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Protein Leverage: Warum “mehr Protein” schlank(er) macht

Heute mal was ganz Banales. Aus dem Tier- und Menschenreich. Da gibt es eine hübsche Primaten-Studie, Frugivoren (also Früchteesser), in der steht:

Our results show that these frugivorous monkeys maintain protein intake relatively constant but allow fat and carbohydrate intake (and thus total energy intake) to vary as a function of the nutritional composition of available food items. This ‘‘protein leverage effect’’ has previously been reported for omnivorous and herbivorous taxa, including humans (Simpson and Raubenheimer 2005; Sörensen et al. 2008).

Ok, da steht: Der Protein-Gehalt der Nahrung wird immer schön gleich gehalten, aber entsprechend der Nahrungsmittel-Verfügbarkeit darf der Kohlenhydrat- bzw. Fett-Anteil in der Ernährung schwanken.

Heißt übersetzt: Damit ein bestimmter Protein-Bedarf erreicht wird, überfressen sich Äffchen notfalls an Fett und Kohlenhydraten, also Gesamtenergie, um genug vom so begehrten Protein zu tanken.

Und weiter:

Human obesity and associated disease is commonly attributed to a mismatch between modern diets rich in carbohydrates and lipids, and phenotypes that evolved in Paleolithic nutritional ecologies where diets were relatively high in protein and fiber (Eaton et al. 1999; Cordain et al. 2000). It has been proposed that due to the scarcity of physiologically available, simple carbohydrates and fats in the ancestral diet, humans have evolved strong taste preferences for these macronutrients (Galef 1996; Simpson and Raubenheimer 2005). According to the ‘‘protein-leverage hypothesis,’’ in order to maintain relative constancy of absolute protein intake, humans are predisposed toward diluting the protein in the modern diet through increased consumption of highly palatable foods rich in fats and carbohydrates, which leads to overconsumption of energy (Simpson and Raubenheimer 2005).

  • Es gibt wohl ein “Ungleichgewicht” zwischen der Energiedichte – mit einer hohen Menge an Kohlenhydraten und Fetten – in unserer modernen Ernährung auf der einen Seite, und unserem genetischen Makeup – das in einer Zeit groß wurde, wo es viel Protein gab, aber wenig Nahrungsmittel mit hoher kalorischer Dichte – auf der anderen Seite.
  • Dies resultiert darin, dass wir instinktiv fett-, kh- und energiereich essen wollen.
  • Deshalb neigen wir dazu, die relative Proteinzufuhr zu “verdünnen”, indem wir viele kh- und fettreiche Nahrungsmittel zuführen – was als Folge dazu führt, dass wir insgesamt zu viel essen.

Wem das alles zu viel Geschwurbel war … Hier mal in Form einer Abbildung:

Theoretisch also erreicht man ein “Energie-Defizit”, wenn man die Protein-Kalorien > 15 % der Gesamtmenge hochschraubt. Und umgekehrt wird – bezogen auf die Fett- bzw. KH- und damit Energie-Zufuhr – dramatisch überkompensiert, wenn man < 15 % Protein isst.

Könnte man mal so hinnehmen, oder? Statt zu philosophieren, packt man sich, immer wenn der Hunger kommt, ein bisschen Protein … und erst dann alles andere. Genau so hat das Cordain damals formuliert:

Hungrig? Dann iss ein Stück Fleisch.

… und die Körperkomposition verbessert sich ganz automatisch. 

Irgendwann werden wir uns mal noch verneigen vor dem Mann. Warum? Weil er einer der ganz wenigen ist, die sich daran gehalten haben: Das “Paläo-Puzzle” ist wohl eines der komplettesten.

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ÜBER DEN AUTOR

Hi, ich bin Chris, Gründer des Blogs und der Autor mehrerer Bücher, die sich inhaltlich im gleichen Themenfeld bewegen. Dazu zählt unser neuestes Werk, "Gesundheit optimieren, Leistungsfähigkeit steigern", das beim Springer-Verlag erscheint, oder auch "Das Handbuch zu Ihrem Körper", das wir 2014 im Eigenverlag publiziert haben. Ich bin Biologe (BSc) und habe meinen Abschluss in zellulärer Biochemie gemacht (1,0).

8 kommentare ab “Protein Leverage: Warum “mehr Protein” schlank(er) macht

  1. Das erklärt warum die ganzen New Comer Carnivoren abnehmen 🤣
    Anstatt einfach mal mehr Protein zu essen wird daraus eine Heilige Diät gemacht.

    1. Diese Form der Ernährung wird nicht funktionieren und wird auf Dauer krank machen. Speziell von Neu5Gc werden wir in den nächsten Jahren noch viel hören und viele Menschen werden es dann bereuen, wochen- und monatelang dieses Zeug via kiloweise Rind und Co. in den Körper gepumpt zu haben. Heißt: Mehr Protein ja, kiloweise “rotes” Fleisch … eher nein.

  2. Immer wieder interessant sowas. Lese ich auch nicht das erste Mal hier auf dem Blog 🙂
    Interessanterweise muss ich mal eine Lanze für einen Bestsellerautor brechen – neben dem GoLs-Lesen höre ich Gerade das Hörbuch Ernährungskompass von Bad Kast. Bin noch nicht durch, aber meine anfänglichen Vorbehalte bestätigen sich nicht – geht zwar weniger in die Tiefe und Mechanismen als GoLs und ist deshalb auch keine Konkurrenz, aber von diesem Proteineffekt, mTOR, Longo/Autophagie sowie einer relativ ideologiefreien Behandlung der Carbs/Fett Thematik liest man da auch. Und auch die Schlüsse scheinen nicht allzu weit entfernt von der edu-Linie. Also für den Einstieg für die Mutti mMn eine gute leichte Lektüre! Wer sich etwas mehr zutraut und die Hintergründe genauer verstehen will dann danach oder auch gerne direkt GoLs 😉

    1. Der ErnährungsKompass von Bad Kast ist super schlecht. Nicht nachvollziehbare “Herzattacke” und Studien mit 10-14 Teilnehmern. Das Geld hättest du dir sparen können. Ich sehe übrigens kaum bis garkeine Paralellen zum Edubliy Konzeptm

      1. Hab das Hörbuch kostenlos erhalten,sonst hätte ich es mir auch nicht gekauft. Vielleicht liegt es auch am Sprecher, aber ich finde es tatsächlich nicht schlecht. Zumindest vor dem Hintergrund der Zielgruppe, Popularität und Aufmachung, weshalb ich durchaus voreingenommen war.

        Gerade das Kapitel zu Fettleber und Insulinresistent gehört. Also wenn der mal nicht bei edubily abgeschrieben hat 😉 soweit ich das beurteilen kann durchaus korrekt und gut erklärt!

        Und der Proteinteil geht 1:1 auf den “Protein Leverage” ein sowie auf den Zusammenhang von Methionin und Autophagie.

        Finde auch, dass immer reflektiert angemerkt wird wenn Studien zu klein sind oder Korrelation/Kausalität nicht unterschieden werden kann – aber vielleicht kommt das in der gedruckten Version nicht so gut rüber!

        Vielleicht offenbaren sich im Fett-Teil noch Schwächen.

        Gluten ist so ein Thema worüber man sich streiten kann und dass mir zu schnell abgetab wird – wäre interessant zu wissen, ob er Fasanos Arbeiten gelesen hat. Aber ansonsten, für so einen massentauglichen Bestseller – schon differenzierter und vollständiger als der meiste andere Kram.

  3. Am meisten stiess mir am Ernährungskompass auf, dass Kast die pflanzlichen Öle gegenüber den tierischen stark favorisierte, ohne auf die Oxidationsproblematik z.b. von Sonnenblumenöl einzugehen.
    Mit der Edubilylinie hat das Buch nicht viel gemeinsam.
    Gut war die Darstellung der Studienlage zu den Themen.

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