Leptin reguliert die Fettsäure-Freisetzung (Lipolyse)

 

Es gibt Neuigkeiten! Endlich lernen wir mal wieder was Neues.

Leptin steuert den Energiestoffwechsel

Leptin.

Haben wir schon mal gehört, nicht wahr? Das ist das Hormon, das in Fettzellen gebildet wird und im Gehirn (Hypothalamus) „Sättigung“ auslöst. Natürlich nur dann, wenn die Leptin-Rezeptoren sensitiv auf das Hormon reagieren, weswegen es auch hierzu „Leptin Resets“ und andere Spielereien gibt, um die Leptin-Sensitivität wiederherzustellen.

Leptin verbindet somit Körper und Gehirn. Denn das Gehirn „erkennt“ dadurch, dass genug Fettreserven vorhanden sind, der Energiestatus also nicht so schlecht sein kann. Als Folge erhöht der Körper den Energieverbrauch, kurbelt also den Substrat-Umsatz (genauer: die Kohlenhydrat- und Fettverbrennung) an und reguliert die reproduktive Achse, also die Bildung von Schilddrüsenhormonen und Geschlechtshormonen, z. B. Testosteron.

Der Leptin-Spiegel fällt bei strenger Kalorienrestriktion ziemlich schnell ab und ist aller Wahrscheinlichkeit nach ein großer Grund, warum sich viele Menschen nach etwas längerer Diät schlecht fühlen. Auch hierfür gibt es Tipps und Tricks, etwa „Refeed“-Strategien, um den Leptin-Haushalt positiv zu modulieren.

Da Leptin in dieser Hinsicht sehr wichtig ist, gibt es bereits etliche Artikel zu diesem Thema bei uns, etwa hier, hier, hier, hier, und hier.

Leptin reguliert somit also:

  • Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse
  • Hypothalamus-Hypophysen-Schilddrüsen-Achse

Das war altbekannt.

Neue Rollen für niedrige Leptin-Werte

Neu ist, was ein niedriger Leptin-Spiegel macht. 

Bisher gingen die meisten von uns immer davon aus, dass Insulin alleine die Fettfreisetzung reguliert. Das Credo:

Fällt der Insulin-Spiegel ab, setzen wir Fettsäuren frei (Lipolyse).

Aus dem Fettgewebe.

Auf dieser (etwas abgespeckten) „Insulin-Hypothese“ fußen sämtliche Theorien und Konzepte. Ganze Bücher handeln nur davon. Und klar ist: Es stimmt auch … teilweise. Denn Insulin „bremst“ die Fettsäure-Freisetzung (Lipolyse).

Dass an dieser Hypothese irgendwas nicht stimmen kann, zeigten viele, viele weitere Studien. So wird die Lipolyse nicht nur von Insulin reguliert, sondern beispielsweise auch von FGF21, Interleukin-6, Stickoxid und so weiter.

Steigt die Fettsäure-Konzentration im Blut als Folge unserer Diät-Bemühungen an, „switcht“ der Körper in einen anderen Modus, nämlich in den „Fasten-Modus“ — die Kohlenhydratverbrennung in den Zellen wird runtergefahren, die Fettsäure-Oxidation hochgefahren, es wird Glukose gespart. Der Randle-Cycle lässt grüßen, wir werden physiologisch insulinresistent.

Vor einigen Tagen erschien nun eine Arbeit im Journal Cell, die zeigt: Ein niedriger Insulin-Spiegel alleine reicht jedenfalls nicht aus, um diesen Switch herbeizuführen — das heißt: mit einem niedrigen Insulin-Spiegel alleine werden wohl nicht genügend Fettsäuren freigesetzt, um den „Switch“ (zum Glukose-Sparen) herbeizuführen.

Es braucht zusätzlich einen niedrigen Leptin-Spiegel. 

Ein niedriger Leptin-Spiegel, und das ist neu, reguliert nämlich auch die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse … Mit anderen Worten: Ein niedriger Leptin-Spiegel lässt Adrenalin und Co. ansteigen, die ihrerseits die Lipolyse im Fettgewebe stimulieren.

Leptin spielt eine Rolle

Das bedeutet nicht, dass wir einen niedrigen Leptin-Spiegel brauchen, um Fett zu verlieren. Es heißt aber, dass ein niedriger Leptin-Spiegel, vor dem Hintergrund eines niedrigen Insulin-Spiegels, die Lipolyse ankurbelt und somit ganz wichtig ist, wenn es z. B. um das Fasten geht — denn dort ist es wichtig, Glukose-sparend zu werden.

Wir haben also wieder einmal gelernt: Wichtige Aufgaben bzw. Prozesse im Körper werden in der Regel nicht von einem Hormon gesteuert, sondern von einem Orchester reguliert.

PS: Vielleicht sollte ich noch ergänzen, dass das für einigermaßen Normalgewichtige (= normale Stoffwechselfunktion) mit normalen Verhaltensweisen gilt. Erstens, einigermaßen Normalgewichtige haben auch einen geregelten Leptin-Haushalt und zweitens, eine normale Regulation der Fettsäure-Freisetzung (das ist z. B. bei Diabetikern oder Insulinresistenten schon mal nicht so gegeben). „Normale Verhaltensweisen“: Man kann sich Adrenalin und so weiter auch selbst machen, dafür braucht man keinen niedrigen Leptin-Spiegel.

Referenzen

Perry, R., Wang, Y., Cline, G., Rabin-Court, A., Song, J., Dufour, S., Zhang, X., Petersen, K. and Shulman, G. (2018). Leptin Mediates a Glucose-Fatty Acid Cycle to Maintain Glucose Homeostasis in Starvation. Cell.

print

4 Kommentare, sei der nächste!

  1. Nanu, FGF21 da war doch was? Ach ja, der Link über die Mausstudie mit der AA bzw. BCAA Restriktion falls das jemand gelesen hat. Die Viecher haben massig Körperfett verloren bei einer Diät mit eingeschränkter Aminosäurenzufuhr oder BCAA-Restriktion obwohl sie sich weniger bewegten und mehr (pöhse) Kohlenhydrate und fettigen Junk fraßen. FGF21 war dabei stark erhöht, das war einer der Punkte. Zur Studie gabs auch auf Suppversity einen Artikel.

      1. Mein Gedanke war eher, warum das mit dem BCAA funktionierte. Eigentlich hätte ich meinen Hintern drauf verwettet das es am Leucin liegt aber die Sache hat einen Haken. Es gibt nämlich eine Vorgängerstudie eben mit einem Zweig Leucinrestriktion und der war komplett entgegengesetzt von dem was man erwarten würde wenn man das Ergebnis mit der BCAA-Reduktion schon kennt.
        https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4947548/pdf/nihms-800719.pdf

  2. ich habe vor einigen Monaten einen TV-Beitrag* über den Niederländer Wim Hof alias „Iceman“ gesehen, der scheinbar problemlos mit grosser Kälte umgehen kann und dies selbst ohne Kleidung. Er hält achtzehn internationale Rekorde im Ertragen extremer Kälte hält, darunter den Rekord für das längste Eisbad.

    Bei Untersuchungen wurde festgestellt, dass er durch eine spezielle Atemtechnik sehr hohe Adrenalinwerte erreichen kann, die selbst in liegender Stellung höher stiegen, als dies üblicherweise beim Bungee-Jumping der Fall ist. Er vermarktet die Atemtechnik als „Wim Hof Methode“ https://www.wimhofmethod.com/.

    Offensichtlich helfen Ihm die hohen Adrenalinwerten grosse Mengen an Fettsäuren freizusetzen, die schliesslich „verheizt“ werden und Ihn „warm“ behalten.

    *https://www.zdf.de/dokumentation/terra-x/supertalent-mensch-koerperbeherrscher-am-limit-der-100.html

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.