Intermittierendes Fasten für Frauen: Kann Fasten die Periode verschieben?

kann fasten die periode verschieben?

 

In den letzten vier Jahren, also seit es diesen Blog gibt, kam es nicht nur einmal vor, dass wir um Hilfe gebeten wurden. Oft auch von Frauen. Und offen gesagt, es ist erschreckend, wie stark sich viele Frauen verschätzen, wenn man das noch so nennen kann. „Verschätzen“ was das eigene Ess- bzw. Lebensverhalten angeht.

Es beginnt mit dem Weglassen von Gummibärchen und endet mit 16 Stunden fasten und „vier Äpfel, eine Banane, fünf Eier, ein Shake, ein großer Salat und eine Hand voll Nüsse“.

„Das isst du am Tag? Das könnte mein Frühstück sein!“ 

Wohlgemerkt: Das Spektrum ist breit. Im schlimmsten Falle steht oben gar nichts mehr Fruktose-, Zucker- oder Fett-haltiges.

Natürlich darf man erwarten, dass solche Frauen sich auch überdurchschnittlich viel bewegen und sich beim täglichen Blick auf die Waage gegebenenfalls fragen, wieso da nicht mehr so viel passiert. Derweil ist die Libido in vielen Fällen nonexistent und die Periode vielleicht auch nicht mehr.

Was ist das? Ganz klar eine … Störung. Egal ob Essstörung oder welche Störung auch immer. Ein normales Verhalten ist das nicht mehr.

So. Zwei Fragen:

  • Wie viele Frauen bzw. Menschen im Allgemeinen betrifft das?
  • Ab wann spricht man von einer „Störung“, also, ab wann ist ein „normales Verhalten“ nicht mehr normal?

Meiner Erfahrung nach haben sehr viele Frauen solche Probleme. Doch nicht nur die. Das Problem ist, dass man es in der Regel nicht mehr sieht und sich selbst also auch nicht als betroffen wahrnimmt.

Doch wann spricht man von einer „Störung“? Die Übergänge sind sicher fließend. Ganz sicher liegt eine Störung vor, wenn das eigene Verhalten beispielsweise dazu führt, dass hormonelle Probleme auftreten.

Eine aktuelle Studie ging der Frage nach, ab wann solche hormonellen Probleme auftreten — untersucht wurde hierbei speziell die reproduktive Achse von Sportlerinnen. Mit anderen Worten: Wie hängen Perioden-Probleme mit dem Sport- bzw. Essverhalten zusammen?

Was wurde in der Studie untersucht?

Wissenschaftler rekrutierten 25 Ausdauersportlerinnen, die ca. fünfmal die Woche insgesamt ca. 12 Stunden trainieren. Es handelte sich dabei also um Wettkampfathletinnen. Zehn davon hatten eine regelmäßige, normale Periode, die anderen 15 nicht.

Diese Sportlerinnen wurden im Detail vermessen. Es wurde alles bestimmt, was man bestimmen kann. Körpergewicht, Körperfettanteil, BMI, VO2max, Hormone … einfach alles, inklusive extensiver Bestimmung sämtlicher Kalorienumsätze, also etwa: Kalorienumsätze ausgehend vom Sport, EPOC-Werte („Nachbrenn-Effekt“), Kalorienumsätze ausgehend von Nahrungsmitteln, Kalorienumsätze, die nicht vom Sport ausgehen (etwa Stehen oder Gehen), und nicht zu vergessen die Grundumsätze. Das war also alles ziemlich aufwändig.

Im Anschluss durften die Sportlerinnen trainieren bzw. essen wie immer und ein „Sport- und Ernährungstagebuch“ über eine Dauer von sieben Tagen führen.

Was wurde in der Studie festgestellt?

Überraschenderweise gab es keinen Unterschied zwischen Athletinnen, die ihre Periode regelmäßig haben und solchen, bei denen das nicht der Fall ist. Jedenfalls nicht bezüglich klassischer Parameter, wie etwa Trainingsumfang, Gesamtkalorienbilanz oder Gesamtkalorienaufnahme in Relation zum Verbrauch beim Sport.

Der im Grunde einzige Unterschied lag beim

Within-day energy deficit.

Dazu muss man wissen, dass es — bei solchen Untersuchungen — gang und gäbe ist, die Gesamtkalorienbilanz oder die Gesamtkalorienaufnahme in Relation zum Verbrauch beim Sport zu bestimmen, um dann Aussagen zu treffen. Das ergebit auch Sinn: Eigentlich sollte es ausreichen, über die Gesamtbilanz Bescheid zu wissen.

Die Autoren merken allerdings an, und das ist entscheidend, dass der Menstruationszyklus ein energiehungriger Prozess ist, der ausreichend Energie und Glukose braucht, damit die wichtigen Hormone auch ausgeschüttet werden. Genauer: Während der Follikelphase wird ein Hormon ausgeschüttet, GnRH, das verantwortlich ist für die Ausschüttung der beiden, für die Eireifung wichtigen Hormone, LH und FSH — dieses GnRH wird allerdings pulsatil (d. h. über den Tag verteilt) ausgeschüttet. Diese Pulsatilität aber hängt wiederum von der Substrat-Verfügbarkeit bzw. -Oxidation ab. Mit anderen Worten: Die Ausschüttung dieser für die Reproduktion wichtigen Hormone wird durch die Nahrungszufuhr über den Tag reguliert.

Und genau das ist das Problem: Das klassische Erfassen der Gesamtkalorienbilanz (pro Tag) sagt nichts darüber aus, wie die Kalorienzufuhr über den Tag verteilt organisiert war. Heißt: Macht es einen Unterschied ob wir 2000 Kalorien in einer Mahlzeit am Abend essen oder regelmäßig über den Tag verteilt, in kleineren Portionen?

Das Erfassen der Within-day energy balance versucht dem Problem entgegenzuwirken. Hier wird die Kalorienbilanz pro Stunde errechnet, quasi eine „real time“-Energiebilanz erstellt.

Stellen wir uns dazu mal einen Probanden vor, der 24 Stunden lang im Bett liegt und nichts isst. Sein Energieverbrauch, für den Tag, würde ca. 2000 Kalorien betragen. Da dieser Proband sich nicht bewegt, könnten wir also davon ausgehen, dass sein durchschnittlicher Kalorienverbrauch pro Stunde etwa 83 kcal beträgt (2000kcal/24h).

Bei Stunde eins wäre sein Verbrauch also 83 kcal, bei Stunde zwei schon 166 kcal, bei Stunde drei … Hätten wir den Verbrauch bei Stunde 10 erfasst, läge der nun bei 830 Kalorien. Nach 24 Stunden hätten wir eine negative Bilanz von genau 2000 Kalorien.

Im echten Leben bewegen wir uns allerdings, essen sogar und wollen eine ausgeglichene Bilanz am Ende des Tages. Deshalb ist das Ganze natürlich deutlich dynamischer.

Trotzdem gibt es so gesehen immer eine „Kalorien-Ideallinie“, also eine Kalorienmenge, die der Körper zum Erreichen einer ausgeglichenen Bilanz (zu einem beliebigen Zeitpunkt) gerne hätte. Im realen Leben sind wir dann mal 200 Kalorien drunter, später aber vielleicht 200 drüber.

Mit Hilfe dieser „Within-day energy balance“-Analyse fanden die Wissenschaftler heraus, dass sich Athletinnen, die ihre Periode nicht regelmäßig bekommen …

  • öfter unter dieser Kalorien-Ideallinie bewegten
  • und diese Kalorien-Ideallinie deutlicher (> -300 kcal) unterschritten.

Mit anderen Worten:

Das Kalorien-Defizit während des Tages war größer und länger. 

Auch, wenn die Gesamtbilanz am Ende des Tages bei allen Athletinnen gleich war. Das ging einher mit niedrigeren T3-Werten, höheren Cortisol- und niedrigeren Östrogen-Werten — übersetzt heißt das: Stress.

Die Autoren schlussfolgerten: Es ist möglich, dass Athletinnen, die ihre Periode nicht regelmäßig bekommen, zu lange am Tag mit zu wenig Blutglukose durch die Gegend laufen, was wiederum die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse negativ beeinflusst.

Was bedeutet das für Frauen, die intermittierendes Fasten praktizieren?

Nun, zunächst einmal muss man festhalten, dass die Studie natürlich auch einige Schwächen hat. Gerade die vielen notwendigen Kalkulationen sorgen dafür, dass nicht die tatsächliche Realität abgebildet wird, sondern lediglich eine Näherung. Darüber hinaus gab oder gibt es einige Korrelationen und die Probanden-Zahl war mit n=25 auch nicht sonderlich groß. Wichtig ist auch, dass es sich dabei um eine Beobachtungsstudie handelte, die keinen klaren Kausalzusammenhang beweist.

Als eine kleinere „Schwäche“, mit Blick auf die Implikationen für uns, sehe ich, dass es sich dabei um Wettkampf-Athletinnen auf hohem Niveau handelte. Eine „kleinere“ Schwäche ist es deshalb, weil zwar der Energie-Umsatz im Allgemein höher ist, die grundlegenden Prinzipien allerdings gleich bleiben. Die ganz unten beim „PS“ angegeben Punkte spielen hier natürlich auch eine Rolle, soll heißen: es dürfte einen Unterschied machen, ob die Frau 40 oder nur 20 % Körperfett durch die Gegend trägt.

Nichtsdestotrotz aber gibt die Arbeit entscheidende Hinweise auf etwas, was generell eher weniger beachtet wird: Es zählt, mit Blick auf hormonelle Auswirkungen, gegebenenfalls nicht nur das, was man am Ende des Tages auf dem Zettel stehen hat. Hinzu kommt, und das ist das Besondere an der Arbeit, dass die Analyse der Kalorienbilanz nicht mehr nur als etwas „statisches“ betrachtet wird. So kann in dieser Within-day-Analyse beispielsweise auch berücksichtigt werden, ob es bereits ein vorhandenes Defizit aus dem Vortag gibt, der Tag beginnt dann quasi nicht bei Null.

Auf Grundlage dieser Arbeit hatten wir den Bogen zum intermittierenden Fasten geschlagen und folgende Grafik erstellt:

Menstruation und Periode

Die Idee ist, darauf hinzuweisen, dass die Länge und die Intensität (wie groß ist das akute Defizit?) der katabolen Phasen am Tag auch Einflüsse auf unsere hormonelle Lage, speziell bei Frauen, haben können. Denn katabole Phasen an sich, sind lediglich dadurch gekennzeichnet, dass es eine akute, negative Energiebilanz gibt.

Um es mal greifbarer zu machen, was das im Alltag bedeutet: Jeder, der IF praktiziert, hat das mal erlebt: Trotz quasi ähnlicher Tagesabläufe bzw. Ernährungsverhalten, hat man am Vortag wohl ein etwas zu großes Defizit angehäuft, weswegen das Fasten am Folgetag nicht so gut gelingt, der Körper schon am Morgen nach Essen schreit. Ein stures Anwenden eines IF-Protokolls hat zur Folge, dass man diese akute, negative Energiebilanz nicht ausgleicht, sondern noch negativer macht. Hier kommt die Studie ins Spiel: Die Intensität (also, wie negativ die Bilanz gerade ist) kann allerdings für eine Reihe von hormonellen Problemen verantwortlich sein.

Unterm Strich bleibt also die interessante Erkenntnis, dass wohl auch das, was wir am Tag so treiben, Einfluss auf das hormonelle Geschehen hat. Konkret: Wenn sich Frauen bei uns mit solchen Problemen vorstellen, werden sie zuerst mal nach ihrem Fasten- bzw. Ernährungsverhalten gefragt.

PS: Die Autoren merken an, dass die Mahlzeiten-Frequenz bei Athletinnen mit Menstruationsproblemen höher war. Hier zeigt sich also, dass es nicht darauf ankommt, jede Stunden einen Apfel zu essen, sondern darauf, tatsächlich auch genug Energie zuzuführen. Darüber hinaus berichten die Autoren, dass diese Athletinnen generell einen hohen Proteinkonsum hatten (Überraschung!) und generell einen etwas niedrigeren Körperfettanteil und eine etwas niedrigere Magermasse aufwiesen. Körperfettanteil bei allen Athletinnen um die 20 %!

PSII: Dürfen (schlanke) Frauen jetzt nicht mehr fasten? DAS sagt dieser Artikel nicht! Die Aussage ist allerdings, dass Frauen gegebenenfalls sehr sensibel (hormonell betrachtet) auf negative Energiebilanzen, auch am Tag, reagieren und es wichtig ist, besser auf den Körper zu hören. Wo ist eigentlich das Problem? Eigentlich sollte jeder, der ehrlich in sich hinein hört, erkennen, wann man fasten kann und wann man besser essen sollte. Was steht dem häufig nur im Weg? Genau: unser Konzeptdenken. Wer stur jeden Tag ein „Protokoll“ leben will, der wird früher oder später auf die Schnauze fallen.

Referenz

Fahrenholtz, I., Sjödin, A., Benardot, D., Tornberg, Å., Skouby, S., Faber, J., Sundgot-Borgen, J. and Melin, A. (2018). Within-day energy deficiency and reproductive function in female endurance athletes. Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports.

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7 Kommentare, sei der nächste!

  1. Bin zwar keine Frau, aber merke bei gleicher Kalorienbillanz + 16-18 Stunden Fasten einen merkbaren Verlust an Libido….
    Sobald ich dann wieder reichhaltig und kohlenhydratreich (!) frühstücke wird es unmittelbar besser.
    Hat jemand ähnliche Erfahrungen?

    1. Also ich bin zwar selten am fasten, zumindest alles was über 12 Stunden liegt, aber da ich seit ca 6 Monaten ca 4kg verloren habe bin ich dem entsprechend ja auch im Defizit, nur eben in einem anderen Sinne.

      Ob das jetzt vergleichbar ist oder nicht sei mal dahin gestellt.

      Aber ja ich merke auch meist durch das essen einen Libidoboost. Von daher denke ich das da durch aus etwas dran sein konnte, mein Gefühl sagt mir jedenfalls ganz klar ja.

      Noch so als kleine Anmerkung, also ich habe zwar mein Cortisol nicht messen lassen, aber mein nüchterner Blutzucker ist recht hoch und nachdem essen, also 1-2h da nach, oft niedriger. Ich denke mal da kann auch jeder seine Schlüsse dar aus ziehen.

  2. Ich (m, 60) betreibe seit etwa einem Jahr wochentags IF 16/8 bis 18/6 (also kein Frühstück, nur zwei Mahlzeiten, kein Zwischendurchessen), wie es sich gerade ergibt. Am Wochenende läuft es u.a. familiär bedingt eher auf 12/12 oder gar 10/14 hinaus, wobei ich aber auch dann nicht 12 bzw. 14 Stunden durchfuttere sondern es grundsätzlich auch nur zwei Mahlzeitenblöcke sind mit wenigstens 5 bis 8 Stunden Essenspause. Der Zweck ist hauptsächlich, auf diese Weise eine Kalorienrestriktion dauerhaft umsetzen zu können, also als eines der Werkzeuge im Rahmen einer Diät. Das hat auch funktioniert und als Teil der erfolgten Ernährungsumstellung habe ich dies auch nach der Diät beibehalten. Ein vermutlich damit verbundener Vorteil war schon nach wenigen Wochen, also weit bevor sich eine wirklich signifikante Gewichts- und Fettverringerung gezeigt hatte, eine deutliche Verringerung des Blutdrucks, die einen weitgehenden Verzicht auf die bis dahin erforderliche Medikamentation ermöglicht.
    Bedingt durch die Wochenendenesserei (Exzesse) habe ich an diesen auch eine deutlich höhere KH-Aufnahme, in Zahlen normal etwa 200g, an den WE meist zwischen 300 und 350g. Irgendeinen Unterschied in der Libido ist mir aber nicht aufgefallen. Möglicherweise ist die Zeitdauer zu kurz. Oder es liegt daran, daß ich wegen Hashimoto ohnehin L-Thyroxin nehme und seit der diät-bedingten und wohl aufgrund nachhaltig gesunkenen Leptin-Pegel aufgetretenen T4/T3-Konversionsproblematik bzw. low-T3-syndrome noch immer 20ug T3 (Thybon) nehme (ich war runter auf 10ug, aber seit ich mit Krafttraining angefangene habe ohne signifikant mehr zu essen mußte ich die Dosis wieder erhöhen). Davor, während der ersten Zeit der Diät, ohne Thybon, konnte ich dieses Problematik durch saubere refeed-days (400g KH) temporär entschärfen.
    Da IF allgemein, auch hier, als positiv bezeichnet wird und in der Tat jedenfalls sehr plausibel ist, daß sich unsere steinzeitlichen Vorfahren nicht jeden Tag satt und zu jeder Tageszeit essen konnten (obwohl man sich natürlich auch vorstellen kann, daß völlige Nahrungskarenz eher die Ausnahme war und „unterwegs“ bei Hunger jedes sich anbietende Stück Obst oder Wurzel etc. genutzt wurde) , ist natürlich besonders interessant, ob die selbst bei IF 16/8 – erst recht aber bei IF 2/5 oder ADF – naturgemäß auftretenden Perioden sehr deutlicher Kaloriendefizite grds nachteilige hormonelle Auswirkungen haben. Dabei ist natürlich auch zu beachten, daß das, was gemeinhin als z.B. IF 16/8 bezeichnet wird, keine 16-stündige Fastenperiode bezeichnet. Denn der Zeitpunkt der letzten Nahrungsaufnahme ist ja nicht der Beginn des Fastens. Nach dem letzten Bissen wird erst mal ordentlich verdaut, und dies kann bekanntlich je nach Nahrung viele, viele Stunden, natürlich auch bis zum nächsten Morgen, dauern. Vielleicht ist der Zeitpunkt der einsetzenden Glukoneogenese, wenn die Glykogenspeicher der Leber weitgehend erschöpft sind, maßgeblich.
    Zum letzten Absatz Deines Beitrags: Gerade bei IF und grundsätzlich gleichem Tagesablauf ist es doch so, daß ein temporäres Kaloriendefizit unabdingbar ist. Entweder ich betreibe grundsätzlich IF als eine Möglichkeit der Kalorienrestriktion und muß dann eben grundsätzlich jeden Tag mit dem zwangsläufig einsetzenden Hunger umgehen und diesen, als Signal des Körper, Energie zuzuführen, ignorieren. Oder ich achte auf das Signal des Körpers und esse grundsätzlich, sobald ich Hunger bekomme, und das war´s dann mit dem IF. IF ist nun mal ein Konzept, ein Protokoll, völlig egal, ob IF 16/8, 2/5, ADF … Und speziell bei diesen Mädels, Wettkämpferinnen, kann man ja getrost davon ausgehen, daß sie ihren geregelten Tagesablauf haben, jeden Tag die gleichen Trainingseinheiten, Nahrungszufuhr usw., anders läßt sich das ja nicht durchführen.
    Das gleiche gilt aber auch für Normalos mit einem geregelten Tagesablauf nebst Kontrolle der Nahrungszufuhr. Was ja überdies gerade bei denjenigen, die auch etwas konsequent Kraftsport betreiben, eigentlich dazu gehört. Aber auch ohne dies dürften die Tage, an denen man abends umständebedingt das Essen ausfallen lassen muß, doch mehrheitlich die große Ausnahme sein. Ich sehe das Bemerkenswerte dieser Studie gerade darin, daß es sich Personen mit einem regelmäßigen Lebenswandel handelt, also gerade nicht zufällige Ereignisse dazwischenfunken und zu unwillkommenen Effekten führen, sondern daß gerade die geplante, routinemäßige, alltägliche und regelmäßige Periode der Nahrungskarenz, des Fastens, der temporären Kaloriendefizite zu diesem nachteiligen Effekt führt.

    1. Hallo Michael,

      danke für deinen (guten) Input.

      „Entweder ich betreibe grundsätzlich IF als eine Möglichkeit der Kalorienrestriktion und muß dann eben grundsätzlich jeden Tag mit dem zwangsläufig einsetzenden Hunger umgehen und diesen, als Signal des Körper, Energie zuzuführen, ignorieren.“

      Hier muss ich dir allerdings widersprechen! Das mit DEM (?) Hunger ist ja nicht schwarz/weiß. Ich glaube, dass man als aufmerksamer Mensch mit Körpergefühl durchaus unterscheiden kann, wie „dringend“ der Hunger ist und ob eine weitere IF-Periode (= Intensivierung der negativen Energiebilanz) an der Stelle noch Sinn macht. Genau das ist ja der Punkt: Bezieht man sich direkt auf die Studie, macht es einen Unterschied ob man „Hunger“ bei, sagen wir, -50 Kalorien oder -300 Kalorien (der temporären negativen Energiebilanz) entgegenwirkt — oder, mit anderen Worten: wenn das Defizit am Morgen schon zu groß ist, muss man sich fragen, ob es Sinn macht, stur ein IF anzuwenden.

      „Oder ich achte auf das Signal des Körpers und esse grundsätzlich, sobald ich Hunger bekomme, und das war´s dann mit dem IF.“

      Auch nicht richtig. Von welchem „Hunger“ sprechen wir denn hier?

      1. Wie ich sagte: Diese Wettkämpferinnen haben ganz gewiß einen regelmäßigen, durchgeplanten Tagesablauf. Und das ist doch bei den meisten Menschen der Fall. Wir haben unsere festen Essenszeiten, früh, mittags, abends, die Zeiten für Sport oder was auch immer. Sei es aufgrund der täglichen Arbeitsroutine, sei es, weil man auch ohne Arbeitsverpflichtung im großen und ganzen seinen festen Rythmus hat. Ich halte es daher für wenig wahrscheinlich, bei diesen Rahmenbedingungen in eine Situation zu kommen, in der das Kaloriendefizit während einer 16-stündigen „Fasten“phase „zu groß“ wird.
        Vom sicherlich Normalfall des IF 16/8 ausgehend, bei dem das Frühstück ausfällt, und einer bis zum Essen eher wenig anstrengenden Tätigkeit, gibt es nach 16 Stunden summiert einen Verbrauch von vielleicht 1600 kcal. Gegessen hat man am Abend sicherlich 1000 kcal. Bleibt also ein Defizit von 600 kcal. Das ist sicherlich typisch bei IF 16/8. Und was folgern wir daraus? Immer gut? Immer schlecht? Hunger habe ich aber schon kurz nach dem Aufstehen, zu einem Zeitpunkt, zu dem noch kaum ein rechnerisches Defizit vorhanden ist (bei dem überdies nicht der Überschuß eingerechnet ist, der aus dem vorherigen Nachmittagsessen mit ebenfalls 1000 kcal bis zum Abendessen noch vorhanden war – denn gerade mit IF 16/8 nehmen wir ja in dem eher kleinen Fenster alle Nahrung zu uns und gelangen so von vorneherein zu einem enormen Überschuß, auch wenn dieser insgesamt betrachtet nur das vorherig „eressene“ Defizit ausgleicht, durch Auffüllen der Glykogenspeicher, die aber wiederum den Puffer der nächsten 16 Stunden bilden, plus natürlich das aufgrund der für das Auffüllen der Glykogenspeicher zu umfänglichen KH-Aufnahme generierte Fett, das aber danach ebenfalls laufend verbrannt wird). Richtig „schwach“ werde ich bis zum Nachmittag oder auch abend eigentlich nicht und ob mich der Hunger stört ist eine Frage der zugeführten Getränke und wie mich meine Tätigkeit bis dahin in Anspruch nimmt (derzeit, kurz vor dem Essen, nimmt mich das Geschreibe so in Anspruch, daß ich keinerlei Hunger spüre).
        Konstruieren wir mal einen anderen Fall: Man schaufelt sich 3/4 der Kalorien schon nachmittags rein und begnügt sind abends mit 1/4, die überwiegend aus Eiweiß bestehen. Energetisch dürfte das Jacke wie Hose sein, wenngleich es hinsichtlich der Gykogenspeicher vielleicht suboptimal wäre: Ein erheblicher, wenn nicht großer Teil der Nachmittags zugeführten KH dürfe ins Fettgewebe wandern. Von der Sättigung her und damit dem Hungergefühl sollte es aber unterschiedlich sein: Ein großer Teil der nachmittags zugeführten Nahrung ist bereits verdaut, diese vergleichweise geringe Menge an EW abends dürfte schon am nächsten Morgen größtenteils wegverdaut sein, nicht? D..h. der morgendliche, vormittägliche, mittägliche Hunger dürfte größer sein als bei einem ordentlichen Abendessen. Aber energetisch spielt das doch keine Rolle. Der Energieverbrauch ist in beiden Fällen identisch. Und da es ohne kräfteraubende Tätigkeit während der Nichtessenszeit (davon gehe ich aus) der Löwenanteil der Energie ohnehin aus der Fettverbrennung gewonnen wird …. der einzige Unterschied besteht m.E. hinsichtlich der Versorgung des Gehirns und ZNS: Ich würde erwarten, daß bei einem ordentlichen Abendessen das Leberglykogen länger zur Aufrechterhaltung des Blutzuckerspiegels herhalten kann: Zum einen wandert durch die „bessere“ KH-Verteilung mehr KH in die Glykogenspeicher, zum anderen ist der abendliche intake größer und damit die Zeitdauer, für die der Blutzuckerspiegel nicht aus den Reserven bedient werden muß. Fazit (nach meiner Logik): Bei einem odentlichen Abendessen ist der Zeitraum der Glukoneogenese deutlich geringer als wenn man abends nur „ein paar“ Eiweiße einfährt. Das (abends nur „ein paar“ Eiweiße) könnte hinsichtlich der Fettverbrennung günstiger sein (auch Fettspeicherung kostet Energie, Glukoneogenese erst recht), möglicherweise wirkt sich dies aber auch auf die Hormonproduktion aus?
        Also, daß es einen Unterschied darstellen kann, wann man wieviel von was futtert, würde mir schon einleuchten. Aber am Ende des Tages, wenn man ins Bett fällt, ist am energetisch, also kalorienmäßig, so oder so auf dem Punkt 0 – oder am Ende, je nach Betrachtungsweise, und das Spiel beginnt von vorne. Wir haben in unserem Körper ja auch keine Kalorienuhr eingebaut, die die laufende „Ausgabe“ mit der laufenden „Einnahme“ vergleicht, und eine daran gekoppelte „Reservelampe“. Was wir aber haben sind Stoffwechselprozesse wie die Glukoneogenese, die unter bestimmten Bedingungen, dem Schwinden (des Füllstands) bestimmter Energiespeicher, einsetzen. Möglicherweise hat das auch etwas mit Leptin zu tun, obwohl es mir wenig plausibel erscheint, daß diese in diesem Zeitraum oder eher geringe Mengen der Fettverbrennung eine derartige Auswirkung haben sollen: Auch bei einer durchaus strengen Diät von z.B. 25% unter Bedarf wirkt sich dies erst nach einigen Tagen aus.

  3. Kurz davor und während ihrer Periode hat meine Frau vielfach ein starkes Verlangen nach warmen, süssen und weichen Speisen.
    Und was tut sie? Sie lässt das zu und fühlt sich etwas besser!

  4. So sehr ich die ganzen Kommentare der hier anwesenden Maenner zu schaetzen weiss und dieses „Forum“ auch in gewisser Weise dem Erfahrungsausstausch dient… es ist einfach nicht vergleichbar!!!
    Ganz platt ausgedrueckt: Ihr habt ab der Pubertaet bis kurz vor dem Dahinscheiden eine hormonelle Nulllinie, welche (bis auf ein paar Ausnahmen) immer gleich verlaeuft. Bei uns finden tagtaeglich Schwankungen statt, die jedweder Beschreibung spotten.
    Es gibt da einen schoenen Spruch von Herrn L. McDonald „Die Frau neben der du eingeschlafen bist, wird nicht die selbe sein, mit der du aufwachen wirst“.

    Hach, ich koennte hier einen Aufsatz verfassen ueber Erfahrungsberichte und die dazugehoerigen Leben, aber das ist ja alles nicht Sudienbasiert und nicht auf nackte Zahlen zu reduzieren.
    Ich jedenfalls wuerde mir mehr Interesse am Thema „Frau und Sport“ sowie „Frau und Ernaehrung“ wuenschen.

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