Die Kalorienbilanz ist entscheidend – Über No-Carb und Yes-Carb

Wie entscheidend ist die Kalorienbilanz?

Wie entscheidend ist die Kalorienbilanz?

Manchmal, so scheint es mir, werden gewisse Sachverhalte im Internet entweder absichtlich oder aus purer Unwissenheit falsch dargestellt oder beschrieben. Das betrifft vor allem bereits klar definierte Sachverhalte, also solche, über die man sich ganz bestimmt nicht mehr zu streiten braucht.

Unsere Leser lesen ja mit — im Internet. Manche von ihnen schicken mir dann Texte. Ganz besonders interessant finde ich es, wenn Artikel in Ärztezeitungen erscheinen, die sich inhaltlich mit unseren Texten hier decken.

Kohlenhydrat-Diät heilt Diabetes

Hier mal eine ganz nette Geschichte:

Die Therapeuten einer adipösen 69-Jährigen mit Typ-2-Diabetes und 30 Jahren Krankheitsgeschichte waren mit ihrem Latein am Ende. Nach 24 Jahren Insulintherapie konnten auch höchste Dosen des Hormons plus ein DPP4-Hemmer ihren Blutzucker nicht mehr ausreichend senken: Ihr HbA1c lag bei 10 Prozent und war seit Jahren stark erhöht.

Gängige Maßnahmen gegen Insulinresistenz wie mehr Bewegung, Gewichtsabnahme oder Metformin (Niereninsuffizienz!) schieden aus, berichtete der Diabetesberater Mario Althaus von den Kliniken Essen-Mitte bei der DDG-Herbsttagung. Eine stationäre Therapie mit Insulin-Perfusor schien die Ultima Ratio. Da stießen die Therapeuten auf die 1902 von Carl von Noorden entwickelte Haferkur. Die mehrtägige Kost nur mit Kohlenhydraten hatte sich bereits 2006 als sicher und wirksam gegen Insulinresistenz erwiesen (Diabetologie und Stoffwechsel 2006; 1: A58).

Allerdings: Drei Tage nur Haferschleim sei heute unzumutbar, praktikabel hingegen eine Diät mit ausschließlich Kohlenhydraten in Brot, Nudeln, Reis, Gemüse und Obst, so Althaus. Dies war bei der Frau überraschend erfolgreich, wie er anhand ihres Diabetestagebuchs belegte: Am Tag vor der Diät lagen die Blutzuckerwerte trotz Therapie mit 30 IE Basalinsulin plus 58 IE, 38 IE und 28 IE Mahlzeiteninsulin morgens nüchtern bei 309 mg/dl, nach dem Mittagessen bei 406 mg/dl, um 16 Uhr bei 303 mg/dl und um 22 Uhr bei 221 mg/dl.

Bereits am ersten Diät-Tag gingen die Werte deutlich zurück von 254 (nüchtern) auf 117 (mittags), 85 (16 Uhr) und 110 mg/dl (22 Uhr). Gleichzeitig wurde Mahlzeiteninsulin auf 52, 18 und 6 IE reduziert. Am zweiten Diät-Tag kam es mit der reduzierten Insulinmenge mittags bereits zu einer Hypoglykämie. Die verbesserte Insulinsensitivität hielt dabei auch Wochen nach den Diättagen an.

Inzwischen wurden viele Typ-2-Diabetiker von Althaus und Kollegen mit „Entlastungstagen“ behandelt. Nach seinen Angaben werden bei etwa 70 Prozent der Betroffenen deutliche Erfolge verzeichnet. Und versage die Diät am Anfang, sei eine Wiederholung durchaus erfolgversprechend.

Quelle Ärzte Zeitung online, 20.11.2017

Mit einer „mehrtätigen Kost nur mit Kohlenhydraten“ kann man Diabetes also in den Griff bekommen. 

Lassen wir uns den Satz doch einfach mal eine Sekunde auf der Zunge zergehen.

Wer kann nach so durchschlagenden Ergebnissen noch behaupten, dass Kohlenhydrate Insulinresistenz und Diabetes verursachen? Nicht nur Anfang, sondern auch Mitte des 20. Jahrhunderts (wie erinnern uns an ein Herr Dr. Kempner mit seiner Reis-Diät) konnte gezeigt werden, dass Kohlenhydrate sehr wohl imstande sind, Diabetes und sämtliche assoziierte Erkrankungen zu heilen.

So.

Und täglich grüßt das Murmeltier – entscheidend ist die Kalorienbilanz

Was passiert hier bei uns, wenn wir über sowas schreiben? Genau, dann kritisiert uns wieder der ein oder andere Keto- und Low-Carb-Befürworter. Nicht böse gemeint! Das Gleiche passierte auch unter dem o. a. Artikel.

So kommentiert Ernährungswissenschaftler und Autor Nicolai Worm sehr richtig:

Das funktioniert – weil Very Low Calorie Diet – hat nichts mit „Kohlenhydraten“ zu tun!

Dass das funktioniert hat einen einzigen Grund: VLCD! Bei den Hafertagen wird die Kost auf ca. 800 kcal/Tag abgesenkt! Die Leber entfettet und wird wieder insulinsensitiv und reguliert den Zuckerhaushalt wieder normal!

Der Wirkmechanismus wurde gerade von der Arbeitsgruppe um Gerald Shulman geklärt: http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1550413117306162?via%3Dihubs

Ganz genau richtig. Es hat nichts mit Kohlenhydraten zu tun. Aber auch nicht mit No-Carb. Die Kalorienbilanz ist entscheidend.

Die Sache ist, wie oft erklärt, simpel: Der Bock ist dann richtig fett, wenn die Leber Glukose nicht mehr aufnehmen mag. Periphere Insulinresistenz, also z. B. im Muskel, ist auch doof, aber erst, wenn die Leber dicht macht, gibt es die richtige Katastrophe.

Fettverlust macht stoffwechselgesund

Wie oft beschrieben, es gibt einen richtigen Weg:

Das überschüssige Fett in den Geweben muss verbrannt werden. 

  • Im Muskel
  • In der Leber
  • In der Bauchspeicheldrüse

Von Letzterem wurde gezeigt, dass ein Fettverlust in der Bauchspeicheldrüse Diabetes „heilen“ kann. 

Der Punkt ist, wie oben angedeutet: Es stimmt, nicht weil die Menschen Kohlenhydrate gegessen haben, verschwand der Diabetes. Sondern, weil die Leute da einen Fettverlust herbeigeführt haben.

1. Beobachtung also: Man kann auch mit Kohlenhydraten abnehmen. Das ist ja schon mal etwas, was von der Low-Carb oder Keto-Community gerne infrage gestellt wird.

Was aber macht „No Carb“?

2. Beobachtung: Wenn No Carb unterm Strich dafür sorgt, dass man mehr Fett oxidiert als zu sich führt, haben wir eine negative Fettbilanz. Folge: Leber und Körper wird entfettet.

Was aber braucht man für eine negative Fettbilanz? Sicher keine positive Fettbilanz. Das heißt, man braucht hier eine negative Kalorienbilanz. Das ist eigentlich ziemlich einfach.

Heißt: Egal ob No– oder Yes-Carb … Um Insulinresistenz loszuwerden, braucht es … Ja, lange genug darüber gesprochen.

Das ist also die Basis, die Wahrheit sozusagen.

Und die Machbarkeit?

Über die Machbarkeit kann man sprechen. Was fühlt sich besser an? Low-Carb oder Higher-Carb?

Meiner Erfahrung nach: Für richtig dicke Menschen eignet sich Low-Carb besser. Bei ihnen schwimmt sowieso viel zu viel Fett (und Fettsäuren) im Blut. Je schlanker ein Mensch aber wird (was nicht gleichbedeutend ist mit metabolischer Gesundheit), umso höher kann der Kohlenhydrat-Anteil sein, weil man dadurch einfach ein paar Systeme entlastet, etwa die reproduktive Achse (Schilddrüsenhormone und Co.), die auch ganz essentiell für das Gelingen einer langfristig angelegten Diät sind.

So, der status quo und die richtige Idee wäre dann: Solange ich jetzt dafür sorge, dass ich nicht wieder an Gewicht zulege, ist es egal, ob ich No-Carb oder Yes-Carb lebe. Für Yes-Carb sprechen die Blue Zones, Kitava, Tsimane und so weiter. Es geht also.

Was macht die Leber fett?

Leider schwingt an dieser Stelle immer eine Angst mit. Nämlich die Angst vor der De Novo Lipogeneseder Fettneubildung aus Kohlenhydraten — in der Leber. Die Annahme: Kohlenhydrate induzieren in der Leber die DNL, das macht die Leber fett und somit insulinresistent.

So kann man das metabolisch Kranken und Dicken erzählen, damit die nicht mit einem „Aber…!“ um die Ecke kommen. Ich denke trotzdem, dass es nicht die feine Art ist, Menschen zu belügen. Auch nicht, wenn man eigentlich das Wohlergehen dieser Menschen im Sinn hat.

Was sehr häufig nicht gesehen wird:

  • Die Leber wird nicht fett, weil sie sich selbst fett macht, sondern weil sie mit Fettsäuren überladen wird. Fettsäuren im Blut steigen proportional zur Fettmasse. Das heißt: Alleine dadurch, dass man zu viel Fett an seinem Körper hortet, sorgt man dafür, dass auch zu viel Fett in die Leber gelangt. Tatsächlich waren 60 % der Fettsäuren, die man in einer Fettleber findet, selbst mal freie Fettsäuren, waren also mal im Fettgewebe zu finden.
  • Mit steigender Fettmasse wird es für das Fettgewebe schwerer, Fette aus dem Blut zu fischen, die über die Nahrung kommen. Das Fettgewebe „wehrt“ sich gegen zu viel Fett. Resultat: Triglyceride werden von der Leber aufgenommen und müssen dann via VLDL (Cholin!) abtransportiert werden. Das kann 15 % der aus der Leber transportierten Fette ausmachen.
  • Die DNL ist beim stoffwechselgesunden Menschen quasi nicht aktiv (2-5 %) und kann höchstens mit viel Liebe und viel Cola stärker aktiviert werden. Hier variieren die Zahlen: Bei Menschen mit einer Fettleber können es 15 % bis 26 % sein.

Die Autoren schlussfolgern:

Egal ob gesund oder krank, die DNL ist nicht hauptverantwortlich dafür, dass die Leber fett wird. 

Dennoch: Sie kann ein Marker dafür sein, wie viele Fette in der Leber verbrannt werden. (Sanders, 2015)

3. Beobachtung also: Man kann nicht einfach sagen, dass Kohlenhydrate die Leber fett machen. Das tun sie bei stoffwechselgesunden Menschen, die Yes-Carb leben, ja auch nicht.

Unterm Strich …

… bleibt, wieder einmal: Ja, man kann sich darüber streiten, welche Ernährungsform am besten geeignet ist, um Stoffwechselgesundheit wiederherzustellen. Es geht aber nicht so sehr darum, einen Schuldigen (Makronährstoff) ausfindig zu machen. Es stellt sich eher die Frage nach der Machbarkeit. Hier aber sollte man nicht stur festgenagelt sein. Je nach Fortschritt und Präferenz können verschiedene Vorgehen Sinn ergeben.

Sich aber Fakten zurechtzubiegen, damit man sich seine eigene Ernährungsweise schönreden kann … Das ist nicht in Ordnung!

Literatur

Sanders, F. and Griffin, J. (2015). De novolipogenesis in the liver in health and disease: more than just a shunting yard for glucose. Biological Reviews, 91(2), pp.452-468.

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21 Kommentare, sei der nächste!

  1. Und mal wieder „entdeckt“ man, dass :

    1) Kalorienbilanz entscheident ist

    2)Kein weg an einer individuellen Ernährung, die an die Umstände und den Lifestyle angepasst ist, vorbei führt

    Kommt mir so vor, als würden das einige Artikel hier schon länger zeigen/aussagen 🙂 Schön, dass es immer salonfähiger wird

      1. Das war quasi mein Wink mit dem Zaunpfahl 😀 Aber ihr habt es halt verpasst, dem ganzen einen fancy Namen zu geben und als 10 Wocheprogramm für viel Geld zu verkaufen… ohne sowas ist man nicht glaubwürdig

        1. Hier wird genau der Fehler gemacht. Kurzfristige Kalorienreduktion, Fasten, für zum Fettstoffwechsel umd zum Gewichtaverlust.
          Leider passt sich der Körper bei längeren Kaloriendefizit an und fährt den Grundumsatz dramatisch hinunter. Deswegen scheitern alle “ Ess weniger und bewegt dich mehr“-Diäten.
          Diese Unterscheidung muss immer gemacht werden.
          Genau diese Anpassung findet auch bei Extrem-Ausdauersportlen statt. Viel Bewegungskalorien, wenig Grundumsatz, damit der Körper sich nicht noch mehr auf der Nahrungsuxhe quälen muss.
          Wenn nur die Kalorie entscheidet und nicht das Hungergefühl, gäbe es keine Adipositasepedemie.
          Ich empehle die Ärztezeitung von heute: Oxytozin hilft beim Abnehmen!

          1. Damit Low-Carb oder No-Carb erfolgreich ist, müssen Kalorien auch eingeschränkt werden. Tatsächlich ist durch das extreme Insulin-Tief, die dauerhaft niedrigen Glykogen-Speicher in der Leber und die immer hohen Fettsäure-Werte im Blut damit zu rechnen, dass die reproduktive Achse frühzeitig abdankt, was sie nachweislich auch tut. Darüber haben wir mehrfach geschrieben. Die T3-Synthese und Co. sind eng an Energie-Status der Zelle gekoppelt und der wird mit chronischem Insulin-Tief nicht besser. Das heißt, auch bei Low- oder No-Carb wird es langfristig eine Reduktion des Grundumsatz geben, was aber nie so stark sein wird, dass man nicht mehr abnehmen kann. Langfristige Diät bedeutet eben, dass man mit Kalorien „spielt“.

  2. Ganz interessant finde ich die Untersuchungen von Prof. Richard Johnson. In seinen Experimenten hat er gezeigt, dass Fructose in der Nahrung die AMP-Desaminase aktivert. Allerdings bei Patienten mit metabolischen Syndrom stellt der Körper, verkürzt gesagt, aus Glucose selbst Fructose her, sodass diese nur durch eine kohlenhydrat-restriktiven Diät abnehmen können, damit das AMPD nicht mehr aktiviert wird.
    Bei Stoffwechselgesunden genüge, Fruktose in der Nahrung zu reglementieren (Saccharose, Obst, ect).
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3781481/
    bzw. das Buch The fat switch

    1. Ich kenne das Buch. Mag ja biochemisch richtig sein. Aber was hat Fruktose-Synthese mit Gewichtsabnahme zu tun? Genau, nichts.

      In der von dir verlinkten Studie steht: Weight gain.
      A meta-analysis recently reported that fructose intake does not cause weight gain compared with other sugars in short-term studies if both groups are given the same number of total calories (isocaloric diets) (81). However, no food will cause weight gain under these conditions, as weight gain is driven primarily by increased energy intake as opposed to a reduction in metabolic rate, at least in the short-term.

      Heißt: Genau, wie im Artikel beschrieben.

  3. „Die Kalorienbilanz ist entscheidend “ eben nicht. Entscheidend ist, bei welcher Diätform man durchhält. Wenn ich wählen darf zwischen „Kein Hunger“ und „Guter Sättigung“ und „unzureichend satt“ und „Fressattacken“, dann nehme ich ersteres. Das ist doch der Grund, warum LC so beliebt und FDH nach spätestens 4 Wochen gescheitert ist. Fett macht lange satt. Müsli lässt die übergewichtigen Leute verzweifeln. Ketonkörper wirken einfach appetitzügelnd. Man ist zufrieden. Dass man mit Wasser und Brot auch abnimmt, bestreitet ja niemand.

    1. Die Kalorienbilanz ist entscheidend — eben doch! Weil es NUR so geht. Über die Machbarkeit kann man, wie im Artikel geschrieben, streiten. Das sind die zwei Wahrheiten. Unsere Erfahrung, egal ob persönlich oder mit Kunden, zeigt, dass eine langfristig angelegte Diät oft nicht No Carb funktioniert. Aus diversen Gründen. Und wenn es nur irgendwie „aufgefangen“ wird via Refeed.

      1. Ok! Jahrelanges Fasten mit LC finde ich jetzt auch nicht prickelnd. Aber als Einstieg in eine hypokalorische Diät war es für mich damit einfacher. Nach 3 Tagen Keto-Grippe ist der Hunger weg und man landet automatisch in der Ketose. Das Hirn arbeitet besser, die körperliche Leistungsfähigkeit nimmt zu, man ist zufrieden und freut sich auch ohne Frühstück auf die nächste Schweinshaxe (und Krautsalat), die man ja eh nicht ganz schafft. Wenn der entgleiste Fettstoffwechsel wieder läuft, kann man ja wieder die komplexen KH erhöhen. Nur in die Zuckerfalle sollte man halt nicht wieder tappen 🙂

          1. Womit dann wieder der perfekte Bogen zu „bedarfsgerecht“, „angepasst“ und „individuell“ gespannt wäre 😀 Anscheinend gibt es doch die Antwort auf die Frage nach dem „Wie “ 😀

    2. Wenn wir Ketoianer etwas am eigenen Leib erfahren durften: Ketone nehmen einem das Hungergefühl. ich kann einer sehr intensiven sportlichen Tätigkeit während über 3 Stunden frönen und danach muss ich mich zwingen etwas zu essen, da ich nicht das leiseste Hungergefühl verspüre. Nach jedem Training dasselbe.

      Bei einem dermassen starken Kaloriendefizit, wie in Chris Artikel verdeutlicht, muss man davon ausgehen, dass der Körper in Ketose ist und von den Fettreserven zehrt. In dem Moment sollte bei der betreffenden Person auch kein Hungergefühl vorhanden sein.

      Die zentrale Frage ist, ob die Zufuhr von Kohlenhydrate (selbst im Falle eines Kaloriendefizits) die Ketose unterbricht und die Gefahr einer „Fressattacke“ steigt?

      Ich habe im Monat Oktober mehrfach grössere Menge an Glucose und/oder Stärke zu mir genommen um dieser Frage auf den Grund zu gehen. Zu meiner Überraschung bin ich nie gänzlich aus der Ketose gefallen (der Nüchternwert im Kapillarblut lag morgens nie unter 0.5 mmol/L) und hatte dabei nicht einmal ein Kaloriendefizit. Aber ich hatte das ungute Gefühl eines ansteigenden Harnsäurewertes (Schmerzen in Fingergelenke und Gelenke der grossen Zehen), was darauf hindeuten könnte, dass der Körper sich nach der „Verdauung“ der Kohlenhydrate nach noch mehr Kohlenhydrate sehnt und sich deshalb für eine gewisse Zeit lang selber Glucose über die Gluconeogenese verschafft. In dem Fall müsste nach einer gewissen Zeit mit einem stärkeren Proteinabbau und einem daraus folgenden Harnsäureanstieg gerechnet werden, was die Gefahr für eine Gichtattacke erhöht. Auch wenn ich es wissenschaftlich nicht belegen, kann, so deuten meine persönliche Erfahrungen darauf hin, dass es in diese Richtung gehen könnte (um es hier mal vorsichtig auszudrücken).

      1. Hallo snowstorm,

        Eine Frage die mich auch brennend interessiert. Ist die dominante Glucose Gewinnung Glycerin, oder greift der Körper vermehrt auf Aminosäuren und Lactat aus dem Blut und der Muskulatur? Und wie lässt sich das steuern?

        Meine Theorie ist, dass der Körper das bevorzugt, was er am Meisten hat. Wird viel Protein zugeführt, wird er diesen nicht ungenutzt lassen und zur Gluconeogenese heranziehen. Ebenso wenn viel Fett gegessen wird. Bei intensiven Einheiten entstehen Milchsäuren, die ebenfalls der Glucose Herstellung zugeführt werden können. Niemand will ja sein Immunsystem verfrühstücken 🙂 Deine Beobachtung der Trägheit kann ich auch feststellen. Selbst nach einer moderaten KH Zufuhr (100g), werden weiterhin Ketone produziert.

        Von reiner Ketogenen Ernährung wird hier abgeraten, wegen Hormone, Signalwege usw. Zyklische Ketose wird eher als unproblematisch betrachtet. Bedarfsgerecht eben. Mir fällt es aber immer schwerer, nennenswert KH aufzunehmen. Was sind gute Quellen? Kartoffel und Kürbis mit 20 Prozent sind gut. Aber jeden Tag? Getreide scheue ich nach einer Fettleber wie der Teufel das Weihwasser 🙂

  4. Schön dass Du zurück bist und Dankeschön für den interessanten Artikel,

    Also keto-praktizierender „Anhänger“ habe ich überhaupt keine Grund mich über solche Nachrichten zu ärgern. Im Gegenteil, ich bin für jeden Artikel Dankbar, der mir die Sicht von der anderen Seite zeigt. Ich befasse mich seit Mitte Januar 2017 mit der ketogenen Ernähung und habe mich nach und nach in die Thematik eingelesen. Ich kenne übrigens keinen einzigen „Ketoianer“ ausser meinen Arzt (der mich zur ketogenen Ernährung überredet hat) persönlich. Ich habe durch die Umstellung auf Keto in mehren Punkten eine starke gesundheitliche Verbesserung erfahren dürfen. Sobald ich aber grössere Mengen (+60g) an Kohlenhydrate einnehme, verschlechtert sich mein gesundheitlicher Zustand in wenigen Stunden feststellbar (erste Anzeichen von Sodbrennen bzw. saurem Aufstossen). Ich hoffe, dass ich mir diese Symptome nicht nur einbilde, andernfalls ich ja keinen Grund hätte, auf die gut schmeckenden, stärkehaltigen Nahrungsmittel zu verzichten. Und mit einem BMI von unter 20 bin ich alles andere als Fettleibig und esse täglich zwischen 300 und 1000kcal mehr als rechnerisch notwendig, um nicht weiter an Gewicht zu verlieren (dies hatte ich auf dieser Plattform bereits unter dem Alias „Oskar“ geschrieben).

    Die im gezeigten Beispiel grossen Fragen für mich sind:

    1) was passiert bei einem dermassen starken Kaloriendefizit im Körper, insbesondere in der Leber und in den Nieren (Thema: Produktion von Ketone)? Beim Fasten oder Hungern, fährt der Köper ja im Normalfall sein Notprogramm hoch, und wandelt Fettsäuren in Ketone um. Hindert eine Fettleber die Produktion von Ketone oder begünstigt sie die Produktion sogar?

    2) wenn eine Fettleber infolge eines zu hohem Alkoholkonsum entstanden ist, ansonsten aber ein Kaloriendefizit vorliegt, kann eine Insulininsuffizienz durch das einfache Weglassen des Alkohols ebenfalls so schnell verschwinden?

    Letztere Frage stelle ich mir wegen meinem Vater, der vor wenigen Tagen die Diagnose gestellt bekommen hat und ich mir unsicher bin, ob eher der Alkohol oder eher die Fructose die Hauptrolle des Übeltäters spielt. Ohne seine tägliche Ration an Alkohol und Süssigkeiten hätte er ein starkes Kaloriendefizit.

    Dankeschön für das Teilen Eurer Gedanken.

  5. Genialer Artikel, und genau meine Meinung bzw. Erfahrung!!

    Aber bitte, Chris, hör mal auf diesen Dr. Kempner zu referenzieren…seine Ergebnisse konnten von niemandem reproduziert werden, weil er seine Probanden teilweise geschlagen hat um sie bei der Stange zu halten mit seiner Reisdiät.
    Darüberhinaus kann man seine Ergebnisse bestenfalls als „durchwachsen“ beschreiben, den die Erfolgsquote war nicht sonderlich hoch.
    Lies hierzu mal das Buch „The Salt Fix“ von Dr. DiNicolantonio, das ist relativ neu und mein Lieblings-Gesundheitsbuch aller Zeiten, da er darin mit vielen Mythen aufräumt, unter anderem mit der Kempnerschen Reis-Diät, die ja auch eher aus dem wenig-Salz-ist-gut-fürs-Herz-Dogma kam als aus der High-Carb-Ecke.

    Und ja ich weiß, der Autor kommt aus dem Low-Carb-Camp und ignoriert die Energiebilanz auch ein Stück weit, aber das ändert nichts an seiner wissenschaftlich fundierten Diskussion der Forschung von Dr. Kempner.

    LG jfi

  6. Ich finde schade, das bei diesem ganzen LC, -HC, -Keto-Clash immer das Eiweiß vernachlässigt wird. Es geht praktisch immer nur um KH und Fett. Ich bin sicher kein Strunz-Fan, aber wenn nach seiner Aussage eine 2-4-Wochen-Eiweißkur nicht nur eine Fettleber heilen kann und man dabei mit entsprechenden Maßnahmen auch keine oder wesentliche Muskelmasse aber Fettmasse und Gewicht verliert und das alles anscheinend ohne hormonelle Probleme, also auch keine Insulinresistenz oder ähnlich sich auf eine Diabetis beziehenden Aspekte, dann finde ich das schon sehr erstaunlich. Zudem wird ja nun in den professionellen BB-Kreisen, die ich pers. für wirkliche Ernährungsexperten halte, weil sie immer wieder beweisen, daß der Körper äußerst flexibel ist und man mit den unterschiedlichsten Methoden, nicht nur mit der klassischen Reis-Pute-Brokkoli-Diät, satt werden, stark bleiben und sehr viel Gewicht abnehmen kann, immer wieder auf die herausragende Rolle des Eiweiß hingewiesen. Sowohl beim Aufbau als auch vor allem in der Diät. Wenn die an KH oder Fett schrauben, egal ob in der genannten klassischen Diät, den oft angewandten anabolen Diäten usw., am Eiweiß wird nicht herumgefummelt, dsas bleibt immer hoch. Und das wie gesagt nicht nur des Sättigungseffektes wegen usw., sondern gerade auch wegen der hormonellen Aspekte. Das finde ich viel spannender als das ewige Gestreite über KH ja oder nein, wieviel, zuviel, gar keine usw.

    1. Also, mangels Edit-Funktion, die Bedeutung des Eiweiß und dessen so vorteilhafter und positiver Auswirkungen geht bei dieser endlosen Debatte aus meiner Sicht leider verloren oder kommt zu kurz. Man muß doch sagen, ob HC oder LC oder andere Extreme, das Eiweiß und Aminosäuren halten letztlich alles und damit auch das Leben zusammen. Ohne wäre diese ganze Diskussion überflüssig.

  7. Guter Artikel mal wieder.Eine Bemerkung dazu.Mich ärgert es, wenn in Foren oft so undifferenziert über die„Kohlenhydrate“gesprochen wird, nach dem Motto, wenn ich wieder mehr Kohlenhydrate esse, bekomme ich diese oder jene Nebenwirkung.Was wird da gegessen, mehr Gemüse, Obst oder Semmel?

    Ich habe festgestellt, dass Konzepte für bestimmte Inerventionen (Gewichtsabnahme) taugen, aber als langfristige Ernährung mMangelerscheinungen hervorrufen. Nur weil ich so wunderbar mit Low Carb oder Low fat abgenommen habe, heißt das nicht dass ich nun gesund bleibe oder bin, wenn ich dieses Ernährungskonzept beibehalte.(Selbst so erlebt)
    Die Lektüre von Weston A Price hat mir wieder mal bestätigt, dass es die eine Ernährung des Menschen nicht gibt, je nach Region haben sich nativ lebende Völker davon ernährt, was die Natur hergab, in der Schweiz Milch, Käse und Roggenbrot, in anderen Gebieten Fisch und Hafer, in der Südsee Kokosnuß, Wurzeln und Fisch usw. Sie benutzten verschiedene Zubereitungsarten, um diese Lebensmittel haltbarer oder verträglicher zu machen (Dörren, fermentieren bzw räuchern) Fleisch wurde nicht im Übermaß verzehrt, außer bei den Innuit.
    Alle diese Völker blieben gesund solange sie sich von raffinierten Industrieprodukten(Weißmehl, Konserven, Süßigkeiten) fernhielten. Heute ist es für uns komplizierter, weil selbst wenn wir uns naturbelassen ernähren, also möglichst wenig Industrienahrung, der Nährstoffgehalt der Lebensmittel nicht mehr dem früherer Zeiten entspricht. Aber das schweift jetzt zu weit vom Thema ab. Wir reden soviel über die einzelnen Makro-Nährstoffe, wie sollte ein ausgewogenes Verhältnis sein usw, und vergessen dass das eine reduktionistische Herangehensweise an ein Thema ist, welches viel zu komplex für den Laien aber auch den Fachmann ist. Solange ich also weiß, dass ich nichts weiß halte ich mich derzeit an ein paar allgemeine Grundregeln und höre auf keinen Fall mehr auf die Ratschläge sog. Experten und Gurus egal welcher Richtung.Passt vielleicht nicht ganz zum Thema aber vielleicht dazu, wie komme ich erst gar nicht in die Stoffwechselentgleisung.

  8. Hallo Chris,

    wie gewohnt ein guter Artikel, der zum Denken anregt.

    Ein Punkt, der mir dabei in Auge gestochen ist und der auch ein Problem der heutigen Gesellschaft ist, ist folgender Satz aus der Studie: …Drei Tage nur Haferschleim sei heute unzumutbar….
    „Ich brauche mein Frühstück.“ „Ohne Kaffee geht gar nichts.“ „Dafür habe ich keine Zeit.“ „Das ist zu aufwendig.“ etc.

    Viele Menschen reden sich aus allem raus, einfach und bequem muss es sein, keinen Aufwand machen und schon gar nicht für andere. Die Verantwortung wird abgegeben, für die Gesundheit an den Arzt, für die Gesellschaft an die Politik und für’s Denken an den facebook-Guru. Und gleichzeitig wachsen die Ansprüche, „aber das ist doch mein Recht…“

    Aber so einfach ist das Leben nicht, Widersprüche und Verantwortung für sich und andere zu übernehmen gehört dazu.

    Danke, dass Du mit dem Blog auch dazu anregst.

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