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“Die richtige Ernährung” — ein Gedanke und eine Anleitung

 

Das ist ja ein großes Mysterium. Diese “richtige Ernährung”. Wer “richtige Ernährung” mal erlebt, der … freut sich seines Lebens und bemitleidet ab sofort solche Menschen, die das noch nicht erlebt haben.

Mal ein Gedankengang …

Gehen wir einmal davon aus, dass wir genügend Fettreserven haben, unsere Hormone soweit stimmen und wir normal-gut mit essentiellen Mikronährstoffen versorgt sind.

Was passiert, wenn wir nichts tun, also für ein paar Tage mal nichts essen? Genau …

Der Körper nimmt die Energie aus den Fettreserven und arbeitet fröhlich vor sich hin. 

Kann man mal machen. Dann erlebt man eine vielleicht nie gekannte Leichtigkeit. Wenn wir das nur auf täglicher Basis leben und erfahren könnten, hm?

So … Woran das aber liegt, darüber streiten sich die Geister ja immer. Sind es “spezifische Fasten-Effekte” (Ketonkörper, Fettstoffwechsel und Co., wird häufig vermutet), sind es Faktoren, die in der Nahrung sind, die irgendwas im Stoffwechsel hemmen … oder: sind es anspringende Signalwege, die die Zelle aktiv machen, bestimmte Hormone,…?

Wie auch immer: Fakt ist, machen wir nichts, brummt der Körper, der Stoffwechsel, das Leben so vor sich hin. Und das tut gut!

Dann gibt es raffinierte Menschen, die sagen: Okay, einen Moment mal. Wenn dieser “Fasten-Stoffwechsel” so gut tut, wieso behalten wir den nicht einfach bei, also mimen diesen Zustand, indem wir uns z. B. ketogen ernähren? Hieße dann: Protein für die Magermasse, Rest Fett.

An und für sich ja eine gute Idee, weil wir quasi nichts in dieser Ernährung haben, was den Urzustand, also diesen “Basis-Stoffwechsel” in uns ausbremst. Zumindest ist es weitestgehend ausgeschlossen.

Das Ganze wird aber ungemein komplizierter, wenn wir beginnen, a) mehr Nahrungsmittel einzubinden bzw. zu essen und b) mehr Kohlenhydrate. (Und c) und d) und e) und f)…)

Zu a): Eine größere Nahrungsmittelvielfalt bedeutet automatisch, dass wir auch potenziell mehr Substanzen zu uns nehmen, die irgendwie problematisch in uns wirken können. Da kennt sich jeder Mensch mit Darmentzündung bestens aus. Einmal das Falsche gegessen, schon kann man sich “Leben in Leichtigkeit” wieder abschminken. Heißt dann eher: “Leben auf dem Klo”. Mal im Ernst: Entzündungen, also eine Immunreaktion, wirkt direkt aufs Gehirn und macht schlapp. Freilich sprechen wir an dieser Stelle nicht nur von solchen “Problemen” — das kann eine Vielzahl an Nahrungsmittelbestandteilen betreffen, die “irgendwie” wirken im Körper.

Zu b): Mehr Kohlenhydrate. Ganz heikles Thema. Ja, Insulin-Sensitivität ist was Schönes. Funktioniert schon mal nicht, wenn das Fettgewebe (proportional zur Größe) Fettsäuren in den Blutstrom abgibt. Die Fettsäuren nämlich machen unserem Kohlenhydrat-Stoffwechsel das Leben schwer. Aha. Also isst man viele Kohlenhydrate am besten dann, wenn man einigermaßen schlank ist.

So. Das war jetzt ein statisches Modell. Logischerweise aber ist das Ganze ja dynamisch. Wenn wir jeden Tag 25 % weniger essen als wir verbrauchen oder mal Sport treiben, haben wir schon ganz andere Effekte, z. B. auf Zellebene. Plötzlich saugt der Muskel mal auf und das Zeug schwimmt nicht stundenlang im Blut rum.

Und genau diese Dynamik zwingt uns auch zu essen. Heißt: wir können eben nicht nur von “tollen Fettreserven” leben, denn bald verarmen die Mikronährstoff-Speicher und unsere Hormone reagieren auch auf Nahrungszufuhr.

Aber. Das ändert überhaupt gar nichts daran, dass es genau zwei Möglichkeiten gibt, wieso wir nie zur “richtigen Ernährungsform” finden, die uns auch mal einen funktionierenden Körper beschert.

  • Fasten aktiviert irgendwas, was “gesund” macht.
  • Wir essen irgendwas, was krank macht.

Damit wir uns direkt mal richtig verstehen. “Fasten” heißt normalerweise “reiner Fettstoffwechsel” — Dr. Kempner (nicht nur der, Stichwort “Starch Solution”, Kitava, Tsimane, Blue Zones, Japaner …) hat allerdings bewiesen, dass es ganz egal ist, ob das Substrat Fettsäure oder Glukose heißt. Beide verbrennen sauber, gut und machen das, was sie sollen, nämlich Energie. Genau das erlebe ich auf täglicher Basis selbst. Ist egal, was wir verbrennen. Das hat sich, zumindest in der Wissenschaft, rumgesprochen und nennt sich heute, ganz modern, “metabolische Flexibilität”, die Maschine verbrennt eben das, was sie grade kriegt. Wird noch Jahre dauern, bis das akzeptiert und wieder “in Mode” ist, aber … edubily-Leser wissen es heute schon.

Unterm Strich bleibt also:

  • Optimale Mikronährstoffversorgung
  • Gute hormonelle Situation (wir nehmen einfach mal an, die sei schon da)

Und dann …

  • Irgendein Substrat (Fettsäure oder Glukose), also Energie

Das hatten wir im Stoffwechselbuch genau so hingeschrieben.

In der Theorie ist “richtige Ernährung” also spielend leicht. Die Realität sieht dann zum Beispiel so aus:

Wir sind ein bisschen zu dick, da gibt es etwas zu viele Fettsäuren im Blut, wir trinken gerne Zucker-Wasser, sind also insgesamt ein bisschen insulinresistent, schaufeln mehr auf die Leber als in den Muskel, die Leber aber reguliert immens viel und global (FGF21 und so weiter), tut das aber dann nicht mehr so gut — wir machen uns oxidativen Stress im Blut, Stickoxid dankt ab (Stickoxid aber reguliert den Energiestoffwechsel auf Zellebene), dann essen wir gerne Fleisch, Fleisch und Fruktose machen unter diesen Umständen gegebenenfalls zu viel Harnsäure, raubt uns noch mehr Stickoxid … Und so weiter, und so fort.

Und dann ist der Energiestoffwechsel eben nicht mehr. SO funktioniert “Leichtigkeit” eben nicht.

Deshalb ist DAS Ziel herauszufinden, welche Nahrungs- bzw. Lebensmittel (NICHT PER SE MAKRONÄHRSTOFF!) wie auf mich bzw. meinen Körper wirken. Und das setzt ein völlig undogmatisches Verhalten voraus. Vielleicht isst du ja zu viel Fleisch oder zu viele Milchprodukte? Hast du das mal vom Speiseplan gestrichen? Spaßeshalber? Vielleicht isst du zu viel Protein?

So eine “Ausschluss-Diät” kann sehr aufschlussreich sein. Es ist also eher weniger eine Suche nach der Nadel im Heuhaufen … es ist eher ein banales Probieren, ausgehend von einer funktionierenden Basis. Easy.

Es ist also genau anders als wir immer dachten:

Das, wonach wir suchen, ist schon da. Wir dürfen es nur nicht stören. 😉

Ist das nicht herrlich? Das Leben kann schon einfach sein.

PS: Wenn man das mal in voller Konsequenz macht … also unter Umständen wirklich mal unorthodoxe Sachen macht, dann kann man wirklich sein blaues Wunder erleben und weiß dann, dass der Körper GERNE WÜRDE, aber oft einfach NICHT KANN, weil wir IHN NICHT LASSEN.

PPS: Schon mal aufgefallen? Ist oft so im Leben. Irgendwas in uns WILL und WEIß, aber wir BLOCKIEREN. Und später wundern wir uns dann.

Noch ein PS: Ich weiß ja, dass einige jetzt wieder mit mir diskutieren wollen und werden. Wenn der Körper aber mal so funktioniert wie oben beschrieben, dann greifen auch autoregulative Mechanismen. Das ist genau der springende Punkt. Wenn der Körper funktioniert, dann passt er sich an. Unser Problem ist eben ganz häufig, dass er es nicht mehr (in vollem Umfang) kann oder macht. Dann heißt das, bezogen auf die Makronährstoff-Zufuhr, eben “metabolische Inflexibilität” statt “metabolische Flexibilität” — der Körper kann und der Körper macht. Wenn die Basis mal stimmt.

Merke: Du kannst jede Scheiße im Leben machen. Aber bitte nicht beschweren dann.

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ÜBER DEN AUTOR

Ein kommentar ab ““Die richtige Ernährung” — ein Gedanke und eine Anleitung

  1. Danke für diesen super Artikel. Unterschreibe ich blind und habe es genauso erfahren. Im Übrigen bin ich davon überzeugt, dass das o.g. nicht nur für die körperliche Ebene gilt, sondern ebenso für die geistige und auch seelische/spirituelle Ebene. Besser kann man es m.E. nicht formulieren.

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