BEITRAG
Ernährung

Sage “NO” zur Fettleber!

Ach ja. Wir schreiben das Jahr 1998 – ein Herr namens Louis Ignarro kriegt seinen Nobelpreis für seine Forschungen zum Thema “NO”, also Stickoxid (kurz: NO). Sieben Jahre später, also 2005, gibt’s ein Buch von ihm, das hier neben mir auf dem Schreibtisch liegt, mit dem Namen:

NO More Heart Disease – How Nitric Oxide Can Prevent, Even Reverse, Heart Disease and Strokes

Drunter der hübsche Untertitel:

A Proven Program For Boosting Production of the Body’s Own Wonder Drug 

Wohlgemerkt: Das schreibt ein Nobelpreisträger, der zu diesem “Wunderstoff” jahre- oder gar jahrzehntelang geforscht hat.

Ich selbst bin vor mittlerweile fast zehn Jahren darauf aufmerksam geworden. Warum? Weil mein damals engster Freund, halb Afroamerikaner, so einen Wunderkörper hatte – beim Krafttraining wurde aus einem Ärmchen immer der dickste Bizeps im Raum. Der musste eine unfassbare Durchblutung haben. Dachte ich damals. Zeitgleich hatte der nie Körperfett. Gibt’s da vielleicht Zusammenhänge?

Sage “NO” zum entgleisten Energiestoffwechsel

Jedenfalls Grund genug, sich äußerst intensiv damit zu befassen. Gedacht, getan. 2014, im Handbuch, tauften wir Stickoxid “Masterregulator des Stoffwechsels”. Diese Bezeichnung ist natürlich nicht auf meinen Mist gewachsen, sowas würde ich mich nie trauen, sondern auf den “Mist” einer Vielzahl an Wissenschaftlern, die später sogar titelten:

Say NO to Obesity 

Heißt: Es wurde bewiesen (!), dass Stickoxid maßgeblich nicht nur – wie ursprünglich angenommen – für die Gesundheit der Gefäße verantwortlich ist, beispielsweise den Blutdruck reguliert, sondern auch massiven Einfluss auf den Energiestoffwechsel der Zellen hat.

2016 dann der “NO-Guide” von uns. Ein kleines Kapitel nennt sich Stoffwechsel-Gesundheit. Dort liest man beispielsweise:

Durch eine Fruktose-Zufuhr lässt sich sehr leicht metabolisches Syndrom in Versuchstieren induzieren („M”). Man sieht sehr deutlich, dass sich diverse Stoffwechsel-Dysfunktionen daraus ergeben: Eine nahezu doppelt so hohe Insulin- und Glukose-Konzentration, einhergehend mit einer deutlich schlechteren Insulin-Sensitivität, gemessen anhand des IR-Index. Auch die Triglycerid-Werte schießen in die Höhe. Diese Veränderungen können alle alleine dadurch blockiert werden, dass man das Enzym Arginase hemmt (…)

Arginase baut das für die NO-Bildung wichtige Arginin ab. Dadurch sinken die NO-Werte – und erst dadurch werden die Tiere metabolisch krank. Freilich war und ist das nicht die einzige Studie, die diesen Zusammenhang zwischen NO und der Funktion des Energiestoffwechsels beschreibt.

NO hemmt die Entstehung einer Fettleiber

Jetzt, 2018, ganz neu, wird immer deutlicher, dass NO tatsächlich ein Masterregulator ist. Denn soeben wurde eine Studie veröffentlicht, die zeigte, dass die Nitrat-Gabe die Entstehung einer Fettleber hemmt. Nitrat wird über den

Nitrat/Nitrit/NO-Weg

zu NO umgesetzt und aktiviert damit NO-abhängige Signalwege (NO-cGMP). Mittlerweile scheint daher längst akzeptiert, dass Salat deshalb so gesund ist, weil es dem Körper Nitrate liefert, aus denen er NO gewinnen kann.

In dieser wirklich hübschen Studie wurden die oben beschriebenen Ergebnisse bestätigt: Auch hier konnte die NO-Erhöhung beispielsweise die durch Mast induzierten, zu hohen Blutzucker- oder Blutdruck-Werte normalisieren.

Blutdruck der Kontroll-, der Mast(HFD)- und Mast+Nitrat-Gruppe

Wie geht das? Immer der gleiche Mechanismus:

 

Die Mast hemmt die AMPK-Aktivität. AMPK wiederum steuert den Fett- und damit den Energiestoffwechsel der Zellen, zum Beispiel indem es den für die Mitochondrien-Gesundheit wichtigen Zellschalter PGC-1alpha reguliert. edubily-Lesern alles längst bekannt.

Dir nicht bekannt? Dann lies doch mal unser Handbuch (2014) oder diverse Artikel hier im Blog, die sich mit der Thematik befassen. Ansonsten: Du kannst auch auf das neue Buch warten, das voraussichtlich im Februar 2019 erscheint. Gibt kein Buch, das das Ganze besser beschreibt!

Umgekehrt aktiviert Nitrat via NO den AMPK-Signalweg, was die Fettsynthese hemmt und die Fettverbrennung steigert. Resultat: Weniger Fettleber und eine bessere Stoffwechselgesundheit. Bisschen konkreter vielleicht: Die Tiere kriegt man, trotz Mast, nicht so einfach stoffwechselkrank. So etwas erklärt beispielsweise, warum nicht jeder krank wird, wenn er ungesund lebt.

Uns sagt es:

Iss dein Gemüse!

Mehr zu NO

Zu NO gibt’s einige Artikel bei uns, zum Beispiel:

Referenz

Cordero-Herrera I, Kozyra M, Zhuge Z et al. AMP-activated protein kinase activation and NADPH oxidase inhibition by inorganic nitrate and nitrite prevent liver steatosis. Proceedings of the National Academy of Sciences. 2018:201809406. doi:10.1073/pnas.1809406115

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ÜBER DEN AUTOR

4 kommentare ab “Sage “NO” zur Fettleber!

  1. Auch hier gibt es scheinbar zwei Seiten der Medaille. Ray Peat ist z.B strikt gegen NO.
    “Nitric oxide is increasingly seen as an important factor in nerve degeneration (Doherty, 2011). Nitric oxide activates processes (Obukuro, et al., 2013) that can lead to cell death. Inhibition on the production of nitric oxide protects again various kinds of dementia” (http://www.functionalps.com/blog/2014/02/15/ray-peat-phd-on-nitric-oxide/)
    Wenn ich das richtig verstehe ist zuviel NO auch nicht gut? NO scheint wohl für den Körper eher für Zeiten mit viel Stress wichtig zu sein?

    1. Das Thema hatten wir schon 100 Mal 🙂 Lies mal die Kommentare bei den anderen NO-Artikeln, guck im Forum oder kaufe dir unseren extra dafür vorgesehenen NO-Guide. Das Stichwort ist eNOS/NO vs iNOS/NO.

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