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Die eine Ernährungsform für uns Menschen

 

Die Ernährung … Ein ganz schwieriges Thema bei uns. Nach wie vor, leider.

Ich muss allerdings sagen, dass richtige Ernährungskriege seltener geworden sind. Will sagen: die meisten Menschen, auch die vielen Keto-Leute, sind verwirrter, dank der vielen Informationen im Internet. Der Info-Überfluss sorgt also so nebenbei dafür, dass sich manche Gemüter wieder beruhigen.

Doch … Wie sieht es aus? Gibt es eine “Ernährungsform, an die wir angepasst sind?”

Weston Price muss es wissen

Einer muss es wissen: Weston Price. Wer das war, kann Wikipedia schöner ausdrücken als ich:

Weston Andrew Valleau Price, D.D.S. (* 1870; † 1948) war ein amerikanischer Zahnarzt und Ernährungswissenschaftler. Er war von 1914 bis 1923 Vorsitzender der Forschungsabteilung der American Dental Association. Bekannt wurde er vor allem durch seine Studien über die Ernährungsgewohnheiten abgeschiedener Völker („Charles Darwin der Ernährung“).

Der muss es wissen!

Die Inuit-Ernährung als “die” Ernährung für uns? Nein.

So, Thema “richtige Ernährung des Menschen”: Für die Inuit, hoch im Norden, ist das ganz klar, können wir doch — überliefert — nachlesen: Die Ernährung der Inuit bestand aus genau drei Zutaten: Seetang, Fleisch und Fisch. 

Bei einseitiger Brot-, Zucker-, und Grützekost entstand auch bei den Eskimos eine eigenartige schwammige Fettigkeit, die unter den Leuten draußen unbekannt war. Durch die Landeskost hielt man sich schlank und leicht.

Doch es kommt noch besser:

Price bewundert die Ausdauer und Gewandtheit der Eskimos. Er sieht Männer, die in jeder Hand 100 Pfund tragen und das gleiche Gewicht dazu mit den Zähnen halten.

Das sei, so erfährt dieser Herr Price, nichts Ungewöhnliches.

Es zeigt sich immer wieder, dass beim Übergang von der überlieferten Kost zur Ernährung mit den denaturierten Lebensmitteln auch diese, scheinbar so unerschütterliche Konstitution sehr rasch Sprünge und Risse bekommt.

Klingt zu schön, um wahr zu sein, richtig? Auf diesen Beobachtungen und so weiter, fußen ja dann ganze Ernährungsideologien bei uns. “Aber die Inuit…” Schon vor vier Jahren hatten wir das im “Handbuch” thematisiert, geschrieben, dass wir eben keine Inuit sind und die a) ein bisschen anders leben als wir uns das vorstellen und diese Menschen b) wohl einen anderen Stoffwechsel, also genetische Anpassungen haben.

Das wusste auch der oben genannte Price:

Wie es kein allgemeinverbindliches Rezept gibt, so lassen sich aus der Kenntnis einer auch noch so zweckmäßigen Kost eines einzigen Volkes keine allgemeinen Schlüsse ziehen. Wenn z. B. Inlandstämme der Eskimos bei intensiver Fleisch-Fett-Ernährung kaum Arteriosklerose kennen, so erkranken Kirgisen bei ähnlicher Kost verhältnismäßig früh an diesem Leiden.

Ups! Auch das hatten wir, etwas anders formuliert, genau so ins Handbuch geschrieben.

Stark wie Pferde dank Haferkost

Solch ein Spielchen können wir mit vielen noch etwas primitiver lebenden Populationen treiben — zum Beispiel mit den alten Schotten:

“Es gibt eine Art von Nahrung”, schreibt der angesehene Arzt Sir James Crichton-Browne 1901 in Stray Leaves from a Physician’s Portfolio, “die dem Gehirn und dem ganzen Körper während der Kindheit und Jugend hilft, und das sind Haferflocken. Hafer ist das nahrhafteste Getreide und reicher als jedes andere an Fetten, organischem Phosphor und Lecithinen … Früher war sie die tragende Säule der schottischen Bauernernährung und produzierte eine große, gut entwickelte und geistig energische Rasse, aber sie ist es nicht mehr, da sie weniger nützlichen und wirtschaftlichen Nahrungsmitteln, und im Falle der Kinder in den Großstädten Platz gemacht hat … für Tee und Weizenbrot mit Tropfen, Margarine oder Marmelade.”

Und weiter:

Solche Nahrung macht Männer stark wie Pferde …

Da steht also genau das Gegenteil, quasi. Eine auf Hafer (= Kohlenhydrate) basierte Ernährung macht uns groß, stark und gesund. So ähnlich hat das unser Herr Price auch gesehen.

Eckpfeiler “primitiver Ernährungsformen”

Aus den vielen Überlieferungen von Weston Price ergeben sich folgende Charakteristika “primitiver Ernährungsformen”:

  • Die Ernährung gesunder, nicht industrialisierter Menschen enthält keine raffinierten oder denaturierten Lebensmittel oder Zutaten, wie raffinierten Zucker oder Maissirup mit hohem Fruchtzuckergehalt, Weißmehl, Konserven, pasteurisierte, homogenisierte, Magermilch oder fettarme Milch, raffinierte oder hydrierte Pflanzenöle, Proteinpulver, synthetische Vitamine oder toxische Zusatzstoffe und künstliche Farbstoffe.
  • Alle traditionellen Kulturen verbrauchen irgendeine Art von Tiernahrung, wie Fische und Schalentiere, Land- und Wasservögel, Land- und Meeressäuger, Eier, Milch und Milchprodukte, Reptilien und Insekten. Das ganze Tier wird verzehrt – Muskelfleisch, Organe, Knochen und Fett, wobei das Organfleisch und die Fette bevorzugt werden.
  • Die Diäten gesunder, nicht industrialisierter Völker enthalten mindestens das Vierfache der Mineralien und wasserlöslichen Vitamine und das Zehnfache der fettlöslichen Vitamine in tierischen Fetten (Vitamin A, Vitamin D und Activator X, die heute als Vitamin K2 gelten) als die durchschnittliche amerikanische Ernährung.
  • Primitive und traditionelle Diäten haben einen hohen Gehalt an Lebensmittelenzymen und nützlichen Bakterien aus lactofermentiertem Gemüse, Obst, Getränken, Milchprodukten, Fleisch und Gewürzen.
  • Samen, Körner und Nüsse werden eingeweicht, gekeimt, fermentiert oder natürlich gesäuert, um natürlich vorkommende Anti-Nährstoffe wie Enzym-Inhibitoren, Tannine und Phytinsäure zu neutralisieren.
  • Der Gesamtfettgehalt der traditionellen Ernährung variiert von 30 bis 80 Prozent der Kalorien, aber nur etwa 4 Prozent der Kalorien stammen aus mehrfach ungesättigten Ölen, die natürlich in Getreide, Hülsenfrüchten, Nüssen, Fisch, tierischen Fetten und Gemüse vorkommen. Das Gleichgewicht der Fettkalorien ist in Form von gesättigten und einfach ungesättigten Fettsäuren.
  • Traditionelle Diäten enthalten fast die gleichen Mengen an essentiellen Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren.
  • Alle traditionellen Diäten enthalten etwas Salz.
  • Alle traditionellen Kulturen verwenden Tierknochen, meist in Form von gelatinereichen Knochenbrühen.
  • Traditionelle Kulturen sorgen für die Gesundheit zukünftiger Generationen, indem sie spezielle nährstoffreiche Tiernahrung für werdende Eltern, schwangere Frauen und heranwachsende Kinder bereitstellen, die richtigen Abstände zwischen Kindern einhalten und die Prinzipien der richtigen Ernährung für die Jugend vermitteln.

(Quelle: https://www.westonaprice.org/health-topics/abcs-of-nutrition/principles-of-healthy-diets-2/)

Was heißt das für uns? Ein für alle Mal:

Es gibt nicht die eine Ernährungsform für uns Menschen. Punkt.

Das heißt nicht, dass wir nicht (temporär) ketogen, highcarb, was auch immer leben sollen! Jeder kann seine eigene Präferenz rausfinden. Nur es darf kein Dogma daraus entstehen — ganz einfach. Ach, und: Veganismus ist in jedem Fall raus, weil grundfalsch.

Was für uns aber richtig sein dürfte:

Raffinierter Zucker und Auszugsmehle sind keine Grundnahrungsmittel!

PS: Die alten Pfälzer hier haben wohl so einiges richtig gemacht. Kann ich bestätigen, die Alten halten sich knackig. Dank Blutwurst, Leber, Sauerteigbrot und so weiter — ach ja, und Weinschorle!

Referenz

Frei zitiert aus dem Buch “Gefährdete Menschheit: Ursachen und Verhütung der Degeneration” von Albert von Haller

 

 

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ÜBER DEN AUTOR

8 kommentare ab “Die eine Ernährungsform für uns Menschen

  1. Ein Traumhafter Artikel – er fasst so vieles zusammen!!!
    Lebt einfach natürlich, wäre glaub auch eine gute Überschrift.
    Ähnlich wie ich es vor langer Zeit zum Thema “Paleo” schon mal betrachtet habe.
    Es gibt 47 essentielle Substanzen für uns – fügen wir noch die sinnvollen dazu, sind wir bei über 90.
    eine einzelne Substanz betrachtet – kann was rringen…läuft garantiert oft daneben. (siehe D3 & magnesium, D3 & K2, Natrium & Kalium,…,…)
    Immer wieder schön, erfrischend und bereichernd eure Artikel
    WEITER SO

  2. Schöner Beitrag!
    Allerdings halte ich eine vegane Ernährung zumindest phasenweise für ebenfalls sehr potent. Ich konnte nur so meinen Darm wieder hinkriegen. Das tierische Eiweiß, egal wie hochwertig (konsequent, über längere Zeit), schadete mir länger.
    Inzwischen hatte ich jetzt wieder Heißhunger auf Eier. Beim letzten Mal, vor Monaten, schwollen mir nach dem Verzehr die Füße über Tage an. Diesmal keinerlei Probleme mehr 🙂
    Also bitte auch die pflanzliche Kost als wenigstens temporär sinnvoll anerkennen 🙂

    1. Hallo Mira,
      Deine Antwort hat mich sehr berührt, weil auch ich heftigste Reaktionen habe, wenn ich nur ein Ei von meinen eigenen Hühnern esse.
      Deine Erfahrungen würden mich sehr interessieren, da ich z Zt kaum weiterkommen.
      Herzliche Grüße

      Juliane

  3. Ein toller Artikel!

    Exakt und präzise zusammengefasst.

    Ein wichtiger Unterschied bei dem ganzen Ernährungsthema ist auch:

    ist jemand GESUND oder liegt möglicherweise eine Krankheit vor?

    Das bei Krankheiten je nach ihrer Art und Genese verschiedene Ernährungskonzepte (teils diametral entgegenstehend) zum Einsatz kommen ist völlig klar. Siehe das Beispiel Magersucht oder kachektischer Krebspatient vs. übergewichtiger Diabetiker oder Leistungs-Ausdauerathlet vs Leistungs-Schnellkraftsportler.

    Aber präventiv mit einer speziellen extremen Ernährungsform etwas zu bewirken ist doch sehr gewagt in Anbetracht der vielen! sozio-kulturellen und Umweltfaktoren des Einzelnen.

    Interessant ist, dass fast alle der beschriebenen Völker – sofern die Natur/Ernten/Witterung es zulassen, sehr variantenreich Essen und damit viele Quellen an Substrat auch für die Bakterielle Vielfalt im Darm anbieten.

    Einseitige Ernährungskonzepte scheitern bei diesem Thema, weil sie durch das eingeschränkte Substratangebot auch die mikrobielle Diversität einschränken.

    Grüße und schönes WE

  4. Das Buch von Weston Price kann man im Internet komplett lesen mit Übersetzung von Googel.Es ist hochinteressant und Eure Zusammenfassung trifft es auf dem Punkt.Wer sein Wissen noch weiter vertiefen möchte sollte mal in den Blogs von Denise Minger oder Stephan Guyenet vorbeischauen.Da wird dem Ernährungsdogmatismus zu Leibe gerückt, hochwissenschaftlich und spannend.

  5. Weston price hatte nicht recht auf alles. Aber klar eine solche Ernährung ist auf jeden Fall besser als die heutige Ernährung.. Heißt aber auch nicht das Vegetarismus falsch ist, wenn richtige geführt sogar besser, ich sage aber wenn richtig geführt. Man braucht dafür nur den Effekt auf Krankheiten und der Alterungsprozess sehen.. In Frankreich gab es vor 100 Jahr einen grossen Forscher, Erfinder der es geschafft hat wieder junger zu werden und mit 70 Jahre wieder auszusehen wie mit 40.er hat alle Ernährungsformen gestest und sogar eine Klinik aufgemacht und tausende von Leute geheilt. Es war aber leider auch der Mann der am meisten Feinde hate weil er damals schon gegen die ganze Artzt und pharma industrie gegangen ist und auch den eine Erfindung gemacht hatte die es ermöglicht hatte den Leuten ein Hause in einem Monat für sehr wenig Geld zu bauen… Er hat die ganze ekonomie gefährdet und man hat ihn verschwinden lassen mit seiner Arbeit und sein Bücher verboten.. Er hat test mit Ernährung mit und ohne Fleisch gemacht.. Er ist dann végétarier geworden. Man verträgt ein kleines Teil an tierische Produkten aber nicht zu viel. Und Kulturen wie in Okinawa.. Haben nicht viel Fleisch gegessen und lange gelebt. Jedoch keiner von dieser Kulturen hat es geschafft den Alterungsprozess wissenschaftlich zu ändern wie dieser Mann

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