Gesund durch Extreme – aber wie lange?

gesund durch extreme

Es gibt auch unter meinen Facebook-Bekannten einige, die vegan leben. Grundsätzlich finde ich das okay und absolut legitim.

Oft aber merke ich, wie extrem das Ganze wird. Da werden Videos geteilt, Beiträge in typischer Manier kommentiert und der erhobene Zeigefinger ist kaum zu übersehen. Und das von Menschen, die damals im Sportstudium noch die besten WG-Burger gezaubert hatten. 🙁

Na ja.

Neulich wurde dann ein Video von Dr. Michael Greger geteilt. Über dessen (gutes!) Buch hatten wir schon mal berichtet. Und in der Tat: Das, was der Mann zu sagen hat, ist gar nicht so verkehrt. Das große Problem, das ich — nicht nur bei extremen Veganern — sehe, will ich folgendermaßen erklären …

Fasten ist ja unbestreitbar gut: Es lässt uns Gewicht verlieren (somit „heilt“ es Stoffwechselproblemchen wie Insulinresistenz), es schaltet die Autophagie ein, es macht Ketonkörper und somit ggf. mal mentale Klarheit und Spiritualität, es sorgt für hohe Wachstumshormon-Werte, was die Gefäße weit macht und die Durchblutung fördert, es schaltet den Fettstoffwechsel ein und das trainiert den Energiestoffwechsel der Zellen … und so weiter.

Was würden Ernährungsgurus daraus machen? Genau. Wir hätten hier die beste „Ernährungsform“, eine die uns in kürzester Zeit ziemlich gesund macht. Für den Moment.

Fasten ist gesund, oder?

Arthur de Vany befasst sich mit Anti-Aging und Autophagie. Der schreibt auf seiner Facebookwand, dass die Autophagie nach 48 Stunden wieder inaktiv(er) wird. Natürlich ist das so. Haben die wirklich geglaubt, der Körper kann das wochenlang so betreiben, dieses Spielchen mit der Autophagie?

Also: Kurzfristiges Fasten ist sicher gut und förderlich. Langfristig Fasten allerdings nicht. Denn uns ist, auf rationaler Ebene, allen klar, dass wir irgendwann wieder essen müssen, sonst verlieren wir nicht nur Fettmasse, sondern Magermasse und irgendwann sterben wir.

Aber genau so weit wird heutzutage gar nicht gedacht. Nach der einfachen Logik vieler Ernährungsgurus, wären in diesem Szenario „die Kalorien“ die größten Krankmacher, denn klar …

Wenn wir durch Fasten alles Gute bekommen, dann muss es im Umkehrschluss doch bedeuten, dass Kalorien an sich krank machen.

Wenn wir das lesen, schmunzeln wir sicher über die abstruse Logik. Hier ist uns das völlig klar.

Mal ein anderes Beispiel:

  • Kohlenhydrat-Verzicht macht Gewichtsverlust, macht gesund
  • Ergo: Kohlenhydratkonsum macht krank

Gemerkt? Genau das Gleiche.

Jedes Nahrungsmittel kann theoretisch schaden

Freilich: Herr Greger und andere Fachmänner erkundigen sich natürlich auch direkt nach den negativen Seiten ihrer jeweiligen Sündenböcke. Dann wird der Schinken zum reinen Krebserreger degradiert, auf einer Stufe mit dem Rauchen, und „die Kohlenhydrate“ (die Formulierung!) werden direkt mit allerlei Übel assoziiert, natürlich mit Studien untermauert.

Letzteres ist die leichteste Aufgabe. Wir werden zu jedem Nahrungsmittel der Welt schlechte Seiten finden, wenn wir nur lange genug suchen. Ein einseitiges Bild zu malen, sogar untermauert mit Studien, ist kinderleicht.

Alle heutigen „Spielereien“, und Veganismus ist für mich aus gesundheitlicher Sicht eine Spielerei, sind Momentaufnahmen. Mögen in diesem Moment gesund machen und wunderbar funktionieren. Hier muss ich Loren Cordain et al. einfach beipflichten: Das, was uns zum Mensch hat werden lassen, war das Tier, waren hochkalorische Produkte tierischen Ursprungs — das haben wir mehr als 200.000 Jahre so gemacht. Noch heute gibt es keine einzige natürlich lebende Population, die komplett vegan lebt.

Das knüpft an den letzten Artikel an. Ich weiß, wir mögen das nicht hören. Sich aber so gegen die eigene Biologie zu stellen, ist für mich reiner Hochmut, kann nur heute in unserer Wohlstandsgesellschaft solche Ausmaße annehmen.

Statt sich der tatsächlichen Situation zu stellen und sie auch zu erkennen, nämlich dass wir heute einfach nicht mehr gemäßigt und immer in Extremen leben müssen, und zu sehen, dass genau das das Problem ist und nichts anderes, flüchten wir uns vom einen ins andere Glaubensgebilde.

Der sitzende, unbewegte, von Haus aus kranke Mensch, bewegt sich morgens zur Wurstsemmel, mittags in die Frittenbude zur Currywurst und so weiter. Und genau davon leiten wir unsere Ernährungsweisheiten ab. Eben nicht von bewegten, lebenden Menschen, die das Steak auf den Salat legen. Aus einer Krankheit geht die nächste hervor. Oder: kranke Menschen erschaffen Krankes.

Abschließend will ich sagen: Ich verstehe es, wenn Menschen aus Ethik- oder Umweltgründen kein Fleisch essen wollen. Solange sie bei der Wahrheit bleiben und erkennen, dass das, was sie machen, — mit Blick auf die Gesundheit — nicht das Nonplusultra ist. Wer gesund wird durch Veganismus sollte an das Fasten-Beispiel denken.

Alles temporär, alles zyklisch, nichts chronisch. 

Ist das nicht eine herrlich simple Betriebsanleitung? Einfacher geht es fast nicht.

PS: Das Fasten-Beispiel zeigt auch sehr schön, dass es immer eine Zeit- bzw. Kontextabhängigkeit gibt. Das große Problem, wenn es um Ratschläge geht. Denn daraus resultiert große Verunsicherung. „Mal ist was gut, mal ist was schlecht, man weiß gar nicht, was richtig ist.“ Wer eine Sekunde den gesunden Menschenverstand einschaltet, wird schnell erkennen, dass das nichts mit großem Denkeinsatz zu tun hat.

PS II: Ich benutze nicht mehr den Begriff Oszillation, weil auch Oszillation letztlich etwas Chronisches ist, wenn es in den immer gleichen, regelmäßigen Abständen eintritt. Aber genau darum geht es nicht. Wir müssen den Körper immer herausfordern und unsere „Routinen“ infrage stellen. Nicht in allen Bereichen, natürlich. Aber wer wie oben beschrieben leben will, sich aber jeden Abend genau um 20 Uhr sein gesundes Bierchen gönnt („Habe ja 24 Stunden nichts getrunken“) … Der macht schon alles falsch.

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3 Kommentare, sei der nächste!

  1. „Alles temporär, alles zyklisch, nichts chronisch.“

    Man ergänze noch „individuell und an die Lebensumstände angepasst“ und man hat quasi die Edubily-Botschaft 🙂

  2. Das wohl aktuellstes Vegan-Propagandamachwerk, anders kann man das nicht mehr bezeichnen, ist ja der bekannte Film „what the health“. Ein Höhepunkt der politisch-korrekten Meinungsmache der Veganer-und Tierschutzconnection gegenüber Fleischessern, mit dem üblichen verlogenen und heuchlerischen ethischen und moralischen Zeigefinger und knallhart einseitig und damit manipulativ genutzter Studien und Statistiken.

    https://www.youtube.com/watch?v=QxRJCP__4hM

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