Liebe macht gesund!

Hiermit melde ich mich zurück. Ich will mich für die vielen lieben Worte, egal ob hier in den Kommentaren oder auch per Mail, ganz herzlich bedanken. Das hat in der schweren Zeit sehr gut getan!

Man findet sich selbst plötzlich in einem Albtraum wieder. Auf der anderen Seite wird man selbst auch zum Beobachter und lernt sehr viel. Zum Beispiel über die Psyche des Menschen, über die Mechanismen, die dann ganz instinktiv ablaufen, über die eigene Belastbarkeit, und … über das was plötzlich (nicht mehr) zählt.

Am Ende meines Artikels, unter der Überschrift „Was bleibt?“, schrieb ich, dass in solchen Momenten nichts mehr zählt — außer die Bindung zu anderen Menschen. Aber auch hier beobachtet man. Menschen, von denen man dachte sie wären in solchen Situationen da, sind es nicht. Im Gegenteil! Und andere, von denen man wirklich gar nichts erwartet, stehen — sinngemäß — jeden Tag vor der Haustüre, laden einen zum Mittagessen ein, sorgen dafür, dass man nicht alleine ist.

Und manchmal erwächst in der größten Katastrophe etwas sehr Schönes. Man fragt sich, wie paradox und wandelbar das Leben eigentlich sein kann.

Das große Problem ist, dass einem sehr schnell und ziemlich brachial vor Augen geführt wird, dass das Leben hier sehr vergänglich ist und dass wir viel zu oft viel zu selbstverständlich leben … ja, und auch lieben. Ich fragte meinen Bruder, was einem — als Sohn — Schlimmeres passieren kann als das. Nichts.

Das liegt auch daran, dass plötzlich große Teile von etwas ganz Wichtigem verloren gehen: Urvertrauen. Die Mama war über weite Teile des Lebens das Schutzschild. Das, was sie vermittelte, war Geborgenheit und Liebe. Das mag sich ein bisschen kitschig lesen, aber wir vergessen manchmal, wie wichtig solche Gefühle für unser eigenes Wohlbefinden und unsere eigene Gesundheit sind. Klar: So ein Kahlschlag lässt einen vielleicht sogar am Leben an sich zweifeln, am tieferen Sinn. Auch das ist letztlich nichts anderes als der Verlust an Geborgenheit und Urvertrauen.

Wenn uns das Leben also — gefühlt — das Herz zerfetzt und uns aufzeigt, wie wertlos wir eigentlich sind, ist alles, was bleibt, dieses Loch wieder mit … genau … Liebe und Geborgenheit zu füllen. Denn das, und das muss man ggf. lernen, ist alles, wofür es sich zu leben lohnt.

Da sich dieser Blog hier mit Gesundheit befasst und nicht zum Trauer-Blog werden soll, will ich das Thema kurz noch in eine andere Richtung ausweiten: Im Handbuch gibt es ein kleines Kapitel. Dort schreibe ich u. a. davon, dass man sich mal einen Hund anschaffen soll. Hier mal ein weiterer Auszug:

Diese soziale Interaktion ist deshalb extrem stark in Ihnen verankert. So stark, dass heute lebende Menschen Dinge erfahren wie beispielsweise „soziale Zwänge”. Teil der Gemeinschaft zu sein, ist Ziel des menschlichen Gehirns — immer aus der Sicht der Evolution, denn die Gemeinschaft hilft Ihnen zu erleben. Zumindest ist das die Grundmotivation dahinter. Sie erkennen das daran, dass soziale Interaktionen von Ihrem Gehirn belohnt werden. Deshalb tut es so gut, „mit Kumpels abzuhängen”. Erstaunlicherweise belohnt das Gehirn auch altruistisches Verhalten, so dass jegliche Form freundschaftlicher Interaktion gewinnbringend ist. So werden vermehrt Serotonin und Oxytocin gebildet (Dölen, 2013). Sie fühlen sich wohler und geborgener.

Das heißt, Regel #1: Kooperieren Sie mit anderen Menschen, treffen Sie Freunde und seien Sie zuvorkommend! Das ist keine Floskel, sondern mein Ernst. Das Gehirn braucht den sozialen Kontakt wie Wasser. Suchen Sie also Menschen, die mit Ihrer Denkweise konform sind und gehen Sie in dem Verhältnis auf. Suchen Sie den Kontakt zu Freunden. Soziale Isolation setzt Ihr System unter Stress — das sorgt dafür, dass Sie nicht mehr richtig lernen können (Kamal, 2014). Und: Freunde oder soziale Kontakte stehen in enger Verbindung mit dem Stress-Empfinden. Sie kommen mit Stress besser klar, wenn Sie mehr Freunde haben (Cohen, 1984). Sehen Sie Ihre Freunde ruhig auch als „coping-Strategie”(englisches Wort, das für „bewältigen“, „damit umgehen“ steht) an, um mit dem Leben besser zurechtzukommen.

Ganz egal: Der soziale Kontakt ist absolut essentiell für Ihre Gesundheit (Cacioppo, 2003).

Wenn wir immer über Ernährung oder Sport sprechen, vergessen wir, dass die Gesundheit nicht nur davon abhängt. Ganz im Gegenteil. Regelmäßig höre ich mir dann an … „Aber ich mache doch alles richtig … Und ein Bekannter ist jedes Wochenende unterwegs feiern, raucht, trinkt, ‚lebt sein Leben‘ und ich … bin immer krank …“

Da wurde leider noch nicht viel verstanden, oder?

Tatsächlich sollte man sich manchmal fragen, ob es nicht ein kompensatorisches Verhalten ist, sich zu stark, zu perfektionistisch mit Ernährung und Sport zu beschäftigen. Was fehlt uns da im Leben? Liebe und Geborgenheit vielleicht? Ein starkes Auffangnetz? Das weiche Kissen? Oder, ganz banal … Freunde? Ein „normales“ Leben unter Menschen?

Im Dezember dieses Jahres wird in Nature ein interessantes Paper erscheinen. Thema: Oxytocin. Das „Kuschelhormon“ — u. a. das ist das, wonach wir uns sehnen, wenn Geborgenheit und Urvertrauen fehlt. Das ist der Grund, warum wir zu knabbern haben, wenn wir den Partner plötzlich nicht mehr umarmen können — oder der Kuschel-Hund (meiner will nicht!) stirbt.

Oxytocin ist ganz offensichtlich weit mehr als irgendein Kuschelhormon. Die Autoren fassen zusammen:

Aus Tierversuchen (Nagern und Primaten) ist bekannt, dass chronische Oxytocin-Behandlung zu einem dauerhaften Gewichtsverlust führt, indem es uns weniger essen lässt, den Energieverbrauch erhöht und die Fettfreisetzung induziert. Oxytocin scheint — ungeachtet der Einflüsse aufs Gewicht — den Glukose-Haushalt zu verbessern. Klinische Studien übertragen diese wichtige Beobachtungen zunehmend auf den Menschen. Beispielsweise kann eine intranasale Oxytocin-Verabreichung die Kalorienaufnahme senken, die Fettoxidation steigern und die Insulinsensitivität verbessern. Eine Pilot-Studie zeigte, dass eine achtwöchige Oxytocin-Behandlung zu einem deutlichen Gewichtsverlust bei Fettleibigen führte.

Was will man jetzt machen? Genau, untersuchen inwieweit Oxytocin bei Stoffwechselstörungen eingesetzt werden kann.

Ist das nicht interessant? Jemanden sehr gerne zu haben, es auszuleben, „Schutz“ zu suchen, gerade in sehr schweren Zeiten, wo uns Geborgenheit und Urvertrauen verloren geht, ist nicht nur wichtig die eigene Psyche, sondern … macht oder hält auch gesund!

Das Gegenteil ist auch wahr. In Zukunft, wenn mir jemand schreibt, dass er so ein „Stoffwechsel-Problem“ hat, frage ich ihn erst mal nach seinem „Oxytocin-Status“ 🙂 Notfalls malt man zwei Augen auf ein Kissen und umarmt es! Okay, das war eher Spaß.

Mama hat immer gesagt, ich sei ihr „Fels in der Brandung“ und ich hoffe manchmal sehr, dass ihr dieses Gefühl bei all dem Leid, das sie für sich selbst still ertragen hat, am Ende nicht verloren ging.

PS: „Was bleibt?“ war für mich damals eher eine philosophische Angelegenheit, eine andere Ebene, keine reduzierte „biologische“ oder „biochemische“, wie hier angedeutet. Das ist, sozusagen, die zweite Ebene, die darunter kommt. Die aber hat Effekte auf unsere Gesundheit. Mehr als wir glauben wollen!

Lawson, E. (2017). The effects of oxytocin on eating behaviour and metabolism in humans. Nature Reviews Endocrinology, 13(12), pp.700-709.

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2 Kommentare, sei der nächste!

  1. Wie wahr… alles, was Du hier schreibst.
    Da enke ich sofort auch an das italienische (blue zone) Dorf. Die essen Pizza und Co und laufen sicher auch nicht alle Marathon. Aber, die leben in einer echten Gemeinschaft. Spielen Boccia auf dem Dofplatz, essen die Pizzen und Pasten gemeinsam, lächeln sich an……

    Tja, Ernährung hat jeder elbst in der Hand, Bewegung auch. Freunde, das soziale Netz, wer sich aus dem Staub macht, wenn es einem mal wirklich mies geht-und wie viele… das kann man leider nicht ganz so gut selbst beeinflussen.
    Nur die Gedanken dazu. Das schon. Also müsste ich es mit „be positiv, loose an electron“ versuchen. 😉 Für das Stresshormonmanagement.

    Willkommen zurück und weiterhin mehr bleibende gute Freunde als andere…

    LGMP

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