darüber hinaus war die Stimulation der Prothrombinsynthese durch Menachinon-9 viel intensiver als die der beiden anderen K-Vitamere, was zu einer wesentlich höheren “Vitamin-K-Aktivität” von Menachinon-9 führte.

Schweinefett und Milchfett, unsere Rettung

Kommen wir mal zu den Nahrungsquellen. Auch hier tut sich Unerhörtes. Wer sich noch immer die K2-Tabletten von Life Extension reinhaut, kennt aktuelle Studien noch nicht. Denn:

Obwohl arm an Vitamin K1 (<2,1 ± 0,5 μg Phylloquinon pro 100 g), enthielten alle verarbeiteten Schweinefleischprodukte und frischen Schweinefleischteile Menachinon-4, Menachinon-10 und Menachinon-11 (Bereich:[35,1 ± 11,0]-[534 ± 89,0] μg Menachinone pro 100 g).

35 bis sage und schreibe 534 mcg pro 100 g Fleischprodukt von K2 MK-4, (MK-9,) MK-10 und MK-11. Zum Vergleich: Der “K2-Bedarf” wird auf etwa 100 bis 200 mcg geschätzt.

Und diese K2-Formen findet man quasi ausschließlich im Schweinefett (für die Wissenschaftler unter uns: r = 0.935). Aus dieser Perspektive ist die Bratwurst und das Schweinemett der beste K2-Lieferant, den wir bisher kennen. Wohlgemerkt: Von MK-4, vor allem aber von MK-10 und MK-11, nicht von MK-7, das wir ähnlich hoch konzentriert nur in Natto finden.

Etwas niedrigere Werte – und vorrangig MK-9, MK-10 und MK-11 – findet man übrigens in Milch, vor allem in den fetteren Varianten:

Und mehr noch in den daraus hergestellten Produkten:

Der gesamte Vitamin-K-Gehalt von Weichkäse, Blauschimmelkäse, Schnittkäse und Hartkäse betrug : 506 ± 63, 440 ± 41, 289 ± 38 und 282 ± 5,0 µg/100 g.

Auch hier, hauptsächlich die sehr langkettigen Formen MK-9, MK-10 und MK-11.

Fazit

Gespannt dürfen wir also sein, welche Erkenntnisse wir zum Thema K2 MK-9, MK-10 und MK-11 erhalten.

Wichtig ist, dass bereits gezeigt wurde, dass K1, also das K-Vitamin mit der kürzesten Seitenkette, seiner Seitenkette beraubt wird (dann entsteht Vitamin K3) und die verschiedenen Gewebe das K3 dann wieder zu K2-MK4 umbauen. Denn, wie erläutert, dieses MK-4 scheint die wichtigste K2-Form für Tiere zu sein. Vielleicht können ähnliche oder die gleichen Enzyme die Seitenketten dieser langkettigen K2-Varianten ebenfalls etwas stutzen, um daraus MK4 zu machen – Alternativ könnten die, ähnlich wie K2-MK7, aber auch eine eigene biologische Wirkung haben.

Bis dahin gilt (bitte mit einem Augenzwinkern verstehen):

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ÜBER DEN AUTOR

Hi, ich bin Chris, Gründer des Blogs und der Autor mehrerer Bücher, die sich inhaltlich im gleichen Themenfeld bewegen. Dazu zählt unser neuestes Werk, "Gesundheit optimieren, Leistungsfähigkeit steigern", das beim Springer-Verlag erscheint, oder auch "Das Handbuch zu Ihrem Körper", das wir 2014 im Eigenverlag publiziert haben. Ich bin Biologe (BSc) und habe meinen Abschluss in zellulärer Biochemie gemacht (1,0).

23 kommentare ab “Unglaubliche Neuigkeiten zu Vitamin K2

  1. Oh, oh, Chris, jetzt wird die gesamte Veganerfraktion wieder toben! Du bist des Todes, des doppelten Todes sogar! 😉 Schweinefleisch, also auch noch das fette Fleisch, und dazu noch Milch und Milchprodukte, und davon auch noch die fetten Sorten! Gar nicht auszudenken, Himmel und Hölle werden einstürzen und Du mittendrin! 😉

      1. “Der Mann (oder Frau?!) weiß, wie der Hase läuft *lach*”

        Du doch auch, Chris! Haste ja schon ein paar mal erleben dürfen, da ging es ja schon in einigen Artikeln von Dir hoch her! 😉 Na, dann schaun wir mal! 😉

    1. Ja, davon gehe ich aus. Ich weiß z. B. dass Emu-Öl extrem reich an K2 ist. Ich denke, das gilt für viele Tiere, nicht nur für Herbivoren.

  2. Dankeschön für den interessanten Artikel. Überraschend, dass die geräucherte Wurst “Kielbasa” beim Zubereiten sogar noch an K2 zugewonnen hat, und nicht wenig! Ob das Räuchern dies bewirkt hat oder ob Fermentationsprozesse eine Rolle gespielt haben? Und ich würde auch noch gerne wissen, wie sich das Altern durch normales Trocknen (Rohschinken, Trocken-Rohessspeck) auf den K2 Gehalt auswirkt, wenn das Fleisch nur mit Meersalz oder mit Pökelsalz haltbar gemacht wurde.

  3. Hi Chris,
    interessante Informationen.
    Trotzdem würde ich empfehlen, jetzt nicht endlos Schweinefeet, Milchfett und Mett zu essen (was du ja auch nicht getan hast). Sollte die Hypothese zutreffen (Lymphdrüsenkrebs wird verhindert) ist das zwar schon mal was und hochwillkommen. ABER: Wer jetzt meint, da ordentlich “zuschlagen” zu müssen, handelt sich bei hohem Fleischverzehr möglicherweise andere Probleme ein, z. B. Darmkrebs. Außerdem sollten z. B. Leute, die das ApoE-4 Allel haben (immerhin ca. 24% der Bevölkerung) sehr sparsam mit gesättigten Fetten umgehen, da die Alzheimer Erkrankung bzw. andere Demenzformen damit assoziiert sind.

    Es läuft immer wieder auf die alte Regel hinaus: Diversität essen und Mäßigung.

    1. Hi Werner,

      perfekt zusammengefasst, vollste Zustimmung!

      Ergänzend: Man könnte es ja auch so sehen, wie häufig bei uns beschrieben: Tierprodukte liefern viele “key micronutrients” auf eine sehr effiziente Art und Weise. Heißt im Umkehrschluss, man muss sich nicht jeden Tag ein Kilo Mett reinziehen, um etwaige positive Effekte davon zu nutzen. Im Gegenteil, wenn ein Veganer z. B. einmal die Woche 200 g Leber isst (die im Übrigen auch K-reich ist), ist schon viel getan!

      LG Chris

      1. “Ergänzend: Man könnte es ja auch so sehen, wie häufig bei uns beschrieben: Tierprodukte liefern viele “key micronutrients” auf eine sehr effiziente Art und Weise. Heißt im Umkehrschluss, man muss sich nicht jeden Tag ein Kilo Mett reinziehen, um etwaige positive Effekte davon zu nutzen. Im Gegenteil, wenn ein Veganer z. B. einmal die Woche 200 g Leber isst (die im Übrigen auch K-reich ist), ist schon viel getan!”

        Ich finde, dass solltest du evtl. ein bisschen besser in deinen Artikeln kommunizieren, denn ich wette, es werden jetzt locker die Hälfte der Leser denken, sich haufenweise (fette) Milch- und verarbeitete Tierprodukte reinziehen zu können.

        1. Da bin ich anderer Meinung. Mehr zu Mäßigung, Diversität und Differenzierung aufzurufen geht kaum. Zwei Klicks weiter stehen kritische Worte zu Neu5Gc etc. – vielleicht wird sowas gerne „überlesen“, aber das ist dann nicht mein Problem.

    2. Interessant, hast Du dazu Studien-Angaben? Nähme mich Wunder, ob dies für alle Arten von gesättigten Fetten gilt (auch mittelkettige wie sie zum grossen Teil in der Kokosnuss vorhanden sind)? Für diejenigen die sich ketogen ernähren und zu den 24% der Bevölkerung gehören, könnte sich somit die gewählte LCHF-Ernährungsform eines Tages böse rächen. Andererseits dienen die gesättigten Fetten ja als Energielieferant. Bei aktiven Menschen sieht es dann vielleicht komplett anders aus.

  4. Mich würde interessieren, warum wird zur Erhöhung des K2-Spiegels immer MK7 empfohlen?
    Ich las mal, dass alle Studien zu K2 mit MK4 gemacht wurden. Warum nehmen wir dann MK7? Ist es nur wegen der längeren Halbwertzeit des MK7?

    1. Dass “alle Studien zu K2 mit MK4 gemacht wurden” ist nicht richtig, im Gegenteil.

      Beim Thema Vitamin K geht’s hauptsächlich um die Vitamin-K-Aktivität – heißt, welche K-Form aktiviert K-abhängige Proteine im Blut am besten?

      MK4 ist, wie im Text angesprochen, nicht primär dafür “gemacht” K-abhängige Proteine zu aktivieren, sondern in Zellen bestimmte Aufgaben zu erfüllen. MK4 kann zwar auch K-Proteine im Blut aktivieren. Erstens taucht es aber kaum im Blut auf und verschwindet stattdessen direkt in den Geweben. Und zweitens ist es bezogen auf die Aktivität etwa so gut wie K1.

      MK7 schwimmt stattdessen vorrangig im Blut, und das sehr lange, weswegen es extrem gut K-abhängige Proteine carboxyliert. Das gilt für alle K-Proteine, inkl. Gerinnungsfaktoren. Deshalb ist MK7 viermal besser als K1 um K-Proteine zu aktivieren. Ergo: 200 mcg MK7 entsprechen ca. 800 bis 1000 mcg K1.

      LG

      1. Danke für die gute Erklärung!
        Das MK4 kaum im Blut auftaucht, war mir nicht bewusst.
        Um so erstaunlicher ist es, das bei der K2-Messung mitunter Mk4 und MK7 seperat angegeben werden.
        Normalerweise gibt ein Labor nur einen Wert für K2 an.
        Ein Labor hat stattdessen mal beide Werte angegeben. MK4 war danach aber kaum messbar, jetzt weiss ich warum. Es war aber nur 1x, dass ich so etwas sah.
        Kann man davon ausgehen, dass wenn das Labor einen K2-Spiegel angibt, sich das lediglich auf MK7 bezieht, ohne MK9 z.B.?

  5. Hallo, ist es dann nicht effektiver zur K2 Aufnahme Milch mit Kefir Knollen zu bearbeiten? Als fermentiertes Lebensmittel wäre es für die Darmbakterien dann wohl sowieso besser durch die Probiotika als reine Milch. Und günstiger als Fleisch sowieso. Zumindest hatte ich einige Seiten gelesen, auf denen Kefir als quasi beste Vitamin K2 Quelle gepriesen wird z.B. hier https://nutradian.com/de/vitamin-k2-kefir

    1. Na ja, aus den dargelegten Zahlen wird eigentlich ersichtlich, dass Kefir nicht unbedingt “die beste Vitamin-K2-Quelle” ist … Ich weiß auch nicht, ob herkömmliche Kefirstämme zusätzlich K2 produzieren, denke eher nicht nennenswert …

  6. Ich wusste es. Es musste einen Grund dafür geben, warum ich auf Mett Brötchen stehe. Ich stehe nicht auf
    Schweinefleisch. Aber Mett…da gehen auch 5 Brötchen am Morgen, ohne Sorgen :D°!

    1. Kein Wunder, dass unsere Vorfahren auch immer schon den Mettigel gejagt und Nose-To-Tail verzehrt haben 😀 Eine der Säulen der Paleoernährung 😀

      Aber Spaß bei Seite: Ich kenne einige Personen, die da genau so ticken wie du

  7. Wenn ich es richtig verstehe, kann Mk7 für alle, die an einer Thrombose (Herzinfarkt, Embolie, Schlaganfal) leiden und und Marcumar nehmen gefährlich werden? Es hält dann wohl die Gefässe von den Calciumablagerung frei aber macht das Blut “dicker”?
    Welche Gefahr für eine Thrombose ergibt sich durch eine Einnahme von Mk7 vor einem langem Flug?

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