BEITRAG
Mental

Die Kaffee-Pause: Weniger Stress, mehr Glück?

 

Schon mal aufgefallen? Perfektion, Schönheit, das Besondere, empfinden wir dann, wenn etwas bis ins kleinste Detail (für uns) stimmig ist … Die Feinheiten, die Nuancen sind es, die letztlich den Unterschied machen und uns begeistern, vielleicht sogar faszinieren. Und natürlich hat hier jeder seine ganz eigene Präferenz und manche Menschen nehmen diese Feinheiten gar nicht richtig wahr.

Wir plädieren für Kaffee-Pausen. (← Es lohnt sich diesen Artikel von uns mal gelesen zu haben!)

Kaffee enthält 1500 Substanzen, die wirken können

Uns ist selten klar, dass Kaffee für die meisten von uns der Hauptlieferant von Polyphenolen, also einer Klasse sekundärer Pflanzenstoffe, ist — oft sogar im Grammbereich! Kaffee enthält rund 1500 Substanzen, die potenziell alle in uns wirken könnten. Beispiele hatten wir bereits genannt: So aktiviert Kaffee wohl potent die Autophagie. So gesehen trinken wir täglich einen Wirkstoff-Cocktail — und edubily-Leser sollten langsam wissen, dass Pflanzenstoffe jeglicher Art ein enormes Wirkspektrum haben können. Natürlich nicht immer im positiven Sinne.

In einem von uns vor knapp einem Jahr veröffentlichten Artikel schrieben wir über Bruce Ames, einst Direktor des National Institute of Environmental Health Science an der University of California, sozusagen Chef-Toxikologe in den USA und Erfinder des Ames-Tests. Der sagte:

Jede Pflanze enthält zig Tausende Karzinogene. Tatsächlich schenkt uns die Natur prozentual betrachtet genau so viele karzinogene Chemikalien, wie wir uns selbst. Und trotzdem essen wir sie ohne Bedenken, weil wir darüber nichts wissen. Wird uns auch nie jucken, weil die Dosen einfach viel zu gering sind.

70 % der Stoffe im Kaffee sind karzinogen. Du trinkst also jeden Morgen fast literweise deinen Krebs-Tod (oder auch nicht — merkste?). Eine Tasse Kaffee am Morgen ist äquivalent zu einer Jahres-Pestizid-Ladung — jedenfalls zu Zeiten des Ames-Videos! Seinen Kaffee zu trinken, während man sich im Internet über Pestizide und Co. echauffiert (siehe oben), ist … na ja, fast schon psychotisch, wie es im Buche steht.

Eine Tasse Kaffee am Morgen sei äquivalent zu einer Jahres-Pestizid-Ladung … sagt Ames.

Kaffee schaltet den Alarm-Modus an

Freilich: Das interessiert mich null. Ich will es der Information halber nur mal gesagt haben. Mich interessiert, was Kaffee mit meinem Körper und mit meiner Psyche macht.

Ganz nüchtern betrachtet, versetzen wir unseren Körper mit der ersten Tasse am Morgen direkt in einen (für uns latenten) Alarm-Modus. Das lässt sich so gut trainieren, dass manche Menschen nur noch funktionieren, wenn sie diesen Alarm-Modus mit Hilfe des Kaffees anschalten. Weil es sich, “alarmiert”, ganz gut anfühlt, halten wir uns oft den ganzen Tag in diesem Modus. Schenken wir uns morgens vielleicht ein Tässchen ein, ist das bei vielen Bäckereien schon ein großer Becher und bei manchen Menschen ist “eine Tasse” eigentlich schon ein halber Liter.

Damit wir uns richtig verstehen: Dieser latente Alarm-Modus ist an sich nichts Schlechtes. Er mobilisiert uns, “verleiht uns Flügel” und härtet uns auf seine Art und Weise ab. Oft ist uns aber nicht bewusst, was uns das kostet. Und in den “richtigen” Momenten kann es uns sogar schaden, wenn wir, dank des Kaffees, nicht mehr aus diesem Alarm-Modus kommen.

Denn natürlich heißt Alarm-Modus, dass der Körper viele “Nuancen und Feinheiten” ausblendet — stattdessen wird der Blick etwas verengt, es fühlt sich fokussiert an, vielleicht wie in einem Tunnel. Doch genau dieser Tunnel wird zum Problem, wenn wir da gar nicht sein wollen oder stattdessen unbedingt auch mal “alles” wahrnehmen sollten. Der Tunnel wird auch zum Problem, wenn wir dringend innere Ruhe bräuchten und Luft zum Atmen.

Auch wahr: Wenn “alles” um uns herum für uns unerträglich wird, beamt sich der Körper bzw. der Geist weg. Das macht er auch ganz ohne Kaffee, zum Beispiel mit Adrenalin und Co. — jeder, der mal in so einem Katastrophen-Modus war, wird wissen, dass das Gehirn hierarchisch quasi alle höheren Systeme abschalten kann, so, dass wir im schlimmsten Falle nur noch auf der primitivsten Ebene des Seins funktionieren. Unter Umständen über Wochen und Monate. Hier hilft uns der Alarm-Modus also, überhaupt überlebensfähig zu bleiben, indem er alles, was für uns schrecklich ist, weitestgehend ausblenden will. Das kann natürlich ziemlich lehrreich sein, man erfährt viel über sich selbst und die Funktionsweise des Gehirns. Kommt es ganz hart, kann es sein, dass wir Erinnerungen verlieren, da dieser enorme Stress auch Zellen im Gehirn absterben lässt.

Ohne Kaffee zu mehr Ruhe und Glück?

“Nuancen und Feinheiten” sind es nämlich, die uns Glück, also Serotonin, bescheren — den inneren Schalldämpfer. Wer mal für eine Zeit den Kaffee streicht, wird vielleicht per Zufall entdecken,

wie ruhig er innerlich wieder wird, wie viel Druck abfällt und … wird vielleicht die Vögel wieder wahrnehmen (wahrnehmen! Nicht nur hören), sieht plötzlich wieder Farben, hört beim selben Lied mal was ganz anderes, kurz: fühlt die Feinheiten und Nuancen des Lebens wieder.

Und das macht Spaß.

Vielleicht erschrickt man auch, wenn einem bewusst wird, wie selektiv das Gehirn sein kann, wie viel es ausblenden kann, obwohl es eigentlich da ist. Wir dürfen es dann nicht mehr erleben und ärgern uns vielleicht später, dass wir es — mehr oder weniger auf Knopfdruck — einfach ausgeblendet haben.

Kaffee ist super. Wer verbindet den Kaffee-Geruch nicht mit dem neuen Tag? Wir dürfen nur nicht vergessen, dass es sich dabei um ein potentes Wirkgemisch handelt, das auch seine Schattenseiten haben kann. Wie bei allem: Wir sollten uns immer im Klaren sein, was wir tun — und uns dann bewusst dafür oder dagegen entscheiden.

PS: Vorsicht beim Entzug. Der erste oder zweite Tag fühlt sich gegebenenfalls an als hätte man den Stecker gezogen. Ganz üble Kopfschmerzen sind auch nicht selten.

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ÜBER DEN AUTOR

13 kommentare ab “Die Kaffee-Pause: Weniger Stress, mehr Glück?

  1. Unterm Strich also einfach zu entkoffeiniertem Kaffee greifen und sich den morgens entspannt möglichst unverfälscht und schwarz gönnen (war da nicht was mit den Milchproteinen…)?

    Wobei ich ja morgens eigentlich glücklich genug bin mit meinem halben Liter warmen, stillen Wassers. Was brauchste mehr…

    1. “Wobei ich ja morgens eigentlich glücklich genug bin mit meinem halben Liter warmen, stillen Wassers. Was brauchste mehr…”

      Echt jetzt? Schon vor lauter Angst vor “Nahrungsgiften” etc. mal was von Genuß gehört?

      1. Der Kommentator scheint mir keine Angst vor Nahrungsgiften zu haben und legt keinen Wert auf morgendlichen “Genuss”. Man muss ja nicht ständig “genießen”. Ich finde warmes Wasser auch prima, nur spricht da nie einer von.

        Entkoffeinierten Kaffee bzw ohne Kaffee will ich aber trotzdem, glaube ich, nie leben.

        Ich finde auch diese Ernährungsoptimierung für mich inzwischen viel zu belastend (habe Psoriasis) und esse jetzt einfach, so oft wie möglich geschnitte TK-Früchte, aufgetaut, Gemüse, Proteine, und oft glutenfreie Brötchen und ab und zu gerne mal Pizza, weil der jahrelange Kampf, jeden Tag, einfach beschissen ist.

        Ich hörs gleich schreien: OMG, aber die ganze Fruktose!! 🙂

    2. Ich hab jetzt 15 kg abgenommen. Vor der Abnahme habe ich auf Kaffee sofort Herzrasen und Schweissausbrüche bekommen (übervergiftung ? ) nun kann ich den Kaffee extrem stark und literweise trinken ohne dass ich Auswirkungen verspüre (ich werde sogar eher müde nach dem Kaffeetrinken ).

  2. Anstatt Kaffee kalt auszusetzen, würde ich bei starkem Konsum ja entspannt die Zufuhr über eine Woche ausschleichen, dann verbringt man die Kaffeepause ohne Stimmungseinsturz, Kopfschmerzen und (Achtung, ich überspitze) Heulkrämpfen. 🙂

  3. Mir persönlich “knallt” Kaffee einfach zu sehr rein, ich vertrage den nicht richtig. Mein Tag beginnt daher mit einer großen Tasse japanischem Grüntee. Die Wirkung des Koffeins ist milder, hält dafür jedoch länger an. Und auch sonst empfinde ich grünen Tee als sehr wohltuend. Das Ritual drumherum gehört für mich auch dazu, um mich auf den neuen Tag einzustimmen.

    Gruß
    Rochus

  4. Ich habe eine sehr gute Kaffeemaschine mit einer eigenen Kaffeemühle. Also jeden Morgen einen super Kaffee. Ich habe nicht das Gefühl,dass mich der Kaffee wacher oder agiler macht. Es ist nur eine Gewohnheit. Wenn ich bei Freunden bin die nur Tee trinken ist das auch OK für mich. Körperlich merke ich keine unterschied. Ich glaube man kann sich auch viel einbilden im Grunde kommt es doch immer darauf an wie viel Kaffee, Tee oder andere Getränke zu sich nimmt. Übertreiben soll man alles nicht.

  5. Ach herrje. Die Qualität der Kommentare war mal eine andere auf edubily.

    Also ich trinke Kaffee meistens dienstags und samstags…?!?!?!

  6. Eine Tasse Kaffee am Morgen und ich werde irgenwie enstpannt und gleichzeit nehme ich gewisse Dinge viel Intensiver wahr. Ich kann das garnicht verstehen wenn hier leute von Herzrasen usw sprechen, mich entspannt Kaffee einfach nur und ich bin sehr Fokosiert dadurch. So unterschiedlich sind Menschen bzw ihr Biochemie.

  7. ich habe die letzten monate auch sehr viel über kaffee gelesen (buchempfehlung “why we sleep” von matthew walker), mich damit auseinandergesetzt, denn ich hab auch gern einfach so ohne nachzudenken mehrere tassen am tag getrunken, weils so dazu gehört hat… ich liebe einen feinen frischen kaffee am morgen, mit der mühle gemahlen, schon der geruch wenn man die kaffeedose öffnet oder zum pushen vor dem sport…
    wie bei so vielen dingen sollte man sich einfach darüber bewusst sein, was kaffee alles bewirken kann (postitiv und negativ). kaffee ist ein genussmittel. und ein weiterer wichtiger punkt, kaffee kommt nicht vom bauern nebenan, sondern legt einen enorm langen weg (sowohl verabreitungstechnich als auch geografisch) zurück bis er in unsre tasse fliesst! ich finde diesen aspekt ebenso wichtig, dabei gehts um den kaffeebau, die arbeitsbedingungen auf kaffeeplantagen, bodenbedingungen, verabreitungsprozesse, pestizideinsatz undundund… da ich im moment in einem kaffeeanbauland unterwegs bin und weiss woher der kaffee kommt, geniesse ich die ein oder andere tasse sehr gern und zwar in vollen zügen und bewusst.

  8. In der Po-Ebene waren 40 Grad und die letzen 40 Kilometer vor Cesenatico nach über 600 gefahrenen Kilometer mit dem Rennrad ohne Schlafen ein Kampf. Ich saß auf einem Stuhl im Supermarkt und merkte, wie ich zitterte. Das machte mir Angst. Schließlich wollte ich ankommen. Mein Langstreckenradkollege reichte mir einen doppelten Espresso vom Automaten. Das Zittern legte sich, und ich konnte mich ins Ziel an den Strand von Cesenatico durchkämpfen: https://www.strava.com/activities/348823529 Da war ich richtig glücklich und zufrieden.

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