Was ist eigentlich „Gesundheit“?

 

Spontane Antwort:

Gesund bin ich, wenn ich nicht krank bin.

Leider eine grundfalsche Idee von „Gesundheit“. Woran das liegen mag? Das mag daran liegen, dass nur die wenigsten von uns überhaupt mal erleben, was es heißt, „gesund“ zu sein.

Manchmal denke ich mir, dass viele dauerhaft unzufrieden mit sich und ihrem Körper sind, weil sie insgeheim wissen, dass etwas nicht richtig funktioniert — oder grundlegend falsch –, sie aber keine Ahnung haben, wieso. Und wie, und wo, und was.

Das alles versteht man erst, wenn es im eigenen Körper „klick“ macht und man endlich mit sich und seinem Körper im Reinen ist. Das hat erst mal wenig mit „Triglyceriden“, „Cholesterin“ oder dem „BMI“ zu tun. Das weiß man dann, wenn es soweit ist.

Gesund ist, wenn es im Körper

keinen Gegenwind mehr gibt.

Es fühlt sich „leicht“ an (egal, ob man selber gerade übergewichtig ist), es fühlt sich „reibungslos“ und so an, als ob jemand in uns ein Gaspedal tritt — nicht wir selber wieder ein Gaspedal drücken müssen. Der Körper heilt dann zeitgleich von ganz alleine … und in vielen Fällen schnell.

Das bedeutet übrigens auch: Wenn man sich so nicht fühlt … trotz der auf rationaler Ebene erdachten, „perfekten Ernährungsform“, dann sollten wir mal nachdenken.

Und noch ein Übrigens: „Leicht“, „reibungslos“, „Gaspedal, einfach so“ … Gilt auch für andere Lebensbereiche. Wenn es sich mal so anfühlt, dann weiß man.

Das ist das eigentliche Geheimnis. Wann immer wir uns fragen, warum es „bei dem“ funktioniert (und bei uns nicht), brauchen wir uns dafür nicht anzustrengen, weil es eben nichts mit zusätzlicher Anstrengung zu tun hat. Bei diesen Menschen funktioniert es einfach, ES IST.

Wenn wir also Ironman-Athlet sehen und uns fragen, wie die 20 Stunden in der Woche trainieren können und wir nur maximal drei, dann hat das in erster Linie etwas damit zu tun, dass der Ironman-Athlet von Grund auf kann. 90 % Genetik, 10 %, weil er Jahre dafür trainiert hat.

Das ist das Problem bei „Blutwert-Analysen“. Ein Lebensgefühl kann man nicht anhand von 50 Blutwerten ablesen. Es geht nicht. Diese Werte dienen höchstens als Marker, aber wir wissen nicht mal, ob die Höhe des Wertes Ursache oder Wirkung unseres Problems ist.

Eine Entzündung im Darm und das Leben ist genau das nicht, was wir oben beschrieben haben. Der Darm bremst dann einfach alles aus und wir müssen uns erst mal hinlegen. Involviert sind womöglich Hunderte Substanzen, die „irgendwie“ etwas damit zu tun haben. Können wir sicher irgendwie messen, aber was bringt uns das?

Das Lebensgefühl wird „irgendwo“ gemacht, aber lässt sich nur sehr bedingt ablesen anhand von irgendwelchen Blutwerten!

Warum ich das schreibe?

Weil es mir vorkommt als ob viele Menschen heute „messen, messen, messen“ und „auffüllen, auffüllen, auffüllen“ … aber keinen Schritt vorwärts kommen — stattdessen verdrücken sie im Kämmerlein die eine oder andere Träne, weil „der Tryptophan-Wert so niedrig ist“.

Nicht falsch verstehen: Blutwerte können helfen.

Aber ich kann nicht erwarten, dass Tryptophan, weil ich es im allerhöchsten Grammbereich einwerfe, „glücklich“ macht. Vielleicht sollte man mal darüber nachdenken, dass es zwischen „Tryptophan“ (Aminosäure) und „Serotonin“ („Glückshormon“) schon mal mindestens zwei Enzyme gibt (wie werden die reguliert? Sicher nicht nur von Zink und Co.), der weitaus größte Serotonin-Anteil im Körper sowieso im Darm gemacht wird, es unzählige Hormone und Zytokine gibt, die uns „Glück“ kaputt machen können … und so weiter. Und was ist mit unseren Lebensumständen? Sind wir Maschinen oder Lebewesen?

Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich irgendwelche Vögel auf den Ästen rumspringen. Dabei muss man sich zwangsläufig fragen, ob die gleich mal eine Depression kassieren, weil der Tryptophan- oder der Zink-Wert im Blut fluktuiert?! Wie engstirnig denken wir eigentlich?

Das erinnert mich schon an ein Zitat …

As a class, we are in fact the sorriest cohort of masculine Homo sapiens to ever walk this planet.

Das Zitat funktioniert auch und gerade, wenn man „masculine“ streicht. The sorriest cohort … Traurig, bemitleidenswert.

Wir haben eine zu kleine Erfahrungswelt — und genau deshalb degradieren wir uns und behandeln uns wie etwas, das wir aus dem Alltag kennen — nämlich Maschinen. Dass es im Körper unzählige Hormone gibt, wichtig und mit großem Einfluss, die wir noch nicht einmal (ausreichend) kennen … das sehen wir nicht. Dass der Körper und alles, was darin vorkommt, „pulsieren“ muss … das sehen wir nicht.

Die bottom line, so leid es mir tut: Keiner wird dir sagen können, wie genau du dich ernähren sollst. Das einzige, was bleibt, ist der Mut: Du musst ausprobieren (und ausprobieren und ausprobieren), was für dich funktioniert.

Und dafür brauchst du in erster Linie eine Sache: Viel, viel (Körper-)Gefühl. 

Ach ja, Durchhaltevermögen und den Glauben daran, dass es so ein Lebensgefühl wie oben beschrieben, überhaupt gibt.

Doch, doch. Gibt es. 

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13 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hab bei dem Titel gerade echt schmunzeln müssen. Hab seit Anfang des Jahres meinen eigenen Blog und genau so heißt mein zweiter Beitrag. Aber ich ziehe die Sache von einer ganz anderen Seite aus auf.
    Ich finde deine Gedanken immer wieder sehr anregend. Bitte mach weiter so.

    Besonders deinem Ergebenis, dass jeder seinen eigenen Weg findet, kann ich nur zustimmen !

  2. So sieht das aus. Und durch meine über viele Jahre betriebenen Leistungssport im Ausdauer/Kraftausdauerbereich habe ich noch viel mehr Körpergefühl bekommen, da man das dort sehr intensiv spürt, wann etwas nicht stimmt, wie etwas hilft und was eben nicht gut ist. Tiefgreifende Kenntnisse zur Biochemie im menschlichen Körper bleiben eben nur Theorie und sind nur von wenig Vorteil, wenn man nicht in Experimente geht. Leider wird alles allzu gerne in Schablonen gegossen oder in bereits geöffnete Schubladen gelegt. Weil´s einfacher und bequemer erscheint. Um sein Wohlbefinden zu lenken oder gar zu steuern helfen auch keine 20 Apps. Wir sind bereits auf dem Weg alles zu „technisieren“.

  3. Ein wunderschöner Beitrag !

    Du sprichst mir aus dem Herzen.

    Auch ich erlebe immer wieder so viele Leute, die meinen,
    sie wären ein TANK den man „auffüllen“ müßte oder sollte ….

    Und irgendwie haben all diese Menschen nicht begriffen, das
    sie nicht nur leben, sondern was LEBEN doch eigentlich
    bedeuten kann !

  4. Mich entmutigt dieser Beitrag leider. Dabei ist der Inhalt sicherlich richtig. Das beschriebene trifft genau auf mich zu. Mein Körper läuft definitiv nicht rund. Ich arbeite selbst als Trainer und mache seit 10 Jahren Fitness. Ich war immer ein „Schlaks“ wie man so gerne sagt. Mit dem Training wollte ich vor allem Muskulatur aufbauen, mich frisch und leistungsfähig fühlen. Doch jedes Mal wenn es wieder ein bißchen besser läuft und ich auch schwerer werde trifft mich ein kleiner Infekt. Nichts schlimmes. Mal ein kratzen im Hals, mal eine kleine Grippe. Und schon bin ich wieder raus und auf meinem alten Gewicht (90 kg bei 1,98m). Einmal habe ich es ignoriert und fand mich im Krankenhaus mit einer Herzmuskelentzündung wieder. Seit etwa zwei Jahren verfolge ich diesen Blog, habe das Handbuch gelesen, wie die meisten Trainer in unserem Studio. Im Dezember habe ich dann den Premium Bluttest bestellt. Doch 99% der Werte werden dort als „optimal“ bezeichnet (ausgenommen Omega 3/6).

    Natürlich „hofft“ man, es funktioniere nach dem „Tank-Prinzip“. Denn schon im Ernährungsmodul im Studium wurde klar, was für ein unfassbar komplexer Bereich die Ernährung ist. Jetzt wo keine Ursache nahezuliegen scheint, gibt es tausende Ansätze die man probieren müsste. Da kommt man sich verloren bei vor. Jeder denke ich, dem hier bewusst wird, dass sein persönliches Lebensgefühl nicht der Körper ist der „Gas gibt“, möchte dieses Gefühl wenigstens einmal kurz erleben. Aber welchen der tausend Wege ist da verheißungsvoll? :/

    1. Dazu solltest du auch dein eigenes Verhalten abseits der Nährstoffe hinterfragen.

      Also wie vielen Leuten gibst du z. B. täglich die Hand oder fässt Geräte im Studio an ohne dir die Hände zu waschen? Und wie oft fasst du dir dann auch noch ins Gesicht?

      Bist du bis beispielsweise ausreichend gekleidet? Also weder zu kalt noch zu warm?

      Und nur weil gewisse Werte im Blut „optimal“ zu sein scheinen, heißt das nicht, dass das auch im restlichen Gewebe der Fall ist.

      Besonders wenn du sowieso schon am supplementieren bist erreichst du damit gerne mal ein false positiv. Insbesondere dann wenn du nicht rechtzeitig vor dem Bluttest die Supplemente abgesetzt hast.

      1. Danke für deine Hinweise 🙂 Vor dem Test habe ich für 3 Monate keine Supplemente genommen (außer Eiweißshakes), um ein Bild meiner Ernährung zu haben. Das mit den Klamotten werde ich mir zu Herzen nehmen.

        Gruß

        Julian

  5. Hallo Chris,
    toller Artikel.Ich wollte aber darauf verweisen,daß die Fotos,die den Artikeln vorangestellst sind, für mich immer das spichwörtliche Tüpfelchen auf dem i sind,immer sehr gut ausgewählt.Danke dafür.

  6. Ja, ich kenne dieses Gefühl der absoluten Leichtigkeit. Hab es mit 65 Jahren wiedererlangt
    (glaube ich hatte es früher mal). Alles ist total einfach, Energie ohne Ende, körperlich,
    mental …

    Nur der Weg dahin war schon ein wenig durchdacht. Mit dem Testen ist das so eine Sache,
    wenn man – sagen wir – ein wenig mehr Lebensjahre hat. Ich denke, Verständnis der
    Physiologie und Biochemie ist schon gut. Man muss nicht alles tracken, ist auch viel
    zu teuer. Kann auch die Wirkung einiger Mittel nicht isoliert ausprobieren. Ich nehme
    sie nach einer Wirkanalyse in Maßen (Hormese und Minimierung des maximalen Schdens).

    Wo man nicht dran vorbeikommt:
    1. Ernährungsumstellung
    2. Kraftsport
    3. mentale Umstellung in Richtung jünger
    3. Stoffe: alles was die Mitos ordentlich funktionieren läßt
    4. etwas für die NO-Synthese
    5. etwas für die Hormone (aber keine Substitution)

    Dazu muss ich sagen, dass ich sehr am Thema Anti-/Reverse-Aging interessiert bin.
    Ich finde das sehr interessant und ich bin dadurch motiviert, sehr viele Originalpapers
    zu lesen und meine Schlussfolgerungen zu ziehen.

    1. Hi Stefanie,
      bis Chris einen Beitrag dazu schreibt, empfehle ich Dir das Buch von Dr. Sara Gottfried, „A Breakthrough Program to Reset Your Genes, Reverse Aging & Turn Back the Clock 10 Years“. Das Buch gibt’s inzwischen in deutsch.

  7. Ich denke, Gesundfühlen und Gesundsein ist vor allem auch eine mentale Angelegenheit. Eine Art der Motivation und des bewußten Denkens. Der Geist führt und der Körper folgt. Da ist schon eine Menge dran. Wie ein berühmter Navy-Seal richtig und prägnant sagte, „Wenn Du härter werden willst, sei härter“. Das kann man auch auf gesund beziehen. Viele Menschen malträtieren ihren Körper mit Sport, ohne Sinn und Verstand, rein mechanisch, nur um sagen zu können, ich treibe Sport, sogar exzessiv, also bin ich gesund. Zumindest sehe ich sportlich, schlank, muskulös, also gesund aus. 😉 Es gab bei uns Zeiten und es gibt heute noch Naturvölker, da steht der Wohlbeleibte für Gesundheit, Kraft und Autorität, also genau andersherum. Es ist also vieles auch einfach nur eine Frage des Zeitgeistes. Viele andere schmeißen sich ohne nachzudenken Unmengen an NEM rein und meinen, viel hilft viel und das wird schon für alles mögliche gut sein, also bin ich gesund. Andere springen auf jeden vermeintlich „endeckten“ jetzt aber wirklich ultimativ gesunden Ernährungstrend auf usw. usf. Es ist also nicht so, daß viele Menschen nichts für die Gesundheit tun, oder für das, was sie dafür halten und heute als gesund und als äußerliches Merkmal dafür gilt. Aber sehr viele dieser Menschen fühlen sich dennoch nicht wirklich wohl dabei. Der Einklang von Körper und Geist fehlt und die Art der Herangehensweise oft nicht mit unseren natürlichen Lebensmustern. Der Grund ist einfach, wir leben in einer Optimierungsgesellschaft. Das allein ist aber Stress pur. Alles, jedes und jeder soll optimiert werden, von Beruf, Freizeit bis hin zur „Beziehungsoptimierung“. Und wir überwachen uns dabei auch noch ständig selbst bzw. lassen uns überwachen und kontrollieren, mit Sportarmbändern und jeder Menge Apps usw., vielleicht sogar sponsorde von der freundlichen Kankenversicherung, die es natürlich nur gut meint. Völlig absurd, aber vielen Menschen ist das natürliche Bewußtsein für den Körper und das Essen, aber vor allem auch für das Denken und den inneren Antrieb dadurch verlorengegangen. Man folgt Zwängen und von der Gesellschaft aufdoktroinierten Verhaltensregeln. Der britische Mathematiker, Logiker und Philosoph Bertrand Russell traf es genau, als er meinte: „Viele Menschen würden eher sterben als denken. Und in der Tat: Sie tun es“. Und so entsteht bei vielen Menschen, trotz aller möglichen Aktivitäten, eine Diskrepanz zwischen Gesundfühlen und Gesundsein. Da wird nicht hinterfragt, ist das denn wirklich alles so richtig und gesund? Und wenn ja, wieso fühle ich mich dann trotzdem nicht wirklich gut, schlapp, überlastet oder einfach unwohl? Dazu müßte man vielleicht auch mal innehalten, reflektieren und ggf. verändern usw. Aber dazu müßte man denken und das bedeutet für viele Menschen mehr Stress als alle hektische vermeintlich gesunde Aktivität. Wie sagte Stanisław Jerzy Lec dazu so treffend: „Eine Eigenschaft geistig Träger, die am meisten ins Auge fällt, ist ihre unverwüstliche Aktivität.“ 😉

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