Mehr Fisch essen — kein Parkinson?

 

Man kann die Trends ja bereits erkennen. Wo geht die Reise hin?

Während man bis vor einigen Jahren noch ziemlich reduktionistisch unterwegs war (wir nicht ausgenommen) und vor allem Makronährstoffe („Low carb“, „High carb“, „Fruktose“ usw.) oder die Wirkung einzelner Mikronährstoffe in den Mittelpunkt stellte, sieht die Sache heute schon anders aus.

Beispiel: Wir werden in Zukunft eher mal Teile unseres Genoms analysieren lassen, um beispielsweise zu schauen, wo unsere genetischen Schwachstellen liegen. Der eine kann seinen Vitamin-A-Bedarf eben mit Karotten (also ß-Carotin) decken, der andere braucht unbedingt Retinol. Das zu wissen, erspart viel Arbeit und Umwege.

Wir werden Nahrungs- bzw. Lebensmittel bis in die kleinsten Teile analysieren und unzählige Wirkbestandteile ausmachen … um später mal herauszufinden, dass Lebensmittel uns mit ihrer Vielzahl an (uns noch unbekannten) Substanzen gesund halten. Überraschung! Heißt eigentlich, dass wir heute schon wissen, dass man „Essen“ essen soll, um gesund zu bleiben. Das war und ist die Kernaussage von Leuten wie Weston Price. Freilich werden wir auch die eine oder andere Substanz entdecken, die uns nicht gefällt, die uns ggf. krank machen kann. Denken wir diesbezüglich mal kurz an Neu5Gc und Rind- bzw. Schweinefleisch.

So eine neue „Wundersubstanz“ wurde vor einigen Jahren im Thunfisch-Muskel entdeckt. Selenonein, ein starkes Antioxidans, das zusätzlich auch Quecksilber binden kann. Ergothionein ist eine ähnliche Substanz, die sich auch im Essen findet. Neulich berichteten wir über PQQ. Auch kurze Aminosäureketten (Peptide), die bei der Spaltung großer Fleisch- oder Fisch-Proteine im Darm entstehen, können in uns wirken, sind somit bioaktiv und werden heute intensiv erforscht.

Soeben haben Wissenschaftler ein in größeren Mengen im Fisch vorkommendes Protein namens Parvalbumin genauer untersucht. Dieses kleine Protein ist auch für Fisch-Allergie verantwortlich — es gelangt also intakt in unser Blut. Und was macht dieses Protein in uns?

„Parvalbumin sammelt das ‚Parkinson-Protein‘ und verhindert seine Aggregation, indem es sich selbst zuerst aggregiert“, erklärt Pernilla Wittung-Stafshede, Professorin und Leiterin der Abteilung Chemische Biologie bei Chalmers und Hauptautorin der Studie.

Da das Parvalbumin in bestimmten Fischarten (Hering, Kabeljau, Karpfen, Rotbarsch, Lachs usw.) so reichlich vorhanden ist, könnte die gesteigerte Fischzufuhr eine einfache Möglichkeit sein, die Parkinson-Krankheit zu bekämpfen, so die Autoren der Studie. Weiterführend soll nun untersucht werden, inwieweit das auch für andere neurodegenerative Erkrankungen relevant ist und wie genau Parvalbumin im menschlichen Körper verteilt wird.

Langsam dämmert’s uns, warum Zuckerwasser (z. B. Cola) sich nicht nur aufgrund des Kohlenhydrat-, Eiweißanteils und Mikrostoffgehalts vom Fisch-Filet unterscheidet.

Eat real food. 

PS: Auch wieder cool, nicht wahr? Da dachte man jahrelang immer, man könne mal eben „den einen Stoff“ ausmachen, der besonders vor Krankheit X schützt. Wir erinnern uns an Omega-3-Fettsäuren, die ganz besonders gesunden Fette aus dem Fisch. Herrlich, dass die Welt heute wieder etwas komplexer geworden ist.

Referenz

Tony Werner, Ranjeet Kumar, Istvan Horvath, Nathalie Scheers, Pernilla Wittung-Stafshede. Abundant fish protein inhibits α-synuclein amyloid formation. Scientific Reports, 2018; 8 (1) DOI: 10.1038/s41598-018-23850-0

 

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4 Kommentare, sei der nächste!

  1. Guter Artikel! Ich habe zu dem Thema noch zwei Fragen an euch Jungs:
    1. Seid ihr der Meinung, die Vorteile von qualitativ hochwertigem Fisch überdecken immer noch die Nachteile von Belastung mit Mikroplastik und Schwermetallen?
    2. Verkauft ihr ja trotzdem Supps. Wenn man sich die Nährstoffwerte von Lebensmittel ansieht, werden das ja immer weniger. Vollwertige Ernährung plus gute gezielte Supplementierung, wenn man das beste aus sich rausholen will?
    3. Habt ihr eure DNA austesten lassen, wenn ja, wo?

    Sorry für die vielen Fragen, danke für eure ganzen Mühen!

    1. Tatsächlich ist Mikroplastik ein übles Thema, allerdings
      beschränkt sich das nicht nur auf den Lebensraum der Fische !

      Über die Luft bekommen wir ALLE eine gehörige „Dröhnung“,
      und das wird noch Folgen haben.

      Zu Punkt 2 :

      „Ergänzung“ heißt es ja nicht ohne Grund, daher vermutest Du richtig.

      Punkt 3 interessiert mich auch ! =)

  2. Der Dschungel aus Makro-, Mikro-, Super-Nährstoffen zeigt in seiner Komplexität vor allem eines: es gibt kaum belastbare Kausalbezüge. Korrelationen ja, Kausalitäten dagegen…

    Inwiefern eine Substanz X überhaupt in dem komplexen Kontext eines Lebewesens eine Wirkung Y ausüben kann, die zu einer Veränderung der Lebenserwartung Z führt, ist verdammt schwer zu erheben.

    BigData wird es sicherlich in Zukunft erleichtern.

    Irgendwie witzig: man ernährt sich „Bio“ um den Pestizidload zu verringern, aber die „Belastung“ mit oft nicht minder toxischen Alkaloiden oder anderen Pflanzenstoffen ist in der weniger gezüchteten Biopflanze dann größer.
    Je nach Effektivität der Entgiftungssysteme der Leber ist der Einzelne mit konventionellen Produkten fast besser dran …

    Zu 3)
    Früher konnte man einfach Speichelproben zu Google schicken, nachdem man 1 Woche nach der Bestellung ein Testkit zugeschickt bekommen hat.

    Vorsicht: es werden nur genealogische Daten von 23andme präsentiert. Gesundheitsdaten nur für US Bürger (wieder).
    Für Europäer bedeutet das, mühsam mit Sekundär Tools fraglich siginifikante Wahrscheinlichkeiten für vorzeitigen Haarausfall, Hypertonie oder sonst sämtliche Stoffwechselbesonderheiten zu analysieren.

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