Wenn Mikronährstoffe nicht „wirken“

 

… haben wir ein Problem.

Man kann nicht oft genug darauf hinweisen, dass der menschliche Körper ein System ist.

Das bedeutet, dass die vielen verschiedenen Prozesse im Körper Zahnräder sind, die ineinander greifen und greifen müssen. Fällt so ein Zahnrad aus, blockiert halt irgendwas. Natürlich stimmt diese Analogie nicht perfekt, aber sie verdeutlicht, wie wichtig ist es, in Zusammenhängen zu denken und sich nicht stur auf ein paar wenige Prozesse zu konzentrieren.

Machen wir mal ein Beispiel.

Viele Menschen im Gesundheitsinternet experimentieren. Zum Beispiel mit Eisen. Die sehen: okay, der Ferritin-Wert ist niedrig, also muss ich Eisen in den Körper reinschaufeln. Kann man so sehen! Dann wird Eisen eingeworfen, aber die Wirkung bleibt aus. Vielleicht steigt der Ferritin-Wert (leicht) an, aber … es passiert nichts. Das hätte man sich dann also auch sparen können.

Wir hätten uns erwartet … Mehr „Luft“ beim Sport, ein „helleres“ Köpfchen, mehr Power im Alltag. Stattdessen: nichts.

Das kann natürlich viele Ursachen haben, zum Beispiel, dass einfach nichts passieren muss, weil wir doch nicht so Eisen-arm waren wie wir dachten.

Oder: es fehlt auch noch Kupfer. 

Kupfer hängt sich an sein Transportprotein namens Ceruloplasmin und kriegt damit eine Ferroxidase-Aktivität. Das brauchen wir, damit Eisen für uns verwertbar wird.

Gut, also kümmern wir uns zusätzlich noch um Kupfer. Vielleicht passiert hier auch oder noch immer nichts … oder: Kupfer macht Probleme.

Wieso wird uns hier wieder ein Bein gestellt?

Na, vielleicht fehlt auch noch Vitamin A. Denn das aus Vitamin A gebildete Hormon, die Retinsäure, reguliert die Bildung vom Kupfer-Transportprotein, also Ceruloplasmin. Deshalb müssen wir auch auf eine ausreichende Vitamin-A-Versorgung achten. Ach so!

Unterm Strich heißt das für uns dann:

Eisen braucht Kupfer braucht Vitamin A.

Und wir können dann in irgendwelchen Büchern oder Studien lesen: Vitamin A muss da sein, sonst „funktioniert“ Eisen nicht.

Wie hat das die Natur gemacht? Genau: wir setzen uns ein-, zweimal die Woche hin und essen 100 g Leber. Voll mit Eisen, Kupfer und Vitamin A. Thema gegessen.

Daher isst kein Mensch, der noch Tiere selbst jagt und erlegt, nur Muskelfleisch. Selbstverständlich wird das ganze Tier gegessen und genau dann muss man sich über solche Geschichten auch keine Gedanken mehr machen, dann funktioniert auch mal was in uns.

Der Körper ist ein System.

Übrigens: Ähnliches Thema … Wir können trainieren und essen und kalt duschen und … alles mögliche tun, also uns — wie immer — anstrengen, in der Hoffnung, dass uns neue Mitochondrien wachsen und wir ein bisschen gesünder werden. Vergisst man allerdings seinen Magnesium-Wert oder, noch besser, seine Schilddrüsenhormone, trainiert man umsonst!

Der Körper ist ein System. 

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9 Kommentare, sei der nächste!

  1. Schön geschrieben !

    Und wenn jetzt das entsprechende Basiswissen den Humanmedizinern noch
    bei der Ausbildung ausführlicher mitgegeben würde,
    wären diese Gestalten (jaja, es gibt Ausnahmen !) auch endlich
    mehr als staatliche geprüfte Drogenverschreiber…..

  2. Und Justus, welche mehr als 7- (12 bis Facharztreife) jährige universitäre Ausbildung mit den strengsten Zulassungsanforderungen, die weltweit eines der leistungsstärksten Gesundheitssysteme mitbegründet, hast du absolvieren dürfen?

    Beachtlich derlei Äußerungen. Will man meinen, hast du doch bestimmt ebenfalls das komplette Regelstudium der Humanmedizin einmal durchgezogen. Vielleicht inoffiziell unterhalb des offiziellen Radars. „Aber hey“ dachtest Du womöglich: „was die können, DAS kann ich schon lange – sch*** auf die offiziellen Wege mit Zulassung und so! Ich mache einfach so mit!“
    „Und überhaupt, wer braucht schon so eine störende, 5-tägige, staatliche Abschlußprüfungen!“

    Immer diese despektierlichen Schwätzer hinter ihren Rechnern…vielleicht mal von illegalen Substanzen auf staatliche Drogen umsteigen – da stimmen wenigsten Reinheitsgrad und Mischverhältnis.

  3. Stimmt: einfach ist das nicht. Und es scheint irgendwie immer noch ein Vorhang zu geben, hinter den man schauen kann.
    So hab ich meine eigenen Erfahrungen gerade mit Kupfer.
    in mehreren Bluttests habe ich da einen leichten Mangel, sowohl im Serum als auch im Vollblut. Kupfer Supplementierung bringt symptomatisch auch Besserung, zunächst: Mehr Ruhe, wieder längerer Schlaf, aufgeweckter Geist. Nach einer Zeit geht dann aber irgendwas schief und es führt zu: Herzrasen, unruhe, wieder vermehrter Schlaflosigkeit. Ein erneuter Test ergibt, dass der Kupferwert sogar noch ein bisschen gesunken ist.

    Vitamin A wird getestet uuund: Im Vollblut habe soviel Vitamin A, dass ich knapp unter dem oberen Referenzwert bin. Hab also mehr als genug Vitamin A, obwohl ich seit Wochen keine Leber mehr gegessen hatte.

    Eisen kann also nur mit Kupfer verwendet werden. Und Kupfer kann nur mit Vitamin A verwendet werden.
    Vielleicht habe ich ja so große Reserven an Vitamin A, weil meine Leber das eben kaum benutzt, um Ceruloplasmin für das Kupfer zu bauen?

    Was also braucht der Körper, dass er wiederum Vitamin A benutzen kann? Das weiß dann keiner. Wie man Cerulplasmin (und damit Kupfer) erhöht, ist komplett im Dunkeln – außer bei Leuten mit zu wenig Vit A denen man eben dieses gibt.
    Es sind nichteinmal supplements bekannt, die erhöhtes CP zur Folge haben.

    Fazit: Ganz so einfach ist das eben nicht.

    1. hey, lässt du das ceruloplasmin auch immer mitmessen? mit kupfer? man sollte halt immer daran denken, das gilt übrigens auch für vit a, dass die im blut relativ konstant gehalten werden. gilt auch für eisen, zink und so weiter. steigen die werte deutlich an, zeigt das eher ein überstrapazieren der transport- bzw bindeproteine an. wenn du also wegen eines „hohen vit a werts“ im blut auf die versorgung schließt, ist das falsch oder irreführend. hier wäre zB die retinsäure oder auch vit a + bindeprotein ein besserer anhaltspunkt.

      fazit: nein, es ist nicht einfach. aber es wird einfacher, wenn man sich speziell bei zink/eisen/vitamin a/kupfer einfach an rotes fleisch und leber hält.

      1. Hallo,

        da man mehrfach messen muss und ich auch noch andere Dinge habe messen lassen, war CP auch noch messen nicht drin. Aber wenn der Kupferwert sich trotz Leber und Kupferglycinat nicht verbessert, dann kann es an sich ja nur daran liegen, dass das kupfer nicht mittels CP aus der Leber herausgebracht wird. Oder aber ich hätte irgendwas am Darm, dass Kupfer nicht absorbiert wird (aber die anderen Elemente schon noch ausreichend). In dem Fall hätte mir aber auch ne CP Messung keinen Aufschluss gegeben. Morbus Wilson ist es auf jeden Fall nicht.

        Ist Retinsäure nicht eines der Veredelungsprodukte von Vitamin A? Da hast du ja auch nen post zu geschrieben. Wie heißt denn das Bindeprotein das man da messen lassen sollte?
        Hab mich vllt ein bisschen blöd ausgedrückt mit „mehr als genug Vit A“, aber so ein bisschen in die Richtung meinte ich ja auch: Dass der Körper das Vitamin A, das da ist, vllt nicht richtig weiterverwertet, weil irgendwas fehlt oder klemmt. Oder weil meinetwegen der (ab)transport nicht ausreichend stattfindet.
        Nur warum und was tun?

  4. Ich gebe zu bedenken, dass ein niedriger Coeruloplasminspiegel genetisch bedingt sein kann. Auch können heterogene Genträger für ein M.Wilson-Gen (Kupferspeicherkrankheit) grenzwertige Coeruloplasminwerte aufweisen.
    Natürlich kann auch (selten) ein vollwertiger M Wilson dahinter stecken. Im Zweifel sollte man einmal die 24-Cu-Ausscheidung im Urin mitbestimmen. Anhand derer (bei Wilson deutlich erhöht) und mittels der Ermittlung des freien Kupfers im Serum aus Coeruloplasmin und Gesamtkupfer im Serum kann man einen Wilson dann auschließen und ggf. auf Genträgerschaft, genetisch-bedingt tiefes oder sehr selten nutritiv durch starken Cu-Mangel bedingtes Coeruloplasmin schließen.

  5. Also ich habe überhaupt nichts gegen Ärzte und mir ist klar, dass ein Medizinstudium samt
    des Staatsexamens nicht einfach ist und nicht jeder kommt da durch. Mein Sohn ist pro. Mediziner,
    Facharzt für Neurologie mit dem Zusatz Geriatrie. Seine Frau ist auch Ärztin.

    Ärzte kennen fast alle Medikamente und befassen sich mit dem Heilen von Krankheiten bzw.
    der Verbesserung des Gesamtzustands. Wenn der Patient beim Arzt erscheint, haben wir
    in der Regel bereits ein mehr oder weniger massives Problem.

    Aber die Zeit davor, die das Problem letztlich hervorgebracht hat, liegt ausserhalb der ärztlichen
    Einflussnahme und zum Teil ausserhalb der ärztlichen Betrachtungsweise. Das muss ich selber
    oft festellen. Selber beschäftige ich mich seit mehr als zwei Jahren mit Anti-Aging,
    mitochondraler Medizin (von deren Potential ich überzeugt bin) sowie mit Ernährung und
    orthomolekularer Medizin. Sicher ist das auch Gegenstand der medizinischen Ausbildung,
    aber m.E. spielt es in der medizinischen Praxis kaum eine Rolle. Ich bin kein Mediziner, nur
    Dr. der Informatik. Das ist vll. garnicht so schlecht, ich sehe vieles durch eine andere Brille und
    denke in „Blockschaltbildern“.

    edubily geht ja auch in diese Richtung, und ich würde es nicht als Konkurrenz, sondern als
    Ergänzung der angewandten Medizin sehen. Die Rolle der Ingenieure im Bereich Körper
    und Gesundheit ist noch zu klein. De Grey ist auch Computering., ebenso Ray Kurzweil.

  6. Hallo Michael,

    tolle Fachrichtung, die Neurologie. Langezeit leider nur viel Diagnose und wenig Therapieoptionen. Das hat sich glücklicherweise durch die molekulare und mitochondriale Medizin verbessert.

    Ich finde IT-systemtechnische Denkansätze hervorragend als Teil in der Medizin. Bio-Informatik geht ja genau in diese Richtung.

    Wir in unserer Praxis – nur als Beispiel – setzen in großem Stil sämtliche Möglichkeiten der molekularen Diagnostik auch in der Breite! ein. Nicht alle Kollegen mit dem gleichen Enthusiasmus, aber doch alle mehr oder weniger. Wir messen Einzelwerte an Vitaminen, Mineralen, Fettsäuren (v.a. Omega-3- in großem Stil) und ergänzen gezielt.

    Fakt ist aber auch, dass die Datenlage kritisch betrachtet oftmals nicht sehr eindeutig aussieht. Viele Ergebnisse widersprechen sich teils, nicht jeder hat im Alltag die Zeit, sich das originale Abstract durchzulesen.

    Ist dann die Grundhaltung zB eher gegen eine zusätzliche Vitaminzufuhr, wird es schwierig die Kollegen zu überzeugen. Das liegt dann an einer Mischung aus teils Borniertheit, Faulheit, Infomationsüberfluss, Interpretationsspielraum von Informationen und im Bezug dazu emotionalen Überzeugungen und Dogmen sowie Egozentrik.

    Und die Medizin in ihrer Gesamtheit ist eben dann wieder sehr viel mehr, als die reine „Systemanalyse“. Wenn jemand nur 4h schläft weil er sich um seine eigene Gesundheit, die seiner Kinder, seiner Mutter, oder um seinen Job sorgt, kann ich ihm noch so viel Kupfer, Zink, Omega 3 oder Magnesium reinkippen: es wird ihm nur wenig besser gehen.
    Auch ein chronisch erhöhter Sympathikotonus wird nicht durch das leicht Bremens Magnesium in einem Parasympathikotonus umgewandelt.

    Aufgabe der Medizin ist es, die biologischen Systeme und Kaskaden mit dem jeweiligen Menschen als Person und seiner Lebensumstände in Einklang zu bringen und daraus ein Gesamtbild zu formen.

    Grüße

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