BEITRAG
Nahrungs­ergänzung

Was man bei Mikronährstoffdosierungen beachten muss

Immer wieder möchten wir darauf hinweisen, dass es bezüglich der Mikronährstoffzufuhr besser ist, “breit aufgestellt” zu sein, als wenige Werte maximal anzuheben.

Heute ist es beispielsweise Mode geworden, den Vitamin-D-Wert zwecks “Schutz vor Autoimmunität” (oder anderen entzündlichen Erkrankungen) stark anzuheben.

Ohne dabei vorher aber beispielsweise genug Zink und Magnesium im Körper zu haben, kann die Wirkung nicht nur im Nichts verpuffen – mehr noch, wenn man sich Hochdosen reinhaut und später den Zink- und Magnesium-Wert beispielsweise deutlich anhebt, kann es auch zu unschönen Ereignissen kommen.

Ergo: Erst mal gucken, dass alles da ist, bevor man mit dem Hammer kommt und einzelne Werte deutlich anhebt.

Denn umgekehrt: Der Vitamin-D-Haushalt ist nicht nur auf Zink angewiesen. Zink alleine kann je nach Dosis die Wirkung auch verstärken! Abgespeichert haben wir zwar, dass Vitamin D ganz toll vor Autoimmunität schützt. Die Realität ist aber, dass Vitamin D – unter bestimmten Bedingungen – auch die Freisetzung proinflammatorischer (heißt: entzündliche) Zytokine aus Makrophagen stimulieren kann.

Das Spektrum und die Wirkvielfalt von Vitamin D hängt dabei zeitgleich von Vitamin A bzw. der daraus gebildeten Retinsäure ab, die meistens zusammen wirken. Mal konkurrieren die Substanzen, mal wirken sie synergistisch. In jedem Fall kann sich eine Vitamin-D-Wirkung bei unterschiedlichen Vitamin-A-Zufuhren ganz anders zeigen.

Im weiteren Sinne bedeutet das, dass man sich sein eigenes System ganz schön verziehen kann, wenn man daran rumwurstelt. Und das hat nichts damit zu tun, dass man “Laie” oder “Anfänger” ist. Viele, auch ich, unterschätzen die Tragweite von der Wirkung verschiedener Substanzen.

Hat der Körper im Sommer beispielsweise die Möglichkeit, via Feedback-Loops den Vitamin-D-Haushalt engmaschig zu kontrollieren, reicht das im Winter möglicherweise nicht mehr aus, wenn wir uns – “um aufzufüllen” – 1.000.000 IE an einem Tag reinpfeifen. Welcher Mensch hat das vor uns jemals so getan?

Richtig wäre viel eher, weniger wert auf einen Mikronährstoff zu legen und stattdessen dafür zu sorgen, dass alles in ausreichenden Mengen im Körper ist. Und letzteres ist kein Hexenwerk. Denn genau darauf ist der Körper ja programmiert. Wir müssen es ihm nur anbieten.

In der folgenden Grafik habe ich aus dem Kopf heraus mal einige Wechselwirkungen im Vitamin-D- und Vitamin-A-Haushalt zusammengefasst. Die “100 % RDA” steht da beispielhaft, und überhaupt ist alles in der Grafik als Beispiel zu verstehen. Klar muss werden: Das schwächste Glied hält zurück. Ein starkes Glied bringt nichts, wenn der Rest nicht funktioniert. Und ein zu starkes Glied macht vielleicht sogar kaputt!

Im Idealfall überqueren alle Balken die “100 % RDA”-Linie – und zwar nicht nur im Ernährungsplan, sondern auch im Körper. Und am besten man hat da neben vielen 100-%-Balken nicht ein paar wenige 1000-%-Balken!

 

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ÜBER DEN AUTOR

Hi, ich bin Chris, Gründer des Blogs und der Autor mehrerer Bücher, die sich inhaltlich im gleichen Themenfeld bewegen. Dazu zählt unser neuestes Werk, "Gesundheit optimieren, Leistungsfähigkeit steigern", das beim Springer-Verlag erscheint, oder auch "Das Handbuch zu Ihrem Körper", das wir 2014 im Eigenverlag publiziert haben. Ich bin Biologe (BSc) und habe meinen Abschluss in zellulärer Biochemie gemacht (1,0).

7 kommentare ab “Was man bei Mikronährstoffdosierungen beachten muss

  1. Auf den Punkt gebracht! Viele selbsternannte “Experten” vergessen oft das Gesamtsystem. Ich hätte gerne mal eine Meinung zu Antibabypille, ich weiß ein Frauenthema aber total überfordernd als Laie. Also speziell auf die Dosierung von Mikronährstoffen bezogen, also B-Komplex, Magnesium und wer weiß was noch so alles fehlt. Werden die bei der “Entgiftung” in der Leber verbraucht? Erschließt sich für mich alles nicht so wirklich. Also falls ihr überhaupt im Thema seid und sonst vielleicht ein Gastbeitrag? Die weiblichen Leser freuen sich bestimmt!

    Danke für eure grandiose Arbeit, viele Grüße!

  2. Kann mir evtl. jemand den Zusammenhang zwischen Vitamin A und der Schilddrüse erklären ? Ich nehme nämlich L-Thyroxin, Vitamin D (40.000 IE pro Woche) und auch A ein. Mein Vitamin A Wert befand sich vor Einnahme am unteren Referenzwert und ich wollte ihn in einen mittleren Bereich kriegen. Habe jetzt aber Bedenken, ob die Einnahme langfristig Auswirkungen auf die SD hat. Nehme 3 mal pro Woche 30.000 IE ein, der Wert steigt trotzdem nicht so viel an….

    Weiß jmd Rat ?
    Danke 🙂

  3. Hallo,
    habe gar nicht gewusst, dass es Leute gibt die einzelne Werte “hochhauen”.
    Immer Blutuntersuchung!
    Ansonsten schließe ich mich dem Danke der ersten Kommentatorin an (grandios…)

      1. Hi,

        Wie immer ein sehr guter Artikel. Apropo Artikel: Hier gabs mal einen mit dem Titel “Magnesium spielend leicht steigern mit Ballaststoffen” oder so ähnlich. Gibts den wirklich nicht mehr oder sollte ich nochmal bei Pearle vorbeischaun?

        lg
        Christian

  4. Danke für den Artikel und die Auflistung am Beispiel Vitamin-D und A.
    Je tiefer ich in das Thema eintauche, desto mehr frage ich mich allerdings, wie realistisch dieses Abwägen und modullieren überhaupt ist. Das Beispiel im Artikel beleuchtet ja nur mal die Zusammenhänge bzw. die Relationen von D und A, die schon sehr komplex sind. Wenn man aber bei allen Nährstoffen, die man isst und supplementiert, diese Relationen herstellen wollte, wäre man ja nur noch am Rechnen, immer wieder Blutwerte kontrollieren und wieder Feinabstimmung machen.
    Finde ich schwierig und auch ein wenig lästig. Ich zum Beispiel habe keinen Arzt, bei dem ich einfach alle 3 Monate reinschneinen kann und mir die Werte austesten lassen (außer bei einem Arzt-unabhängigen Labor, wo man ohne Arztüberweisung Tests veranlassen kann, was aber wirklich ins Geld geht, denn Blutserum-Tests sind längst nicht so zuverlässig wie zum Beispiel Erythrozyten-Tests, die Mineralien und Spurenelemente schon realistischer wiedergeben).
    Aber auch sonst, abgesehen von den Tests, verliert man sich irgendwann in lauter Berechnungen, weil es, wenn alle Komoponenten berücksichtigt werden, sehr komplex wird.
    Da möchte ich doch einfach am liebsten eine ausgewogene Ernährung anstreben und gar nichts mehr supplementieren. Aber mit unserern Nahrungsmitteln wegen der nährstoffarmen Böden ist das eher ein Witz.
    Darum lande ich dann doch beim Mittelweg, lasse ab und zu etwas testen, ernähre mich gesund und nehme ein paar Supps ein, auch wenn ich nicht 100%ig weiß, ob ich genau diese Dosis dann auch brauche bzw. ich leite es dann an meiner Verfassung ab. Alles total ungenau, klar. Aber man muss sich wohl auch entscheiden, wie viel Zeit und Geld man in diese Berechnungen invenstieren will. Für mich darf es nicht Überhand nehmen, sonst kreisen meine Gedanken nur noch um das richtige Verhältnis von x zu y. Und das missfällt mir dann doch irgendwie, weil es für mich sowas Unnatürliches hat, ständig die eigenen Werte zu tracken und daran herumzubasteln. Ich fühle mich nicht dazu berufen 😉

    Aber ich finde es total gut, dass man anhand dieses Artikels mal sieht, dass es wirklich nicht klug ist, nach dem Gießkannenprinzip vorzugehen und einfach mal alles wahllos einzuwerfen, weil da bei jedem Vitamin und Spurenelent immer steht, wie unglaublich gesund das ist. Es kommt halt eben drauf an, auf die Koordination, und wer sich damit nicht auseinandersetzt, fährt wohl besser mit einer Mimimalversorgung.

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